Inhalt der gedruckten Ausgabe 2/2016

Leitartikel

Gott ruft uns beim Namen

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Mag.a theol. Barbara Greinöcker
Fachtheologin und Pfarrassistentin
Traun, OÖ.

Information

Dank Papst und Strategie: Vatikan wurde zur grünen Weltmacht

Unter Papst Franziskus wurde der Vatikan im Jahr 2015 zum Global Player der internationalen Umweltpolitik. Selbst der Klimagipfel von Paris wäre gescheitert ohne die diplomatische Hilfe aus Rom, schreibt „Christ & Welt“ am 30. 12. 2015 unter dem Titel „Die grüne Weltmacht“.

Kardinal Müller: Keine Anzeigen gegen den Papst wegen Häresie

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat in einem ausführlichen Interview mit der „Zeit“ Berichte zurückgewiesen, wonach die von ihm geleitete Glaubenskongregation Anzeigen gegen den Papst wegen Häresie entgegennehmen musste.

Erneut irakischer Franziskaner in Syrien verschwunden

In der syrischen Provinz Idlib südwestlich von Aleppo ist erneut ein irakischer Franziskaner verschwunden. Vermutlich wurde er entführt.

Papst will regionale Synoden

Die Rolle der nationalen Bischofskonferenzen wird künftig stärker hervorgehoben. Dies sei der ausdrückliche Wunsch des Papstes, sagt im Gespräch mit der Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri.

Papst: „Wenn ich singen würde, erschiene ich wie ein Esel“

Papst Franziskus ist nach eigener Aussage ein miserabler Sänger.

Millionen-Entschädigung für Kirchen in Tschechien

Der tschechische Staat hat den Kirchen 2015 umgerechnet rund 75 Millionen Euro Entschädigung für im Kommunismus enteigneten Besitz gezahlt.

Prager Erzbischof weist Kardinal Schönborns Kritik am Umgang mit Geflüchteten zurück

Der tschechische Kardinal Dominik Duka hat in einem Weihnachtsinterview mit der slowakischen Tageszeitung „Dennik N“ zur aktuellen Flüchtlingsthematik Stellung genommen.

Landau: Österreich hat im Asylbereich „Geschichte geschrieben“, notwendig ist jetzt eine „Integrationsmilliarde“

Für Caritas-Präsident Michael Landau hat Österreich bei der Bewältigung des Flüchtlingsstromes im scheidenden Jahr Geschichte geschrieben.

Brunei und Somalia haben Weihnachtsfeiern verboten

Das Verbot des christlichen Weihnachtsfestes in zwei islamisch dominierten Kleinstaaten hat weltweit Missfallen erregt.

Scharfer Wortwechsel  zwischen Patriarch Kyrill und Ex-Kirchensprecher

Zwischen dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. und seinem vor wenigen Tagen abgesetzten Sprecher Erzpriester Wsewolod Tschaplin eskaliert nun ihr interner Konflikt auch öffentlich.

Taize-Treffen zeigt Bereitschaft junger Europäer, Liebe zu leben

Mit Blick auf aktuelle Konflikte weltweit haben die Organisatoren des  38. Europäische Taize-Jugendtreffen in Valencia die Bedeutung der Begegnungstage für den Frieden betont.

Evangelikales Jugendtreffen „Explo“ mit päpstlichem Hofprediger

Ganz im Zeichen jugendlicher christlicher Spiritualität stand zum Jahreswechsel das schweizerische Luzern.

„Ehrenkrone“ der Sternsinger für den Bundespräsidenten

Zum 12. und letzten Mal haben am 30.Dezember um 12 Uhr die Heiligen Könige Dr. Heinz Fischer als amtierenden Bundespräsidenten und seine Gattin Margit besucht.

Pilgern: Netz der Martinswege in Europa weitet sich aus
Ungebrochener Pilgerboom nach Santiago de Compostela

Zu den traditionellen Pilgerzielen Rom, Jerusalem oder Santiago de Compostela tritt zunehmend auch das französische Tours mit seinem Grab des heiligen Martin.

Polens Regierung gibt 23 Millionen Euro für Weltjugendtag in Krakau

Polens Regierung will 2016 für den katholischen Weltjugendtag in Krakau samt dem Besuch von Papst Franziskus umgerechnet 23,6 Millionen Euro ausgeben. Wie die polnische Nachrichtenagentur KAI meldet, sollen damit die Arbeiten staatlicher Stellen für das Großereignis vom 26. bis 31. Juli in Krakau finanziert werden.

Junger orthodoxer Mönch gewinnt russische Gesangsshow

Ein orthodoxer Ordensmann ist die neue „Stimme Russlands“.

Leitartikel

Gott ruft uns beim Namen

Bei der Neujahrsmesse im Petersdom durften auch einige Sternsinger mitwirken. Drei Kinder aus der deutschen Diözese Eichstätt brachten dem Papst als mit Krone und Gewand kostümierte Heilige Drei Könige zur Gabenbereitung Wein und Brot. Franziskus wechselte daraufhin mit ihnen einige Worte.
Nach dem Gottesdienst besuchten die drei Sternsinger Radio Vatikan. Dort gaben sie zu Protokoll, sie seien überrascht gewesen, dass der Papst ihre Namen kannte, als sie zum Altar kamen.
Und wir Erwachsenen? Staunen wir noch über die in der Bibel dokumentierte Großzügigkeit Gottes, dass Gott selbst uns beim Namen ruft, weil wir ihm gehören, wie es der Prophet Jesaja (43,1) sagt? Und dass wir deshalb ohne Furcht ins neue Jahr schreiten können?
Freuen wir uns noch, dass unsere Namen sogar beim Herrn im Himmel verzeichnet sind, wie es Lukas (10,20) aufgeschrieben hat?
Papst Franziskus hat sich vorgenommen, 2016 (noch) mehr zu beten. Klar muss er das, möchte man schmunzelnd erwidern, er kann ja nicht singen, wie er zuletzt zugab. Wer singt, betet doppelt, lautet ein Sprichwort. Wer aber nicht singt, muss daher…
Egal, ob singfreudig oder unmusikalisch: Danken wir im neuen Jahr unserem Herrn (noch) mehr dafür, dass er unsere Namen kennt. Was wir brauchen, weiß er ohnehin.
Gott ruft uns beim Namen, rufen wir doch zurück.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 42, 5a.1-4.6-7

Seht, das ist mein Knecht, an ihm finde ich Gefallen

So spricht Gott, der Herr: Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln. Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.

 

Zweite Lesung:    Apg 10, 34-38

Gott hat Jesus gesalbt mit dem Heiligen Geist

In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus; dieser ist der Herr aller. Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.

 

Evangelium:   Lk 3, 15-16.21-22

Jesus ließ sich taufen; und während er betete, öffnete sich der Himmel

In jener Zeit war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen.
Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

 

Gedanken zum Sonntag

Mag.a theol. Barbara Greinöcker
Fachtheologin und Pfarrassistentin
Traun, OÖ.

Wo Gott zuhause ist

War es zur Zeit Jesu leichter an Gott zu glauben? Diese Frage könnte sich einem schon stellen, wenn man den biblischen Berichten Glauben schenkt –Engeln (Zacharias, Maria, Joseph) und der Heilige Geist  direkt (Elisabeth, Simeon) sorgen dafür, dass die handelnden Personen das Gotteskind erkennen. Wer zeigt uns heute, wo Gott wirklich zuhause ist?
An „Rufern in der Wüste“ mangelt es uns ja auch heute nicht. Wie kann man sich da zurechtfinden? Viele setzen die Hoffnung auf Führungspersönlichkeiten – ob geistlich oder weltlich .Wenn diese dann doch ein wenig Glanz einbüßen, geht die Suche nach der nächsten Lichtgestalt weiter.
Ob Johannes und Jesus nach heutigen Maßstäben zu den Lichtgestalten gehörten? Die Kritik an den Mächtigen, seine markigen Sprüche werden Johannes für seine Zeitgenossen interessant gemacht haben. Aber die Zukunftsperspektive, die er mit Jesus aus Nazareth anbot, mag für viele Zuhörer nicht besonders beeindruckend gewesen sein: ein Handwerker aus der Provinz?
Wenn man sich die Taufszene nun nicht wie ein rührseliges Theaterstück vorstellen mag, dann muß dieser Jesus von Nazareth schon bei seinem ersten öffentlichen Auftreten sein bedingungsloses Vertrauen und seine Zuversicht in Gott besonders authentisch gezeigt haben.
Wo wir das heute finden können? Wenn wir wirklich suchen wollen, finden wir auch heute Menschen wie Simeon und Hannah oder Elisabeth und Zacharias, die sich durchlässig machen für den Geist Gottes – nicht willenlos sondern umgekehrt  mit vollem Engagement. Unterstützt wie geliebte Kinder haben sie dann auch oft den Mut zu wirklich guten Entscheidungen. Und daran kann man dann erkennen, wo Gott zuhause ist.

 

Information

Dank Papst und Strategie: Vatikan wurde zur grünen Weltmacht

Unter Papst Franziskus wurde der Vatikan im Jahr 2015 zum Global Player der internationalen Umweltpolitik. Selbst der Klimagipfel von Paris wäre gescheitert ohne die diplomatische Hilfe aus Rom, schreibt „Christ & Welt“ am 30. 12. 2015 unter dem Titel „Die grüne Weltmacht“.

Der 12. Dezember sei der entscheidende Tag in Paris gewesen. Nur einer von 195 Staaten stemmt sich noch gegen den neuen Klimavertrag: Nicaragua. Der US-Außenminister greift ebenso zum Telefon wie Kubas Staatspräsident.  „Der entscheidende Anruf aber, so erzählen es Insider, kommt vom katholischen Erzbischof der Stadt. Er bittet im Auftrag des Papstes, den Vertrag nicht zu blockieren.“
Der Vatikan, so „Christ & Welt“ habe für ein globales Klimaabkommen Himmel und Erde in Bewegung gesetzt. Ausgerechnet in der Hauptstadt der französischen „Laicité“ hätten die Religionen damit einen ihrer größten politischen Erfolge verbucht.

Basis erfolgreich aktiviert
2015 sei der Vatikan als neuer Global Player auf der Landkarte der Klimapolitik erschienen: „Vom Pontifex bis zu den Basischristen in Lateinamerika und den Bischofskonferenzen aller Kontinente arbeiteten viele Gremien hinter den Kulissen an einem Erfolg in Paris. Die zentrale Schaltstelle: der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden“. Dessen Vorsitzender, Kardinal Peter Turkson aus Ghana, habe in Paris vor und hinter den Kulissen Druck gemacht.

Cardinal Peter Turkson of Cape Coast, Ghana, center, talks with a cardinal and bishop before the start of a session of the Synod of Bishops for Africa at the Vatican Oct. 6. (CNS photo/Paul Haring) (Oct. 6, 2009) See CONDOMS-TURKSON Oct. 5, 2009.
Kardinal Peter Turkson.

Langfristige Strategie
Der Vatikan hat seine Strategie langfristig angelegt, listet „Christ & Welt“ auf:
* Im Herbst 2014 empfängt der Papst die Chefin des UN-Klimasekretariates, die Katholikin Christiana Figueres.
* Im Jänner 2015 besucht Franziskus die von Naturkatastrophen schwer heimgesuchten Philippinen.
* Im Frühjahr 2015 spricht UN-Generalsekretär Ban Ki Moon als Ehrengast auf einer Konferenz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften zu Klima und Entwicklungshilfe.
* Im Juni veröffentlicht der Papst seine Enzyklika „Laudato si“, ein Öko-Manifest.
* Im Juli loben in Rom die UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson  und die kanadische Kapitalismus-Kritikerin Naomi Klein die Enzyklika.
* Im Herbst gibt es eine groß angelegte Audienz der EU-Umweltminister beim Papst.
* Ende September eröffnet Franziskus als erster Papst eine UN-Vollversammlung, bei der es um Recht auf Bildung und Klimaschutz geht.
* Kurz darauf besucht der Papst US-Präsident Obama und unterstützt dessen Klimapolitik.

Aus der Sicht der Armen
„Der Papst sieht die Welt aus der Sicht der Armgemachten in Lateinamerika und kritisiert in der Klimapolitik etwa den Handel mit CO2-Zertifikaten – sehr zum Missfallen der Industrieländer.“
Umso begeisterter seien die Linken. Ausgerechnet die Vertreterin  des sozialistischen Venezuela lobte im Abschlussplenum von Paris ausdrücklich den Papst für seine Rolle bei den Verhandlungen, obwohl er persönlich gar nicht anwesend war.

Prager Erzbischof weist Kardinal Schönborns Kritik am Umgang mit Geflüchteten zurück

Der tschechische Kardinal Dominik Duka hat in einem Weihnachtsinterview mit der slowakischen Tageszeitung „Dennik N“ zur aktuellen Flüchtlingsthematik Stellung genommen.

kardinal duka dominik
Kardinal Dominik Duka.

Der Prager Erzbischof und Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz setzte darin deutlich andere Akzente als Kardinal Christoph Schönborn, der vor Weihnachten in einem Gespräch mit dem Pressburger Magazin „Tyzden“ und in einer Stellungnahme in der „Kronenzeitung“ Kritik an jenen EU-Ostländern geübt hatte, die sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen stellen und europäische Solidarität eingemahnt hatte.
„Mitgefühl und Emotion ohne vernünftiges Verhalten führen in die Hölle“, sagte Duka in dem Interview. In dieser „Flüchtlingswelle ohne jede Kontrolle, in der die dazu verpflichteten Staaten völlig versagt“ hätten, müsse sorgfältig geprüft werden, „wer tatsächlich hilfsbedürftig und im Leben bedroht ist oder wer auch eine bestimmte andere Mission erfüllt“, so der böhmische Primas, der wie Kardinal Schönborn dem Dominikanerorden angehört. Die Flüchtlingswelle bediene bekanntermaßen „auch bestimmte Pläne und Programme der Dschihadisten“.

Zu wenige Dolmetscher
Rufe man den Flüchtlingen zu „Kommt und nehmt“, müsse man auch etwas anzubieten haben. Faktisch aber verfüge Tschechien weder über genügend Lehrer noch ausreichend Dolmetscher. Außerdem hätten die Flüchtlinge keinerlei Interesse, nach Tschechien, in die Slowakei oder nach Ungarn einzuwandern, meinte der Prager Kardinal.
Der Prager Erzbischof berief sich zudem auf den früheren Staatspräsidenten Vaclav Havel (1936-2011). Dieser habe während des Balkankonflikts in den 1990er-Jahren erklärt, alle Flüchtlinge könne man „wirklich nicht aufnehmen“, so Kardinal Duka, der mit dem einstigen Mithäftling und späteren Präsidenten bis zu dessen Lebensende freundschaftlich verbunden war.

Seit 1989 eine halbe Million Flüchtlinge aufgenommen
Die kommunistische Tschechoslowakei trage am Konflikt im Nahen Osten eine Mitschuld, da sie in die heute von Bürgerkriegen erschütterten Staaten Waffen exportiert habe. Seit der Samtenen Revolution von 1989 hingegen habe allein Tschechien eine halbe Million Flüchtlinge aufgenommen, vorzugsweise aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und Vietnam sowie „eine große Menge slowakischer Roma“. Dieser Zuwachs sei durchaus mit jenem in den westeuropäischen Ländern vergleichbar, so Kardinal Duka zu den Vorwürfen, die Länder der „Visegrad-Vier“ (Ungarn, Slowakei, Polen, Tschechien) machten es sich zu leicht und hätten vergessen, wie viele Flüchtlinge der Westen aus ihnen zur Zeit des Kommunismus aufgenommen hätten.

„Muslime müssen nicht Wort halten“
Zu seinen Kontakten mit islamischen Religionsführern befragt, führte der Prager Erzbischof aus, er habe gleich nach seinem Amtsantritt im Jahr 2010 einen Vertreter der Prager muslimischen Gemeinde empfangen und diesem mit einiger Mühe eine Verurteilung terroristischer Anschläge abgerungen. Bald danach habe das Tschechische Fernsehen denselben Mann in einer mit verdeckter Kamera aufgenommenen Szene in einem Gebetssaal gezeigt, wie er die angesprochenen Attacken rühmte. Daher identifiziere er sich „völlig mit jenen, die die Moslems verdächtigen, Beileid nur aus Selbstverteidigung zu bekunden“. Aus dreimaliger Lektüre des Korans wisse er, „dass ein gläubiger Moslem nicht verpflichtet ist, mir gegenüber sein Wort zu halten“.

Eigener Vater war Flüchtling
So wie Kardinal Schönborn in seinem „Tyzden“-Interview, ließ auch Duka seine familiäre Betroffenheit in die Debatte einfließen. Sein Vater sei aus Hitlers „Protektorat Böhmen und Mähren“ geflüchtet, um sich als Widerstandskämpfer für die Freiheit und Wiederherstellung der Demokratie einzusetzen.
Der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz schließt daraus, dass alles daran gesetzt werden müsse, die Ursachen des Konflikts im Nahen Osten zu beseitigen. Deshalb habe auch Papst Franziskus zuallererst die Parole ausgegeben „Stopp der Aggression“, danach den vatikanischen Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin zur UNO nach New York geschickt, um dort eine militärische Friedensmission einzufordern, sowie Hilfe an Ort und Stelle verlangt. Erst an vierter Stelle habe der Papst schließlich auch Hilfe für die Flüchtlinge verlangt.

Taize-Treffen zeigt Bereitschaft junger Europäer, Liebe zu leben

Mit Blick auf aktuelle Konflikte weltweit haben die Organisatoren des  38. Europäische Taize-Jugendtreffen in Valencia die Bedeutung der Begegnungstage für den Frieden betont.

„Wir können die Situation in Syrien nicht einfach ändern, aber wir können uns hier und jetzt dafür entscheiden, den Weg der Liebe zu gehen“, sagte der Prior der Gemeinschaft, Frere Alois (Löser), vor Journalisten. Das Jugendtreffen zeige die Bereitschaft vieler Jugendlicher in Europa, Liebe und Brüderlichkeit zu leben.

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Frere Alois.

Zum Jahreswechsel nahmen rund 25.000 junge Christen aus 52 Nationen an den Begegnungstagen in der spanischen Hafenstadt teil. Während des Jugendtreffens, das die geistliche Gemeinschaft seit vielen Jahren organisiert, trafen sich die Jugendlichen mehrmals täglich zu Gebeten und Gesprächen. An den Nachmittagen sprachen sie über Religion und Glaube oder ihr Engagement in den Heimatorten, in den Kirchengemeinden, in Schule, Studium oder am Arbeitsplatz. Höhepunkt der Begegnungstage war die Feier des Jahreswechsels in Form eines „Gebets für den Weltfrieden“ und eines „Festes der Völker“.

„Direkter Kontakt mit Muslimen“
„Ein direkter Kontakt mit Muslimen ändert unsere Einstellung“, sagte Frere Alois, dessen Gemeinschaft in Taize laut eigenen Angaben elf Muslime aus dem Sudan und Afghanistan aufgenommen hat. Gemeinsam mit den Muslimen sollten die Christen immer wieder betonen, dass man sich niemals auf Gott berufen könne, um Gewalt zu rechtfertigen.

Zu Weihnachten in Syrien
Die Hoffnung der Menschen in Syrien sei eine Aufforderung, Mut zu haben für Frieden und Versöhnung, so Frere Alois weiter, der die Weihnachtsfeiertage mit Syrern im kriegszerstörten Homs verbrachte. „Die Menschen dort haben mir gesagt, dass die Mehrheit der Christen und Muslime zusammenleben will.“ Zwar sei das Ausmaß der Gewalt groß, doch glaubten die syrischen Christen, dass Gott da ist, „auch wenn sie seine Nähe nicht spüren“.

Gebet ist stärkste Waffe
Mit Blick auf die aktuellen Flüchtlingsströme bezeichnete Frere Alois die Angst vor Fremden als „verständlich“. Es sei aber die Verantwortung von Christen, die ersten Schritte der Verständigung zu gehen. „Wir glauben, dass Christus zu allen Menschen gekommen ist.“
Valencias gastgebender Kardinal Antonio Canizares rief die Jugendlichen auf, die Probleme in Syrien „zu unseren zu machen“. „Das Gebet ist die stärkste Waffe der Christen“, so der Kardinal. Es sei Ausdruck des Vertrauens in Gottes Liebe und Barmherzigkeit.

Nächstes Treffen in Riga
Das nächste Europäische Taize-Jugendtreffen zum Jahreswechsel 2016/17 soll im lettischen Riga stattfinden.

„Ehrenkrone“ der Sternsinger für den Bundespräsidenten

Zum 12. und letzten Mal haben am 30.Dezember um 12 Uhr die Heiligen Könige Dr. Heinz Fischer als amtierenden Bundespräsidenten und seine Gattin Margit besucht.

Rund 40 Sternsinger/innen aus ganz Österreich brachten die Hofburg zum Erklingen. Ein besonderes Gastgeschenk war eine echte Sternsingerkrone, mit der unser Herr Bundespräsident zum Ehrenkönig „gekrönt“ wurde.

Besuch der Heiligen drei Könige bei HBP Dr. FISCHER
Bundespräsident Heinz Fischer mit Gattin Margit und Elke Giacomozzi, Vorsitzende der Katholischen Jungschar, im Kreise der Heiligen Drei Könige (aus Wien).
   Foto: HBF/Carina Karlovits.

Mit dem bunten Empfang würdigte der Bundespräsident den großartigen Einsatz der Sternsinger/innen. Dazu der O-Ton: „Der Spiegelsaal ist immer ein schöner Saal, aber so schön wie heute ist er selten, weil so viele Sternsingerinnen und Sternsinger da sind. Ich schätze euren Einsatz, weil das ein Beweis dafür ist, wie viel man leisten kann, wenn man zusammenhält und sich bemüht. Wir gemeinsam können wirklich viel schaffen, wie auch die deutsche Frau Bundeskanzlerin gesagt hat. Wenn viele zusammenwirken, dann können auch Kinder zum Beispiel bei der Sternsingeraktion 16 Mio. Euro sammeln. Durch eure Unterstützung kann man ganz vielen Menschen in Asien und Afrika helfen. Dafür möchte ich mich bei allen Sternsingern und auch bei den Begleitpersonen bedanken!“
Elke Giacomozzi, Vorsitzende der Katholischen Jungschar, bedanke sich beim Herrn Bundespräsidenten für die langjährige Unterstützung: „Unsere Welt befindet sich an einem Wendepunkt. Vielen Dank, dass Sie sich für mehr Gerechtigkeit in der Welt und für die Umsetzung der Sustainable Development Goals einsetzen. Mit dieser Sternsingerkrone werden Sie gleichsam in den Kreis der Weisen aufgenommen und zum Ehrenkönig ernannt.“
Weitere Höhepunkte waren die einzelnen Darbietungen der Sternsingergruppen aus dem ganzen Land: Die Sternsinger/innen aus Linz trugen bei ihrer jazzigen Einlage Gewänder, die von indischen Projektpartner/innen gefertigt wurden.
Die Gruppe aus Güssing tanzte zu ihrem Lied und bei einer der Wiener Gruppen waren zwei Mädchen mit dabei, deren Familie aus Syrien flüchten musste.