Inhalt der gedruckten Ausgabe 21/2016

Leitartikel

Nicht nur die SPÖ ist gespalten

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Hans Riedler
Pensionist und Sozial-Aktivist
Linz

Information

Papst setzt Kommission zur Prüfung des Frauendiakonats ein
Kasper erwartet heftige Debatte: „Kirche ist zweigeteilt“

Papst Franziskus hat am 12. Mai mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, er wolle eine Kommission einrichten, um eine Zulassung von Frauen zum Diakonat aus historischer und theologischer Sicht zu prüfen. Franziskus antwortete damit auf die Frage einer Ordensoberin in einer Audienz für 870 Leiterinnen katholischer Frauenorden.

Kräutler gegen Import von Priestern und für Gemeindeleitung durch geweihte Älteste

Der emeritierte Amazonasbischof Erwin Kräutler hat Reformen in der katholischen Kirche bezüglich des Priesteramts angemahnt.

Brüsseler Erzbischof spricht sich erneut für verheiratete Priester aus

Der Erzbischof von Mecheln-Brüssel, Jozef De Kesel, hat sich für die Priesterweihe von verheirateten Männern ausgesprochen. Er sei nicht für die Abschaffung des Zölibats, jedoch für verheiratete Männer als Priester, zitiert die belgische Zeitung „Le Soir“ den belgischen Primas.

Neuer Propst für Stift Reichersberg

Das Kapitel des Chorherrenstifts Reichersberg hat am 13. Mai den 35-jährigen Markus Stefan Grasl zum neuen Propst gewählt.

Franziskus besucht bei Armenienreise Völkermord-Denkmal

Das ärgert den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan mehr als Karikaturen: Der Papst wird bei seiner Armenienreise von 24. bis 26. Juni eine Gedenkstätte für den Völkermord an den Armeniern besuchen.

Christenverfolgung: Zsifkovics kritisiert „moralische Blindheit“ und fordert Staat auf, Probleme mit Asylanten zu beheben

Eine „seltsame moralische Blindheit“ gegenüber der weltweiten Verfolgung von Christen hat der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics kritisiert. Er ist Koordinator für Flüchtlingsfragen in der Kommission der EU-Bischofskonferenzen.

Bundespräsidentenwahl: Zulehner hofft auf „pfingstliches Wunder“

Österreich würde vor der Bundespräsidenten-Stichwahl am 22. Mai ein „pfingstliches Wunder“ guttun. „Dieses könnte die Angst kleiner und damit die engagierte Solidarität wieder größer machen“, meinte der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner im Gespräch mit „Kathpress“ in Erinnerung an den biblischen Bericht vom „Sprachwunder“ zu Pfingsten, das Verständnisbarrieren überwand.

Kirchenhistoriker hält Änderungen beim Diakonat für möglich

In der neuen Debatte über ein etwaiges Diakonat der Frau hält der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf Änderungen für möglich.

Türkei: Erdogan ließ Kirchweihe durch Patriarchen verbieten

Nach der Entmachtung seines langjährigen politischen Weggefährten Ahmet Davutoglu schlägt der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan einen ungebremsten Konfrontationskurs gegen die nichtmuslimischen Minderheiten ein. So musste der für 7. Mai vorgesehene Besuch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Özlüce zu einer Kirchen-Neueinweihung abgesagt werden.

Prager Kardinal: Merkels Willkommenskultur hat Angst erzeugt

Der Prager Kardinal Dominik Duka nimmt sein Land gegen den Vorwurf mangelnder Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge in Schutz. Im Interview der Zeitung „Lidove noviny“ gab er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Mitschuld an einer Spaltung der deutschen Gesellschaft und an der Angst der Europäer vor den Flüchtlingen.

Philippinen: Kirche bleibt neuem Präsidenten gegenüber „wachsam“

Der umstrittene Rodrigo Duterte (71) wird neuer Präsident der Philippinen. In einer ersten Reaktion der katholischen Kirche kündigte Erzbischof Socrates Villegas eine „wachsame Zusammenarbeit“ mit dem siegreichen Kandidaten an.

Frauendiakonat: Was der Papst wirklich sagte

Der Präfekt der Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat sich bisher mehrfach gegen die Einführung eines Frauendiakonats ausgesprochen. Kein Wunder also, dass der Vatikan die Papstrede zum Frauendiakonat mit eintägiger Verspätung publiziert. Hier der Wortlaut, den  Radio Vatikan von der österreichischen „Kathpress“ übernommen und verbreitet hat.

Oberster Derwisch Albaniens:
„Papst ist ein Führer mit der Flagge des Friedens“

Bei einem Treffen mit dem Leiter eines islamisch-alevitischen Derwisch-Ordens hat Papst Franziskus die Bedeutung des interreligiösen Dialogs betont.

Neuer Athos-Film gewährt Einblicke ins „Jenseits dieser Welt“

„Athos – Im Jenseits dieser Welt“ lautet der Titel eines neuen Dokumentarfilms über das Leben der Mönche auf dem „heiligen Berg“ in Griechenland, der seit Freitag in den österreichischen Kinos anlief.

Sozialethiker Schasching wird Namensgeber für Wissenschaftspreis

Die Auszeichnung der Industriellenvereinigung (IV) und der Katholischen Privat-Universität Linz (KU) für Förderung des Dialogs von Wirtschaft, Ethik und Religion ist fortan nach einem österreichischen Jesuiten benannt.

Ägypten: Christen und Muslime engagieren sich gemeinsam
für den Kinderschutz

In Ägypten haben die muslimische al-Azhar-Universität in Kairo und das koptisch-orthodoxe Patriarchat eine Vereinbarung getroffen, in der sie die Richtlinien für die gemeinsame Bekämpfung des Missbrauchs von Kindern festlegen.

Leitartikel

Nicht nur die SPÖ ist gespalten

Er hat keine Angst vor Muslimen und Moscheen, aber „vor so manchem Bodenpersonal in den Moscheen, das aus gewissen Ecken und Kreisen kommt“. Es gebe „durchaus auch Programme zur Islamisierung Europas. Wir dürfen also nicht naiv sein“. Der Staat muss seine Aufsichtspflicht wahrnehmen.
„Es muss auch einem muslimischen Migranten zumutbar sein, sich in einem Rechtsstaat westlicher Prägung mit Menschen anderen Glaubens konfrontiert zu sehen und das auch auszuhalten, ohne dabei übergriffig zu werden, andere zu bedrohen oder gar Schlimmeres. Wenn wir bereits hier scheitern, können wir Integration vergessen.“
Die Gesellschaft scheut sich, Probleme mit Einwanderern beim Namen zu nennen. In manchen Ländern besteht „so etwas wie ein panikartiger Reflex vor dem Faschismusverdacht, in den niemand in Europa geraten will“. Hausverstand sei nötig.
Diese Sätze aus deutschen Zeitungen stammen von keinem rechten Politiker, sondern von jenem österreichischen Bischof, der kürzlich noch gefeiert wurde, weil er einen „Grenzzaun auf Kirchengrund“ verweigerte. Zwei Seelen in einer Brust?
Der Zwiespalt, der die SPÖ zu zerreißen droht, ist auch in der Kirche spürbar, ist selbst bei Oberhirten unüberhörbar.
Bei Spaltungen in der Kirche welcher Art auch immer denkt jedoch – im Gegensatz zu Kanzler Faymann – niemand über einen Rücktritt nach, es wurde ja auch keiner je gewählt.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Spr 8, 22-31

Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren

So spricht die Weisheit Gottes: Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, vor seinen Werken in der Urzeit; in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde. Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren. Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands. Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern, als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer, als er dem Meer seine Satzung gab und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften, als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit. Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.

Zweite Lesung:   Röm 5, 1-5

Wir haben Frieden mit Gott durch Jesus Christus in der Liebe, die ausgegossen ist durch den Heiligen Geist

Schwestern und Brüder!
Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Evangelium:   Joh 16, 12-15

Alles, was der Vater hat, ist mein.
Der Geist wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

 

Gedanken zum Sonntag

Hans Riedler
Pensionist und Sozial-Aktivist
Linz

Ein einziges Zündholz

„Die vielen Bauten, Kirchen und Kunstschätze in Rom sind Zeugen von Gott, unserem Schöpfer, der Menschen befähigt, derart Großartiges zu schaffen“. Diese Erklärung unseres Guides beim Stadtrundgang in Rom und in den Vatikanischen Museen beeindruckte die gesamte Reisegruppe und ließ uns spurenhaft und zum Greifen nahe den Plan Gottes mit uns Menschen erahnen. Uns wurde dabei neuerlich in besonderer Weise und unmittelbar bewusst:
Der Mensch ist fähig, Großartiges zu schaffen. Bei all diesem Staunen sollten wir aber nicht vergessen: Nicht nur Baumeister uns Künstler sind Zeugen von der Größe und Herrlichkeit Gottes, sondern wir alle sind einmalig und mit vielen Eigenschaften und Fähigkeiten ausgestattet, jede/r von uns in dem von Gott geschenkten Ausmaß. Wir alle haben unabhängig von unseren Leistungen eine Würde und einen Wert, und wir können darauf vertrauen, dass Gott uns liebt. „Dieser Glaube und diese Hoffnung lässt uns nicht zugrunde gehen, denn – so können wir der heutigen Lesung entnehmen – die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“.
Und der Gründer der Internationalen Katholischen ArbeiterInnenjugend, Josef Cardijn, formulierte seine wichtigste Botschaft so: „Jeder Mensch ist mehr wert als alles Gold der Erde“. Er wurde nicht müde, diese fundamentale Überzeugung aus seinem Glauben heraus, in vielen tausend Köpfen und Herzen junger Arbeiter und Arbeiterinnen in allen Erdteilen einzupflanzen. Er hat dadurch ihren Lebensweg nachhaltig beeinflusst und geprägt – auch meinen.
Dieser Glaube an die Würde und den Wert jedes Menschen und seine Einmaligkeit darf uns aber nicht blind und passiv machen gegenüber jenen Ereignissen in unserer Gesellschaft, die dieser frohen Botschaft diametral entgegenstehen. Denn sehr oft, ja immer öfter, steht nicht der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Erwartungen und Hoffnungen im Mittelpunkt vieler Entscheidungen, sondern Wachstumsraten, positive Börsenberichte und die Konzentration des Kapitals – und damit die Macht von immer weniger über immer mehr.
Wir müssen uns daher mit diesen menschenfeindlichen Entwicklungen kritisch auseinandersetzen, an Aktionen zur Bewusstseins- und Zuständeveränderung teilnehmen und dem unerschütterlichen Glauben vieler Friedens- Menschenrechts- und Umweltapostel eine Chance geben und nicht müde werden, ihre Überzeugung und Frage immer wieder positiv zu beantworten: „Wie viel Feuer braucht man, um eine ganze Stadt in Brand zu setzen? Ein einziges Zündholz, das brennt, genügt! Aber wir sind erst am Anfang“.

 

Information

Papst setzt Kommission zur Prüfung des Frauendiakonats ein
Kasper erwartet heftige Debatte: „Kirche ist zweigeteilt“

Papst Franziskus hat am 12. Mai mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, er wolle eine Kommission einrichten, um eine Zulassung von Frauen zum Diakonat aus historischer und theologischer Sicht zu prüfen. Franziskus antwortete damit auf die Frage einer Ordensoberin in einer Audienz für 870 Leiterinnen katholischer Frauenorden.

Seit seinem Amtsantritt hat der Papst schon häufiger mit der Forderung nach einer stärkeren Öffnung von kirchlichen Spitzenpositionen für Frauen von sich reden gemacht. Bislang vermied er es jedoch stets, das heikle Thema des Frauendiakonats anzusprechen.
Kardinal Walter Kasper reagierte in der Tageszeitung „La Repubblica“ prompt:  „Ich glaube, jetzt beginnt eine heftige Debatte. Über dieses Thema ist die Kirche zweigeteilt.“, Die einen hielten einen Ständigen Dia-konat für Frauen für „legitim, weil sie darin die Rückkehr zu etwas sehen, was es schon in der Urkirche gegeben hat“. Andere fürchteten hingegen, „dass das der erste Schritt zu einem Priestertum der Frau wäre“, und hielten es darum nicht für angezeigt.

papst nonnen
Begegnung des Papstes mit Ordensfrauen am 12. Mai.
Foto: L‘Osservatore Romano.

Er selbst habe „keine klare Position“ in dieser Angelegenheit, so der emeritierte Präsident des päpstlichen Einheitsrates. „Allerdings bin ich immer für Neuerungen offen.“

Lombardi zaghaft,
Ordensfrau zuversichtlich
Der offensichtlich überrumpelte Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, es sei zu früh, um Aussagen über die genauen Absichten des Papstes zu machen; es habe sich um eine spontane Äußerung von Franziskus gehandelt. Möglicherweise gehe es schlicht darum, die Rolle von weiblichen Diakonen in der frühen Kirche historisch zu untersuchen, so Lombardi. Das Kirchenrecht schreibt vor, dass nur ein getaufter Mann das Weihesakrament empfangen kann.
Dem widersprach die deutsche Ordensfrau Katharina Ganz. Sie zeigte sich gegenüber „Radio Vatikan“  überzeugt, dass der Papst nicht nur eine rein historische Aufarbeitung des Diakonats der Frau in der alten Kirche anstrebe. „Das ist nicht Papst Franziskus. Er sucht pastorale Antworten auf die Nöte und die Notwendigkeiten der Kirche in der Welt von heute. Er ist ein Mann des Zweiten Vatikanums und es würde aus meiner Sicht keinen Sinn machen, nur rückwärts zu schauen.“

Christenverfolgung: Zsifkovics kritisiert „moralische Blindheit“ und fordert Staat auf, Probleme mit Asylanten zu beheben

Eine „seltsame moralische Blindheit“ gegenüber der weltweiten Verfolgung von Christen hat der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics kritisiert. Er ist Koordinator für Flüchtlingsfragen in der Kommission der EU-Bischofskonferenzen.

€gidius Zsifkovics
Bischof Ägidius Zsifkovics.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Laut Angaben von Menschenrechts-NGOs werden Christen in westeuropäischen Flüchtlings-Unterkünften teils aufgrund ihres Glaubens ausgegrenzt und bedrängt. Vielleicht würden sie hier „sogar noch den Peinigern begegnen, vor denen sie eigentlich geflohen sind“, verdeutlichte der Bischof, der hier ein „erschreckendes Armutszeugnis“ sah – für Europas Behörden und für den „Realitätssinn mancher Politiker, die nichts sehen, hören und sagen wollen“. Noch viel größer sei freilich die zivile Ignoranz gegenüber Christenverfolgungen weltweit.

Christen ohne Schutz
In nahezu allen islamischen Ländern im Nahen Osten, in Asien und Afrika würden Christen „wie Bürger zweiter Klasse“ behandelt und seien oft schutzlos den Behörden oder der Mehrheitsbevölkerung ausgeliefert. Rund 100 Millionen Christen würden derzeit aufgrund ihres Glaubens verfolgt, und alle fünf Minuten werde ein Christ wegen seines Glaubens getötet. „Vor den Augen der Weltöffentlichkeit ereignet sich die zahlen- wie flächenmäßig umfangreichste Christenverfolgung der Geschichte“, betonte der Bischof.

Für gemeinsame Quartiere
Trotz der Probleme in heimischen Asylzentren lehnt es Zsifkovics ab, Christen und Muslime getrennt unterzubringen.Er spricht sich für die gemeinsame Unterbringung von Christen und Muslimen aus. Staat und Behörden müssten bei der Aufnahme allerdings „klare, unmissverständliche Anweisungen“ geben, mit „Null-Toleranz“ und geschultem, unabhängigem Personal, das neben genauem Monitoring auch „präventiv und reaktiv tätig werden“ könne.
Die Ablehnung der Trennung von Flüchtlingen begründete  Zsifkovics damit, dass nicht „genau die Parallelgesellschaften, die wir nicht wollen“, von Anfang an „herangezüchtet“ werden dürften. „Es muss auch einem muslimischen Migranten zumutbar sein, sich in einem Rechtsstaat westlicher Prägung auch mit Menschen anderen Glaubens konfrontiert zu sehen und das auch auszuhalten, ohne dabei übergriffig zu werden, andere zu bedrohen oder gar Schlimmeres. Wenn wir bereits hier scheitern, können wir Integration vergessen“, so Zsifkovics.

Christen nicht leichter zu integrieren
Der Eisenstädter Bischof warnte zugleich vor einer „Irreleitung“ durch die Argumentation, wonach christliche Flüchtlinge grundsätzlich leicht, muslimische hingegen schwer integrierbar seien. „So einfach ist das nun wirklich nicht“. Auch die Bischöfe aus Syrien und Irak hätten im Februar bei einer internationalen Flüchtlingskonferenz im Stift Heiligenkreuz darauf hingewiesen, „dass auch die Integration christlicher Flüchtlinge in Europa nicht einfach werden wird“. Auch hier bestünden viele Unterschiede, wie etwa in Kultur und Alltagskultur, im Mann-Frau-Verhältnis und im religiösen Ritus.

Hausverstand nötig
Offensichtlich scheue sich die Gesellschaft, Probleme mit Einwanderern beim Namen zu nennen, so Zsifkovics. Dies habe mit der „vorbelasteten europä-ischen Geschichte“ zu tun, bestehe doch in manchen Ländern „so etwas wie ein panikartiger Reflex vor dem Faschismusverdacht, in den niemand in Europa geraten will“. Berechtigt sei diese Reaktion, wenn sie an das in Europa mögliche Gräuel erinnere, doch dürfe sie die Politik nicht „vom Gebot der Stunde und vom Hausverstand abspalten“, sei dann doch erst recht die Wiederholung der Vergangenheit möglich.

„Angst vor Bodenpersonal in Moscheen“
Bischof Zsifkovics hat keine Angst vor Muslimen und Moscheen – „aber ich habe Angst vor so manchem Bodenpersonal in den Moscheen, das aus gewissen Ecken und Kreisen kommt“. Sagte er in einem Interview mit der deutschen  Tagespost“. Es gebe „durchaus auch Programme zur Islamisierung Europas. Wir dürfen also nicht naiv sein“.

Frauendiakonat: Was der Papst wirklich sagte

Der Präfekt der Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat sich bisher mehrfach gegen die Einführung eines Frauendiakonats ausgesprochen. Kein Wunder also, dass der Vatikan die Papstrede zum Frauendiakonat mit eintägiger Verspätung publiziert. Hier der Wortlaut, den  Radio Vatikan von der österreichischen „Kathpress“ übernommen und verbreitet hat.

Anfrage: Ordensfrauen arbeiten bereits viel mit den Armen und den Ausgestoßenen, sie unterweisen im Glauben, sie begleiten Kranke und Sterbende, sie geben die Kommunion aus, in vielen Ländern leiten sie die gemeinsamen Gebete, wenn Priester abwesend sind und unter diesen Umständen halten sie die Predigt. In der Kirche gibt es das Amt des Ständigen Diakons, aber es steht nur den Männern offen, verheirateten wie unverheirateten. Was hindert die Kirche daran, die Frauen unter die Ständigen Diakone aufzunehmen, genauso, wie es bereits in der Urkirche war? Warum keine offizielle Kommission einrichten, die diese Frage durchdenkt? Können Sie uns ein Beispiel geben, wo Sie die Möglichkeit für eine bessere Einbeziehung von Frauen und Ordensfrauen im Leben der Kirche sehen?

Papst Franziskus: Diese Frage geht in die Richtung des „Handelns“: Die Frauen geweihten Lebens arbeiten bereits sehr viel mit den Armen, sie tun sehr viel… im „Handeln“. Und das berührt das Problem des Ständigen Diakonats. Jemand könnte sagen, dass die „Ständigen Diakonissen“ im Leben der Kirche die Ordensschwestern sind. [Er lacht, sie lachen]. In der Tat gibt es das im Altertum: Es gab einen Anfang.
Ich erinnere mich, dass das ein Thema war, das mich ziemlich interessiert hat, als ich nach Rom gekommen bin für die Versammlungen und in der Domus Paolo VI. wohnte. Dort gab es einen guten syrischen Theologen, der die historisch-kritische Ausgabe und die Übersetzung der Kirchenhymnen von Ephräm dem Syrer gemacht hat. Eines Tages habe ich ihn dazu befragt und er hat mir erklärt, dass es in der Frühzeit der Kirche einige „Diakonissen“ gab. Doch was sind diese „Diakonissen“? Waren sie geweiht oder nicht? Das Konzil von Chalcedon (451) spricht darüber, aber es ist etwas unklar.
Welche Rolle hatten die Diakonissen in dieser Zeit? Es scheint – das sagte mir dieser Mann, der gestorben ist, er war ein sehr guter Lehrer, weise, belesen – dass die Rolle dieser Diakonissen darin bestand, bei der Taufe von Frauen zu helfen, beim Eintauchen. Sie tauften sie aus Anstandsgründen und übernahmen auch die Salbung auf dem Körper der Frauen bei der Taufe. Und noch eine merkwürdige Sache: Wenn es ein Ehe-Urteil gab, weil der Mann die Frau schlug und diese zum Bischof ging und sich beschwerte, waren die Diakonissen beauftragt, die blauen Flecken, die auf den Körpern der Frauen durch die Schläge des Mannes hinterlassen worden waren, zu sehen und den Bischof zu informieren. Daran erinnere ich mich.
Es gibt einige Veröffentlichungen über das Diakonat in der Kirche, aber es ist nicht klar, wie es aussah. Ich denke, ich werde die Glaubenskongregation bitten, mir über die Studien zu berichten, die es zu diesem Thema gibt, denn ich habe Euch nur auf der Grundlage dessen geantwortet, was ich von diesem Priester gehört hatte, der ein gebildeter und tüchtiger Forscher im Bereich des Ständigen Diakonats war. Zusätzlich möchte ich eine offizielle Kommission einrichten, die diese Frage durchdenkt: Ich denke, es wird der Kirche gut tun, diesen Punkt zu klären. Ich bin einverstanden und werde darüber reden, damit etwas in dieser Art geschieht.
Weiter sagt ihr: ‚Wir sind mit Ihnen einverstanden, Heiliger Vater, der Sie mehrmals die Notwendigkeit einer einschneidenderen Rolle der Frauen in Entscheidungspositionen der Kirche betont haben.‘ Das ist klar. ‚Können Sie uns ein Beispiel geben wo Sie die Möglichkeit für eine bessere Einbeziehung von Frauen und Ordensfrauen im Leben der Kirche sehen?‘ Ich werde eine Sache sagen, die danach kommt, denn ich habe gesehen, dass das eine generelle Frage ist. Die Ordensfrauen müssen in die Beratungen der vatikanischen Ordenskongregation, zu den Versammlungen gehen: das ist sicher. Zu den Beratungen über die vielen Probleme die dort präsentiert werden, da müssen die Ordensfrauen hin. Eine andere Sache: Eine bessere Einbeziehung. Jetzt im Moment fällt mir da nichts Konkretes ein, aber es gilt immer das, was ich früher gesagt habe: Das Urteil der Ordensfrauen suchen, denn die Frau sieht die Dinge gemäß ihrer Eigenart, die sich von der der Männer unterscheidet, und das bereichert: sowohl bei Beratungen als auch bei Entscheidungen, als auch im Konkreten.
Die Arbeit, die ihr mit den Armen, den Ausgestoßenen leistet, die Glaubensunterweisung, die Kranken und Sterbenden begleiten, das sind alles sehr „mütterliche“ Arbeiten, wo sich die Mütterlichkeit der Kirche stärker ausdrücken kann. Aber es gibt sehr viele Männer, die dies ebenso tun, und das gut: Ordensleute, Krankenpflegeorden… Und das ist wichtig. Also, zum Diakonat: Ja, ich nehme das an und eine Kommission, die das genau klärt, scheint mir sinnvoll, besonders was die Frühzeit der Kirche betrifft.
Was eine bessere Einbeziehung der Frauen betrifft, wiederhole ich, was ich früher gesagt habe: Wenn es etwas zu konkretisieren gibt, fragt jetzt danach. Zu dem was ich gesagt habe, gibt es da weitere Fragen, die mir helfen können, weiter zu denken? Nur zu…

Oberster Derwisch Albaniens:
„Papst ist ein Führer mit der Flagge des Friedens“

Bei einem Treffen mit dem Leiter eines islamisch-alevitischen Derwisch-Ordens hat Papst Franziskus die Bedeutung des interreligiösen Dialogs betont.

„Es gibt keine Alternative zum Weg des Friedens und der Begegnung“, habe Franziskus ihm gesagt, berichtete der Vorsitzende der Weltvereinigung der Bektashi, Baba Edmond Brahimaj, nach seiner Audienz am 11. Mai im Gespräch mit „Radio Vatikan“. Der besonders in Albanien vertretene Bektashi-Orden steht dem mystisch-islamischen Sufismus nahe und gilt als Brückenbauer zwischen Christentum und Islam, zwischen „Osten und Westen“, wie Brahimaj erklärte.

Brahimaj baba
Baba Edmond Brahimaj.

„Papst Franziskus ist ein Führer mit der Flagge des Friedens, des friedlichen Zusammenlebens der Religionen, zwischen Völkern und Nationen. Wir unterstützen energisch seinen Weg im Namen Gottes und der Brüderlichkeit unter den Völkern“, so Brahimaj. Die Begegnung sei ein „Zeichen der Brüderlichkeit“ gewesen. Einige Mitglieder des Bektashi-Ordens hatten den Papst bereits 2014 bei seiner Albanienreise getroffen. Vertreter der Bruderschaft kamen auch zum interreligiösen Friedensgebet in Assisi und der Seligsprechung von Mutter Teresa im Vatikan.

Orden lehnt Scharia ab
Der Vorsitzende der Weltvereinigung der Bektashi sagte, der Orden sei offen gegenüber anderen Religionen und Ethnien und wende sich gegen jede Form von Gewalt oder Terrorismus. Frauen und Männer seien gleichberechtigt. „Die Bektashi verschleiern ihre Frauen nicht mit einer Burka oder ähnlichem, denn sie gehen davon aus, dass der Mensch Abbild Gottes ist und die Würde Gottes nicht versteckt werden muss.“
Entstanden waren die Bektashi – wie die übrigen alevitischen Orden – im 13. Jahrhundert in Anatolien. In osmanischer Zeit hatten die aus dem Alevitentum hervorgegangenen Orden die größten Missionserfolge unter den Christen, insbesondere in Albanien, am Ostufer der Ägäis und im Pontus. Die Bektashi gelten als gemäßigt und unterscheiden sich stark vom sunnitischen und schiitischen Islam. So wird das islamische Recht, die Sharia, abgelehnt. In Glaubensgut und Lebensgestaltung der Aleviten sind viele christliche Elemente eingeflossen (Sonntagsheiligung, Einehe, Heiligenverehrung usw.).