Inhalt der gedruckten Ausgabe 20/2017

Leitartikel

Durst nach Gerechtigkeit

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Gelöscht

Information

Orden drängen auf „neue Wege“ beim Priesteramt

Die Ordensgemeinschaften in Österreich drängen auf eine Lockerung bei den Zulassungsbedingungen zum Priesteramt: Um der „dramatischen Reduzierung der geistlichen Berufe“ wirksam entgegenzutreten, brauche es „neue und zukunftsweisende Wege für die Zulassung zum priesterlichen Dienst“, heißt es in einer Presseaussendung anlässlich des „Weltgebetstags für geistliche Berufe“, den die katholische Kirche am 7. Mai beging.

Überraschung: Erste Auslandsreise führt US-Präsident Trump zum Papst

Entgegen vorheriger Berichte hat US-Präsident Donald Trump jetzt doch um eine Audienz beim Papst angesucht.

Kirchenreform: Pfarrer-Initiative wünscht sich aktivere Bischöfe

Die Pfarrer-Initiative drängt auf Reformen in der katholischen Kirche. Papst Franziskus habe zuletzt einige neue Spielräume eröffnet, die Bischöfe müssten diese nun aber auch nützen, etwa hinsichtlich des Pflichtzölibats, des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen oder der Zulassen von Frauen zum Weiheamt.

Zwei „heroische“ Kardinäle

Der Seligsprechungsprozess für den vietnamesischen Kardinal Francois-Xavier Nguyen Van Thuan (1928-2002) ist einen Schritt weiter. Papst Franziskus erkannte ihm formell den „heroischen Tugendgrad“ zu.

Amtszeit des umstrittenen Churer Bischofs verlängert

Papst Franziskus hat die Amtszeit des umstrittenen Churer Bischofs Vitus Huonder um zwei Jahre verlängert. Wie schon sein Vor-Vorgänger Bischof Wolfgang Haas (1988/90-1997) polarisiert er in der Diözese.

Malteser wählten Statthalter

Der Malteserorden befindet sich nach Worten seines Großkanzlers Albrecht von Boeselager aktuell in einer „Übergangsphase“.

Papst Franziskus hat die Ägypter durch seine Bescheidenheit überzeugt

Papst Franziskus hat bei seiner Reise nach Kairo die Ägypter durch sein eigenes bescheidenes Auftreten überzeugt.

Trump unterzeichnet Dekret zum Schutz der Religionsfreiheit

US-Präsident Donald Trump hat an seinem ersten „National Prayer Day“ im Weißen Haus am 4. Mai  ein Dekret zum Schutz der Religionsfreiheit unterzeichnet, das einige bisher geltende Einschränkungen für religiöse Gruppen und Kirchen lockern soll. Der US-Kongress muss allerdings noch zustimmen.

Religionsfreiheit: EU-Sonderbeauftragter Figel bleibt länger

Die EU hat das Mandat ihres Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit außerhalb der Union, Jan Figel, verlängert.

Vatikan: Ehemalige Sklavin des IS traf den Papst

Eine ehemalige Sklavin des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) hat den Papst am 3. Mai am Rande der Generalaudienz getroffen und ihm aus ihrem Leben erzählt. Das berichtete „Radio Vatikan“ am Donnerstag. Auch ein Bild der Begegnung wurde veröffentlicht.

Steht Einigung Vatikan- China bevor?

Zwischen dem Vatikan und dem kommunistischen Regime der Volksrepublik China könnte es bald zu einer Einigung in grundsätzlichen Fragen kommen. Das schreibt der Erzbischof von Hongkong, Kardinal John Tong Hon, in einem Aufsatz für seine Kirchenzeitung, berichtet Radio Vatikan.

Heimische Ordensleute im deutschen „Ökumene-Kloster“ Volkenroda

Eine Abordnung der heimischen Ordensgemeinschaften hat am vergangenen Wochenende am „Christusfest“ im ostdeutschen „Ökumene-Kloster“ Volkenroda teilgenommen.

Bildungsreform: Bischöfe wollen Änderungen

Die Katholische Kirche unterstützt in weiten Teilen die aktuelle Bildungsreform, mahnt aber gleichzeitig einige wichtige Änderungen ein.

Armut in Österreich

1,5 Millionen Menschen in Österreich sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Das zeigen die am Dienstag präsentierten Daten der EU-SILC Statistik (Statistics on Income and Living Conditions) über Einkommen und Lebensbedingungen von Privathaushalten.

Armenien: Hilfe aus Österreich kommt an

Wie für viele andere unter wirtschaftlicher Not leidende Länder gilt auch für Armenien: Die Hilfe aus Österreich kommt an. Davon konnte sich eine Gruppe von Journalisten im Rahmen einer „Kathpress“-Reise in den Kaukasusstaat überzeugen.

Papst Franziskus tritt erstmals in einem Kinofilm auf

Papst Franziskus tritt erstmals in einem Kinofilm auf. Das berichtet die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Uni Graz: Theologisches Grundstudium für Berufstätige

„Grundlagen theologischer Wissenschaft“ heißt ein neues Bachelorstudium der Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz, mit dem vor allem Berufstätige angesprochen werden sollen. Startschuss ist im kommenden Herbst.

Leitartikel

Durst nach Gerechtigkeit

Bei der jüngsten Pressekonferenz der Pfarrer-Initiative  bekräftigte deren Obmann Helmut Schüller einmal mehr die Forderung nach der Öffnung des kirchlichen Weiheamtes für Frauen: „Und zwar nicht wegen des Priestermangels sondern wegen der Gleichwertigkeit und der gemeinsamen Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau“. Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass kürzlich in der Orthodoxen Kirche in Afrika sechs Frauen zu Diakoninnen geweiht worden waren. Das sei ein ermutigendes Zeichen. Diesen Schritt erhoffe er sich auch von der römisch-katholischen Kirche. Jesus hat bekanntlich Apostel berufen, keine Priester geweiht. In der Folge haben Christen für ihre Gemeinden Vorsteher gewählt – Männer, Frauen waren damals in solchen Positionen unvorstellbar. Die Zeiten haben sich gewandelt. Frauen regieren Länder… Es ist keine Frage theologischer Spitzfindigkeiten, sondern humaner Gerechtigkeit, Frauen in der Kirche nicht länger von Führungsämtern auszuschließen. „Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden.“ Dieses Jesus-Wort müsste Auftrag sein. Gerade für jene, die das Evangelium verkünden. 

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Apg 6, 1-7

Sie wählten sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit

In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden. Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen. Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde, und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Sie ließen sie vor die Apostel hintreten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.

 

Zweite Lesung:   1 Petr 2, 4-9

Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft

Schwestern und Brüder! Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

 

Evangelium:   Joh 14, 1-12

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

 

Gedanken zum Sonntag

Information

Gelöscht

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Entzug der Autorisierung zur Veröffentlichung des Textes durch die Autorin.

 

Information

Orden drängen auf „neue Wege“ beim Priesteramt

Die Ordensgemeinschaften in Österreich drängen auf eine Lockerung bei den Zulassungsbedingungen zum Priesteramt: Um der „dramatischen Reduzierung der geistlichen Berufe“ wirksam entgegenzutreten, brauche es „neue und zukunftsweisende Wege für die Zulassung zum priesterlichen Dienst“, heißt es in einer Presseaussendung anlässlich des „Weltgebetstags für geistliche Berufe“, den die katholische Kirche am 7. Mai beging.

Ganz dem Motto des diesjährigen Weltgebetstages entsprechend – „Sei mutig!“ – sei die Kirchenleitung im Blick auf die Berufungen in die Pflicht zu nehmen, so Abtpräses Christian Haidinger: „‚Seid mutig!‘ – dieses Motto des diesjährigen Gebetstages möchte ich auch dem allseits geliebten Bischof von Rom und seinen vielen Mitbischöfen in aller Welt zurufen“ – ansonsten werde es „von Jahr zu Jahr schwerer, Menschen zum Gebet um geistliche Berufe aufzurufen und zu motivieren“. Die pastorale Not sei groß, so Haidinger weiter, seien in den vergangenen Jahrzehnten doch die geistlichen Berufungen „dramatisch zurückgegangen“: „Viele Pfarren sind verwaist und werden notversorgt, Ordensleute müssen sich aus wichtigen Werken zurückziehen und diese an andere Einrichtungen und Institutionen übergeben.“

Geduld „nahezu erschöpft“
Katholische Frauenverbände in Deutschland fordern die Zulassung zu kirchlichen Weiheämtern. Bei einer Konferenz am „Tag der Diakonin 2017“ am 30.  April in Stuttgart hieß es laut einem Bericht der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), die Geduld in dieser Frage sei „nahezu erschöpft“. Organisatoren der Tagung in der Akademie des Bistums Rottenburg-Stuttgart waren die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und das Netzwerk Diakonat der Frau. Auch mehrere Bischöfe seien zu der Veranstaltung eingeladen worden, sagte Akademiechefin Verona Wodtke-Werner, doch alle hätten sich entschuldigen lassen.


Dr. Verona Wodtke-Werner, 
Chefin der Akademie des Bistums Rottenburg-Stuttgart.

Kirchenreform: Pfarrer-Initiative wünscht sich aktivere Bischöfe

Die Pfarrer-Initiative drängt auf Reformen in der katholischen Kirche. Papst Franziskus habe zuletzt einige neue Spielräume eröffnet, die Bischöfe müssten diese nun aber auch nützen, etwa hinsichtlich des Pflichtzölibats, des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen oder der Zulassen von Frauen zum Weiheamt.

Das war die Quintessenz einer Pressekonferenz am 4. Mai in Wien, zu der Obmann Pfarrer Helmut Schüler und einige weitere Vertreter der Initiative geladen hatten. „Wir wollen unsere Bischöfe aufwecken und ermutigen, die Bälle des Papstes aufzugreifen“, so Schüller wörtlich.
Der Linzer Künstlerseelsorger Peter Paul Kaspar verglich Papst Franziskus mit Papst Johannes XXIII. Letzterer habe in nur fünf Jahren Amtszeit (1958-63) eine Initialzündung für Reformen in der Kirche geschafft, selbiges erhoffe er auch von Papst Franziskus.


P. Arno Jungreithmaier, Pfarrer Helmut Schüller, Pfarrer Gerald Gump, Künstlerseelsorger  Peter Paul Kaspar.

Wenig Verständnis für Pflichtzölibat
In den Gemeinden gebe es nur mehr wenig Verständnis für den Pflichtzölibat, sagte der Wiener Pfarrer Gerald Gump. Noch dazu, wo es ja auch verheiratete katholische Pfarrer im seelsorglichen Einsatz gibt. Papst Franziskus habe angeregt, über verheiratete Priester nachzudenken und mutige Vorschläge zu machen. Auch wenn er sich vorerst  einmal auf sogenannte „entlegene“ Regionen bezogen habe. Hier müssten aber trotzdem auch die österreichischen Bischöfe aktiv werden, so Gump.
Die Vertreter der Pfarrer-Initiative wiesen in diesem Zusammenhang auf das sogenannte „Lobinger-Modell“ des gleichnamigen südafrikanischen Altbischofs hin. Es kennt zwei Arten von Priestern: hauptamtliche zölibatäre Priester und solche, die in und von den Gemeinden vor Ort bestellt werden, dann eine theologische Ausbildung erhalten, auch verheiratet sein können, vom Bischof geweiht werden und auch in der Seelsorge von hauptamtlichen Priestern begleitet werden. Dieses  Modell sollte in ausgewählten Gemeinden erprobt werden, so der Kremsmünsterer Pfarrer P. Arno Jungreithmair.

Geschiedene Wiederverheiratete
Mit seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ habe der Papst auch neuen seelsorglichen Spielraum für den kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen eröffnet, sagte Helmut Schüller. Er verwies auf die Bischöfe von Malta, Argentinien oder Deutschland, die sich bereits in eigenen Schreiben dazu geäußert und Leitlinien für ihre Seelsorger herausgegeben hätten. Ein solches Schreiben von Seiten der österreichischen Bischöfe stehe noch aus, monierte der Obmann der Pfarrer-Initiative.

Papst Franziskus hat die Ägypter durch seine Bescheidenheit überzeugt

Papst Franziskus hat bei seiner Reise nach Kairo die Ägypter durch sein eigenes bescheidenes Auftreten überzeugt.

Joachim Schroedel, Pfarrer der deutschsprachigen Markus-Gemeinde in Kairo, im Gespräch mit „Radio Vatikan“: „Die Demut, wie er sich mit einem Golfwagen hat durch die Gegend fahren lassen – das sind gewaltige Zeichen für die Ägypter. Sie sehen gerade in diesem Papst einen dem Volk nahen und zugewandten Menschen – ganz anders, als ihre Präsidenten und manchmal auch ihre Religionsführer sich gebärden.“


Pfarrer Joachim Schroedel.

Die ägyptischen Medien haben, so Schroedel, intensiv über die Visite aus Rom berichtet, vor allem das Fernsehen: „Sehr, sehr viele haben die Übertragungen gesehen, die wirklich umfassend waren. Es wurde praktisch alles übertragen, was der Papst gemacht hat – in den englischsprachigen, aber natürlich auch in den arabischsprachigen Programmen.“

Gruß der Muslime
Die Menschen seien beeindruckt gewesen von der Freundlichkeit des Papstes – etwa, dass er immer wieder „al-salamu alaikum“ gesagt habe, was eigentlich „ein Gruß der Muslime“ sei. Schroedel: „Deswegen mussten wir etwas lächeln, als er bei uns Priestern und Ordensleuten war – da hat er auch ‚al-salamu alaikum‘ gesagt, und alle haben brav geantwortet. Aber das ist normalerweise nicht der Gruß zwischen Christen. Nun gut, wir haben uns gefreut, dass er zeigt: Ich bin bei euch.“

TV-Direktübertragung
Beim Besuch von Papst Franziskus haben die ägyptischen Medien zum ersten Mal wirkliches Interesse für die christliche Religion gezeigt: Diese Einschätzung hat der CombonianerPater Paul Anis, der in Kairo ein Studienzentrum für interreligiösen Dialog leitet und die Papstvisite aus der Nähe verfolgt hat, im Gespräch mit „Radio Vatikan“ geäußert.
Die TV-Direktübertragung der Papstmesse aus dem Luftwaffenstadion am Samstag habe für die Medien eine starke Wirkung gehabt, einen „Wow-Effekt“, sagte P. Anis. Auch wenn die Gebete auf Latein gewesen seien, so hätten die Ägypter zugehört, dank der Übersetzung den Sinn verstanden und sich „nicht ausgeschlossen“ gefühlt. „Der menschliche und brüderliche Auftritt des Papstes hat ein Bild geprägt, das anders ist als das, was man normalerweise sieht“.

Papst war Türöffner
Papst Franziskus habe mit seinen Gesten und Ansprachen „viele Türen geöffnet: zum Islam, zu den politisch Verantwortlichen und unter den Christen“, so die Einschätzung des chaldäisch-katholischen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „Fides“. Zu hoffen bleibe, dass auch die Muslime diese Gelegenheit nutzen und die von der Kirche angebotene Unterstützung annehmen.

Papst überraschte alle
Auch Sako war bei der Papstreise vor Ort und ist es weiterhin, als Gast der von der Al-Azhar-Universität organisierten Friedenskonferenz in Kairo. Er habe in den Tagen nach der Rückreise von Franziskus sehen können, „welch großen Eindruck der Besuch des Papstes im ganzen Land hinterlassen hat: Alle waren überrascht und waren sich bewusst, dass etwas Neues geschehen ist.“
Die Christen seien zufrieden und auch gewiss, dass der Papstbesuch ein „Trost für alle Christen im Nahen Osten“ bedeute. Auch die Muslime seien zufrieden, habe doch der Papst mit seinen Schritten und Gesten „alle Erwartungen übertroffen“. Franziskus habe „prophetische Reden gehalten, ohne irgendjemanden zu beschuldigen oder zu verurteilen“ und den künftigen gemeinsamen Weg aufgezeigt.

Ökumene-Dekret entzweit
Der koptische Patriarch Tawadros II. wird nach dem mit Papst Franziskus unterzeichneten Ökumene-Dekret, das die gegenseitige Taufe anerkennt, von seinen eigenen Leuten heftig kritisiert. Er ordne sich damit Rom unter. Der koptisch-katholische Bischof von Minya, Anba Boutros Fahim Awad Hanna, sieht hinter diesen Polemiken „die Tatze des Teufels“. Tawadros habe die Erklärung nicht eigenmächtig unterzeichnet, sondern „mit der Zustimmung des Heiligen Synod seiner Kirche“.


Bischof Anba Boutros Fahim Awad Hanna.

Armenien: Hilfe aus Österreich kommt an

Wie für viele andere unter wirtschaftlicher Not leidende Länder gilt auch für Armenien: Die Hilfe aus Österreich kommt an. Davon konnte sich eine Gruppe von Journalisten im Rahmen einer „Kathpress“-Reise in den Kaukasusstaat überzeugen.

Bei einem Lokalaugenschein in der zweitgrößten Stadt Gjumri bei der Caritas Armenien und im einzigen Kinderspital im Norden des Landes wurde den Besuchern aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien vor Augen geführt, dass viele dringend gebrauchte Leistungen und Angebote ohne Zuwendungen und Know-how aus Österreich nicht möglich wären – und das in der nordwestlichen Region Schirak mit einer Armutsrate von mehr als 45 Prozent, wo die Folgen eines verheerenden Erdbebens von 1988 mit mindestens 25.000 Toten noch immer allgegenwärtig sind.


Direktor Ashot Kurghynian und Oberärztin Astrik Stephanian mit einem Schützling.
Foto: Georg Pulling.

Spital mit Fotos aus Österreich
Das 1992 gegründete Kinderspital in Gjumri, das einzige in Nordarmenien, kann sich seit Jahren auf österreichische Hilfe und Know-how stützen. Wie der Chirurg und Leiter Ashot Kurghynian beim Besuch der Pressevertreter mitteilt, gab es zuletzt Kooperationen mit dem Spital der Barmherzigen Schwestern in Linz.  Deren international renommierter Kinderurologe Primar Josef Oswald kommt schon mal zum Operieren her und bringt dabei auch dringend benötigtes medizinisches Gerät mit.
Ein langjähriger österreichischer Gönner, dessen Porträt prominent im Spital platziert ist (neben anderen Städte- und Landschaftsansichten aus Österreich), ist Prof. Günther Peter, der ehemalige Kaufmännische Direktor des Krankenhauses Scheibbs (NÖ). Er kommt seit 2001 jedes Jahr für zehn  bis 15 Tage nach Gjumri. Für seine Verdienste – nicht zuletzt für das Auftreiben von Spendengeldern – wurde er sogar vom armenischen Katholikos geehrt.
Das freundlich gestaltete Kinderspital bietet Abteilungen für Kinderchirurgie, Geburtshilfe, Pädiatrie, HNO, Psychiatrie u.a. In den rund 100 Betten werden jährlich 3.000 kleine Patienten von den 212 Mitarbeitern, davon 32 Ärzten und 70 Pflegedienstleistenden, stationär versorgt, mehr als 10.000 Kinder ambulant.