Inhalt der gedruckten Ausgabe 20/2016

Leitartikel

Geliebt und gering geschätzt

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Hans Riedler
Pensionist und Sozial-Aktivist
Linz

Information

Kardinal Lehmann kritisiert  Bischofsernennungen durch „unbefugte Leute“ und „XXL-Pfarren“

Kritik an der Praxis von Bischofsernennungen und an Strukturreformen, die „Riesengemeinden XXL“ schaffen, hat Kardinal Karl Lehmann in seinem soeben im Verlag Herder erschienenen Interview-Buch „Mit langem Atem – Wege. Erfahrungen. Einsichten“ geübt. Lehmann feiert am 16. Mai seinen 80. Geburtstag.

Mit Kreativität gegen „Wunde des Patriarchats“

Die junge Generaloberin der „Oberzeller Franziskanerinnen“ in Würzburg, Sr. Katharina Ganz, rät Frauen in der Kirche, sich von einer „strukturellen Ohnmachtsposition“ nicht entmutigen zu lassen.

Kardinal Müller: Papstdokument keine Abkehr von bisheriger Lehre

Der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller sieht im päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“ keine Abkehr von der bisherigen Lehre.

Osterfeiern in Istanbul gestört

In der im Stadtzentrum Istanbuls gelegenen Dreifaltigkeitskirche hat am 1. Mai, dem orthodoxen Ostersonntag, eine islamistische Störaktion stattgefunden.

Linz: Scharfe KA-Kritik an FPÖ

Mit scharfer Kritik hat die Katholische Aktion Oberösterreich auf das Werben der FPÖ um die Stimmen christlicher Wählerinnen und Wähler für FP-Kandidat Norbert Hofer bei der kommenden Stichwahl zum Amt des Bundespräsidenten reagiert.

Ehemaliger Flüchtling wird Bischof im australischen Parramatta

Papst Franziskus hat den gebürtigen Vietnamesen Vincent Long Van Nguyen (54) zum Leiter der australischen Diözese Parramatta ernannt.

Käßmann: Papst ähnelt  Luther

Die evangelische Theologin Margot Käßmann sieht Ähnlichkeiten zwischen Papst Franziskus und Martin Luther.

Karlspreisverleihung: Papst träumt von einem „neuen europäischen Humanismus“

Papst Franziskus hat anlässlich der Karlspreisverleihung ein leidenschaftliches Plädoyer für die Erneuerung Europas gehalten und „Egoismen“ in Form von Grenzzäunen kritisiert.

Europäische Bischöfe: Keine klare Linie in der Flüchtlingsfrage

Die katholischen Bischofskonferenzen in Europa wollen sich nicht auf eine einheitliche Linie in der Flüchtlingskrise verständigen.

Jesuiten-Flüchtlingsdienst weiter im „syrischen Stalingrad“ aktiv

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) setzt trotz der jüngsten Eskalation und des Bruchs der Waffenruhe insbesondere in Aleppo – dem „syrischen Stalingrad“ -, aber auch in Deir al-Asafir, seine Arbeit in den syrischen Inlandsflüchtlings-Hotspots fort. Das sagte JRS-Koordinator Nawras Sammour in einem Interview mit der „Furche“ (Ausgabe 4. Mai).

Libanon: Angst unter Christen vor zunehmender Islamisierung

Zum verstärkten Einsatz für die Christen im Nahen Osten hat der Obmann der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO), Slawomir Dadas, aufgerufen.

TTIP: Scharfe Kirchenkritik am geplanten Freihandelsabkommen

Scharfe Kritik am geplanten Freihandelsabkommen TTIP haben Kirchenorganisationen aus Niederösterreich geäußert.

Ordensleben ist „Trick des Heiligen Geistes“ für nötigen Wandel

Das Ordensleben ist für Martha Zechmeister, in El Salvador tätige österreichische Maria-Ward-Schwester, ein „Trick des Heiligen Geistes“, der immer dann zur Anwendung komme, „wenn die alten Rezepte nicht länger taugen, um die Weitergabe des Evangeliums und der christlichen Botschaft zu sichern“.

Steirische Pfarre mit „Energy Globe Styria Award“ ausgezeichnet

Die Pfarrgemeinde Dechantskirchen hat den „Energy Globe Styria Award 2016“ in der Kategorie Kampagne gewonnen.

U2-Gitarrist The Edge spielte in Sixtinischer Kapelle

Ungewohnte Töne in der Sixtinischen Kapelle: Wo sonst gregorianische Gesänge erklingen, gab The Edge (54), Gitarrist der irischen Rockband U2, ein Stegreifkonzert.

Höchste Kirche Chinas mit großer Festmesse geweiht

In China ist einem Medienbericht zufolge die höchste Kirche des Landes geweiht worden.

Rotary-Clubs aus aller Welt beim Papst

Rund 9.000 Rotarier aus aller Welt haben am Wochenende an einer Audienz mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz teilgenommen.

Zum 50er: Pfarrer Gruber aus Bezirk Zwettl hilft schwerstkranken Kindern

Anlässlich seines 50. Geburtstages hat Gerhard Gruber, Pfarrer im Pfarrverband St. Josef (Bad Traunstein, Bärnkopf, Gutenbrunn, Kirchbach, Martinsberg, Rappottenstein, Schönbach) gebeten, von Geschenken abzusehen. Vielmehr lud er dazu ein, Geld zu spenden, damit zwei Fachkräfte ausgebildet werden können, die im Bereich der Kinder- und Jugend-Palliativ-Medizin ausgebildet werden.

Leitartikel

Geliebt und gering geschätzt

Papst Franziskus hat einen mangelnden Einsatz für die Rechte von Frauen angeprangert. „Wir haben herzlich wenig für Frauen getan, die sich in schweren Lagen befinden, wo sie verachtet, an den Rand geschoben und sogar ins Sklaventum herabgesetzt sind“, sagt der Papst in einer am 3. Mai veröffentlichten Videobotschaft. Es reiche nicht aus, den Beitrag von Frauen in allen Bereichen nur festzustellen. Er forderte mehr Einfluss für sie in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Hindernisse auf diesem Weg müssten beseitigt werden. Aha, und in der Kirche?
Der Vatikan gibt ab sofort ein monatliches Frauenmagazin heraus. Unverfängliches Thema der Startausgabe: „Mariä Heimsuchung“.
Bei der Vorstellung sagte die Schriftleiterin, die römische Historikerin Lucetta Scaraffia, zu möglichen Positionsnahmen gegen eine „Männergesellschaft“  mit Blick auf  Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin:  „Wir müssen vorsichtig sein.“
Dieser erwiderte: „Eine Frau könnte Staatssekretärin sein, was die Rolle und Funktion des Staatssekretärs anbelangt; natürlich ohne Verbindung mit den Sakramenten oder dem Priestertum.“ Aha, natürlich ohne…
Franziskus sagte schon einmal: „Die Frau ist in der Kirche wichtiger als die Bischöfe und die Priester.“ Bezweifelt jemand, dass die Stadt Wien einige Monate lang ohne Bürgermeister auskommen könnte, ohne Gemeindearbeiter jedoch nicht?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Apg 2, 1-11

Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen zu reden

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Zweite Lesung:   Röm 8, 8-17

Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes

Schwestern und Brüder!
Wer vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm. Wenn Christus in euch ist, dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit. Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt. Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Schwestern und Brüder, so dass wir nach dem Fleisch leben müssten. Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben. Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Evangelium:   Joh 7, 37-39

Ströme von lebendigem Wasser werden fließen

Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.

 

Gedanken zum Sonntag

Hans Riedler
Pensionist und Sozial-Aktivist
Linz

Beflügelt vom Hl. Geist

Wonach dürstet heute der Großteil der Menschen am meisten – ohne Zweifel ist es die Sehnsucht nach Frieden. Leider gibt es aber auch jene Personen, Gruppen und Organisationen, PolitikerInnen und vor allem die Waffenlobby, die zwar vorgeben, den Frieden mit dem Einsatz von Waffen herstellen zu wollen, Milliarden an Gewinnen bei ihren Geschäften entlarven jedoch ihre wahren Ziele: Immer mehr, immer brutaler, immer unmenschlicher. Sie denken nur an ihre bereits übervollen Kassen und Konten und bekommen so Macht über immer mehr Menschen, Politiker, Regierungen und Staaten.
Wer angesichts dieser Teufelsspirale ein generelles Verbot, Waffen zu erzeugen und zu handeln, fordert, wird nicht selten als Fantast, Utopist oder Spinner belächelt. Wir Christen sollten aber trotzdem nicht schweigen und lautstark unsere Stimme zugunsten einer friedlicheren Welt erheben, denn Bertha von Suttner, Friedensnobelpreisträgerin, hat mit ihrem bildhaften Vergleich sehr anschaulich und zutreffend festgestellt: „Rache und immer wieder Rache! Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegzuwaschen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden“.
Und wir Christen können uns dabei der Frohen Botschaft des heutigen Evangeliums anvertrauen: „Wer Durst hat komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Ströme von lebendigem Wasser werden fließen“.
Diese „Ströme des Hl. Geistes“ fließen aber nicht von selbst, da müssen schon wir Menschen Hand anlegen, indem wir z.B.
•  Petitionen zugunsten eines Verbots von Waffen unterschreiben
oder selbst Petitionen erstellen
•  Leserbriefe mit dieser Forderung schreiben
•  an Veranstaltungen, Aktionen oder DEMOS für dieses Anliegen
teilnehmen usw.
Die Errungenschaften der heutigen digitalen Kommunikation machen es möglich – und wir können so Grenzen überschreitende Lawinen an Friedensappellen ins Rollen bringen (meine diesbezügliche Petition wurde u.a. sogar in Tansania unterschrieben).
Ich bin überzeugt, der Hl. Geist wird dieses Engagement beflügeln, wenn wir tatsächlich an die im heutigen Evangelium enthaltene Zusage Gottes glauben und versuchen, unsere große Sehnsucht nach Frieden mit möglichst vielen Menschen zu teilen.

 

Information

Kardinal Lehmann kritisiert  Bischofsernennungen durch „unbefugte Leute“ und „XXL-Pfarren“

Kritik an der Praxis von Bischofsernennungen und an Strukturreformen, die „Riesengemeinden XXL“ schaffen, hat Kardinal Karl Lehmann in seinem soeben im Verlag Herder erschienenen Interview-Buch „Mit langem Atem – Wege. Erfahrungen. Einsichten“ geübt. Lehmann feiert am 16. Mai seinen 80. Geburtstag.

kardinal lehmann karl
Kardinal Karl Lehmann.

Der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz beklagt darin, in den vergangenen Jahren habe es offensichtlich Listen gegeben, wo alle Bischofskandidaten, die „von den hiesigen Domkapiteln vorgeschlagen wurden, gestrichen wurden, und eine neue Liste aus Rom zurückkam“. Wenn dem wirklich so sei, „dann ist das eine schwer erträgliche Missachtung der Kirche im Land“.

„Unbefugte Leute“ in Rom
Es passiere trotz Papst Franziskus leider auch heute noch, dass „unbefugte Leute“ sich einmischten, bemängelt der Mainzer Diözesanbischof. Im Namen des Rechts müssten „die Seiteneinflüsse, die nicht legitim sind“, zurückgedrängt werden, damit diejenigen zu Wort kämen, die nachher auch mit dem gewählten Kandidaten leben müssten.
Wenn gegen einen Kandidaten wirklich etwas vorliege, dann müssten der Nuntius oder Rom mit dem an der Spitze eines Domkapitels stehenden Domdekan oder Dompropst reden. Rom dürfe nicht einfach kommentarlos Namen streichen. Dies zu klären, sei ihm ein dringendes Bedürfnis, so Lehmann. Der Kardinal wörtlich: „Es ist einfach schon zu viel passiert. Sonst wird immer mehr das ganze Verfahren infrage gestellt werden.“
Lehmann ermahnt in dem Interview-Buch auch dazu, vor der Wahl oder Ernennung eines neuen Bischofs viel stärker auf die theologische Kompetenz zu schauen und nicht bloß darauf, dass er im formalen Sinne rechtgläubig sei. Ein Bischof müsse eine Offenheit mitbringen, neue Herausforderungen theologisch anzugehen.

„XXL nicht unser Ding“
Mit Blick auf den Priestermangel plädiert Lehmann für eine bisher in der katholischen Kirche nicht erlaubte Priesterweihe von in Ehe und Beruf bewährten Männern (viri probati) und gegen die Bildung von Großgemeinden. Diese geht nach Worten des Kardinals an den „Nerv des katholischen Lebens“. „Diese Riesengemeinden XXL, das ist nicht unser Ding“, betont er. Leibhaftigkeit, Personalität und Präsenz vor Ort gehörten eigentlich zur katholischen Kirche, hebt der Kardinal hervor. Wo Menschen geboren seien, wo sie den Bund fürs Leben geschlossen hätten, wo sie ihre Eltern betrauert hätten, „das“, so Lehmann, „ist ein Ort, der kann nicht ersetzt werden“. Wenn man es dennoch tue und diesen Lebensraum künstlich erweitere, verliere man ungeheuer viel, und es sei schon viel verloren gegangen.

Karlspreisverleihung: Papst träumt von einem „neuen europäischen Humanismus“

Papst Franziskus hat anlässlich der Karlspreisverleihung ein leidenschaftliches Plädoyer für die Erneuerung Europas gehalten und „Egoismen“ in Form von Grenzzäunen kritisiert.

Er träume von einem „neuen europäischen Humanismus“, der sich durch die Fähigkeit zu Integration, Dialog und Kreativität auszeichne, sagte er beim Festakt am 6. Mai im Vatikan. „Der brennende Wunsch, Einheit aufzubauen, scheint immer mehr erloschen. Wir Kinder dieses Traumes sind versucht, unseren Egoismen nachzugeben, indem wir auf den eigenen Nutzen schauen und daran denken, bestimmte Zäune zu errichten. Dennoch bin ich überzeugt, dass die Resignation und die Müdigkeit nicht zur Seele Europas gehören und dass auch die Schwierigkeiten zu machtvollen Förderern der Einheit werden können“, sagte Franziskus wörtlich.

franziskus karlspreis
Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus durch den Oberbürgermeister von Aachen, Marcel Philipp, in der Sala Regia im Apostolischen Palast des Vatikans.    
Foto: Stadt Aachen/Michael Jaspers.

Der Internationale Karlspreis zu Aachen wird seit 1950 für besondere Verdienste um Europa und die europäische Einigung verliehen. Er geht auf eine Initiative Aachener Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kirche, Hochschule und Stadtverwaltung zurück. Die Auszeichnung ist nach Karl dem Großen (747/748-814) benannt, der auch in Aachen residierte. Zur Feier waren so viele EU-Spitzenpolitiker wie noch nie in den Vatikan gekommen: u.a. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident Donald Tusk, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, König Felipe von Spanien sowie die Regierungschefs Angela Merkel und Matteo Renzi.

Für Kulturoffenheit
Der Papst verteidigte in seiner Karlspreis-Ansprache Kulturoffenheit und Veränderungsbereitschaft auf dem Alten Kontinent: „Die europäische Identität ist und war immer eine dynamische und multikulturelle Identität.“ Angesichts einer „zerrissenen und verwundeten Welt“ müsse Europa zur gleichen Solidarität und Großzügigkeit zurückkehren, die auf den Zweiten Weltkrieg folgte, mahnte Franziskus. Er verwies dabei auf Robert Schuman, einen der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft. Mit „kosmetischen Überarbeitungen oder gewundenen Kompromissen zur Verbesserung mancher Verträge“ dürfe man sich nicht zufriedengeben. Die Idee Europas müsse „aggiorniert“ – ins Heute übersetzt – werden, sagte Franziskus mit einem Schlüsselbegriff des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).

„Größe der europäischen Seele wiederentdecken“
Nur mit einer „starken kulturellen Integration“ werde die Staatengemeinschaft „die Größe der europäischen Seele wiederentdecken, die aus der Begegnung von Zivilisationen und Völkern entstanden ist“ und die weiter reiche als die aktuellen Grenzen der EU. Mit einem Zitat von Konrad Adenauer warnte Franziskus, nichts gefährde das Abendland so sehr wie eine „Uniformierung des Denkens“. Für Integration reiche eine „bloß geografische Eingliederung der Menschen“ nicht aus; zugleich mahnte der Papst zu Widerstand gegen „ideologische Kolonialisierungen“.

Zäune zeigen „Solidaritätskrise“
Bei der Preisverleihung sagte Vorredner Martin Schulz, Europa durchlebe eine „Solidaritätskrise“. Der Kontinent laufe Gefahr, das Erbe von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und grenzüberschreitender Zusammenarbeit zu verspielen.
Jean-Claude Juncker sagte vor der Papstrede, mit zwölf Flüchtlingen aus Lesbos habe der Vatikan gemessen an seiner Einwohnerzahl „mehr Menschen als jedes EU-Land“ aufgenommen.

Jesuiten-Flüchtlingsdienst weiter im „syrischen Stalingrad“ aktiv

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) setzt trotz der jüngsten Eskalation und des Bruchs der Waffenruhe insbesondere in Aleppo – dem „syrischen Stalingrad“ -, aber auch in Deir al-Asafir, seine Arbeit in den syrischen Inlandsflüchtlings-Hotspots fort. Das sagte JRS-Koordinator Nawras Sammour in einem Interview mit der „Furche“ (Ausgabe 4. Mai).

De facto könne aber nur mehr dort gearbeitet werden, wo die Regierung die Kontrolle habe. „Früher haben wir auch in anderen Gebieten gearbeitet, aber zurzeit ist es in Syrien sehr gefährlich, auf allen Seiten tätig zu sein.

sammour nawras
JRS-Koordinator Nawras Sammour.

Unter Regierungskontrolle können wir als Syrer leben“, so der JRS-Verantwortliche. Nur unter größten Gefahren sei ein Leben als Christ in IS-Gebieten möglich.
Der JRS betreibt u.a. im umkämpften Aleppo Suppenküchen, die 9.000 Menschen versorgen. Familien bekommen Lebensmittel- und Hygienepakete, Decken und Matratzen. Chronisch Kranke erhalten die für Dauermedikation erforderlichen Medikamente. Weiters wird Kindern ein Aktivitätenprogramm geboten, das helfen soll, mit der Realität zurande zu kommen. „Wir verfolgen hier das Prinzip der Neutralität. Wir betreuen oft Menschen, die aus derselben Gegend kommen, die einander aber dort bekämpft haben. In unseren Zentren versuchen wir, ihnen dabei zu helfen, einander zu begegnen“, so Sammour.

syrienhilfe jesuiten
JRS-Mitarbeiter bei der Essensausgabe.
Fotos: Jesuitenmission.

U2-Gitarrist The Edge spielte in Sixtinischer Kapelle

Ungewohnte Töne in der Sixtinischen Kapelle: Wo sonst gregorianische Gesänge erklingen, gab The Edge (54), Gitarrist der irischen Rockband U2, ein Stegreifkonzert.

Unter den berühmten Fresken Michelangelos spielte der Musiker einige Stücke von Leonard Cohen und seiner eigenen Gruppe U2. Zuhörer waren ein paar Dutzend Teilnehmer eines medizinethischen Kongresses im Vatikan, an dem auch The Edge teilnahm. Fans stellten einen Video-Mitschnitt ins Internet.

the edge
The Edge.

Mit seinem tragbaren Verstärker hatte sich The Edge just unter dem „Jüngstem Gericht“ Michelangelos postiert – passend dazu sang er Cohens „If it be your will“, wo es in biblischer Sprache heißt: „If it be your will, if there is a choice / Let the rivers fill, let the hills rejoice / Let your mercy spill / On all these burning hearts in hell“ („Wenn es dein Wille ist, wenn es eine Wahl gibt, mach, dass die Bäche sich füllen und die Hügel frohlocken, ergieße deine Gnade über all diese Herzen, die in der Hölle brennen“).

Dem „Ortspfarrer“ danken
The Edge, der eigentlich David Evans heißt, scherzte mit seinem Publikum und erzählte, dass er fassungslos gewesen sei, als er gebeten wurde, in der Kapelle zu spielen, die vom Renaissance-Meister Michelangelo im 16. Jahrhundert bemalt wurde. „Als sie mich fragten, ob ich der erste zeitgenössische Künstler werden wollte, der dort spielen sollte, wusste ich nicht, was ich sagen soll. In der Regel gibt es diesen anderen Typ, der dafür singt“, so der Musiker im Blick auf den menschenrechtlich umtriebigen U2-Frontmann Bono. „Als Ire habe ich aber früh gelernt, dass, wenn man wiederkommen will, es sehr wichtig ist, dem örtlichen Pfarrer für das Verleihen des Saals zu danken“, sagte er.

„Walk on“ für Franziskus
Der Sänger dankte dann Franziskus und den Verantwortlichen des Vatikan „für die Erlaubnis, den schönsten Pfarrsaal der Welt zu nutzen“. Das Lied „Walk on“, das er ursprünglich der Demokratieanwältin Aung San Suu Kyi, mittlerweile Regierungsmitglied in Myanmar, gewidmet hatte, widmete The Edge diesmal Franziskus, den er „den Papst der Menschen“ charakterisierte. „Er hat eine erstaunliche Arbeit getan. Ich wünsche ihm, dass er das noch lange fortsetzen kann“, fügte er hinzu.