Inhalt der gedruckten Ausgabe 19/2017

Leitartikel

Franziskus II.

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Gelöscht

Information

Einzigartiges christlich-muslimisches Gipfeltreffen in Kairo
Papst und Großimam verurteilen religiöse Gewalt

Papst Franziskus und der Großscheich der islamischen Al-Azhar-Universität, Ahmad al-Tayyeb, haben in Kairo Gewalt und Terror im Namen der Religion verurteilt. Die internationale Friedenskonferenz, zu der der Großimam eingeladen hatte, war ein christlich-muslimisches Gipfeltreffen, wie es zuvor noch nie stattgefunden hatte.

Eine Bibel für die Tataren

Die Heilige Schrift ist jetzt vollständig in 648 Sprachen übersetzt. Wie die Deutsche Bibelgesellschaft unter Berufung auf den „Global Scripture Access Report“ in Stuttgart mitteilte, liegt die Bibel jetzt komplett in Tatarisch vor.

Nigeria: Priesterentführungen, um Lösegeld zu erpressen

Ein 50-jähriger nigerianischer Jesuit, der am 18. April entführt worden ist, ist laut Medienberichten vom Donnerstag nach vier Tagen wieder freigelassen worden.

Neuer  Abt von Admont geweiht

Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl segnete am „Weißen Sonntag“ bei der Feier der Abtbenediktion den neuen Abt Gerhard Hafner für seinen Dienst als 68. Abt des steirischen Benediktinerstifts.

Über 12.000 Freiwillige engagieren sich bei Wiener Caritas

Immer mehr engagieren sich als Freiwillige im Rahmen der Caritas. Das erklärte der Generalsekretär der Wiener Caritas am Sonntag gegenüber „Kathpress“: „Allein in der Caritas der Erzdiözese Wien setzten sich im Vorjahr 12.213 Personen Tag für Tag persönlich und ganz konkret für Menschen in Not ein“.

Orthodoxe Gottesdienste in türkischer Zone Zyperns verboten

Im türkisch besetzten Nordzypern sind Schikanen gegen Christen verschärft worden. Zuletzt waren die Ostergottesdienste verboten worden. Der zyperngriechische Präsident der Inselrepublik, Nikos Anastasiadis, verurteilte das Verbot bereits Mitte April scharf.

Jurist Di Fabio: Europa hat seine Wurzeln verloren

Für den früheren deutschen Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio hat Europa im Zuge des Einigungsprozesses den Blick auf seine historischen philosophischen, religiösen und weltanschaulichen Wurzeln zu stark vernachlässigt.

Müller: Papst-Entscheid zu Medjugorje könnte noch lange dauern

Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, hat eine „womöglich noch lange Wartezeit“ auf eine endgültige Entscheidung des Vatikan über eine Anerkennung der berichteten Marienerscheinungen von Medjugorje in Aussicht gestellt.

Orthodoxe Kirche stoppt Kloster-Projekt in St. Andrä

Metropolit Arsenios (Kardamakis) hat dem Bürgermeister von St. Andrä/Zicksee schriftlich mitgeteilt,  dass er den Antrag auf Umwidmung des betreffenden Grundstücks zurücknehme. Damit wird das Kloster definitiv nicht in St. Andrä errichtet und auch die für Juni geplante Volksabstimmung ist hinfällig.

Venezuela: Capriles ruft Papst zu stärkerem Engagement auf

Venezuelas Oppositionsführer Henrique Capriles Radonski wünscht sich mehr Einsatz von Papst Franziskus für eine Lösung des Konflikts in Venezuela. „Das erbitte ich von Herzen“, sagte Capriles der Tageszeitung „La Nacion“ .

Türkische Medien: Priesterseminar Chalki bleibt geschlossen

Eine Wiedereröffnung des griechisch-orthodoxen Priesterseminars mit Hochschule auf der Prinzeninsel Heybeliada/Chalki bleibt weiterhin unwahrscheinlich. Das berichten türkische Medien unter Berufung auf Regierungskreise.

Evangelischer Bischof: Deutschland für Flüchtlinge Sehnsuchtsland

Zum Einsatz für Flüchtlinge in Deutschland und für verfolgte Christen in Ägypten hat der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, aufgerufen.

Pfarrer Helmut Blasche war ein kirchlicher Pionier

Der langjährige Pfarrer von Schwechat, Helmut Blasche, ist am Mittwoch in Mödling im 93. Lebensjahr gestorben. Der Priester galt österreichweit als ein Vorreiter bei der Gründung von kirchlichen Basisgemeinden.

Mexikanische Schönheitskönigin wird Ordensschwester

Esmeralda Solis Gonzales (20), ehemalige Schönheitskönigin aus der mexikanischen Stadt Valle de Guadalupe im Bundesstaat Jalisco, sorgt in den sozialen Netzwerken für Wirbel.

Bartholomaios betete mit Jugendlichen in der Kirche von Taize

Patriarch Bartholomaios I. hat am 25. April erstmals die ökumenische Gemeinschaft von Taize besucht.

Evangelische laden zu einer dreistündigen „Nacht der Bibel“

Einen Abend, der die Bibel literarisch und mit Musikuntermalung als Gesamterzählung erschließt, verspricht die „Nacht der Bibel“, die demnächst an drei Orten gezeigt wird.

Leitartikel

Franziskus II.

Beobachter werten den historischen Papstbesuch in Kairo als wichtigen Schritt für eine Neubelebung des Dialogs zwischen Vatikan und Islam.
Im Flugzeug sagte Franziskus vor den mitreisenden Journalisten, die Reise sei mit besonderen Erwartungen verbunden, weil Präsident Abdel Fattah al-Sisi, der koptisch-orthodoxe  Papst-Patriarch Tawadros II. und Großimam Ahmed Mohammed al-Tayyeb ihn eingeladen hätten. „Dies ist eine Reise der Brüderlichkeit“, so Franziskus wörtlich. Sie diene auch dazu, den vom Terror bedrohten Christen in Ägypten Mut zu machen.
Jede seiner Ansprachen im Land am Nil begann der Papst mit „Al Salamò Alaikum! / Der Friede sei mit euch!“
Die Friedenskonferenz tagte acht Kilometer von der Al-Azhar-Moschee entfernt, die als die älteste Universität der Welt gilt.
Der Sprecher begrüßte den Papst als Franziskus II. Der Lapsus erinnert daran, dass schon der hl. Franz von Assisi vor 800 Jahren, mitten in der Zeit der Kreuzzüge, Ägypten besuchte.
Drei Wochen nach den blutigen Anschlägen auf koptische Kirchen in Tanta und Alexandria fand der Papstbesuch unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Gleichwohl verzichtete Franziskus auf ein gepanzertes Fahrzeug und fuhr wie üblich in einem Ford-Kleinwagen durch Kairo.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:    Apg 2, 14a.36-41

Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht

Am Pfingsttag trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus antwortete ihnen: Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird. Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation! Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.

 

Zweite Lesung:   1 Petr 2, 20b-25

Ihr seid heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen

Liebe Schwestern und Brüder,
wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes. Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt. Er hat keine Sünde begangen, und in seinem Mund war kein trügerisches Wort. Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter. Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt. Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber seid ihr heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

Evangelium:   Joh 10, 1-10

Ich bin die Tür zu den Schafen

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

 

Gedanken zum Sonntag

Information

Gelöscht

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Entzug der Autorisierung zur Veröffentlichung des Textes durch die Autorin.

 

Information

Einzigartiges christlich-muslimisches Gipfeltreffen in Kairo
Papst und Großimam verurteilen religiöse Gewalt

Papst Franziskus und der Großscheich der islamischen Al-Azhar-Universität, Ahmad al-Tayyeb, haben in Kairo Gewalt und Terror im Namen der Religion verurteilt. Die internationale Friedenskonferenz, zu der der Großimam eingeladen hatte, war ein christlich-muslimisches Gipfeltreffen, wie es zuvor noch nie stattgefunden hatte.

Außer dem Papst waren auch das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit, Patriarch Bartholomaios I., sowie Spitzenvertreter der katholischen und orthodoxen Kirchen im Nahen Osten gekommen. Das Besondere war nicht zuletzt, dass die Einladung von muslimischer Seite ausging.

Gegen ein falsches Verständnis von Religion
Bei der Friedenskonferenz am Freitag forderte Franziskus „ein deutliches und eindeutiges Nein zu jeder Form von Gewalt, Rache und Hass, die im Namen von Religion oder im Namen Gottes begangen werden“.


Friedenskonferenz in Kairo: Papst Franziskus und Großimam Ahmed al-Tayyeb umarmen einander.
Foto:Radio Vatikan.

Großscheich al-Tayyeb rief in seiner Rede dazu auf, Religion von einem falschen Verständnis zu reinigen, das sich auf sie beruft und „kleine Gruppen“ zur Gewalt anleite. Er wandte sich zugleich gegen eine Verunglimpfung des Islam. Man könne nicht eine ganze Religion für die Taten einer fanatischen Minderheit verantwortlich machen. „Islam ist keine Religion des Terrorismus“ – selbst wenn einige versuchten, den Islam zu manipulieren, um ihre Taten zu rechtfertigen, so al-Tayyeb.

Gewalttäter sind Götzendiener
Franziskus verlangte in seiner Ansprache, religiöse Verantwortungsträger müssten vermeintlich religiöse Gewalt entlarven und als „götzendienerische Verfälschung Gottes“ verurteilen. Gott sei ein „Gott des Friedens, Gott salam. Deshalb ist nur der Frieden heilig und kann im Namen Gottes keine Gewalt verübt werden, weil sie seinen Namen verunehren würde“, so der Papst.
Religion sei „heute wahrscheinlich mehr denn je“ gerufen, aktiv den Frieden zu fördern. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei die Bildung der jungen Generation. Sie müsse ermutigt werden, Hass, Hetze und Gewalt entgegenzutreten und sich der Logik des Bösen zu widersetzen.

Papst: „Bruder Großimam“
Der Großimam rief die Religionen zu Geschwisterlichkeit und Barmherzigkeit auf. Sie seien das Gegenmittel gegen negative Philosophien der Gegenwart. „Dieses Gegenmittel gibt es nur in der Apotheke der Religion“, so der Großimam. Frieden, Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschenrechte seien Werte, die allen Menschen zugutekommen müssten, unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Ethnie.
Auch ohne Applausometer war zu hören, dass der Papst mehr Beifall für seine Rede bekam, als sein Gastgeber, der Großscheich von Al-Azhar, Mohammed Ahmed al-Tayyeb. Diesen nannte Franziskus abweichend vom Redetext „meinen Bruder, den Großimam“. Der Papst forderte Christen und Muslime zu einer „Erziehung zur respektvollen Offenheit und zum aufrichtigen Dialog“ auf.

Freitag, 28. April
Franziskus war am Vormittag von Rom nach Kairo geflogen. Auf dem Flughafen der ägyptischen Hauptstadt wurde er unter anderen von 100 muslimischen und christlichen Abgeordneten des 568 Mitglieder zählenden ägyptischen Parlaments empfangen.
Nach seiner Ankunft begab sich Franziskus zunächst zu Höflichkeitsbesuchen in die Residenz von Präsident Abdel Fattah al-Sisi und zum Großscheich der Al-Azhar-Universität, Ahmed Mohammed al-Tayyeb. Anschließend sprach der Papst vor der Friedenskonferenz.

Lob für Präsident al-Sisi
In seiner  Ansprache vor der Regierung und führenden Vertretern der ägyptischen Gesellschaft rief Franziskus das Land dazu auf, eine Führungsrolle bei der Eindämmung von Terrorismus und Gewalt wahrzunehmen. Aufgrund seiner Geschichte und seiner besonderen geografischen Lage nehme Ägypten eine „unersetzbare Rolle im Nahen Osten und unter den Ländern ein, die nach Lösungen für brennende und komplexe Probleme suchen“, so der Papst.


Staatspräsident
Abdel Fattah al-Sisi.

Auffallend war, dass Franziskus den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi ausdrücklich für seine klaren Stellungnahmen gegen den islamistischen Terrorismus lobte. So einen päpstlichen Ritterschlag gibt es nicht für jedes Staats-oberhaupt. Wie sonst auch nahm Franziskus selbst das Wort „islamistisch“ allerdings nicht in den Mund.

Gedenken der christlicen Opfer des Terrors
Am Freitagabend erinnerten Papst Franziskus und der koptische Patriarch Tawadros II. an die Opfer des Anschlags vom 11. Dezember 2016 auf die koptische Peter-und-Paul-Kirche in der ägyptischen Hauptstadt. An dem ökumenischen Gebet nahmen hohe Geistliche mehrerer christlicher Konfessionen teil, auch das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel. Bei dem Attentat 2016 waren 29 Menschen ums Leben gekommen, 31 wurden verletzt.


Papst Franziskus mit dem koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II.
Foto: Coptic church.

Zu Beginn der Feier lasen die anwesenden Oberhirten jeweils einen Abschnitt aus den Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt vor. Anschließend sprachen Franziskus und Tawadros II. frei ein kurzes Gebet und tauschten mit allen Geistlichen den Friedenskuss. Danach entzündeten sie Kerzen am Anschlagsort und legten unter den Fotos der Getöteten Blumen nieder. Die Mauer der Kirche zeigt an dieser Stelle noch immer Blutspuren von Opfern des Anschlags.

Ökumenische Erklärung
Bei einem Besuch des Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche, Tawadros II., sagte der Papst: „Euer Leid ist auch unser Leid“.
Mit Tawadros II. unterzeichnete er eine ökumenische Erklärung, in der die Taufe erstmals gegenseitig anerkannt wird. Darin wird auch das Leiden verfolgter Christen aller Konfessionen als „Zeichen und Werkzeug der Einheit“ bezeichnet.
Am Abend empfing der Papst 300 Jugendliche, die aus ganz Ägypten nach Kairo gekommen waren, um Franziskus bei seiner Reise zu begrüßen. Er lobte sie für ihren Mut, eine Pilgerreise unternommen zu haben, lud sie ein, auf Arabisch ein Vaterunser zu beten und segnete sie.

Samstag, 28. April
Am Samstagvormittag verurteilte Franziskus bei einer Messfeier mit 15.000 Gläubigen in einem Stadion von Kairo erneut Gewalt im Namen der Religion: „Der einzige erlaubte Extremismus für Gläubige ist die Nächstenliebe“.
Der Papst rief die ägyptischen Christen auf: „Habt keine Angst, alle zu lieben, Freunde wie Feinde, denn gelebte Liebe ist die Stärke und der Schatz des Gläubigen!“ Wahrer Glaube mache die Menschen barmherziger, ehrlicher und menschlicher; er bewirke, dass man alle „ohne Unterschied und Vorzug“ liebe. Glaubende sollten in anderen „nicht einen Feind, den es zu besiegen gilt, sondern einen zu liebenden Bruder“ sehen.
Nach der Messe standen noch ein Mittagessen mit ägyptischen Bischöfen und ein Treffen mit 1.500 Klerikern und Ordensleuten auf dem Programm. Franziskus rief die Ordensleute, Seminaristen und Kleriker auf, „Aussäer der Hoffnung, Brückenbauer und Arbeiter des Dialogs und der Eintracht“ zu sein. Auf die teilweise schwierige Lage der katholischen Minderheit in Ägypten ging er nicht konkreter ein, betonte jedoch: „Wer vor dem Kreuz wegläuft, läuft vor der Auferstehung weg.“
Am Nachmittag flog Franziskus dann zurück nach Rom.

Orthodoxe Kirche stoppt Kloster-Projekt in St. Andrä

Metropolit Arsenios (Kardamakis) hat dem Bürgermeister von St. Andrä/Zicksee schriftlich mitgeteilt,  dass er den Antrag auf Umwidmung des betreffenden Grundstücks zurücknehme. Damit wird das Kloster definitiv nicht in St. Andrä errichtet und auch die für Juni geplante Volksabstimmung ist hinfällig.


Metropolit Arsenios.

„Emotionen und Angst wurden geschürt, Gerüchte wurden gestreut, viele davon verletzend für die Orthodoxie und die Katholische Kirche gleichermaßen“, heißt es in dem Brief. Dennoch seien alle zuversichtlich gewesen, dass ein „christliches Kloster letztlich für sich selbst sprechen würde“.
Das Kloster sollte ein Symbol des Friedens, der Versöhnung und der Ökumene sein.
Der Metropolit erinnert auch daran, dass Papst Franziskus den Menschen von St. Andrä in einem persönlich an sie gerichteten Schreiben „für ihre Offenheit gedankt und dem Klosterprojekt seinen Segen erteilt“ habe. Auch Patriarch Bartholomaios I. habe St. Andrä besucht und das von der Diözese Eisenstadt gestiftete Grundstück gesegnet „und mit den Menschen in St. Andrä ein bewegendes Fest der Begegnung gefeiert“.

Zsifkovics: „Schäme mich“
In einer ersten Stellungnahme drückte der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics sein tiefes Bedauern für eine von der Gemeinde St. Andrä verspielte „Jahrhundertchance“ aus: „Ich bedaure dies sehr und schäme mich, dass im Burgenland so etwas möglich ist.“

Venezuela: Capriles ruft Papst zu stärkerem Engagement auf

Venezuelas Oppositionsführer Henrique Capriles Radonski wünscht sich mehr Einsatz von Papst Franziskus für eine Lösung des Konflikts in Venezuela. „Das erbitte ich von Herzen“, sagte Capriles der Tageszeitung „La Nacion“ .


Henrique Capriles Radonski.

Er wisse, dass es in der Welt Länder mit noch größeren Problemen gebe; Venezuela sei jedoch derzeit das am stärksten krisengeschüttelte Land Lateinamerikas. Nun breite sich das Problem auch auf andere Länder aus, denn Millionen Venezolaner suchten in der Region Zuflucht.
„Aber wie viele Venezolaner können Kolumbien, Peru und Argentinien aufnehmen?“
Derzeit hätten sich bereits zwei Millionen Migranten auf den Weg gemacht. Argentinien könne nicht 500.000 Venezolaner aufnehmen, Kolumbien nicht eine Million.

SOS-Kinderdörfer: Verarmung und Gewalt
Die Organisation SOS-Kinderdörfer prangerte in München die hohe Geschwindigkeit von Verarmung und steigende Kriminalität in Venezuela an. „Wir sind seit 1979 in Venezuela, aber eine derartige Geschwindigkeit an Verarmung haben wir in all den Jahren nicht gesehen“, erklärte Sprecher Louay Yassin: „Das beginnt bei der Beschaffung der Lebensmittel für die Familien und Kinder, die in unserer Obhut sind.“ In staatlichen Supermärkten seien die Regale meist „gähnend leer“. Wenn Produkte erhältlich seien, bildeten sich lange Schlangen vor den Geschäften.


Louay Yassin.
Foto: SOS Kinderdorf weltweit.

Angesichts steigender Kriminalität erklärte SOS-Kinderdörfer, dass Venezuelas Hauptstadt Caracas im weltweiten Vergleich eine sehr hohe Mordrate aufweise. „Plünderungen und Überfälle auf die wenigen Lebensmitteltransporte sind an der Tagesordnung“, so Yassin. Viele Eltern trauten sich nicht mehr, ihre Kinder in die Schulen zu schicken, weil es lebensgefährlich geworden sei, auf die Straße zu gehen. Für sie schwinde damit die Chance auf ein besseres Leben.
Besonders stark treffe der Mangel die Kinder. „Wir wissen von Ärzten, die Kinder abweisen müssen, die dringend operiert werden müssten, weil OP-Besteck, Verbandszeug und Desinfektionsmittel fehlen“, so Yassin. Selbst todkranke Kinder blieben oft ohne Medizin. Die Organisation schätzt, dass aktuell mehr als die Hälfte der Venezolaner mit weniger als drei Mahlzeiten am Tag auskommen müssten. Rund 85 Prozent aller Medikamente seien nicht mehr erhältlich. Für Hilfsorganisationen wie SOS-Kinderdörfer weltweit werde es immer schwieriger, die verarmten Menschen zu unterstützen.

Pfarrer Helmut Blasche war ein kirchlicher Pionier

Der langjährige Pfarrer von Schwechat, Helmut Blasche, ist am Mittwoch in Mödling im 93. Lebensjahr gestorben. Der Priester galt österreichweit als ein Vorreiter bei der Gründung von kirchlichen Basisgemeinden.


+ Pfarrer Helmut Blasche.
Foto: Kathpress.

Helmut Blasche 1924 in Wien geboren und 1955 als Spätberufener zum Priester geweiht. Gleich im Anschluss kam er als Kaplan nach Schwechat, wo er von 1961 bis 1999 Pfarrer war.
Blasche war Pionier der Basisgemeinden-Bewegung in Österreich und wurde mit seinem progressiven Ansatz weit über die Diözesangrenzen hinaus bekannt. Seine Erfahrungen veröffentlichte er 1989 in dem „Styria“-Buch „Basisgemeinden in Österreich“. Gleichzeitig öffnete er die Pfarre Schwechat für die Aufnahme von Flüchtlingen; in diesem Bereich ist Schwechat auch jetzt wieder eine der Vorzeigepfarren in der aktuellen Flüchtlingsintegration.
Kardinal König würdigte bei Blasches Pensionierung 1999 das 44-jährige Wirken des populären Seelsorgers. Das von Blasche maßgeblich beeinflusste karitative Engagement der Pfarrgemeinde etwa im Bereich der Flüchtlingshilfe oder bei der Betreuung sozial Bedürftiger hob König besonders hervor. Blasche habe – nicht zuletzt durch seinen einfachen Lebensstil – als Seelsorger eine große Nähe zu den konkreten Sorgen und Problemen der Menschen bewahrt.