Inhalt der gedruckten Ausgabe 19/2016

Leitartikel

Ohne Eltern geht gar nichts

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Hans Riedler
Pensionist und Sozial-Aktivist
Linz

Information

Meisner warnt vor einer sich modernisierenden Kirche
Philosoph Spaemann: Papst führt Kirche Richtung Schisma

Konservative reagieren jetzt scharf auf das jüngste Schreiben des Papstes zu Ehe und Familie. Der emeritierte Kölner Erzbischof Joachim Meisner sieht die katholische Kirche in der Gefahr, „sich nicht zu erneuern, sondern zu modernisieren“.

Diözese in Wales schließt 22 Kirchen
Bischof: „Große Chance auf Erneuerung“

In Nordwales wird aufgrund des Priestermangels bis 2020 fast ein Drittel der derzeit bestehenden 62 katholischen Gotteshäuser geschlossen. Das hat der Bischof der Diözese Wrexham, Peter Brignall, in einem Hirtenbrief verlautbart.

Ab Herbst neue Einheitsübersetzung der Bibel auch in der Messe

Die revidierte katholische Einheitsübersetzung der Bibel erscheint im Herbst. Damit endet ein zehnjähriger Arbeitsprozess, an dem Theologen, Bibel- und Sprachwissenschaftler sowie weitere Fachleute beteiligt waren.

Chinesischer Bürgerrechtler und Katholik Harry Wu gestorben

Der chinesische Dissident und Menschenrechtsaktivist Harry Wu ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Das teilte die in Washington ansässige Laogai-Stiftung mit. Der Katholik zählte zu den bekanntesten Kritikern des kommunistischen Regimes in Peking.

Caritas Honduras denunziert die Polizei als „Mafia“

Eine scharfe Anklage gegen die öffentliche Sicherheit hat die Caritas Honduras lanciert.

„Amoris laetitia“: Reformgruppen fühlen sich vom Papst bestätigt

Die in Österreich aktiven Kirchenreformgruppierungen sehen sich vom jüngst veröffentlichten Papstdokument „Amoris laetitia“ in ihren Forderungen wesentlich bestärkt.

„Unfehlbarkeit“: Papst antwortet Prof. Küng

Papst Franziskus hat auf das Schreiben von Hans Küng geantwortet, mit dem der Tübinger Theologe eine freie Diskussion über das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma anstoßen will.

Kardinal Lehmann warnt vor Nationalismus bei Atomenergie

Kardinal Karl Lehmann hat anlässlich des 30. Jahrestags der Tschernobyl-Katastrophe vor „kurzsichtigem Nationalismus“ bei der Anwendung der Kernenergie gewarnt.

Bischof Kräutler: Versagen der EU, nicht „Boot ist voll“

Die in der Flüchtlingsfrage in Europa vorherrschende „Politik der Abschottung“ betrachtet der emeritierte austrobrasilianische Bischof Erwin Kräutler mit Sorge und spart dabei auch nicht mit Kritik.

Rio 2016: Doskozil unterstützt Menschenrechts-NGO „Nosso Jogo“

100 Tage vor dem Start der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro bekommt die auch kirchlicherseits unterstützte Menschenrechtsorganisation „Nosso Jogo“ Unterstützung von österreichischen Spitzenpolitikern in ihrem Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen im Zuge der Vorbereitungen des Großevents.

Anglikaner neutral zu „Brexit“, Katholiken dagegen

Die anglikanische Kirche von England ruft im Vorfeld des in Großbritannien am 23. Juni anstehenden Referendums über ein Ausscheiden aus der EU zu einem Gebet für enge Beziehungen „mit allen Menschen Europas“ auf.

Patriarch: Kirchensprengung „Sünde gegen Gott und Menschheit“

Der irakische Patriarch Louis Raphael I. Sako hat die Zerstörung der historischen Dominikanerkirche in Mossul verurteilt.

Chinas Präsident will „Infiltration“ durch die Religion abwehren

China verstärkt den Druck auf Christen und andere Gläubige im Land. Religiöse Gruppen müssten dem atheistischen Regime der kommunistischen Partei gehorchen, erklärte Präsident Xi Jinping laut staatlichen Medien bei einer Tagung zum Thema Religion. Parteimitglieder müssten „unbeugsame marxistische Atheisten“ sein. Einfluss von außen sei abzuwehren, so Xi weiter.

Oikocredit: Mikrokredite können Flucht und Elend vermeiden

Geldanlagen in Mikrokredit-Genossenschaften geben Menschen in den Armutsregionen der Welt eine Starthilfe für ein besseres Leben und schwächen damit indirekt auch Migrationsbewegungen ab. Das haben die Verantwortlichen der Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit Austria am 26. April bei ihrer Jahresbilanzpressekonferenz in Wien betont.

Papst schreibt an Strafgefangene

Überraschungspost vom Papst haben die Insassen der Haftanstalt im italienischen Velletri bekommen.

Erzbischof Lackner: „Salzburg trägt Handschrift meiner Vorgänger“

Vieles in der Erzdiözese Salzburg trägt „die Handschrift meiner Vorgänger durch ihr Wirken in den vergangenen 200 Jahren“. Darauf hat Erzbischof Franz Lackner anlässlich der mit 30. April gestarteten Salzburger Landesausstellung „Bischof. Kaiser.Jedermann“ über die 200-jährige Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich hingewiesen.

„So wird eine Pianistin Ordensfrau und bleibt Pianistin“

Mehr Ordensfrau oder Konzertpianistin? Joanna Jimin Lee muss nicht nachdenken: „Beides“, antwortet sie prompt und plötzlich breitet sich ein weites hörbares Lachen über das Gesicht der zierlichen Koreanerin aus.

Unter Albaniens neuen Seligen sind zwei mit engem Bezug zu Österreich

Unter den 38 in Albanien aufgrund ihres Glaubens getöteten Katholiken, deren Martyrium Papst Franziskus am 19. April  anerkannt hat, sind auch zwei Priester mit engem Bezug zu Österreich.

Bildungshaus St. Virgil: 1,6 Millionen Besucher in 40 Jahren

Das kirchliche Bildungszentrum St. Virgil in Salzburg hat am 30. April sein 40-jähriges Bestehen mit einem großen Fest sowie der erstmaligen Vergabe des nach dem Rektor des Hauses benannten „Hans-Walter-Vavrovsky-Dialogpreis zur Förderung des offenen Dialogs von Kirchen und Gesellschaft“ gefeiert.

Leitartikel

Ohne Eltern geht gar nichts

In der permanenten Schul-Diskussion stand jüngst auf der Titelseite eines großen Blattes der Satz: Ohne Eltern geht nichts. „Eh klar!“ Nicht unbedingt. Längst ist es zum Volkssport geworden, den Lehrern die alleinige Schuld zuzuweisen. Aus dem einstigen Rohrstaberl für die Kinder ist das Medienstaberl für die Lehrer geworden.
Was im Allgemeinen von höchster Bedeutung, gilt natürlich auch für Glaubensweitergabe und religiöse Erziehung.
Nicht wenige Kinder, die in den nächsten  Tagen zur Erstkommunion gehen, tun sich schwer mit dem Beten eines „Vater unser“ oder des „Gegrüßet seist du Maria“, manche sogar mit dem Kreuzzeichen.
Das entrüstet Eltern, die selbst mit ihren Kindern beten: „Warum haben die im Religionsunterricht nicht das `Vater unser gelernt`?“ Ähnlich Pfarrer, die selbst keinen Religionsunterricht erteilen.
Tatsache ist, dass gar nicht wenige Kinder Kreuzzeichen und Grundgebete bereits im Kindergarten(-alter) lernen.
Fragt man zu Beginn des ersten Schuljahres, fallen diese Mädchen und Buben positiv auf. Mit den anderen wird dann eingeübt. Sie können es bald, doch etliche nicht lange. Am Beginn der zweiten Klasse stellt sich heraus, dass manche wieder Defizite aufweisen. Erneut wird geübt, doch bis zur Erstkommunion vergehen Monate.
Schnell vergisst, wer daheim nicht betet und auch nicht in die Kirche geht, wo das „Vater unser“ bekanntlich Bestandteil jeder Messe ist.
Ohne Eltern geht wirklich gar nichts.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Apg 7, 55-60

Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen

In jenen Tagen blickte Stephanus, erfüllt vom Heiligen Geist, zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.

Zweite Lesung:   Offb 22, 12-14.16-17.20

Komm, Herr Jesus!

Ich, Johannes, hörte eine Stimme, die zu mir sprach: Siehe, ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht. Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Selig, wer sein Gewand wäscht: Er hat Anteil am Baum des Lebens, und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können. Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt als Zeugen für das, was die Gemeinden betrifft. Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der strahlende Morgenstern. Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens. Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. – Amen. Komm, Herr Jesus!

Evangelium:   Joh 17, 20-26

Sie sollen eins sein, wie wir eins sind; sie sollen vollendet sein in der Einheit

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

 

Gedanken zum Sonntag

Hans Riedler
Pensionist und Sozial-Aktivist
Linz

Gottes Macht wird sichtbar

Alle, die an Gott glauben, sollen eins sein – darum hat Jesus gebetet: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast, denn dadurch wird Gott „verherrlicht, sichtbar und erfahrbar in dieser Welt.“
Gottes Macht und Herrlichkeit wird sichtbar, wenn wir die Botschaften Jesu ernst nehmen und uns bewusst machen:
Nur wir Menschen können den Armen, den Gefangenen, den Blinden und den Zerschlagenen eine gute Nachricht verkünden und uns für eine menschenfreundlichere, gerechtere Welt engagieren, wie Harvey Cox, ein jetzt 86jähriger ehemaliger Theologieprofessor an der Harvard Universität, einmal gesagt hat: „Gott hat keinen anderen Mund, kein anderes Herz und auch keine anderen Hände als die deinen“.
Und wir müssen zur Kenntnis nehmen, wir sind nicht fertig – die Welt ist nicht fertig. Wir sind am Weg zur verheißenen Vollendung, auch wenn wir oft das Gegenteil wahrnehmen und die vielen positiven Entwicklungen und Ereignisse dabei übersehen bzw. gering achten. Wir müssen bescheiden sein, Augen und Ohren öffnen und das viele Positive, das neben den Unmenschlichkeiten auch geschieht, in den Vordergrund, in den Mittelpunkt stellen.
•  Denken wir dabei an das große Engagement der vielen Freiwilligen in den Pfarren und Kommunen für und mit Flüchtlingen.
•  Denken wir an jene Politiker und Politikerinnen, die ihre Entscheidungen nicht in erster Linie nach dadurch vermuteten bzw. erhofften Wählerstimmen treffen, sondern die Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellen.
•  Denken wir auch an alle Menschen, die die Umwelt bewusst schonen und den Ressourcenverbrauch bei all ihren Aktivitäten bedenken – beim Einkaufen, beim Einsatz von Fortbewegungsmittel usw.
Ich wünsche uns für alle diese unsere Bemühungen, Gott in unserer Welt sichtbar und erfahrbar zu machen, vor allem einen starken Glauben an den endgültigen Sieg Gottes.

 

Information

Meisner warnt vor einer sich modernisierenden Kirche
Philosoph Spaemann: Papst führt Kirche Richtung Schisma

Konservative reagieren jetzt scharf auf das jüngste Schreiben des Papstes zu Ehe und Familie. Der emeritierte Kölner Erzbischof Joachim Meisner sieht die katholische Kirche in der Gefahr, „sich nicht zu erneuern, sondern zu modernisieren“.

Freiheit heiße heute weithin Beliebigkeit, sagte der 83-jährige Kardinal am 24. April in Aschaffenburg beim Abschlussgottesdienst des Kongresses „Freude am Glauben“ des konservativen Forums Deutscher Katholiken. In der Kirche führe dies dazu, „dass man nicht mehr unterscheiden kann oder unterscheiden will zwischen dem Heilsein und dem Wohlsein, also dem Heil, das durch Gott kommt und dem Wohlsein, dem Genuss, den sich der Mensch selbst zu produzieren vermag“.

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Kardinal Joachim Meisner.

Bruch mit Lehrtradition
Der deutsche katholische Philosoph Robert Spaemann hat Papst Franziskus einen Bruch der kirchlichen Lehrtradition über die menschliche Ehe und Sexualität und eine „kritische Distanz“ zu Papst Johannes Paul II. (1978-2005) vorgeworfen.

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Philosoph Robert Spaemann.

Sein jüngstes Schreiben „Amoris laetitia“ lasse Folgerungen zu, „die mit der Lehre der Kirche nicht kompatibel gemacht werden können“, sagte Spaemann in einem Interview mit der deutschsprachigen Redaktion der Catholic News Agency (CNA). Konkret bezieht sich der 89-Jährige mit seiner Kritik auf jene Passagen des Dokuments, in dem der Papst betont, dass bei der Begleitung und Integration von Menschen in „irregulären“ Situationen in einigen Fällen auch die Sakramente eine Hilfe sein können.

„Richtung eines Schismas“
„Der Artikel 305 zusammen mit der Anmerkung 351 allerdings, in dem festgestellt wird, dass Gläubige ‚mitten in einer objektiven Situation der Sünde‘, ‚auf Grund mildernder Faktoren‘ zu den Sakramenten zugelassen werden können, widerspricht direkt dem Artikel 84 des Schreibens Familiaris consortio von Johannes Paul II.“, sagte Spaemann. Jeder Priester, der sich an die bisher geltende Sakramentenordnung halte, könne nun von Gläubigen gemobbt und seinem Bischof unter Druck gesetzt werden.
Bei der Kommunionspendung könne es nur eine klare Ja-Nein-Entscheidung geben. Papst Franziskus aber habe „mit einem Federstrich das Chaos zum Prinzip erhoben“ und führe die Kirche „in Richtung eines Schismas“.

Auf nächsten Papst hoffen
Spaemann: „Dass Franziskus seinem Vorgänger Johannes Paul II. mit kritischer Distanz gegenübersteht, zeichnete sich schon ab, als er ihn zusammen mit Johannes XXIII. heiliggesprochen hat.“ Und: „Jeder einzelne Kardinal, aber auch jeder Bischof und Priester ist aufgefordert, in seinem Zuständigkeitsbereich die katholische Sakramentenordnung aufrecht zu erhalten und sich öffentlich zu ihr zu bekennen. Falls der Papst nicht dazu bereit ist, Korrekturen vorzunehmen, bleibt es einem späteren Pontifikat vorbehalten, die Dinge offiziell wieder ins Lot zu bringen.

„Amoris laetitia“: Reformgruppen fühlen sich vom Papst bestätigt

Die in Österreich aktiven Kirchenreformgruppierungen sehen sich vom jüngst veröffentlichten Papstdokument „Amoris laetitia“ in ihren Forderungen wesentlich bestärkt.

Mit dem nachsynodalen Schreiben ändere Papst Franziskus zwar weder Lehre noch Kirchenrecht, er ordne aber die nach wie vor geltenden Vorschriften einer situations- und menschengerechten Handhabung unter, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Laieninitiative, Pfarrer-Ini-tiative, „Wir sind Kirche“, und „Priester ohne Amt“. Der Papst „folgt damit dem Grundsatz, dass das Gewissen die höchste Instanz und dass Barmherzigkeit angesichts erlebten Ver-sagens oberstes Gebot ist“, so die Gruppierungen.
In diesem Sinn bedeute das päpstliche Vorgehen „eine epochale Wende“ und biete „bedeutende Chancen für die Seelsorge der Kirche“. Es sei zu erwarten, „dass sich noch mehr als bisher eine erträgliche und menschennahe Glaubenspraxis entwickelt“, heißt es in der Stellungnahme. Die Gruppierungen konstatieren aber auch „berechtigte Kritik“ an „Amoris laetitia“, etwa im Blick auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Auch Fragen der Empfängnisverhütung würden durch das Papstschreiben „nicht berührt“, wird kritisch angemerkt.
Weiterhin gilt für die Gruppierungen zudem ihr Befund, dass die Kirche etwa zur Rolle von Frauen oder auch hinsichtlich des Zölibats „dem Fortschritt der Gesellschaft kläglich nachhinkt“. Der Weg von Franziskus berge daher auch Risiken und Gefahren, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme. „Jede menschliche Gemeinschaft, in der Regeln und Handeln nicht übereinstimmen, verliert ihre Autorität und die Kraft der Glaubwürdigkeit“, warnen die Initiativen. Entscheidend für die Zukunft der Kirche werde daher sein, „ob eine neue und verträglichere Handhabung der kirchlichen Familien- und Sexualmoral die Initialzündung für weitere Fortschritte bedeutet“. Wesentlich dafür sei, „ob auch der nächste Papst nach Franziskus die Notwendigkeit der Erneuerung erkennt“, wird festgestellt.

Oikocredit: Mikrokredite können Flucht und Elend vermeiden

Geldanlagen in Mikrokredit-Genossenschaften geben Menschen in den Armutsregionen der Welt eine Starthilfe für ein besseres Leben und schwächen damit indirekt auch Migrationsbewegungen ab. Das haben die Verantwortlichen der Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit Austria am 26. April bei ihrer Jahresbilanzpressekonferenz in Wien betont.

Fehlende Lebensperspektiven legten den Keim für Flucht und Migration, sagte Vorstandsvorsitzender Friedhelm Boschert.
Mit Mikrokrediten allein stoppe man zwar nicht die Flüchtlingsströme. „Wir leisten aber einen wichtigen Beitrag, dass Menschen vor Ort eine wirtschaftliche und damit auch soziale Perspektive bekommen“, so Boschert.

boschert friedhelm
Vorstandsvorsitzender
Friedhelm Boschert.

Mit Blick auf das vergangene Geschäftsjahr berichtet der Oikocredit-Austria-Vorstand  von zwei „Meilensteinen“: So verwalte die internationale Genossenschaft seit 2015 erstmals mehr als eine Milliarde Euro an Vermögenswerten. Oikocredit international gehöre damit zu den größten „sozialen Investoren“ weltweit. In Österreich, wo die Entwicklungsgenossenschaft seit 25 Jahren aktiv ist, habe man zudem jüngst den 5.000 Anleger begrüßt, berichtete Boschert. Rund 88 Millionen Euro haben heimische Anleger derzeit bei Oikocredit veranlagt. Um mehr als die Hälfte erhöht hat sich laut den Bilanzangaben 2015 der Kapitaleinsatz von Oikocredit in Afrika.

„So wird eine Pianistin Ordensfrau und bleibt Pianistin“

Mehr Ordensfrau oder Konzertpianistin? Joanna Jimin Lee muss nicht nachdenken: „Beides“, antwortet sie prompt und plötzlich breitet sich ein weites hörbares Lachen über das Gesicht der zierlichen Koreanerin aus.

Seit 2013 lebt Sr. Joanna als „Missionarin Christi“ in Wien. Ihr Talent fürs Klavierspielen führte sie von Korea über St. Petersburg nach Wien. Ihr Herz pendelte zwischen der Leidenschaft für die Musik und ihrer Beziehung zu Jesus – heute ergänzen sich ihre beiden Berufungen, aus dem „entweder oder“ ist ein „sowohl als auch“ geworden.

Messe passabel begleiten
Ihr erstes Gelübde legte Joanna als Kind ab, still und für sich bei ihrer Erstkommunion in Pohang, im Süden Koreas. Die Familie der Konzertpianistin gehört zur katholischen Minderheit, die Hausarzt-Praxis des Vaters lag auf dem Grund der Pfarre neben dem Pfarrhaus. Die Wechselbeziehung zwischen Musik und Glaube bestimmte bereits die Kindheit der Koreanerin. Beide Töchter sollten so gut Klavier spielen, „dass wir eine Messe passabel begleiten können“, so der Wunsch der Mutter. Aus dem „passabel Begleiten“ wurde eine Berufung. Joannas Schwester lebt heute als Organistin in den USA.

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Sr. Joanna Jimin Lee am Flügel.
F: Missionarinnen Christi.

Mutter erkannte Talent
Die Mutter erkannte das Talent der Tochter bald und mit dieser Erkenntnis kam die Bestrebung, die Begabung der Tochter ordentlich zu fördern. Dass Joanna Jimin Lee heute Konzertpianistin ist, verdankt die zierliche Koreanerin aber einem Auftritt mit dem Seoul Symphony Orchestra. Joanna war damals 14, auf dem Konzertprogramm stand ein Mendelssohn-Konzert. Den Auftritt beschreibt sie als „besonderes Gefühl, als Empfinden mit dem Publikum eins zu sein“. Dieses Gefühl war fortan Motivation für ihr Klavierspiel. Die Pianistin versteht sich als Transportmittel: „Wenn ich an das Publikum weitergeben kann, was ich aus dem Notenbild an Stimmung und Gefühl herauslese, bin ich glücklich, selber beschenkt.“
Wettbewerbe und Konkurrenzdruck ließen die eigentliche Motivation der damals 14-Jährigen mit der Zeit in den Hintergrund treten, mit der Folge, „dass ich unzufrieden war und mich fragte, wieso mache ich das eigentlich?“. Für Ruhm, Ehre und Reichtum wollte sie nie spielen.

Mit 15 nach St. Petersburg
Mit 15 ging sie nach St. Petersburg. Der Weg zur erfolgreichen Konzertpianistin verlangte nicht nur dem Teenager sondern auch der Familie Opfer ab. Immer wieder war die Familie getrennt, die Mutter lebte zeitweise bei der Tochter in St. Petersburg und Österreich. In typischer koreanischer Manier hielt die Familie für die Karriere der Tochter durch.

Professur in Seoul
Die ersten Erfolge Joannas gaben dem Elternhaus recht. Als 16-Jährige hatte die Tochter ihren ersten internationalen Erfolg beim Chopin-Wettbewerb in Darmstadt. In der folgenden Studienzeit in Wien und bei Hans Leygraf in Salzburg war sie immer wieder Preisträgerin bei international angesehenen Wettbewerben in Porto, Zaragoza und Genf. In Wien gewann sie 2000 den Bösendorfer-Wettbewerb. 2007 nahm sie die Professur an der Ewha Womans University in Seoul an. In der Musikwelt hatte es die Koreanerin sprichwörtlich „geschafft“, glücklich machte sie das aber nicht.

Kraft im Gebet
Ihren Glauben hatte die junge Pianisten nie ganz verloren. Das weltweit in allen Sonntagsmessen verlesene Evangelium gab ihr das Gefühl, mit ihrer Familie verbunden zu sein, im Gebet suchte sie Kraft und Unterstützung. Und trotzdem sei ihr Glaube noch unreflektiert gewesen. Die tiefe Jesus-Beziehung, die ihr Leben heute kennzeichnet, reifte erst nach einer Glaubenskrise in Wien. „Ich habe plötzlich nicht mehr alles unhinterfragt geglaubt. Wer ist dieser Jesus eigentlich, wie kann er Gott und Mensch zu gleich sein und wie ist eine jungfräuliche Geburt möglich?“, spukte es damals durch ihren Kopf. In diese Zeit fallen auch der Besuch der Theologischen Kurse und der Beginn einer folgenschweren Freundschaft, jener zu Sr. Ruth Pucher, ebenfalls Missionarin Christi.

Seit sieben Jahren „Missionarin Christi“
Im zweiten Jahr der Professur in Seoul dachte sie als angesehene Professorin seit langem wieder über das Gelübde nach, das sie als Kind gemacht hatte. Ein Jesuit habe sie damals gefragt, ob sie schon einmal darüber nachgedacht habe, Ordensschwester zu werden. Der weitere Weg bis zum Ordenseintritt war gesäumt mit Gesprächen, Gebeten, Exerzitien, die schließlich 2009 in den Eintritt mündete. „Ich hab einfach gespürt, das passt jetzt.“ Die Wahl der Ordensgemeinschaft war schnell getroffen. Sie kannte die „Missionarinnen Christi“, war zuversichtlich, dass sie sich dort nicht verbiegen und ihre Persönlichkeit einer Ordensgemeinschaft ganz unterordnen müsse. Heuer hat Sr. Joanna zum zweiten Mal ihr zeitliches Gelübde für weitere 3 Jahre verlängert, „ich kann es mir aber auch längerfristig vorstellen“, ist sie überzeugt.
Der Universität ist sie treu geblieben. Die Musikerin arbeitet als Seelsorgerin für Musikstudierende im Auftrag der Erzdiözese Wien. Musikalische Akzente setzt sie auch in ihrer Arbeit im Ordenszentrum „Quo Vadis?“. Dort bietet sie Studierenden jeden Mittwoch eine Bühne, „auf der sie nicht perfekt sein müssen und Erfahrung sammeln können“.