Inhalt der gedruckten Ausgabe 17/2017

Leitartikel

Maria – Vermittlerin zwischen Religionen

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Ass.-Prof. Dr. Frank Walz
Liturgiewissenschaftler und Diakon
Salzburg

Information

Trotz der Terroranschläge am Palmsonntag reist Franziskus nach Ägypten
Libanon: Muslimischer Premier will Religionsdialog „im Zeichen Marias“

Am Palmsonntag wurden in Ägypten bei Terroranschlägen auf zwei koptische Kirchen mindestens 44 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt. Ungeachtet der gefährlichen Lage will Papst Franziskus wie geplant am 28. und 29. April Kairo besuchen.

Lutherischer Bischof kann sich Ehrenprimat des Papstes vorstellen

Der lutherische Bischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, kann sich ein Ehrenprimat des Papstes auch für Lutherische Kirchen vorstellen.

„Urbi et orbi“: Papst fordert mutige Initiativen für den Frieden

Papst Franziskus hat in seiner „Urbi et orbi“-Osterbotschaft, die er vom Balkon des Petersdom verlesen hat, neue Initiativen für den Frieden in der Welt gefordert.

Mayrhofer: „Auf Frauen im Weihesakrament nicht verzichten“

Die katholische Kirche braucht aus Sicht der Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs (VFÖ), Sr. Beatrix Mayrhofer, auf lange Sicht auch Frauen in den an die Weihesakramente gebundenen kirchlichen Ämtern.

Hunderttausende Thomaschristen pilgern zu indischem Heiligtum

Mehr als 600.000 Thomaschristen pilgerten laut UCAnews bis zum Karfreitag in den indischen Bundesstaat Kerala. Dort folgten sie einem Kreuzweg zur Kirche auf dem 600 Meter hohen Berg Malayatoor.

Angriff auf Rachelsgrab

Die israelische Polizei hat am Karmontag fünf Palästinenser festgenommen. Den Männern im Alter von 17 bis 24 Jahren wird nach Polizeiangaben vorgeworfen, am sogenannten „Rachelsgrab“ bei Bethlehem Brandsätze und Steine geworfen zu haben.

Trump reist nach Italien, aber nicht in den Vatikan
Obama besucht Deutschen Evangelischen Kirchentag

US-Präsident Donald Trump wird im Zuge seiner Italienreise am 26./27. Mai nicht mit Papst Franziskus zusammentreffen. Das berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf offizielle vatikanische und amerikanische Quellen.

„Jugend Eine Welt“: Straßenkinder brauchen besseren Schutz

Mehr internationale Aufmerksamkeit für Straßenkinder fordert „Jugend Eine Welt“. Jedes betroffene Land soll Aktionspläne zu ihrem Schutz beschließen und dafür ausreichend Geldmittel zur Verfügung stellen, betonte der Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks, Reinhard Heiserer, am Dienstag in einer Aussendung.

Bischof von Aleppo: Assad-Sturz wird zu Christenverfolgung führen

Der chaldäische Bischof von Aleppo (und Präsident der syrischen Caritas), Mar Antoine Audo, hat im „Radio Vatikan“-Interview vor dem von den USA betriebenen Sturz von Machthaber Baschar al-Assad gewarnt.

Argentinien: Eltern eines Mordopfers erhielten Papst-Anruf

Papst Franziskus hat am Palmsonntag mit den Eltern eines vor kurzem ermordeten Mädchens in Argentinien telefoniert.

Deutsche Politiker zeigen Weihbischof Laun an

Das vom Salzburger Weihbischof Andreas Laun Ende März veröffentlichte Schreiben gegen die sogenannte „Gender-Ideologie“ sorgt weiter für Wirbel.

USA: Bischöfe uneins im Umgang mit Kirchenasyl

Die rigide Haltung der Regierung von US-Präsident Donald Trump gegenüber illegalen Migranten hat zu heftigen Diskussionen über die Vorgangsweise der Kirchen geführt.

Caritas drängt auf Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung

Die Caritas fordert den weiteren Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung im Land. In Österreich gebe es weiterhin nicht ausreichend viele mobile Hospiz- und Palliativteams und zu wenige Tages- und stationäre Hospize.

Kardinal Müller: „Luther hatte mit Kritik am Ablasshandel Recht“

Mit seiner Kritik am Ablasshandel hat der Reformator Martin Luther aus Sicht des deutschen Kardinals Gerhard Ludwig Müller Recht gehabt.

Wiener Dialogzentrum und Vatikan planen weitere Zusammenarbeit

Die Spitzen des Wiener König-Abdullah-Dialogzentrums (KAICIID) und die vatikanischen Zuständigen für Religionsdialog haben die bisherige Zusammenarbeit besprochen und Konsultationen auch für die Zukunft in Aussicht gestellt.

Befreiungstheologe Boff: Ich möchte Benedikt XVI. umarmen

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff wünscht sich eine Aussöhnung mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI. (2005-2013). Im Interview zum am Ostersonntag bevorstehenden 90. Geburtstag Benedikts sagte Boff der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA in Rio: „Er ist stets ehrlich, und deswegen schätze ich ihn.

Vatikan-Briefmarke zum 90. Geburtstag von Benedikt XVI.

Die Vatikanpost hat zum 90. Geburtstag von Benedikt XVI. eine Sonderbriefmarke herausgegeben.

Restaurierter Trevi-Brunnen beschert der Caritas Rekorderlös

Der frisch restaurierte Trevi-Brunnen hat der römischen Caritas eine Rekordspende von 1,4 Millionen Euro beschert. Diesen Betrag ergaben die Münzen, die vor allem ausländische Touristen im Jahr 2016 in das Bassin des römischen Monuments warfen – in der Hoffnung, nach Rom zurückzukehren.

Leitartikel

Maria – Vermittlerin zwischen Religionen

US-Präsident Trump zeigte sich sicher, dass hinter einem Giftgasangriff in Syrien dessen Machthaber Assad steckte. Deshalb ließ er Raketen auf eine Luftwaffenbasis des Machthabers abfeuern.
Zur Erinnerung: Sein Vorgänger George Bush ließ 2003 den Irak erobern, um einen angeblich bevorstehenden Angriff des Iraks mit Massenvernichtungsmitteln auf die USA zu verhindern. Die Kriegsbegründung erwies sich als falsch. Die Massenvernichtungsmittel wurden nicht gefunden.
Bushs angekündigte „neue Weltordnung“ bewirkte das Gegenteil. Das heutige Chaos im Irak und in Syrien war die Folge. Und ein Massenexodus von Christen.
Weder Bush noch Trump scherten sich um die UNO. Diese sollte die Initiative ergreifen, sagt unser Außenminister Kurz: „Die Krise in Syrien bedarf einer politischen Lösung.“
Eine Initiative der besonderen Art ist bei uns medial ganz untergegangen: Im Libanon, das auf die Bevölkerung gerechnet die meisten Syrienflüchtlinge aufgenommen hat, hat der muslimische Premier Hariri einen Religionsdialog „Maria“ vorgeschlagen. Denn die Mutter Jesu werde von Christen und Muslimen gemeinsam verehrt. Die Ankündigung Hariris erfolgte bei einer Feier der Plattform „Gemeinsam vor der Jungfrau Maria“ in einem  Jesuiten-Kolleg.
„O Maria hilf uns all, hier in diesem Jammertal“, heißt es in einem Lied. Wie wahr.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Apg 2, 42-47

Alle, die gläubig wurden, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam

Die Gläubigen hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. Alle wurden von Furcht ergriffen; denn durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.

 

Zweite Lesung:   1 Petr 1, 3-9

Durch die Auferstehung Jesu Christi haben wir eine lebendige Hoffnung

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben und das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe empfangen, das im Himmel für euch aufbewahrt ist. Gottes Macht behütet euch durch den Glauben, damit ihr das Heil erlangt, das am Ende der Zeit offenbart werden soll. Deshalb seid ihr voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird eurem Glauben Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil.

 

Evangelium:   Joh 20, 19-31

Acht Tage darauf kam Jesus und trat in ihre Mitte

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
Thomas, genannt Didymus – Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

 

Gedanken zum Sonntag

Ass.-Prof. Dr. Frank Walz
Liturgiewissenschaftler und Diakon
Salzburg

Gesehen

Jesus wurde gekreuzigt, ist gestorben, wurde begraben – und das heutige Evangelium berichtet uns, wie die Jünger sich ängstlich zurückziehen, ratlos, unwissend… Auf der anderen Seite hören wir aus der Apostelgeschichte wie die Gläubigen „…in der Lehre der Apostel  und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten [beharrten].“ Dieser beharrlichen Gemeinschaft verdanken alle nachfolgenden Generationen ihren Glauben. Aber auch jenen, die zweifeln und sehen wollen wie Thomas.
Jesus zeigt sich, er kommt in unsere Mitte und spricht uns den Frieden zu und er respektiert offensichtlich unsere Zweifel, auch unsere Sehnsucht hand-greiflich werden zu wollen. So fordert er uns sogar auf, ihn sinnenhaft zu begreifen, unsere Finger in seine (Nagel-)Wunden, unsere Hand in seine offene Seite zu legen. „Den Finger in die (offene) Wunde legen“, das ist eine schmerzhafte Angelegenheit, das erinnert an eine grausame Vorgeschichte. Die sichtbare Wunde erzählt die ganze (Heils-)Geschichte, nicht nur das Happyend.
Immer wieder gibt es Menschen, die kommen, um Jesus zu sehen, damals wie heute. Ihn zu sehen ist ein kostbares Geschenk, von ihm angesehen zu werden eine große Auszeichnung, unter seinem Antlitz zu stehen ein Segen. Als Getaufte sind wir dazu berufen, Sehende zu sein: „Lass uns immer tiefer erkennen, wie heilig das Bad der Taufe ist, das uns gereinigt hat, wie mächtig dein Geist, aus dem wir wiedergeboren sind und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind…“ (Tagesgebet).

 

Information

Trotz der Terroranschläge am Palmsonntag reist Franziskus nach Ägypten
Libanon: Muslimischer Premier will Religionsdialog „im Zeichen Marias“

Am Palmsonntag wurden in Ägypten bei Terroranschlägen auf zwei koptische Kirchen mindestens 44 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt. Ungeachtet der gefährlichen Lage will Papst Franziskus wie geplant am 28. und 29. April Kairo besuchen.

Wenige Tage zuvor hatte Libanons Muslimischer Premier Hariri zu einem Religionsdialog „im Zeichen Marias“ aufgerufen. Die Mutter Jesu sei „die schönste der Frauen“, die von Muslimen und Christen gemeinsam verehrt werde.

Terror gegen Kopten
Zuerst sprengte sich laut Augenzeugen in der Früh ein Selbstmordattentäter während des Palmsonntagsgottesdienstes in der vollbesetzten St. Georgs-Kirche in der Stadt Tanta nördlich von Kairo in die Luft. Mindestens 27 Menschen wurden dabei in der größten christlichen Kirche der Region im Nildelta getötet.
Wenige Stunden später explodierte eine weitere Bombe außerhalb der St.-Markus-Kathedrale in der Hafenstadt Alexandria, dem Sitz des koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II.


Großscheich Ahmed Al-Tayyeb.

Großscheich: „Verabscheuungswürdig“
Der Großscheich der renommierten islamischen Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, den Franziskus bei seinem Besuch treffen will, sprach sofort nach dem ersten Anschlag von einem „verabscheuungswürdigen Terrorakt, der auf das Leben Unschuldiger zielte“. Er und Franziskus wollen bei ihrer Begegnung in Kairo dem interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen neue Impulse geben.

Zweiter Anschlag binnen sechs Monaten
Es ist der zweite Anschlagstag gegen Ägyptens koptische Minderheit binnen sechs Monaten. Im Dezember wurden bei einer Explosion in der Peter-und-Paul-Kirche neben der koptischen Markus-Kathedrale in Kairo 29 Menschen getötet und 47 verletzt. In Ägypten stellen sunnitische Muslime die Bevölkerungsmehrheit. Der Anteil koptischer Christen, deren Ursprünge auf die frühesten Zeiten des Christentums zurückgehen, wird auf etwa zehn Prozent geschätzt.

Muslime spenden Blut
Mehrere Moscheen in Ägypten haben noch am Palmsonntag spontane Solidaritätsaktionen für jene koptischen Christen veranstaltet, die bei den beiden Terroranschlägen verletzt worden sind. In der Stadt Tanta wurde per Lautsprecher zum Blutspenden in den Moscheen aufgerufen, geht aus einem Bericht des Fernsehkanals „Al Arabiya“ hervor.

„Modell Libanon“
Im Libanon fühlen sich Christen und Muslime durch die kürzlich abgehaltene interreligiöse Al-Azhar-Tagung über „Freiheit und Bürgerschaft, Diversität und Integration“ bestärkt, das „libanesische Modell“ des Zusammenlebens nicht nur zu verteidigen, sondern auch weltweit bekannt zu machen. Am 25. März, dem Fest Mariä Verkündigung, das seit 2010 im Libanon als Nationalfest unter dem Vorzeichen der gemeinsamen Verehrung Marias im Christentum und im Islam begangen wird, kündigte Ministerpräsident Saad Hariri – selber ein Muslim – an, dass der libanesische Staat im Zentrum von Beirut ein großes Grundstück für den Bau eines „Internationalen Marianischen Zentrums für den interreligiösen Dialog“ zur Verfügung stellen wird. Ministerpräsident Hariri unterstrich die Bedeutung der Tatsache, dass sich Christen und Muslime am 25. März in Jamhour um „die schönste der Frauen“, die ein „Punkt der Begegnung“ zwischen den beiden Religionen sei, versammelt haben.


Ministerpräsident Saad Hariri.

„Neue marianische Kultur“
Die Ankündigung Hariris erfolgte bei einer Feier der Plattform „Gemeinsam vor der Jungfrau Maria“ im berühmten Jesuiten-Kolleg Notre-Dame-de-Jamhour. In Kommentaren war von einer Initialzündung für eine „neue marianische Kultur des Miteinanders und der Koexistenz“ die Rede.


Nagy el Khoury.

Der christliche Ko-Sekretär der Plattform, Nagy el Khoury, brachte den Wunsch zum Ausdruck, dass diese neue Kultur ausgehend von Jamhour sich in alle Teile des Libanons, aber auch „weit über die Grenzen des Landes hinaus in alle Welt“ verbreiten sollte. In den letzten Jahren sei das Fest Mariä Verkündigung am 25. März schon in Nazareth und in italienischen, französischen, nordafrikanischen, polnischen und belgischen Orten und Pfarren im Zeichen der interreligiösen Begegnung begangen worden. Jetzt bestehe die Hoffnung, dass der Libanon ein „Epizentrum des weltweiten Dialogs“ wird und der 25. März auch den Charakter eines „internationalen Tags des interreligiösen Dialogs“ erhält.

Scheich: UNO soll 25. März proklamieren
Scheich Mohammed Nokkari, der muslimische Kollege Khourys, bedauerte, dass in den letzten Jahren „eine Bande von Verbrechern“ im Nahen Osten ohne jede Berechtigung den Anspruch erhoben habe, „im Namen des Islam“ zu regieren.


Scheich Mohammed Nokkari.

Die in Jamhour sichtbar gewordene gemeinsame Initiative von Christen und Muslimen sei eine würdige Antwort auf die von den IS-Terroristen ausgelöste „Spirale des Hasses“. Es sei zu hoffen, dass auch die Vereinten Nationen den 25. März zum „internationalen Tag des interreligiösen Dialogs“ proklamieren.

Trump reist nach Italien, aber nicht in den Vatikan
Obama besucht Deutschen Evangelischen Kirchentag

US-Präsident Donald Trump wird im Zuge seiner Italienreise am 26./27. Mai nicht mit Papst Franziskus zusammentreffen. Das berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf offizielle vatikanische und amerikanische Quellen.

Bisher haben zwölf US-Präsidenten sechs Päpste im Vatikan und in den Vereinigten Staaten kennengelernt, wobei sämtliche Präsidenten seit Franklin D. Roosevelt (1933-1945) in den Vatikan gekommen waren.
Der frühere US-Präsident Barack Obama (55) kommt Ende Mai zum Deutschen Evangelischen Kirchentag. Zu dem Christentreffen vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg werden mehr als 100.000 Teilnehmer erwartet.


Barack Obama.

Obama fand erst als Erwachsener zum Glauben
Obama zählt zu jenen Politikern, die ihre Religiosität nicht öffentlich zur Schau stellten. Entsprechend diffus war auch nach acht Jahren seiner Präsidentschaft die Vorstellung der US-Amerikaner über seine Glaubenszugehörigkeit: In einer CNN-Umfrage kurz vor Ende seiner Amtszeit sagten ein Viertel aller US-Bürger und 43 Prozent aller Republikaner, sie glaubten, ihr Präsident sei ein Muslim – eine Aussage, die auch sein Nachfolger Donald Trump aufgriff. Lediglich 39 Prozent wussten, dass Obama „ein Protestant oder anderer Christ“ sei.
Tatsächlich stammt Barack Obama aus einem wenig religiösen Elternhaus. Sein abwesender kenianischer Vater war säkularer Muslim, seine alleinerziehende Mutter aus Kansas hatte wenig Bezug zu ihrer christlichen Herkunft. Der spätere Präsident fand somit erst als Erwachsener zum Glauben, wobei er den Prozess seines spirituellen Erwachens in seinen beiden autobiografischen Büchern schildert. Er ging einher mit seinem Freiwilligen-Einsatz in der armen Southside von Chicago, wo er von christlich-sozialen Vorstellungen beeinflusst wurde.

Bischof von Aleppo: Assad-Sturz wird zu Christenverfolgung führen

Der chaldäische Bischof von Aleppo (und Präsident der syrischen Caritas), Mar Antoine Audo, hat im „Radio Vatikan“-Interview vor dem von den USA betriebenen Sturz von Machthaber Baschar al-Assad gewarnt.

Wenn das Regime fällt, gäbe es kaum noch Interessensgruppen, die die Christen vor der Verfolgung durch die sunnitischen Muslime schützen könnten, so Audo.
„Es gibt ein Projekt, Syrien zu teilen“, erläuterte der Bischof: „Wir dachten ja früher immer: Das, was im Irak passierte, kann bei uns nicht passieren. Aber jetzt sehen wir das alles“. Den Christen könnte dann die Vertreibung aus Syrien drohen.
Audo zweifelt nicht daran, dass  der Krieg schon lange vorüber wäre, hätten sich nicht ausländische Akteure eingemischt.


Bischof Mar Antoine Audo.

Ostern in Aleppo
In den vergangenen Jahren erlebten die Menschen in Aleppo traurige Ostern. Dieses Jahr ist es anders.  Schwester Annie Demerjian in der Karwoche: „Gott sei Dank fühlen wir uns viel sicherer. Die Bombardierungen haben aufgehört. An diesem Osterfest bin ich so glücklich, genauso wie alle anderen Christen, die es nach so vielen Jahren des Krieges in Frieden feiern werden. Jetzt fühlen wir uns viel sicherer, wenn wir zur Kirche gehen und aus der Kirche zurückkommen. Wir danken Gott dafür, dass sich die Lage verbessert hat. Ich wünschte, nächstes Jahr an Ostern könnten alle geflüchteten Menschen in ihre wiederhergestellten Häuser zurückkehren. Ich hoffe, dass in unserem Land der Frieden und die Liebe die Oberhand gewinnen, so dass wir alle wieder vereint sein werden.“


Schwester Annie Demerjian.
Foto: Kirche in Not.

Die Zahl der Christen unter den verbliebenen Einwohnern in Aleppo und Umgebung wird auf 40.000 geschätzt. Es sind diejenigen, die nicht aus der Stadt fliehen konnten, weil sie zu arm sind oder weil die Verwandten, zu denen sie hätten gehen können, das Land bereits verlassen haben.

Befreiungstheologe Boff: Ich möchte Benedikt XVI. umarmen

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff wünscht sich eine Aussöhnung mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI. (2005-2013). Im Interview zum am Ostersonntag bevorstehenden 90. Geburtstag Benedikts sagte Boff der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA in Rio: „Er ist stets ehrlich, und deswegen schätze ich ihn.

„Wenn er einmal den derzeitigen Papst Franziskus treffe, der ihn bereits eingeladen habe, so der 78-jährige Boff, „dann möchte ich auch Kardinal Ratzinger, den Papst Benedikt XVI., umarmen, um eine Art Versöhnung zu erreichen“. Er wünsche ihm, „dass er weiter lebt und denkt, um weiterhin ein Zeugnis des Glaubens abzugeben“.


Befreiungstheologe Leonardo Boff.

Boff hatte als Student eine enge Beziehung zu seinem Mentor Joseph Ratzinger. Anfang der 1980er Jahre erteilte ihm die damals von Ratzinger geleitete Römische Glaubenskongregation jedoch ein Lehrverbot. Nach dem Prozess hätten sich die beiden nie wieder getroffen, so Boff.

„Wir waren befreundet“
In dem Interview beschrieb Boff die wechselnden Phasen seiner fachlich-persönlichen Beziehung mit Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. „In der ersten Phase war er ein bekannter und sehr intelligenter Professor“, sagte Boff. „Er war immer eine feine Person, und ich habe als Student in München etliche Vorträge von ihm gehört.“
Später arbeiteten die beiden gemeinsam an der theologischen Zeitschrift „Concilium“. In der Mittagszeit hätten sie oft bei Spaziergängen über Theologie und über die Situation Lateinamerikas gesprochen, so Boff. „Wir waren tatsächlich befreundet.“ Ratzinger habe sogar einen Verleger für Boffs Doktorarbeit gefunden, die niemand habe veröffentlichen wollen, und selbst zu den Druckkosten beigetragen.

„Verdammt zum zensieren“
Zum Lehrverbot durch die Glaubenskongregation berichtete Boff: „Ich musste mich auf denselben Stuhl setzen, auf dem zuvor Galileo Galilei (1564-1642) und Giordano Bruno (1548-1600) gesessen hatten. Das war ein richtiger kanonischer, juristisch-doktrinärer Prozess.“
Ratzingers Kritik richtete sich gegen Boffs Buch „Kirche: Charisma und Macht“. Der Befreiungstheologe: „Ratzinger fand, dass meine Art zu schreiben eher protestantisch als katholisch sei. Ich hatte ein bisschen Kritik geübt an der internen Praxis der Kirche.“ Es sei nicht um unterschiedliche Lehren, sondern um eine allzu kritische Haltung gegenüber der Kirche gegangen, so Boff.
Der Brasilianer betont, er habe Ratzinger „trotzdem immer als Person und als Theologen geschätzt“. Er habe verstanden, „dass er nach der Logik der Glaubenskongregation verdammt war, mich zu zensieren.“ Immer wenn Journalisten Ratzinger später gefragt hätten, wie es mit Boff stehe, habe er gesagt: „Boff ist ein frommer Theologe. Und er wird eines Tages wieder zurückkommen zur guten Lehre der Kirche.“

„Franziskus bringt Licht in die Welt“
Papst Franziskus bezeichnete Boff in dem Interview der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA wörtlich als „Referenzpunkt für die Politik“. Es gebe heute „einen Mangel an Propheten, an profilierten Personen, die für die Welt sprechen können“. Neben dem Dalai Lama sei „Franziskus eine der Personen, die Licht in die Welt bringen“.
Der Papst aus Lateinamerika habe ein religiöses und zugleich politisches Profil, so der Brasilianer Boff. „Religiös im Sinne seiner Offenheit, die Kirche als eine Art Kriegslazarett anzusehen: offen für alle Verwundeten, egal ob Muslim oder Christ.“ Politisch gesehen setze sich Franziskus ständig für Dialog und Frieden ein.