Inhalt der gedruckten Ausgabe 17/2016

Leitartikel

„Wir“ und „die“

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Willi Hailzl
Elektriker
Wien

Information

Warum ist Religion zurück? Das Kreuz provoziert!

Das Bedürfnis zu glauben wächst umso stärker, je deutlicher der spirituelle Bankrott der kapitalistischen Ordnung sichtbar wird. Diese These vertritt der britische marxistische Literaturtheoretiker Terry Eagleton (74) in seinem Buch „Der Tod Gottes und die Krise der Kultur“.

Syrisch-orthodoxer Bischof: Islam will Europa bekehren

Zur Wachsamkeit gegenüber dem Islam hat der syrisch-orthodoxe Bischof für Österreich und die Schweiz, Dionysos Isa Gürbüz, aufgerufen.

US-Bischöfe feuern Chefredakteur

Völlig überraschend hat die Bischofskonferenz der USA  Tony Spence als Chefredakteur ihrer Nachrichtenagentur “Catholic News Service” nach 12 Jahren gefeuert.

Papst gedachte Samstag der 500 vor Lesbos ertrunkenen Flüchtlinge

Papst Franziskus, Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel und Erzbischof Hieronymos II. von Athen haben am Samstag in einem Schiff vor der Küste von Lesbos der ca. 500 in der Ägäis ertrunkenen Flüchtlinge gedacht und Migrantenunterkünfte besucht.

CSU-/CDU-Politiker fordern Islamgesetz

Prominente CSU- und  CDU-Politiker fordern ein deutsches Islamgesetz, das in einigen Punkten dem österreichischen Vorbild folgen soll.

Deutschland braucht 6 neue Bischöfe

Papst Franziskus hat bisher in seiner Amtszeit nur drei neue Bischöfe in Deutschlands 27 Diözesen ernannt. An drei weiteren Orten verschob er Leitungspersonal von A nach B. Nun werden mehrere Neubesetzungen unausweichlich.

Rekordergebnis: Sternsinger sammeln 16,7 Millionen Euro

Die Sternsingeraktion konnte auch 2015 wieder ein Rekordergebnis einfahren: Exakt 16.664.939,28 Euro landeten heuer zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag in den Kassen der Sternsinger, gab die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar Österreich am Dienstag bekannt.

TinglTangl – Kindererlebniswoche

Große Vorfreude in der Diözese St. Pölten: In der zweiten Juli-Woche lädt die Katholische Jungschar zum TinglTangl nach Herzogenburg. Hunderte Kinder verbringen vom 10. bis 16. Juli gemeinsam eine Erlebniswoche voll Gemeinschaft, Abenteuer und Action.

Moskauer katholisch-orthodoxe Delegation im Libanon und in Syrien

Der von Papst Franziskus und dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. in Kuba vereinbarte gemeinsame Einsatz für den Nahen Osten trägt erste Früchte: Erstmals reiste eine Delegation beider Kirchen in den Libanon und nach Syrien. Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ hatte die Reise organisiert.

Schönborn: Zaunbau am Brenner zeigt Verhärtung der Herzen

Kardinal Christoph Schönborn hat in der italienischen Zeitung „La Stampa“ die Errichtung von Zäunen gegen Flüchtlinge wie an der österreichisch-italienischen Brenner-Grenze kritisiert.

Prag stoppt Aufnahme von christlichen Flüchtlingen aus dem Irak

Die tschechische Regierung hat ein Aufnahmeprogramm für christliche Flüchtlinge aus der irakischen Ninive-Ebene gestoppt, die vor den IS-Terroristen aus ihrer Heimat flüchten mussten.

Kirchenhistoriker Wolf: Papstschreiben ist revolutionär

Der deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat die jüngste Papstbotschaft zu Ehe und Familie als revolutionär bezeichnet. Franziskus vollziehe mit „Amoris laetitia“ einen „grundsätzlichen Paradigmenwechsel in der päpstlichen Lehrverkündigung“, schreibt der an der Universität Münster lehrende Theologe in der „Süddeutschen Zeitung“. Der Papst mache „ernst mit seinem immer wieder verkündeten Programm der Barmherzigkeit“.

Papst: Kirchliche Hexenverfolgung war Unrecht

Papst Franziskus hat die kirchliche Mitwirkung an Hexenverfolgungen und Ketzerverbrennungen als Unrecht angeprangert. Oft seien in der Geschichte Menschen getötet und verurteilt worden, „obwohl sie unschuldig waren: verurteilt mit dem Wort Gottes gegen das Wort Gottes“, sagte er am 11. April in seiner Morgenmesse im Vatikan.

Morales, Correa und Sanders bei vatikanischer Sozialkonferenz

Papst Franziskus hat am Freitag den bolivianischen Präsidenten Evo Morales empfangen, der an einer Konferenz der Päpstlichen Akademie für die Sozialwissenschaften im Vatikan teilnahm.

Berlin und Oslo: Evangelische Landeskirchen erlauben „Homo-Ehen“

Zwei große evangelische Landeskirchen – Berlin/Brandenburg und Norwegen – haben die Trauung für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt.

Mindestsicherung: Armutskonferenz benennt „vergessene Probleme“

Auf „vergessene Probleme in der Mindestsicherung“ hat die Armutskonferenz hingewiesen. Eine Reihe von heiklen Themen würden sich dabei „nicht nach den Kampagnen der Parteibüros richten“.

Prof. Zulehner: Kirche sollte mehr auf Ordensfrauen setzen

Die Kirche wäre gut beraten, das enorme Führungspotenzial von Ordensfrauen besser zu nutzen.

„Aktion Leben“ gegen Wiener SPÖ: „Bewusste Falschmeldungen“

Als „absurd“ hat die Aktion Leben Behauptungen der SPÖ-Wien über die Bürgerinitiative zur Einführung einer Abtreibungsstatistik („Fakten helfen!“) zurückgewiesen.

25 Jahre Betriebsseelsorge St. Pölten: Brückenbauer und völkerverbindend

Mit einem Festakt feierte die Diözese St. Pölten 25 Jahre Betriebsseelsorge St. Pölten. Die Betriebsseelsorge baute in dieser Zeit viele Brücken: zwischen Arbeitenden und Kirche, zwischen Jung und Alt und zwischen Zuwanderern und Einheimischen.

Otto Schenk gab Salzburger Erzbischof Tipps für eine gute Predigt

„Ich hätte Gott gerne als Souffleur gehabt“: So beantwortete Otto Schenk die Frage des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner, welche Rolle Gott in seinem Welttheater spielen würde – „Regisseur, Statist oder Kulissenschieber?“

Unabhängige Opferschutzkommission hat „Pionierarbeit“ geleistet

Bundespräsident Heinz Fischer hat die Verdienste der Unabhängigen Opferschutzkommission in der Aufarbeitung von Missbrauch und Gewalt im kirchlichen Bereich gewürdigt. Anlass dafür war eine Ordensverleihung am 15. April an jene Mitglieder der Klasnic-Kommission, die noch keine Bundesauszeichnungen hatten.

Leitartikel

„Wir“ und „die“

Benedikt XVI. glaubt, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die Flüchtlingskrise schaffen werde. So die Illustrierte „Bunte“ zu Ostern. Doch selbst Merkel glaubt das nicht mehr.
Aus dem „Wir schaffen das“ ist längst ein „Die schaffen das“ geworden. „Die“ – die EU. Doch die zwei Dutzend Länder finden keine Wege, die meisten wollen auch gar nicht.
Österreichs Regierung sucht nach einigen Fehlentscheidungen, für die sie bei der kommenden Bundespräsidentenwahl wohl abgestraft wird, beinahe verzweifelt nach Auswegen. Und bekommt dafür rundum nur Hiebe samt völlig unrealistischen Ratschlägen: Sie brauche nur genug Druck auf die anderen Staaten ausüben, damit eine gerechte Verteilung der Migranten zustande kommt. Doch Wien ist kein Machtzentrum mehr wie 1916.
Glauben manche wirklich, dass das Volk Engel an die Macht zaubert, wenn die sozial-christdemokratische Regierung nur einmal zum Teufel gejagt ist?
Gerade wir Leute von der Kirche müssten vorsichtig sein. Welche Reformen haben wir, die scheinbar überall – nur nicht bei uns selbst – alles besser wissen und können, schon auf die Wege gebracht? Wie handeln wir dort, wo wir Verantwortung tragen?
Haben wir nicht auch mit Schuld an der landesweiten Institutionen-Verdrossenheit? Taugen nur Politiker zu Sündenböcken? Warum immer nur die und nicht wir?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Apg 14, 21b-27

Sie berichteten der Gemeinde, was Gott zusammen mit ihnen getan hatte

In jenen Tagen kehrten Paulus und Barnabas nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück. Sie sprachen den Jüngern Mut zu und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen. In jeder Gemeinde bestellten sie durch Handauflegung Älteste und empfahlen sie mit Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten. Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren, kamen sie nach Pamphylien, verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab. Von dort fuhren sie mit dem Schiff nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes empfohlen hatte. Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.

 

Zweite Lesung:   Offb 21, 1-5a

Gott wird alle Tränen von ihren Augen wischen

Ich, Johannes, sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen : Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.

 

Evangelium:   Joh 13, 31-33a.34-35

Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht

In jener Zeit als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

 

Gedanken zum Sonntag

Willi Hailzl
Elektriker
Wien

Sein Auftrag an uns alle

In den heutigen Schrifttexten ist die Rede davon, dass die Worte Jesu an alle Menschen gehen. Es wird berichtet über die erste – für diese Zeit – globale Verkündigung. Es war der erste Blick über den Tellerrand. Dann steht aber dort der für mich unseligste Satz der Bibel, dass in jeder Gemeinde durch Handauflegen Älteste zu bestellen seien. Wer ist der Älteste? Ist das der alte Traditionalist oder das junge fortschrittliche Strohfeuer? Von Jesus wird nicht berichtet, dass er irgend jemandem die Hand aufgelegt hätte. Wenn er vom Heiligen Geist gesprochen hat, hat er alle angehaucht. Haben Petrus und Barnabas dieses Ritual erfunden? Die Tradition hat nur Männer gekannt, Frauen, siehe vorige Woche, wurden nur für Intrigen missbraucht? Interessant ist, dass sich Paulus und Barnabas später zerstritten haben. Gab es damals schon Auffassungsunterschiede? In der zweiten Lesung aus der Offenbarung geht es um die Himmelsvision. In Verbindung mit der Lesung der vorigen Woche versucht der Schreiber in orientalischer Weise den Himmel als Ort des ewigen Glücks zu beschreiben. Das ist deshalb wichtig und interessant, weil er uns erklärt, warum dieser Ort so erstrebenswert ist. Wenn der Himmel nur ein Ort undefinierter Diktion ist, warum sollen wir uns hier quälen um dorthin zu kommen? Die Offenbarung spricht davon, dass alles hier auf Erden ein Ende hat. Der Schluss des Evangeliums erinnert mich an Deuteronomium 6,4-7: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit ganzer Seele und deiner ganzen Kraft. Aber dort steht nur von den Söhnen, also der eigenen Familie. Jesus spricht dagegen von allen Menschen. Er sagt ich erkenne euch, wenn ihr einander liebt. Diese bedingungslose Liebe gilt für alle Menschen, nicht nur geweihte. Deshalb geht sein Auftrag an uns alle.

 

Information

Warum ist Religion zurück? Das Kreuz provoziert!

Das Bedürfnis zu glauben wächst umso stärker, je deutlicher der spirituelle Bankrott der kapitalistischen Ordnung sichtbar wird. Diese These vertritt der britische marxistische Literaturtheoretiker Terry Eagleton (74) in seinem Buch „Der Tod Gottes und die Krise der Kultur“.

Eagleton fordert in der Publikation, in der er sich mit Religion und Kultur seit der Aufklärung auseinandersetzt, keine religiöse Wohlfühlmoral, sondern eine radikale Änderung unserer Lebensweise. Am Anfang müsste die Solidarität mit den Armen und Machtlosen stehen – als Voraussetzung für ein längst überfälliges neues Verhältnis von Glaube, Kultur und Politik.

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Terry Eagleton.

Die links-liberale Hamburger „Zeit“ schreibt dazu: „Für einen marxistischen Kulturwissenschaftler ist das eine verblüffende Erklärung. Für gewöhnlich stammt nämlich die These, der Fundamentalismus sei die Rückkehr der gesellschaftlich verdrängten Religion, aus dem geistigen Umfeld konservativer Denkschulen. Sie suchen die Schuld bei den gotteslästerlichen Philosophen der Aufklärung und bei linksdrehenden Atheisten ganz allgemein.“
Die meisten Aufklärer, schreibt Eagleton, bekämpften nicht Gott, sondern das unheilige Bündnis von Thron und Altar – sie wollten „das Göttliche aus seiner Rolle in der Rechtfertigung politischer Autokratie befreien“.

Wer wischt die Tränen ab?
Die himmelhohe Vernunft der Aufklärer hätte eine gravierende Schwäche gehabt: Sie war ein nobles Ideal, doch fern des gelebten Lebens. Die Aufklärer verkannten, dass sie die Vernunft in „lokale Bräuche, Frömmigkeit und Gefühle einbetten mussten, wenn sie gedeihen sollte“ – die reine Vernunft schenkt uns „keine ekstatische Erfüllung, keinen Gemeinschaftssinn, und ganz sicher wischt sie nicht die Tränen der Trauernden ab“.
„Zeit“: „Für Eagleton bleibt das christliche Kreuz eine ultimative Provokation, denn eine Gesellschaft, die sich dem Skandal des ´gefolterten Menschenkörpers` aussetze, bekomme ein Gespür für die Zerbrechlichkeit des Daseins und werde erkennen, wie sinnlos es sei, die Götzen der kapitalistischen Freiheit anzubeten. An den ´extremen Forderungen der Bibel ist nichts Gemäßigtes oder Vermittelndes´. Sie lasse uns keine andere Wahl als die Solidarität mit den Armen und Machtlosen“.
Eagleton besuchte als Kind eine katholische Klosterschule in Manchester. Er war später ein Schüler des marxistischen Literaturkritikers Raymond Williams. und hat bisher 50 Bücher veröffentlicht.
Terry Eagleton: Der Tod Gottes und die Krise der Kultur. Übersetzt von Ulrike Strerath-Bolz, Pattloch Verlag, 290 S., 19,99 €.

Schönborn: Zaunbau am Brenner zeigt Verhärtung der Herzen

Kardinal Christoph Schönborn hat in der italienischen Zeitung „La Stampa“ die Errichtung von Zäunen gegen Flüchtlinge wie an der österreichisch-italienischen Brenner-Grenze kritisiert.

Was hier passiere, erfülle ihn mit einem Gefühl der Traurigkeit. „Das ist genau das Gegenteil von der Barmherzigkeit, zu der uns Papst Franziskus immer aufruft. Es ist die Verhärtung der Herzen. Wir in Europa leben in einer Situation, wo diese Haltung herrscht. Statt aufzunehmen denken wir an neue Barrieren.“

NGOs: „Riesiger Fehler“
Österreichs große Hilfsorganisationen haben ausdrücklich vor einer Verschärfung des Asylgesetzes gewarnt. Die Regierung sei davor, mit der geplanten Gesetzesnovelle „einen riesigen Fehler zu machen“, mahnten Caritas-Präsident Michael Landau, Diakonie-Direktor Michael Chalupka, und der Generalsekretär des Roten Kreuzes, Werner Kerschbaum, in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Es sei eine „faktische Abschaffung“ des Asylrechts mit weitreichenden negativen Folgen für Österreich und ganz Europa, so die Überzeugung der NGOs, die die Politik zu einem Umdenken aufforderten.

Scharfe Kritik an Regierung
Scharfe Kritik an den Plänen zur Verschärfung des Asylrechts hat die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) geäußert.

Gerda Schaffelhofer
KAÖ-Präsidentin Gerda Schaffelhofer.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Die Regierung habe „zu einem Schulterschluss der Unmenschlichkeit“ gefunden und beschließe im Eiltempo wie zuvor beim Fortpflanzungsmedizingesetz ein Gesetz, „das in Österreich verbürgte Grundrechte aushebelt“, warnte KAÖ-Präsidentin Gerda Schaffelhofer.
Ähnlich kritisch zeigte sich Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs.

Kirchenhistoriker Wolf: Papstschreiben ist revolutionär

Der deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat die jüngste Papstbotschaft zu Ehe und Familie als revolutionär bezeichnet. Franziskus vollziehe mit „Amoris laetitia“ einen „grundsätzlichen Paradigmenwechsel in der päpstlichen Lehrverkündigung“, schreibt der an der Universität Münster lehrende Theologe in der „Süddeutschen Zeitung“. Der Papst mache „ernst mit seinem immer wieder verkündeten Programm der Barmherzigkeit“.

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Kirchenhistoriker Hubert Wolf.

Vielen gehe das Abschlussdokument der Weltbischofssynode auf den ersten Blick vielleicht nicht weit genug, so Wolf. In der Tat verändere der Papst nichts an der Doktrin. „Aber bei ihrer Anwendung auf der Ebene der Disziplin und des seelsorglichen Handelns fordert Franziskus dezidiert zu neuen Wegen auf, von denen manche bis vor Kurzem noch mit dem Odium der Unkirchlichkeit behaftet gewesen wären.“ Es sei „befreiend“, dass der Papst die Notwendigkeit unterschiedlicher Interpretationen der kirchlichen Lehre in den verschiedenen Gegenden der Welt benenne.

Evangelische: Anknüpfungspunkte
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sieht im neuen Papst-Schreiben zu Ehe und Familie auch viele Anknüpfungspunkte für Protestanten.

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EKD-Ratsvorsitzender
Heinrich Bedford-Strohm.

Abgesehen von den sakramentalen Aussagen könnten auch evangelische Christen vieles würdigen, weil Franziskus in „Amoris laetitia“ die Dimensionen von Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung entfalte, die auch nach evangelischer Auffassung Ehe und Familie prägten.
Beeindruckt zeigt sich Bedford-Strohm vom zweijährigen Diskussionsprozess mit einer weltweiten Umfrage und zwei Bischofssynoden, die dem Schreiben vorausgegangen waren.

„Schönes poetisches Papier“
Die Regensburger Fürstin Gloria von Thurn und Taxis (56) hat das Schreiben „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus als „schönes, poetisches Papier“ bezeichnet. „Es zeigt, wie modern und wie in touch der Papst ist“, meinte die prominente konservative Katholikin in der „Zeit“.

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Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.

Sie hoffe, dass dieses Schreiben „nicht wieder zerredet und durch Eigenmächtigkeiten um seine erbauliche Wirkung gebracht“ werde. „Es wirft ein gutes Licht auf die ganze Kirche.“ Und weiter: „Im Übrigen wünschte ich mir, dass andere Religionen und Glaubensgemeinschaften ein ähnliches Papier vorlegen, dann gäbe es sicherlich weniger Krieg und Unfrieden auf der Welt.“ Von Thurn und Taxis betonte: „Was ich gelesen habe, ist alles sehr katholisch.“
Franziskus könne die Lehre nicht ändern. „Er und seine Mitarbeiter sind die Verwalter der Lehre“, so die Fürstin. „Ein Papst, der die Lehre in wesentlichen Punkten ändern würde, wäre häretisch und würde augenblicklich aufhören, Papst zu sein.“ Auf die Frage, ob der Papst jetzt Feminist sei, sagte von Thurn und Taxis: „Er hat jedenfalls für Feminismus viel Verständnis, wenn dieser dem Wohl der Frau dient und nicht vorgeschoben wird.“

25 Jahre Betriebsseelsorge St. Pölten: Brückenbauer und völkerverbindend

Mit einem Festakt feierte die Diözese St. Pölten 25 Jahre Betriebsseelsorge St. Pölten. Die Betriebsseelsorge baute in dieser Zeit viele Brücken: zwischen Arbeitenden und Kirche, zwischen Jung und Alt und zwischen Zuwanderern und Einheimischen.

Sepp Winklmayr, Direktor der Pastoralen Dienste betonte: „Das Herz der Betriebsseelsorge schlägt für die Kleinen, Schwachen und für Menschlichkeit.“ Winklmayr würdigte das Team rund um Betriebsseelsorge-Leiter Sepp Gruber: „Ihr seid Türöffner zu Bereichen und Menschen, die sonst für die Kirche vielleicht nicht so zugänglich wären. Ihr seid Brückenbauer zu Arbeiter/innen und zu Menschen aus allen Völkern und Religionen.“

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Mitarbeiter/innen und Freunde der Betriebsseelsorge St. Pölten.
Foto: Wolfgang Zarl.

Beginn unter Bischof Zak
Vor 25 Jahren wurde Sepp Gruber vom damaligen St. Pöltner Bischof Franz Zak nach Bemühen des bekannten Arbeiterpriesters Franz Sieder mit den Aufgaben eines Betriebsseelsorgers in St. Pölten betraut.
Im Herbst 1994 konnte die Betriebsseelsorge nach mühsamer Adaptierungsarbeit durch viele Ehrenamtliche ins Haus Schneckgasse 22 übersiedeln und das Haus beleben: zu Beginn war es vor allem die Jugendarbeit mit dem neuen Jugendtreff „Little Phönix“ und die Arbeit mit Menschen in Not und Flüchtlingen. Neben weiteren Arbeitseinsätzen in Betrieben wie Salzer, Teich und Glanzstoff unterrichteten Mitarbeiter/innen der Betriebsseelsorge auch in der Berufsschule und an einer Fachschule. Das Team organisierte zahlreiche sozialpolitische Veranstaltungen, Bibelgesprächsrunden, die völkerverbindende „Feste der Begegnungen“, Exkursionen und Heurige. Der Jugendtreff managte neben einem offenen Betrieb viele Konzerte mit Jugendbands und Vernissagen junger Künstler. „Vielen arbeitssuchenden und notleidenden Menschen konnten wir im Zentrum helfen, vor allem auch vielen Asylwerbern und Migrant/innen“, so der engagierte Betriebsseelsorger Gruber.