Inhalt der gedruckten Ausgabe 16/2017

Leitartikel

Kopf-Signal Fußwaschung

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Ass.-Prof. Dr. Frank Walz
Liturgiewissenschaftler und Diakon
Salzburg

Information

Ostern nicht nur feiern, sondern leben

Franz Schmatz

Moskau erkennt Kreta-Konzil nicht an

Der Leiter des Kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion Alfejew von Volokolamsk, hat in einem Interview für das griechische Kirchenportal „romfea.gr“ das Konzil von Kreta im Juni 2016 als wichtigen Schritt zum Beginn eines konziliaren Prozesses innerhalb der Orthodoxie bezeichnet.

Religionsjournalist Peter Pawlowsky 80

Einer der führenden Religionsjournalisten und Publizisten des Landes, Peter Pawlowsky, feierte am 8. April seinen 80. Geburtstag.

Neuer OÖ-Landeshauptmann: Kreuz symbolisiert das, was Europa stark machte

Oberösterreichs neuer Landeshauptmann Thomas Stelzer hat sich für eine sichtbare Präsenz des Kreuzes in der Gesellschaft ausgesprochen.

Lange Sedisvakanz: Tiroler verärgert

In Innsbruck mehren sich die Stimmen, die auf eine raschere Ernennung eines neuen Diözesanbischofs drängen.

Benedikt XVI. feiert seinen 90. Geburtstag

Benedikt XVI. feiert am Ostersonntag seinen 90. Geburtstag. Geboren am 16. April 1927 als Joseph Ratzinger in Marktl  war er vom 19. April 2005 bis zu seinem Amtsverzicht am 23. Februar 2013 Oberhaupt der katholischen Kirche. Sein Vater war Gendarm, seine Mutter Köchin.

Bedford-Strohm: Papst lässt auf Ende der Kirchenspaltung hoffen

Die evangelische Gemeinde in Rom hat am 2. April  des ersten lutherischen Gottesdienstes in der Stadt der Päpste vor 200 Jahren gedacht.

Papst kommt Piusbrüdern weiter entgegen

Papst Franziskus kommt der von Rom getrennten traditionalistischen Piusbruderschaft einen weiteren Schritt entgegen: Ortsbischöfe dürfen der traditionalistischen Gemeinschaft künftig Eheschließungsfeiern erlauben, die dann auch von der katholischen Kirche als legal anerkannt werden.

Papst ernennt kritischen Jesuiten zum Berater der Kleruskongregation

Der kritische deutsche Jesuit Hans Zollner (50), Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission und Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, ist von Papst Franziskus zum Berater der Kleruskongregation ernannt worden.

China: Neues Anti-Islam-Gesetz

China hat in seiner muslimisch geprägten Provinz Xinjiang das Tragen des Kopftuchs und langer Bärte verboten. Ein entsprechendes Gesetz, das das religiöse Leben der Muslime drastisch einschränkt, trat am Wochenende in Kraft, wie der vatikanische Pressedienst Asianews berichtete.

Imam in Singapur entschuldigt sich bei Christen und Juden

Vor Vertretern aller Religionen in Singapur hat sich ein muslimischer Imam für juden- und christenfeindliche Ausfälle während einer Freitagspredigt entschuldigt.

Priester: Flüchtlingen aus Nordkorea droht bei Rückkehr Tod

Die Situation für die Bevölkerung Nordkoreas hat sich seit der Machtübernahme von Kim Jong Un noch weiter verschärft: Das hat der französische Missionar P. Philippe Blot, der in China nordkoreanische Flüchtlinge betreut, in einem Interview mit der Zeitung „Le Monde“ dargelegt.

Vatikan nimmt drei neue Flüchtlingsfamilien auf

Wechsel in der Flüchtlingsunterkunft des Vatikan: Drei syrische Familien, die seit etwa einem Jahr in vatikaneigenen Wohnungen lebten, hätten inzwischen Selbstständigkeit gefunden und seien ausgezogen, teilte das Almosenamt des Papstes mit.

Unterdrückung der Christen im Sudan

Nach der gewaltsamen Räumung einer christlichen Schule im Sudan ruft die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV) die EU auf, gegen das Vorgehen der sudanesischen Behörden zu protestieren. „Wir erwarten von der EU mehr Engagement für Sudans Christen, deren Lage immer schwieriger wird“, sagte der GfbV-Afrika-Experte Ulrich Delius.

Graz: Erstes Hospiz für Obdachlose feierlich eröffnet

Das österreichweit erste Hospiz für obdachlose Menschen – das „VinziDorf-Hospiz“ – ist am 5. April in Graz feierlich gesegnet und eröffnet worden.

Stephansdom: Eine der ältesten Glocken Wiens läutet wieder

Eine der ältesten Glocken Wiens wird nach 75 Jahren zu Ostern erstmals wieder erklingen.

Irak: Kirchenorganisationen bauen „Österreicher-Dorf“ bei Mossul

Mehrere kirchliche Organisationen in Österreich beteiligen sich am Wiederaufbau der aus IS-Hand befreiten Dörfer nahe der irakischen Stadt Mossul. Ein „Österreicher-Dorf“ soll in einer gemeinsamen Hilfsaktion entstehen, kündigte die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV) an.

17,1 Millionen Euro: Sternsinger mit neuem Rekordergebnis

Ein neuerliches Rekordergebnis können die Sternsinger verbuchen: Knapp 17,1 Millionen Euro an Spenden haben die 85.000 als Heilige Drei Könige verkleideten Mädchen und Buben österreichweit bei der Sammlung rund um den 6. Jänner ersungen.

Leitartikel

Kopf-Signal Fußwaschung

In der Volksschule werden die Kinder im Religionsunterricht auf Ostern, das höchste Fest der Christen, vorbereitet. In der Wiederholung sind meine Achtjährigen, die heuer zur Erstkommunion gehen werden, besonders vom Geschehen am Gründonnerstag ergriffen.
Sehr schnell wird ihnen klar, dass Jesus mit seinem Teilen von Brot und Wein und seinen Worten das begonnen hat, was wir in jeder Messe feiern. Auf staunendes Unverständnis stößt, wenn sie hören, dass Jesus, „der Chef“, seinen Freunden die Füße gewaschen hat. Hand auf´s Herz: Das wird auch für die Seinen etwas völlig Unerwartetes gewesen sein.
In vielen Kirchen wird in der Gründonnerstags-Messe weltweit „12 Aposteln“ die Füße gewaschen. Oft verbunden mit einem starken Signal – an die Köpfe anderer.
Ein solches setzt heuer der Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle. Er  will in seiner Kathedrale Drogenabhängigen, Polizisten und Angehörigen von Hingerichteten die Füße waschen. Unter den zwölf für den Ritus Ausgewählten sind laut Angaben der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR auch Angehörige von Todesopfern, die im Rahmen der radikalen staatlichen Anti-Drogen-Kampagne auf den Philippinen außergerichtlich hingerichtet wurden. Präsident Dutertes Oster-Freude darüber wird sich in Grenzen halten.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Apg 10, 34a.37-43

Wir haben mit ihm nach seiner Auferstehung gegessen und getrunken

In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte: Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen: Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.

 

Zweite Lesung:   1 Kor 5, 6b-8

Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid

Schwestern und Brüder!
Ihr wisst, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid. Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit.

 

Evangelium:   Joh 20, 1-18

Er sah und glaubte.

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.
Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

 

Gedanken zum Sonntag

Ass.-Prof. Dr. Frank Walz
Liturgiewissenschaftler und Diakon
Salzburg

Besiegt

Seit dem Palmsonntag ist einiges geschehen. Wir haben am Gründonnerstag die Einsetzung des Abendmahles und die Fußwaschung gefeiert, am Karfreitag den Weg zum Kreuz und Jesu Sterben, in der Osternacht den Übergang vom Tod zum Leben. Heute feiern wir den Sieg über den Tod, das Fest der Auferstehung: „Schaffe uns neu durch deinen Geist, damit auch wir auferstehen und im Licht des Lebens wandeln….“ heißt es im Tagesgebet.
Wir wissen, was geschehen ist, die Predigt des Petrus in der 1. Lesung erinnert uns daran genauso wie Paulus in der 2. Lesung und der Evangelist Johannes im Osterevangelium. Von Johannes, dem „anderen Jünger“ heißt es: „…[er ging ins Grab] hinein, er sah und glaubte.“
Das Grab war streng gesichert, es war versiegelt… Maria von Magdala kam frühmorgens zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Das Grab ist seitdem offen, der Siegel gebrochen, die Sicherung ausgefallen.
Was hält uns zurück, hinein zu gehen? Wir sind mit Christus auferweckt, in sein Schicksal hineingetauft. Vielleicht müssen ja aber auch bei uns erst einige Sicherungen ausfallen, bevor wir sehen und glauben…? Vielleicht müssen wir unser scheinbar so gesichertes Wissen für einen Moment in Frage stellen um uns von der Größe Gottes überwältigen zu lassen und dann mit ganz anderen Augen zu sehen und zu glauben? Vielleicht müssen wir auch aufmerksamer auf die Marias (von Magdala) unter uns hören? Auf jeden Fall müssen wir uns auf den Weg machen, glaubend den Sieg des Lebens über den Tod feiern auch wenn wir (noch) nicht verstehen…

 

Information

Ostern nicht nur feiern, sondern leben

Franz Schmatz

Seit über 40 Jahren darf ich sterbende und trauernde Menschen begleiten, immer wieder auch Kinder und junge Erwachsene. Motivation für diese Begleitungen waren die Jahre meiner eigenen schweren Krankheit. All diese Erfahrungen geben mir ständig Gelegenheit, mich mit Tod und Leben intensiv auseinanderzusetzen, nachzusinnen und vor allem auch gut zu spüren. Viele Fragen und Erfahrungen kommen von den Betroffenen und natürlich auch aus mir.
Dass der Tod in unserer Gesellschaft massiv verdrängt wird, ist bekannt. Mir wurde und wird aber auf dem Hintergrund der genannten Erfahrungen immer klarer, dass wir das größere Problem nicht mit dem Tod, sondern mit dem Leben haben, vor allem mit der Einladung „JETZT“ zu leben.  Viele Menschen leben entweder weitgehend in der Vergangenheit oder sie fliehen ständig in die Zukunft. Die meisten Menschen sagen bei Lebensbilanzgesprächen, wenn sie auf ihr Leben zurückschauen, dass sie das Gefühl haben, nicht wirklich selber gelebt,  bzw. am Leben vorbeigelebt zu haben. Diese existenzielle Sinnleere kann dann auch nicht mit Jenseitsvertröstungen aufgefüllt werden. In solchen Begegnungen mit sterbenden Menschen denke ich oft an ein Wort von Frau Elisabeth Kübler-Ross zurück, die im ersten Seminar, das ich mit ihr erleben durfte, zu uns gesagt hat: „Wenn du wirklich lustvoll, qualitätsvoll, rechtzeitig, bewusst und intensiv leben lernen willst, musst du dich immer wieder einmal mit sterbenden Menschen auf den Weg machen“.


Golden glänzt der See Gennesareth bei Sonnenaufgang. Dort erschien an einem Morgen der Auferstandene den Seinen (Joh 21, 1ff).

Ostern kann uns zu einer erneuerten Einstellung zum Leben und zum Tod führen. Leider stellen viele Religionen und Kirchen den Tod immer in das Eck mit Sünde und Schuld und leisten damit selber einen massiven Beitrag zur Todesverdrängung. Wir alle wissen, dass unser Universum, also die ganze Schöpfung von Anfang an in der Polarität zwischen Werden und Vergehen steht. Das vollzieht sich seit Milliarden von Jahren. Diese Polarität zwischen Leben und Tod ist notwendig, damit wir aus diesem Spannungsfeld heraus Leben und Lebendigkeit erfahren dürfen. Der Tod ist so gesehen keine Strafe, sondern notwendiger Kontrasthintergrund, auf dem erfüllendes Leben erst leuchten und erfahren werden kann. Um einen Sternenhimmel zu bestaunen, brauche ich auch das Dunkel, und um einen Ton hören zu können, brauche ich als Hintergrund die Stille. Wir sollten aus einer lebensfördernden Polarität keinen lebensfeindlichen Dualismus machen, in dem das eine gut und das andere schlecht ist. Beim Tod ist es wie mit der Angst: wenn ich sie negativ bewerte, bekämpfe und verdränge, macht sie mich krank. Wenn ich sie wahrnehme, bestätige und ihre Einladung höre und annehme, wird nicht sie mich beherrschen, sondern ich werde sie zum Gestaltungselement für mehr Lebensqualität machen können. So ist es auch mit dem Tod.
Ostern könnte auch unsere Kirche einladen, doch endlich von einer „Karfreitagskirche“ zu einer „österlichen Kirche“ zu werden. Das hieße selber einen Sterbevorgang im Sinne des Los-lassens zu gestalten und Abschied zu nehmen von einer gewissen Leidverliebtheit, von der Versuchung, mit Angst, Schuld und Tod Macht auszuüben und der göttlichen Liebe und dem göttlichen Sein mehr zu vertrauen, als Konzepten und Strategien, die „vor-österlich“ sind.
Jesus hängt seit rund 2000 Jahren nicht mehr am Kreuz. ER ist auferstanden und lebt. Er hat dem Tod die Würde gegeben, weil ohne ihn die Kostbarkeit des Lebens nicht erfahrbar wäre.
Da wir alle mit göttlichem Leben erfüllt und im göttlichen Sein geborgen sind, dürfen wir aus dieser „Mitte“ heraus das Spannungsfeld zwischen Leben und Tod als Lebendigkeit erfahren. Viele Texte, Lieder, Erklärungen gehörten in diesem Sinne neu entworfen, um österlich zu werden.
Österliche Menschen sind mutige Menschen, die ursprünglich heute, lebensbejahend, weltoffen und himmelzugewandt leben; Menschen, die an Grenzen gehen und auch in ihren Erfahrungen immer wieder Grenzen überschreiten, weil sie Leben und Lebendigkeit erfahren wollen. Österliche Menschen sind Menschen, die in origineller Selbstliebe, Selbsttreue und Selbstverantwortung, nicht aus dem Mangel, sondern aus der Fülle sich dem DU und der Schöpfung in Achtsamkeit zuwenden. Österliche Menschen leben im Jetzt und sind bereit – im göttlichen Sein verwurzelt – beide Pole bewusst zu erleben: die guten Tage, aber auch die harten, weil beides zusammen den Regenbogen des Lebens erfahren lässt.
Ostern hat damals alles verändert, Ostern möchte auch heute alles verändern, dem Tod die Würde und dem Leben die Fülle geben.

Benedikt XVI. feiert seinen 90. Geburtstag

Benedikt XVI. feiert am Ostersonntag seinen 90. Geburtstag. Geboren am 16. April 1927 als Joseph Ratzinger in Marktl  war er vom 19. April 2005 bis zu seinem Amtsverzicht am 23. Februar 2013 Oberhaupt der katholischen Kirche. Sein Vater war Gendarm, seine Mutter Köchin.


Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Er war der erste deutsche Papst seit Hadrian VI. (1522-1523) und nach Coelestin V. (1294) der zweite Papst der Geschichte, der freiwillig von seinem Amt zurücktrat.
Vor seinem Pontifikat war Joseph Ratzinger zuletzt Dekan des Kardinalskollegiums und Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Er galt als einer der einflussreichsten Kardinäle und in theologischen und kirchenpolitischen Fragen als rechte Hand seines Vorgängers Johannes Paul II.

Ein Jahr Kaplan, dann Wissenschaftler
1951 gemeinsam mit seinem Bruder Georg zum Priester geweiht, war er ein Jahr Kaplan und wandte sich dann der wissenschaftlichen Laufbahn zu. Bereits 1953 wurde er Doktor der Theologie.
Mit 31 Jahren wurde er 1958 Dogmatikprofessor in Freising, ein Jahr später in Bonn und 1963 in Münster.
1966 erhielt Ratzinger auf Empfehlung von Hans Küng –  dem er 1979 als Glaubenskongregationspräfekt die Lehrerlaubnis entzog –  einen Lehrstuhl für Dogmatik in Tübingen.
1969 ging er nach Regensburg. 1977 wurde er Erzbischof von München-Freising.

Reformfreudiger Konzilstheologe
Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) war Ratzinger Berater und Redenschreiber des Kölner Erzbischofs Kardinal Frings, welcher Mitglied des zehnköpfigen Konzilspräsidiums war, und wurde 1963 von Papst Paul VI. zum Konzilstheologen ernannt.
Eine von Ratzinger verfasste Rede, die Kardinal Frings in Genua hielt, richtete sich gegen die neoscholastische Erstarrung Roms und gegen Missstände im Heiligen Offizium (später: Glaubenskongregation).
Johannes XXIII. lobte den Kardinal – wider Erwarten und unter vier Augen – für diese Rede sehr.

Präfekt der Glaubenskongregation
Ab 1982 war er Präfekt der Glaubenskongregation. Die umfangreichen Aufgaben der römischen Weltkirche veranlassten Ratzinger selbst, den Papst wiederholt um seine Entlassung zu bitten, um sich an seinem bayerischen Wohnort  der Schriftstellerei widmen zu können. Zu seinem 75. Geburtstag (im Jahr 2002) wollte er das Rücktrittsgesuch stellen, das traditionellerweise beim Erreichen dieses Alters eingereicht wird. Papst Johannes Paul II. sagte ihm davor: „Sie brauchen den Brief gar nicht zu schreiben, denn ich will Sie bis zum Ende haben.“
Der Papst lehnte seinen Rücktritt ab, und so setzte Ratzinger den Dienst als Kurienkardinal bis zu seiner Wahl zum Papst fort.
Das unter Verzicht auf seine päpstliche Autorität 2007 veröffentlichte Buch „Jesus von Nazareth. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung“ sowie der Folgeband wurden als persönliches Glaubenszeugnis und „theologisches Lesebuch“ (so eine Charakterisierung Joseph Ratzingers selbst) geschätzt.

Festschrift für Benedikt
Prominente Weggefährten von Benedikt XVI. haben sich am 6. April in Rom zur Vorstellung einer Festschrift zum 90. Geburtstag des emeritierten Papstes eingefunden. Kardinal Tarcisio Bertone, als früherer Kardinalstaatssekretär einer der engsten Mitarbeiter von Bene-dikt XVI., war ebenso gekommen wie Kardinal Angelo Sodano, der dem Kardinalskollegium seit 2005 als Dekan vorsteht.
Die Beiträge stammen u.a. von Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Federico Lombardi, dem früheren Sprecher des Vatikan und jetzigen Leiter der vatikanischen Joseph-Ratzinger-Stiftung.

„Ein Kirchenlehrer wie Paulus“
Ebenfalls erschienen ist in der vergangenen Woche die deutsche Ausgabe des Buchs der Vatikankorrespondentin Angela Ambrogetti über die Fliegenden Pressekonferenzen des deutschen Papstes.
Das 260-seitige Buch hat den Titel „Über den Wolken mit Papst Benedikt“ und enthält ein Vorwort von Erzbischof Gänswein.
Der frühere Ratzinger-Sekretär und jetzige Präfekt des Päpstlichen Hauses nennt Benedikt in dem Beitrag einen „Kirchenlehrer“ wie Paulus. Benedikt habe die schwierigsten Fragen der kritischsten Medienvertreter beantwortet, und zwar „immer ebenso präzise wie furchtlos und druckreif“.

Bedford-Strohm: Papst lässt auf Ende der Kirchenspaltung hoffen

Die evangelische Gemeinde in Rom hat am 2. April  des ersten lutherischen Gottesdienstes in der Stadt der Päpste vor 200 Jahren gedacht.

Bei einem Festgottesdienst äußerte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Hoffnung auf eine endgültige Überwindung der konfessionellen Spaltung. Dabei verwies er auf „die Mut machenden Worte von Papst Franziskus“ bei dessen Besuch in der Christuskirche im November 2015.


Landesbischof
Heinrich Bedford-Strohm.

Am Vortag nannte Bedford-Strohm auf einer Konferenz der päpstlichen Historikerkommission unter dem Thema „Luther 500 Jahre danach“ das Grundanliegen Luthers eine „religiöse Erneuerungsbewegung, die zurückführen wollte zu Christus selbst“. Um nichts anderes gehe es heute. Wenn man das ernst nehme, was vor 500 Jahren den Impuls zur Reformation gegeben habe, müsse dies dazu führen, dass Gläubige „Christus neu entdecken“, so der Ratsvorsitzende.
In entscheidenden Punkten der Theologie Luthers – dem Aufruf zur Buße, dem Verständnis von Werken der Liebe und der Rolle der Freiheit – gebe es inzwischen ein gemeinsames Verständnis, so der Landesbischof weiter. Eigens hob er auch das Eintreten von Papst Franziskus für Arme und sein Bemühen um Versöhnung hervor. „Luther hätte daran seine Freude gehabt“, sagte Bedford-Strohm. Die Freiheit, die Luther in seiner reformatorischen Grundschrift einklagte, könne „nie verstanden werden ohne den Dienst am Nächsten“.

Graz: Erstes Hospiz für Obdachlose feierlich eröffnet

Das österreichweit erste Hospiz für obdachlose Menschen – das „VinziDorf-Hospiz“ – ist am 5. April in Graz feierlich gesegnet und eröffnet worden.

Durch das „VinziDorf-Hospiz“ wird erstmals für obdachlose Menschen am Lebensende eine medizinisch-pflegerische Versorgung in einem gewohnten Umfeld möglich. Die Segnung nahm Bischof Wilhelm Krautwaschl vor; mit Unterstützung durch Alois Weiß, einem Bewohner des VinziDorfes. Es sei wichtig, „dass ich an der Hand eines Menschen sterben kann. Das wird hier wieder verwirklicht“, so Bischof Krautwaschl.


Friedrich Santner (GF Anton Paar), Christian Lagger (GF KH der Elisabethinen), Bischof Krautwaschl, Maria Santner (Anton Paar), M. Bonaventura Holzmann (Generaloberin Konvent der Elisabethinen), LH Schützenhöfer, Bürgermeister Nagl.
Foto: Gerd Neuhold.

Weiß dankte allen Verantwortlichen für das neue Projekt: „Das VinziDorf ist meine Heimat. Und deshalb ist es eine super Sache, dass ich am Ende, wenn’s notwendig ist, hier herüberkommen kann.“
Errichtet wurde das Hospiz von der Ordensgemeinschaft der Elisabethinen beim VinziDorf in der Pfarre St. Leonhard. Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer nahm die Eröffnung vor. Er dankte dem Konvent und dem Krankenhaus der Elisabethinen für die Initiative und erfolgreiche Umsetzung: „Dieser Bau ist ein sichtbares Zeichen der Menschlichkeit und Herzenswärme für Menschen am sozialen Rand“, so der Landeshauptmann.
Finanziert wurde die Errichtung durch die Anton Paar GmbH. Die Patenschaft für das Hospiz, dessen Betrieb durch Spenden ermöglicht wird, hat die ehemalige steirische Landeschefin und Dachverband „Hospiz Österreich“-Präsidentin Waltraud Klasnic übernommen. Für das neue Hospiz mit zwei Betten wurde in den vergangenen Monaten ein in enger Nachbarschaft zum Vinzidorf liegendes Gebäude der Pfarre St. Leonhard umgebaut. Die Einrichtung steht Männern wie Frauen offen, die keinen Wohnsitz haben oder in einer Grazer Obdachloseneinrichtung gemeldet sind.