Inhalt der gedruckten Ausgabe 16/2016

Leitartikel

Der Ton macht die Musik

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Willi Hailzl
Elektriker
Wien

Information

Prof. Zulehner: Papst schreibt, was Österreichs Bischöfe schon unter Kardinal König gelehrt haben

„Amoris laetitia. Über die Liebe in der Familie“ – so lautet der Titel des Papstschreibens, das am 8. April, im Vatikan von Kardinal Christoph Schönborn und Kardinal Lorenzo Baldisseri im Vatikan präsentiert wurde.

Die sechs zentralen Punkte

Radio Vatikan hat die sechs zentralen Punkte von „Amoris laetitia“ so zusammengefasst:

Konservative Kardinäle kritisieren  „Verwässerung“

Nach der Veröffentlichung von „Amoris laetitia“ hat der deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller (87) das Einzelfallprinzip des Papstes in der „Bild“-Zeitung scharf kritisiert.

Papst ordnet für 24. April Sonderkollekte für die Ukraine an

In allen katholischen Gottesdiensten in Europa soll am 24. April Geld für die notleidende Bevölkerung in der Ukraine gesammelt werden.

Im Jemen entführter Priester lebt

Der aus Indien stammende Salesianerpater Tom Uzhunnalil, der vor einem Monat bei einem Terroranschlag im Jemen vermutlich von IS-Einheiten entführt worden war, befindet sich laut Informationen der indischen Außenministerin Sushma Swaraj in Sicherheit.

20.000 Erwachsenentaufen in China

Bis zu 20.000 Erwachsene sollen zu Ostern in katholischen Kirchen in China getauft worden sein.

Papst trifft Leiter der Piusbrüder

Zum ersten Mal ist Papst Franziskus zu einem Gespräch mit dem Oberen der traditionalistischen Piusbrüder zusammengetroffen.

Psychoanalytikerin Perner wird evangelische Pfarrerin

Die bekannte österreichische Psychoanalytikerin und Publizistin Rotraud A. Perner wird zur evangelisch-lutherischen Pfarrerin ordiniert.

Albtraum und Freiraum

Für den konservativen Flügel in der katholischen Kirche ist Amoris laetitia ein Albtraum, da die Kirchenführung ausdrücklich ihre Eigenschaft als letzte Kontrollinstanz in Sachen Sex aus der Hand gibt. (Die Zeit)

Prof. Zulehner: Papst bei „Zweitehe“ moderner als Ostkirche

Wenn Papst Franziskus beim Kommunionempfang von Geschiedenen nun die Gewissensentscheidung der betroffenen Menschen im „forum internum“ in die Mitte stellt, sieht dies laut Zulehner der ostkirchlichen Praxis – die eine kirchliche Wiederverheiratung unter bestimmten Bedingungen ermöglicht – nur auf den ersten Blick ähnlich. Der Ansatz von Papst Franziskus sei „letztlich weitaus moderner“.

Franziskus will Freude an Ehe und Familie stärken

Papst Franziskus hat im neuen Schreiben zur Familiensynode Bischöfe, Priester, Diakone, Ehepaare und alle Katholiken aufgerufen, sich die Bedeutung der Ehe und der Familie neu bewusst zu machen. Trotz der vielen Anzeichen einer Krise der Ehe sei unter den Jugendlichen der Wunsch nach einer Familie lebendig.

Papst zitiert dänischen Kinofilm, Martin Luther King und Erich Fromm

Erstmals hat ein Papst in einem lehramtlichen Schreiben einen Kinofilm zitiert. In seinem am Freitag veröffentlichten Dokument zu Ehe und Familie verweist Franziskus auf den dänischen Film „Babettes Fest“ aus dem Jahr 1987.

Alle Sünden können vergeben werden

Papst Franziskus hat kurz vor Erscheinen seines Schreibens über Ehe und Familie betont, dass Gott alle aufrichtig bereuten Sünden vergebe.

Orthodoxe Frauen fordern Beteiligung an Konzilsgremien

Prominente orthodoxe Theologinnen in den USA fordern die Beteiligung von Frauen am Konzil der Orthodoxie im Juni auf Kreta.

Syrien: Pater Mourad baut von IS zerstörtes Kloster wieder auf

Der zeitweilig vom „Islamischen Staat“ (IS) entführte syrische Ordenspriester Pater Jacques Mourad will sein zerstörtes Kloster „Mar Elian“ in Karjatain bei Homs wieder aufbauen.

Prag dankt Hans-Dietrich Genscher

Der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz, der Prager Erzbischof Kardinal Dominik Duka, hat den Beitrag des am 31. März verstorbenen früheren deutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher zur Wiederherstellung der Religionsfreiheit in der Tschechoslowakei gewürdigt.

Bischof Elbs neuer Präsident der Bruderschaft St. Christoph

Die am Arlbergpass zwischen Tirol und Vorarlberg beheimatete Bruderschaft St. Christoph hat mit dem Feldkircher Bischof Benno Elbs einen neuen Präsidenten. Er folgt auf den früheren Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer.

Mobile „Pforte der Barmherzigkeit“

Eine mobile „Pforte der Barmherzigkeit“ tourt derzeit durch die Diözese St. Pölten. Sie soll auf das laufende, von Papst Franziskus ausgerufene „Jahr der Barmherzigkeit“ aufmerksam machen und ergänzt die vier Pforten, die in der Diözese fix installiert sind.

Das Führungsteam der Jungschar

Das Führungsteam der Katholischen Jungschar (KJSÖ) bleibt fest in weiblicher Hand: Christina Pfister, aus Tirol stammende Projektorganisatorin für Kinder und Jugendliche in Diensten der Diözese St. Pölten, wurde neu in den Vorsitz der KJSÖ gewählt.

Papst ruft Diözesen zu großen „Werken der Barmherzigkeit“ auf

Papst Franziskus hat die Diözesen der Weltkirche dazu aufgefordert, im Heiligen Jahr Krankenhäuser, Altenheime, Hilfsangebote für Drogenabhänge oder andere soziale Einrichtungen zu schaffen.

Immer mehr Österreicher „vererben gemeinnützig“

Immer mehr Österreicher „vererben gemeinnützig“ oder beabsichtigen dies nach ihrem Ableben.

Leitartikel

Der Ton macht die Musik

Indem ich daran erinnere, dass die Zeit mehr wert ist als der Raum, möchte ich erneut darauf hinweisen, dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen.
Wir müssen demütig und realistisch anerkennen, dass unsere Weise, die christlichen Überzeugungen zu vermitteln, und die Art, die Menschen zu behandeln, manchmal dazu beigetragen haben, das zu provozieren, was wir heute beklagen.
Wir tun uns schwer, dem Gewissen der Gläubigen Raum zu geben.
Einige geistliche Strömungen bestehen darauf, das Begehren zu besiegen, um sich vom Schmerz zu befreien. Doch wir glauben, dass Gott das frohe Genießen des Menschen liebt, dass er alles erschuf, „damit wir es genießen“ (vgl. 1 Tim 6,17). Lassen wir die Freude ausbrechen angesichts seiner Zärtlichkeit, wenn er uns vorschlägt: „Mein Sohn […] lass es dir gut gehen […] Versag dir nicht das Glück des heutigen Tages“ (Sir 14,11.14). Auch ein Ehepaar entspricht dem Willen Gottes, wenn es diese biblische Einladung befolgt: „Am Glückstag erfreue dich deines Glücks“ (Koh 7,14).
Alle diese Sätze sind Zitate aus dem neuen Papstschreiben. Keine neuen Verurteilungen, sondern neue Hilfen. Sogar ein Loblied auf die Erotik. Keine Revolution, doch Einmaliges in einem Papstschreiben. Der Ton macht die Musik.
Die einen hören Freiheit, andere Verrat.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Apg 13, 14.43b-52

Da ihr euch ewigen Lebens unwürdig zeigt, wenden wir uns jetzt an die Heiden

Sie selbst wanderten von Perge weiter und kamen nach Antiochia in Pisidien. Dort gingen sie am Sabbat in die Synagoge und setzten sich. Es schlossen sich viele Juden und fromme Proselyten Paulus und Barnabas an. Diese redeten mit ihnen und ermahnten sie, der Gnade Gottes treu zu bleiben.
Am folgenden Sabbat versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort des Herrn zu hören. Als die Juden die Scharen sahen, wurden sie eifersüchtig, widersprachen den Worten des Paulus und stießen Lästerungen aus. Paulus und Barnabas aber erklärten freimütig: Euch musste das Wort Gottes zuerst verkündet werden. Da ihr es aber zurückstoßt und euch des ewigen Lebens unwürdig zeigt, wenden wir uns jetzt an die Heiden. Denn so hat uns der Herr aufgetragen: Ich habe dich zum Licht für die Völker gemacht, bis an das Ende der Erde sollst du das Heil sein. Als die Heiden das hörten, freuten sie sich und priesen das Wort des Herrn; und alle wurden gläubig, die für das ewige Leben bestimmt waren. Das Wort des Herrn aber verbreitete sich in der ganzen Gegend.
Die Juden jedoch hetzten die vornehmen gottesfürchtigen Frauen und die Ersten der Stadt auf, veranlassten eine Verfolgung gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihrem Gebiet. Diese aber schüttelten gegen sie den Staub von ihren Füßen und zogen nach Ikonion. Und die Jünger waren voll Freude und erfüllt vom Heiligen Geist.

 

Zweite Lesung:   Offb 7, 9.14b-17

Das Lamm wird sie weiden und zu den Quellen des Lebens führen

Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden, und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.

 

Evangelium:   Joh 10, 27-30

Ich gebe meinen Schafen ewiges Leben

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins.

 

Gedanken zum Sonntag

Willi Hailzl
Elektriker
Wien

Das Wort Gottes annehmen

Das heutige Evangelium ist sehr kurz und ich finde es irgendwie schade, dass der Vergleich mit dem guten Hirten so zerstückelt wird. Als Zusammenfassung und Schlusswort zu den Lesungen hat es durchaus seine Berechtigung. In der Apostelgeschichte wird berichtet über die Urgemeinde und ihre  Wurzeln. Paulus und Barnabas gehen wie alle frommen Juden in die Synagoge. Sie predigen wie Rabbis. Der große Unterschied ist, bei ihnen dürfen alle kommen, ob gläubig oder nicht gläubig. Jeder Neugierige darf das Haus Gottes betreten. Da tritt die etablierte Gemeinde auf den Plan. So geht das doch nicht, alles und jeder kommt da so einfach? Was ist mit den Traditionen, jahrhundertelangen Überlieferungen der Gesetzesauslegungen? Hier ist der Punkt wo die Geschichte 2000 Jahre später noch immer Wort für Wort trifft. Wir gehen brav am Sonntag in die Kirche, die sich immer mehr leert. Wenn dann zum Beispiel eine Freikirche am Sonntag Gottesdienst in einer großen vollen Halle feiert, gibt es ein großes Geschrei. War ich als Kritiker schon dort? Liegt die Sache an den Jahrhunderte alten Überlieferungen der Gesetzesauslegung? Dann geht die Geschichte weiter. Paulus und Barnabas erklären den Kritikern wir haben euch in der Tradition das Wort zuerst verkündet, euch war das egal. Jetzt bringen wir es zu allen Menschen im Sinne Jesu. Es ist Jesu Botschaft, dass alle Menschen vom einzigen Gott erfahren den es gibt, nicht nur das „auserwählte“ Volk. Der Schluss der Geschichte ist wieder ein Abbild der Menschheit.Wie ist es, wenn ein im Volk beliebter Priester eine Neuerung in der Pfarre einführen will. In der Apostelgeschichte steht: sie hetzten die frommen vornehmen Frauen (man beachte zuerst die in allen  Texten verschwiegenen Frauen) und die Politiker auf. Jetzt sind wir wieder beim Pfarrer. Die Korrespondenz, Telefonate und Interventionen würden Bücher füllen. Aber das schöne und erfreuliche ist: Gott ist für alle Menschen da und es bleibt jedem einzelnen überlassen, das Wort Gottes anzunehmen, von Hineinprügeln hat er nichts gesagt.

 

Information

Prof. Zulehner: Papst schreibt, was Österreichs Bischöfe schon unter Kardinal König gelehrt haben

„Amoris laetitia. Über die Liebe in der Familie“ – so lautet der Titel des Papstschreibens, das am 8. April, im Vatikan von Kardinal Christoph Schönborn und Kardinal Lorenzo Baldisseri im Vatikan präsentiert wurde.

Der Wiener Erzbischof betonte dabei: „Papst Franziskus bekräftigt den Weg der pastoralen Neuausrichtung der Kirche, in der alle Menschen ihren Platz haben und in der dem persönlichen, geschulten und gereiften Gewissen große Bedeutung zukommt.“ Das schließe auch die Möglichkeit des Zugangs zu den Sakramenten u.a. für wiederverheiratete Geschiedene „in gewissen Fällen“ ein.
Schönborns Überlegungen zur „Gradualität bei der Beurteilung menschlicher Handlungen“ finden sich im Text wieder.

amoris laetitia
Kardinal Lorenzo Baldisseri und Kardinal Christoph Schönborn bei der Präsentation des Papstschreibens.
Foto: Kathpress/Wuthe.

Das nachsynodale Papstschreiben stellt eine „wahrhaft pastorale Wende“ und „Neuausrichtung der Seelsorge im Umkreis von Scheidung und Wiederheirat“ dar. Mit diesen Worten hat der Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner gegenüber „Kathpress“ das am selben Tag veröffentlichte Dokument gewürdigt. Diese „pastorale Neuausrichtung“ bestätige kirchliche Richtlinien im deutschsprachigen Raum, erinnerte der Wiener Theologe: „Der Papst hätte schreiben können: ‚Wie die Österreichi-schen Bischöfe schon 1980 gelehrt haben‘“. Damals war Kardinal Franz König „Chef“ der österreichischen Bischöfe.

Kommunion für Wiederverheiratete möglich
Trotz der vielen Anzeichen einer Krise der Ehe sei unter den Jugendlichen der Wunsch nach einer Familie lebendig, heißt es in dem 189-Seiten-Papier. Das Nachsynodale Apostolische Schreiben ist das Resümee der beiden vatikanischen Bischofssynoden zu Ehe und Familie von Oktober 2014 und Oktober 2015; sie werden im normalen Sprachgebrauch als „die Familiensynode“ bezeichnet.
In einem ausführlichen Kapitel geht Franziskus auch auf den während der Synode immer wieder medial in den Fokus gerückten Zankapfel der wiederverheirateten Geschiedenen ein und lädt ein „zu Barmherzigkeit und pastoraler Unterscheidung angesichts von Situationen, die nicht voll dem entsprechen, was der Herr geboten hat“. Ein Kommunionempfang ist für sie bei sehr genauer und gewissenhafter Prüfung ihrer Situation durch einen Priester möglich. Zugleich ruft Franziskus zur intensiven Begleitung, Heilung von Wunden und Eingliederung in die Kirche auf und er betont die Notwendigkeit von „Gradualität“ in der Pastoral, also einer gewissenhaften Unterscheidung der Situationen.

„Irreguläres“ immer unter Anführungszeichen
Was die „Unterscheidung“ in „irregulären Situationen“ – im Text ist der Ausdruck immer in Anführungszeichen gesetzt – angeht, sagt der Papst: „Daher sind Urteile zu vermeiden, welche die Komplexität der verschiedenen Situationen nicht berücksichtigen. Es ist erforderlich, auf die Art und Weise zu achten, in der die Menschen leben und aufgrund ihres Zustands leiden“. Und er fährt fort: „Es geht darum, alle einzugliedern; man muss jedem Einzelnen helfen, seinen eigenen Weg zu finden, an der kirchlichen Gemeinschaft teilzuhaben, damit er sich als Empfänger einer unverdienten, bedingungslosen und gegenleistungsfreien Barmherzigkeit empfindet“.

Nicht lax, nicht rigoros
Wie Kardinal Schönborn am Rande der Präsentation gegenüber „Kathpress“ betonte, warne der Papst in dem Schreiben vor „billigen Lösungen“, wie sie in einer laxen Auslegung der kirchlichen Normen ebenso bestünden wie in einer allzu rigorosen: „Es gibt die klare Linie des Wortes Gottes, die muss immer in Erinnerung gerufen werden. Und dann gibt es das Hinschauen auf konkrete Situationen, und hier gibt es solche, wo die Hilfe der Sakramente berechtigt ist und ihren Platz hat.“

Fünf Aufmerksamkeiten
Zugleich verwies Schönborn auf die seit rund 15 Jahren in der Erzdiözese Wien bewährte seelsorgliche Praxis der „Fünf Aufmerksamkeiten“ im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen – eine Praxis, die nun durch das päpstliche Schreiben sozusagen weltkirchlich geadelt wurde. Die „Aufmerksamkeiten“ stellen eine Art Leitfaden des seelsorglichen, behutsamen Umgangs mit der Situation Wiederverheirateter dar – von Fragen der Situation der Kinder über die Schuldfrage, die Frage der Aussöhnung bis hin zur Gewissensprüfung. All diese Fragen und Aspekte betone auch Papst Franziskus in seinem Schreiben „ in sehr großer Lebensnähe und Aufmerksamkeit“, so Kardinal Schönborn.

Die sechs zentralen Punkte

Radio Vatikan hat die sechs zentralen Punkte von „Amoris laetitia“ so zusammengefasst:

1. Nicht jede moralische oder pastorale Frage muss in Rom entschieden werden, vor Ort können Lösungen anders aussehen als im Nachbarland oder in einem anderen Kulturkreis.
2. Es sind „Urteile zu vermeiden, welche die Komplexität der verschiedenen Situationen nicht berücksichtigen“.
3. Es geht um alle Aspekte der Liebe, von Verlässlichkeit und Hingabe über Leidenschaft und Erotik bis zum Wandel im Alter und zum Tod.
4. Es geht darum, alle einzugliedern; man muss jedem Einzelnen helfen, seinen eigenen Weg zu finden, an der kirchlichen Gemeinschaft teilzuhaben.
5. Wir sind berufen, die Gewissen zu bilden, nicht aber dazu, den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen.
6. Dem Papst ist bewusst, was für einen Begleitlärm die Synode hatte, innerkirchlich und auch medial, deshalb gilt: die Debatte zu den Themen des Dokuments nicht zu überspitzen.
Das päpstliche Lehrschreiben gibt es ab 20. April als Buch auf Deutsch (Herder-Verlag). Auf www.vatican.va ist es schon jetzt zu lesen.

Franziskus will Freude an Ehe und Familie stärken

Papst Franziskus hat im neuen Schreiben zur Familiensynode Bischöfe, Priester, Diakone, Ehepaare und alle Katholiken aufgerufen, sich die Bedeutung der Ehe und der Familie neu bewusst zu machen. Trotz der vielen Anzeichen einer Krise der Ehe sei unter den Jugendlichen der Wunsch nach einer Familie lebendig.

Der Papst schreibt, die Kirche wolle „Licht in Krisen, Ängste und Schwierigkeiten“ tragen, die es in Ehen und Familien gebe. Das Verhalten Jesu zeige, dass er „zwar ein anspruchsvolles Ideal vorgeschlagen“ habe, aber zugleich „niemals die mitfühlende Nähe zu den Schwachen wie der Samariterin und der Ehebrecherin verloren hat“.
Das Ergebnis der Überlegungen der Familiensynode sei „nicht ein Stereotyp der Idealfamilie, sondern eine herausfordernde Collage aus vielen unterschiedlichen Wirklichkeiten voller Freuden, Dramen und Träume“, hält der Papst fest. „Wir gehen nicht in die Falle, uns in Wehklagen der Selbstverteidigung zu verschleißen, anstatt eine missionarische Kreativität wachzurufen.“ Die großen Werte der christlichen Ehe und Familie „entsprechen jener Suche, welche die menschliche Existenz durchzieht“.

Genaue und gewissenhafte Prüfung
In einem ausführlichen Kapitel geht Franziskus auf die wiederverheirateten Geschiedenen ein. Er lädt ein „zu Barmherzigkeit und pastoraler Unterscheidung angesichts von Situationen, die nicht voll dem entsprechen, was der Herr geboten hat“. Zur umstrittenen Frage der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion äußert sich der Papst in dem Schreiben zwar nicht direkt, doch er zeigt die Methodik auf. Ein Kommunionempfang wäre somit unter der Bedingung einer sehr genauen und gewissenhaften Prüfung der Situation durch einen Priester, gemeinsam mit dem oder der Betroffenen, zulässig.
Der Papst ruft Priester auf, Wiederverheiratete zu begleiten, die Situationen zu unterscheiden und die Betroffenen einzugliedern. Er betont die Notwendigkeit von „Gradualität“ in der Pastoral. Franziskus definiert eine „Logik der pastoralen Barmherzigkeit“.

Moralgesetze „keine Felsblöcke“
Priester und Bischöfe dürften moralische Gesetze nicht anwenden, „als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft“. Oft sei Barmherzigkeit für Menschen, die im Widerspruch zur katholischen Lehre lebten, in der Kirche an zu viele Bedingungen geknüpft, schreibt der Papst. Das sei „die übelste Weise, das Evangelium zu verflüssigen“. Eine Einheit von Lehre und Praxis sei in der Kirche zwar notwendig, so Franziskus. Das schließe jedoch keineswegs aus, dass „verschiedene Interpretationen einiger Aspekte der Lehre oder einiger Schlussfolgerungen, die aus ihr gezogen werden“, weiter existierten.

Keine allgemeine Norm
In der geltenden kirchlichen Lehre war von nicht kirchlich getrauten Katholiken ein Zusammenleben „wie Bruder und Schwester“ als Bedingung für den Kommunionempfang gefordert worden. Franziskus geht hier weiter. Er verweist darauf, dass Enthaltsamkeit die Treue der Partner und das Kindeswohl gefährden könnten. Dabei betont er jedoch, dass er für den Umgang mit den Betroffenen keine allgemeinverbindliche Norm geben wolle.
Damit stärkt Franziskus die Rolle der Ortskirchen und der einzelnen Bischöfe. Er steht ihnen in dem Schreiben mehr Eigenständigkeit und Interpretationsspielraum in der Anwendung der kirchlichen Lehre zu. Nicht „alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen“ müssten durch „ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden“, so der Papst. Oft könnten in den jeweiligen Ländern und Regionen besser „inkulturierte Lösungen“ gefunden werden, „welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen“, heißt es in dem Schreiben. Konkrete Beispiele nennt Franziskus nicht.

Homosexuelle: Partnerschaften geben Halt, sind keine Ehe  
Auf den Umgang mit Homosexuellen und gleichgeschlechtlichen Paaren, der unter den Bischöfen ebenfalls besonders umstritten war, geht der Papst nur kurz ein. Er bekräftigt, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht der Ehe angeglichen werden dürften, betont aber zugleich, dass auch solche Formen des Zusammenlebens den Betroffenen „einen gewissen Halt geben“.
In dem Schreiben äußert sich der Papst zu zahlreichen weiteren Themen aus dem Bereich Ehe und Familie, von der staatlichen Geburtenkontrolle über die grundsätzliche Offenheit von Sexualität für die Weitergabe des Lebens und der Erziehung von Kindern im christlichen Glauben bis hin zu Gewalt gegen Frauen. Darunter findet sich etwa auch eine Verteidigung der Emanzipation der Frau und des Feminismus gegen innerkirchliche Kritiker.

Prag dankt Hans-Dietrich Genscher

Der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz, der Prager Erzbischof Kardinal Dominik Duka, hat den Beitrag des am 31. März verstorbenen früheren deutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher zur Wiederherstellung der Religionsfreiheit in der Tschechoslowakei gewürdigt.

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+ Hans-Dietrich Genscher.

In seinem Schreiben an den deutschen Botschafter in der Tschechischen Republik, Arndt Freytag von Loringhoven, bezeichnet Duka den Verstorbenen als „einen der unvergesslichen und hervorragenden Politiker des damaligen Westdeutschlands, der sich auch in hervorragender Weise ins kirchenpolitische Leben meiner Heimat eingeschrieben hat“.
Genscher habe „als erster der westlichen Politiker der freien Welt Kardinal Frantisek Tomasek besucht, als einen Vertreter nicht nur der römisch-katholischen Kirche, sondern als Symbol des Kampfes um das Gewissen, aber auch um die Religions- und politische Freiheit der unterjochten Völker hinter dem Eisernen Vorhang“.
Der legendäre Erzbischof von Prag Frantisek Tomasek (1899-1992) war eine Symbolgestalt des heroischen kirchlichen Widerstandes gegen die kommunistische Herrschaft. Seiner Standfestigkeit wegen wurde er „die tschechische Eiche“ genannt.

Das Führungsteam der Jungschar

Das Führungsteam der Katholischen Jungschar (KJSÖ) bleibt fest in weiblicher Hand: Christina Pfister, aus Tirol stammende Projektorganisatorin für Kinder und Jugendliche in Diensten der Diözese St. Pölten, wurde neu in den Vorsitz der KJSÖ gewählt.

Sie komplettiert mit den als ehrenamtliche Vorsitzende wiedergewählten Sara Dallinger und Anneliese Schütz das „starke Frauenteam“. Christina Pfister ist in der Jungschar seit ihrer Kindheit beheimatet, später als Gruppenleiterin und auf Diözesanebene habe sie die Möglichkeit ergriffen, „mich selbst entfalten und weiterentwickeln zu können“, sagte sie zu ihrer Wahl. Die frühere Tourismusmanagement- und Unternehmensführung-Studentin hat sich auch im Rahmen der Sternsingeraktion für Menschen in den Ländern des globalen Südens eingesetzt.

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V. l.n.r.:  Christina Pfister, Sara Dallinger und Anneliese Schütz.                                      
Foto: Katholische Jungschar.

Die Wienerin Sara Dallinger ist eine ausgebildete Soziologin und Pädagogin, Anneliese Schütz, eine Kindergartenpädagogin aus der Diözese Linz.