Inhalt der gedruckten Ausgabe 15/2017

Leitartikel

Gravierende Einschnitte

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Ass.-Prof. Dr. Frank Walz
Liturgiewissenschaftler und Diakon
Salzburg

Information

Castro-Geliebte: Fidel erhielt vor Tod Sterbesakramente
Sein Neffe agierte für Tauwetter zwischen Kuba und USA

Der kubanische Langzeit-Diktator Fidel Castro hat nach Angaben einer Italienerin vor seinem Tod im Dezember 2016 die kirchlichen Sterbesakramente erhalten.

Salzburger Dechanten distanzieren sich vom Hirtenbrief ihres Weihbischofs

Die Dechanten der Erzdiözese Salzburg distanzieren sich von Formulierungen in einem aktuellen Hirtenbrief von Weihbischof Andreas Laun.

Trier: 35 Großpfarren statt 887 Pfarren

Die deutsche Diözese Trier will die Zahl ihrer Pfarren deutlich reduzieren. Das geht aus dem Entwurf zur zukünftigen Raumgliederung der „Pfarreien der Zukunft“ hervor, der in Trier von der Diözesanleitung vor den diözesanen Räten vorgestellt wurde.

Erstes orthodoxes Kloster wahrscheinlich nicht in St. Andrä

Die Volksabstimmung Ende Mai oder Anfang Juni in St. Andrä/Zicksee über das geplante orthodoxe Kloster dürfte nun vermutlich obsolet sein.

Bundespräsident Van der Bellen ermutigt Ehrenamtliche

Als große Ermutigung an die Hilfsorganisationen und vor allem die zehntausenden Freiwilligen, die sich im sozialen und humanitären Bereich im In- und Ausland engagieren, hat Caritas-Präsident Michael Landau gegenüber „Kathpress“ die jüngste Initiative von Bundespräsident Alexander Van der Bellen gewürdigt.

Eine neue Religionsgemeinschaft pro Stunde in Brasilien

Religionsgemeinschaften breiten sich in Brasilien in rasender Geschwindigkeit aus.  Pro Tag würden 25 neue religiöse Organisationen registriert, mehr als eine pro Stunde, berichtet das Onlineportal „G1“.

Stift  Heiligenkreuz ehrt Papst Benedikt

Mit einem bunten Festprogramm hat die „Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“ am 31. März den emeritierten Papst Benedikt XVI. anlässlich seines kommenden 90. Geburtstages am 16. April geehrt.

Franziskus´ Triumphzug in Italiens größter Diözese

Der eintägige Besuch von Papst Franziskus am 25. März in Mailand glich einem Triumphzug. Er zeigte, wie populär der lateinamerikanische Papst in Italien weiter ist. Solche Menschenmassen hat er bislang bei keinem anderen Besuch auf der Apenninhalbinsel angezogen.

Franziskus: Junge haben Kraft, Alte Gedächtnis und Weisheit

Papst Franziskus hat Jugendliche in einer Videobotschaft zur Gestaltung der Zukunft aufgerufen.

Mexiko: Bischof vermittelt zwischen Drogenmafia und Regierung

Angesichts der Zuspitzung der Gewalt in Mexiko gegen die katholische Kirche – ein Priester wurde diese Woche ermordet, ein weiterer entführt – hat ein Bischof den Dialog mit der Drogenmafia aufgenommen und sich als Vermittler angeboten.

Irak: Kirchen starten „Marshall-Plan“ für Region um Mossul

Die aus der Ninive-Ebene rund um die Stadt Mossul geflüchteten Christen schöpfen wieder Hoffnung auf Rückkehr in ihre Heimat – und die vor Ort tätigen christlichen Kirchen fassen den Wiederaufbau der Dörfer gemeinsam ins Auge.

Barcelona: Kirchengipfel mit Papst-Appell zu mehr Jugendarbeit

Papst Franziskus will die kirchliche Jugendarbeit in Europa stärken.

Jesuit Zollner: Kirchliche Missbrauchsprozesse dauern zu lang

Der Kinderschutzexperte P. Hans Zollner SJ hat sich für eine schnellere Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ausgesprochen.

Neue Feiertagsregelung in Slowakei

Die slowakische Regierung hat eine Novelle des Arbeitsgesetzes beschlossen, die die Anzahl der Tage, an denen die Kleinhandelsgeschäfte verpflichtend geschlossen sind, von bisher dreieinhalb auf 15 erhöht.

Evangelischer Bischof lebte vier Wochen mit Jesuiten in Rom

Ökumene heißt: Mauern niederreißen und eine gemeinsame WG eröffnen. So zumindest sieht das ein evangelischer Bischof aus Deutschland.

Kamelsterben bedeutet Alarmstufe Rot

„Die internationale Gemeinschaft verschläft die Hungerkatastrophe in Ostafrika“: Diesen ernüchternden Eindruck hat Raphael Thurn-Valsassina, Katastrophenhelfer der Caritas Österreich, von der aktuellen Situation im Norden Kenias.

Ungarische Kirche stellt Roma-Seelsorge auf neue Beine und freut sich über die erste Selige aus diesem Volk

Die katholische Kirche in Ungarn verstärkt die Seelsorge für die Angehörigen der Roma-Volksgruppe: Die ersten 85 Mitarbeiter der Romapastoral, die einen dafür neu geschaffenen Kurs absolviert haben, erhielten am 26. März in der Kathedrale von Esztergom ihre Abschlusszeugnisse.

Syrien: Bischof schenkt befreiten muslimischen Dörfern Ziegen

Der syrisch-katholische Erzbischof von Hassake in der syrischen Zwischenstrom-Region Djazira, Jacques Behnan Hindo, hat Hilfsprogramme für nichtchristliche Betroffene der Kriegsereignisse in seiner Eparchie (Diözese) gestartet.

Diözese Graz-Seckau und Caritas schaffen leistbare Wohnungen

Mit einem neuen Projekt wollen die Diözese Graz-Seckau und die steirische Caritas leistbaren Wohnraum schaffen.

Leitartikel

Gravierende Einschnitte

Von „bedrückenden Zahlen“ beim Priesternachwuchs sprachen die deutschen Bischöfe anlässlich ihrer Frühjahrskonferenz.
Der Priestermangel ist bekanntlich der Hauptgrund für ihre Schöpfung von Riesenpfarren, auch wenn in der finanzstärksten Kirche der Welt jetzt – etwa in Trier – von „unverhältnismäßigem Aufwand“ die Rede ist.
Nachdem Papst Franziskus in einer deutschen Zeitung die Diskussion über die Weihe bewährter verheirateter angestoßen hatte, war das Echo verhalten bis negativ..
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz, sprach sich dezidiert gegen Änderungen bei der Ehelosigkeit von katholischen Priestern aus. Eine Abschaffung des Zölibats wäre ein „gravierender Einschnitt in die Geschichte und Spiritualität der Kirche.“
In der Diözese München gibt es etwa 500 wegen ihrer Heirat suspendierte Priester. Würde man sie rehabilitieren, hätte man dort sofort eine schnelle Lösung des Priestermangels.
Die Zerstörung der überschaubaren Pfarren und das Ende des persönlichen Kontakts zwischen einem Pfarrer und seinen Pfarrangehörigen (bis zu 77.000!) ist ein noch gravierenderer Einschnitt in die Geschichte, den man in Kauf nimmt.
Wo bleibt die von Benedikt XVI. andernorts geforderte Verbindung von Glauben und Vernunft?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 50, 4-7

Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen, doch ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate
(Drittes Lied vom Gottesknecht)

Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.

 

Zweite Lesung:   Phil 2, 6-11

Christus Jesus erniedrigte sich; darum hat ihn Gott über alle erhöht

Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters.

 

Passion:   Mt 27, 11-54

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus

Die Verhandlung vor Pilatus
Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es. Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, so dass der Statthalter sehr verwundert war.
Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen, den sich das Volk auswählen konnte. Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Barabbas im Gefängnis. Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war: Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Barabbas oder Jesus, den man den Messias nennt? Er wusste nämlich, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte. Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: Lass die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schrecklichen Traum. Inzwischen überredeten die Hohenpriester und die Ältesten die Menge, die Freilassung des Barabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu lassen. Der Statthalter fragte sie: Wen von beiden soll ich freilassen? Sie riefen: Barabbas! Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm! Er erwiderte: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Da schrien sie noch lauter: Ans Kreuz mit ihm!
Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache! Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Darauf ließ er Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.

Die Verspottung Jesu durch die  Soldaten
Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätorium, das Amtsgebäude des Statthalters, und versammelten die ganze Kohorte um ihn. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: Heil dir, König der Juden! Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen ihm damit auf den Kopf. Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

Die Kreuzigung
Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon; ihn zwangen sie, Jesus das Kreuz zu tragen. So kamen sie an den Ort, der Golgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe. Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken. Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich. Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn. Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab: Das ist Jesus, der König der Juden. Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt, der eine rechts von ihm, der andere links. Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz! Auch die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten verhöhnten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Er ist doch der König von Israel! Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben. Er hat auf Gott vertraut: der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber, die man zusammen mit ihm gekreuzigt hatte.

Der Tod Jesu
Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land. Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija. Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. Die anderen aber sagten: Lass doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft. Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus.
Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte, und die Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich, und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.
Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sag

 

Gedanken zum Sonntag

Ass.-Prof. Dr. Frank Walz
Liturgiewissenschaftler und Diakon
Salzburg

Gespannt

Jetzt geht es also los! Die Heilige Woche beginnt. Jesus zieht in Jerusalem ein: „Hosanna, dem Sohn Davids! Gepriesen sei der, der im Namen des Herrn kommt. Hosanna, Gott in der Höhe!“  – und im gleichen Atemzug, quasi um die nächste Kurve, heißt es im Mess-Evangelium, der Passion des Mattäus: „Ans Kreuz mit ihm!“.
Der Palmsonntag ist die Ouvertüre, die Eröffnung der Heiligen Woche. Die großen Themen klingen bereits an, der Bogen wird gespannt. Wie im dritten Gottesknechtslied aus der ersten Lesung beschrieben, sind auch wir eingeladen, uns von Gott die Ohren öffnen zu lassen für die Frohe Botschaft, die Gott uns in Jesus zusagt. Er, der „wie Gott [war, wurde] den Menschen gleich“ – „…wahrer Gott und wahrer Mensch…“ wie die Kirche seit dem  Konzil von Chalcedon (451) lehrt. Diese Spannung ist über den Verstand genauso wenig erklärbar wie die launische Wechsel-Reaktion „der Menge“.
Jesus hat diese Spannung ausgehalten und den klaren Blick auf den Willen des Vaters bewahrt: „…nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Er wusste um die Bestimmung seines Lebens und hat sich Schritt für Schritt darauf eingelassen – nicht zuletzt betend, in der Nacht am Ölberg und in der Sterbestunde – und er hat uns mit seinen Jüngern in diese Spannung mit hineingenommen.
Am Ende der Passion steht das Grab, gesichert und versiegelt. Die Soldaten bewachen es, die beiden Marias sitzen dabei – gespannt was nun geschieht, gespannt, ob sich die Verheißung erfüllt…

 

Information

Castro-Geliebte: Fidel erhielt vor Tod Sterbesakramente
Sein Neffe agierte für Tauwetter zwischen Kuba und USA

Der kubanische Langzeit-Diktator Fidel Castro hat nach Angaben einer Italienerin vor seinem Tod im Dezember 2016 die kirchlichen Sterbesakramente erhalten.

„Einige Jesuitenpatres haben mir gesagt, dass Fidel Castro von der Religion getröstet gestorben ist. Sie sagten mir: Sei ruhig, denn Fidel starb auf christliche Weise“, erklärte Anna Maria Traglia, eine frühere Geliebte von Fidel Castro, dem italienischen Kirchensender „TV 2000“. Ihren Informationen zufolge sei der „Maximo Lider“ zuletzt täglich von einem Priester besucht worden.


Fidel Castro.

Nichte eines Kardinals
Traglia, heute 69 Jahre alt, ist die Nichte von Kardinal Luigi Traglia, der wiederum in den 1970er-Jahren Vikar von Papst Paul VI. in Rom war. Als sie 27 war, habe sie Castro durch die Vermittlung seiner Verwandten, die Sekretärin in der kubanischen Botschaft in Rom und mit Traglia befreundet war, kennengelernt. Über Jahre hinweg sei sie dann Fidels Geliebte gewesen, erklärte Traglia, die von einer bis zuletzt andauernden „großartigen Liebe“ sprach und längere Zeit in Kuba lebte.

Fahrt zur Sonntagsmesse
Auf ihr Drängen sei in Havanna eine Pfarre wiedereröffnet worden, in der sie jeden Sonntagnachmittag die Messe besucht habe, gab Traglia an. Nach dem Gottesdienst habe sie Fidel vor der Kirchentüre in einem Auto mit dem Nummernschild „Comandante 1“ erwartet. Ungewollt habe sie auch ein Treffen Castros mit Kardinal Agostino Casaroli eingefädelt: Als sie selbst beim damaligen Nuntius eingeladen war, sei Castro einfach mitgekommen, wodurch der Vatikan-Diplomat in Verlegenheit gekommen sei, da es für diesen Fall keine Anweisungen gegeben habe. Zwischen den beiden Männern habe sich jedoch sofort eine „gegenseitige Sympathie“ entwickelt.

Letzte Kontakte
Nach Kuba reiste Traglia zuletzt vor eineinhalb Jahren, als Castro bereits schlecht bei Gesundheit war. Bis Mai 2016 habe zudem auch ein regelmäßiger Telefonkontakt mit dem Ex-Diktator bestanden. Bei ihrer letzten Begegnung habe sie Castro „sehr verändert“ vorgefunden, sagte Traglia. „Eines Tages sagte er mir: Ich denke oft an deine Worte – wobei er auf meinen christlichen Glauben Bezug nahm – und ich stelle fest, dass du in vielen Dingen recht hattest, und ich nicht“, berichtete die Italienerin.

Verhandlungen mit den USA
Der kubanische Kardinal Jaime Ortega Alamino hat nach Medienberichten das Geheimnis gelüftet, wer hinter den Kulissen die Verhandlungen zwischen den USA und Kuba im Rahmen des politischen Tauwetters geführt hat.


Kardinal Jaime Ortega Alamino.

Nach Angaben des Alt-Erzbischofs von Havanna hat der älteste Sohn von Staatspräsident Raul Castro, Alejandro Castro Espin, eine entscheidende Rolle bei der diplomatischen Annäherung der beiden ideologisch verfeindeten Staaten gespielt.
In die Geschichtsbücher schaffte es Ortega vor allem mit einem inzwischen bereits legendären Botendienst: Papst Franziskus hatte sich für ihn als einen seiner wichtigsten Vertrauten in Lateinamerika entschieden, der im Vorfeld der direkten Gespräche zwischen Washington und Havanna in die USA reisen sollte. Dort übergab Ortega Präsident Barack Obama unbemerkt von der Öffentlichkeit persönlich ein Schreiben des Papstes.

Franziskus´ Triumphzug in Italiens größter Diözese

Der eintägige Besuch von Papst Franziskus am 25. März in Mailand glich einem Triumphzug. Er zeigte, wie populär der lateinamerikanische Papst in Italien weiter ist. Solche Menschenmassen hat er bislang bei keinem anderen Besuch auf der Apenninhalbinsel angezogen.

Zehntausende bereiteten dem Papst in den Straßen Mailands einen begeisterten Empfang.
Nach Schätzungen der Organisatoren sind eine Million Gläubige zum Gottesdienst in den Park von Monza gekommen.
Vor Beginn der Messe im Park der Stadt fuhr Franziskus gut eine halbe Stunde lang durch die jubelnde Menge.


Papst Franziskus beim Treffen mit Firmlingen in Mailand.  
Foto: L‘Osservatore Romano.

„Christen sind keine Zuschauer“
In seiner Predigt rief der Papst zum mutigen Eintreten für die christliche Botschaft auf. Angesichts der zahlreichen „schmerzhaften Situationen“ in der Welt dürften Christen sich nicht auf die Rolle von Zuschauern beschränken, „die zum Himmel aufschauen und auf Regen warten“, sagte der Papst. Die christliche Hoffnung sei auch heute trotz aller Verluste, Kämpfe und Ängste im Alltagsleben erfahrbar. Franziskus kritisierte zugleich die Ausbeutung von Armen, Migranten und Jugendlichen.

Jugendtreffen im Stadion
Franziskus empfiehlt Eltern, mit ihren Kindern gemeinsam mit anderen Familien die Sonntagsmesse zu besuchen und anschließend zum Spielen in einen Park zu gehen. So lebe man den Glauben in einem familiären Ambiente und lerne die Feste zu heiligen, sagte er vor 80.000 Jugendlichen und Eltern im Giuseppe-Meazza-Stadion.
Die Begegnung mit Firmlingen und ihren Angehörigen war der letzte Programmpunkt einer eintägigen Reise des Papstes nach Mailand und Monza.
Zuvor hatte er am Vormittag eine heruntergekommene Hochhaussiedlung in Mailand besucht und dort drei Familien getroffen:  Zwei davon stammten aus Italien, eine aus Marokko.
Nach einer Begegnung mit Priestern und Ordensleuten im Mailänder Dom hatte Franziskus mit Häftlingen in einem Gefängnis der Stadt zu Mittag gegessen.

Telefonat mit Erkrankter
Papst Franziskus greift bisweilen auch bei Pastoralreisen zum Telefon: Am Samstag rief er auf Wunsch seiner Gastgeber während seines Besuchs in einem ärmeren Stadtviertel von Mailand eine Frau an, die aufgrund einer Atemwegserkrankung nicht an der Papstvisite teilnehmen konnte, berichtete die portugiesische Nachrichtenagentur „Ecclesia“.
Der Papst meldete sich bei dem rund einminütigen Gespräch mit „Frau Adele? Guten Tag, wie geht es Ihnen? Wie fühlen Sie sich?“ Er ermunterte die Frau am anderen Ende der Leitung dazu, ihre Leiden Gott aufzuopfern, verabschiedete sich mit einem Segenswunsch und einer „Umarmung“ und bat sie um ihr Gebet.

„Toilette wie alle Leute“
Einmal mehr zeigte sich Franziskus in Mailand als Papst der Gesten und Bilder. Das meiste davon war eingeplant, doch dieser Zwischenstopp wohl nicht: Franziskus suchte ein ganz normales Klohäuschen auf, das für die Menschen am Straßenrand aufgestellt worden war. Kein Geringerer als der Papstvertraute und Jesuitenpater Antonio Spadaro verbreitete das Foto dazu über Twitter. „Der Papst benutzt eine chemische Toilette wie alle Leute“, schrieb er.

Evangelischer Bischof lebte vier Wochen mit Jesuiten in Rom

Ökumene heißt: Mauern niederreißen und eine gemeinsame WG eröffnen. So zumindest sieht das ein evangelischer Bischof aus Deutschland.

Vier Wochen lang hat Landesbischof Karl-Hinrich Manzke von Schaumburg-Lippe mit Jesuiten in Rom zusammengewohnt, berichtet „Radio Vatikan“.


Landesbischof Karl-Hinrich Manzke.
Foto:Landeskirche Schaumburg-Lippe.

„Erstmal war es für mich eine große Ehre, dass meine Frage sofort positiv aufgenommen worden ist und ich die Einladung bekommen habe! Ich hatte mich selber eingeladen und gefragt, ob das möglich ist: Kann ich mal in der Kommunität der Jesuiten an der Hochschule Gregoriana zu Gast sein? Es haben viele Deutsche, auch Lutheraner, schon an dieser Universität studiert und Vorlesungen gehalten, aber das Mitleben in der Gesellschaft, also bei den Jesuiten – da war ich der erste Ketzerbischof, der das durfte.“
Der Bischof, der auch Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen Deutschlands ist, zog also aus dem Landeskirchenamt Bückeburg nach Rom, an die von Jesuiten geleitete Gregoriana. In gewisser Hinsicht die Höhle des Löwen, denn die Uni ist im 16. Jahrhundert im Zug der Gegenreform gegründet worden. An der „Piazza della Pilotta“ wohnte der Lutheraner nun in einem kleinen Einzelzimmer mitten unter 50 Jesuiten, teilte ihr Leben, knüpfte Kontakte.
„Tisch, Stuhl und Bett, WC über den Flur“, sagt er. Vor allem aber lernte er die, wie er formuliert, „sehr honorige Kollegialität der Professoren hier“ schätzen.
Lernen durch Dabeisein
Ein Jahr ist das ungewöhnliche WG-Experiment von Bischof Manzke jetzt her. Seine Kontakte nach Rom hat er weiter gepflegt. Und natürlich vermittelt er das, was er allein unter Jesuiten erlebt hat, auch in seine evangelische Kirche hinein.
„Ich habe natürlich in der Kirchenleitung darüber berichtet, weil es in der Tat das erste Mal gewesen ist, dass in der Gemeinschaft der Jesuiten in der Gregoriana ein lutherischer Bischof mitleben durfte. Ich habe auch vor der Synode der EKD darüber berichtet als ein Beispiel dafür, dass im Reformationsjubiläumsjahr 2017 auch hier in der weltweit verbreiteten Jesuitenzeitschrift die Spiritualität von Ignatius von Loyola mit der von Martin Luther verglichen wird.“
Erzählt der Lutheraner von Rom, dann trifft er bei seinen Glaubensgeschwistern oft auf Erstaunen, sagt er. Da werde er zum Beispiel gefragt, wie er das denn mit der Sprache gemacht habe. Allerdings: „Die Befürchtung, dass ich jetzt zum Jesuiten mutiere, die hat bisher keiner geäußert. Die ist auch nicht gegeben… aber großer Respekt vor der Tradition der Jesuiten.“ Fazit des Landesbischofs: „Ökumene bewegt sich auch über Begegnung. Sich der Tradition und Spiritua-lität des anderen stellen und aussetzen und sie verstehen… Lernen durch Dabeisein.“

Ungarische Kirche stellt Roma-Seelsorge auf neue Beine und freut sich über die erste Selige aus diesem Volk

Die katholische Kirche in Ungarn verstärkt die Seelsorge für die Angehörigen der Roma-Volksgruppe: Die ersten 85 Mitarbeiter der Romapastoral, die einen dafür neu geschaffenen Kurs absolviert haben, erhielten am 26. März in der Kathedrale von Esztergom ihre Abschlusszeugnisse.

Überreicht wurden diese von Primaskardinal Peter Erdö, der hervorhob, dass Jesus der Erlöser der ganzen Welt sei und allen das Heil bringen wolle. Einen Tag zuvor war im spanischen Almeria mit Emilia Fernandez Rodriguez die erste Roma-Angehörige selig gesprochen worden.
Die zweijährige Ausbildung für Romapastoral geht zurück auf die Gründung des Institutes „Boldog Ceferino“ (Seliger Ceferino), erklärte Weihbischof Janos Szekely, der Romapastoral-Beauftragte der Ungarischen Katholischen Bischofskonferenz.  Der Kurs hatte in jenen sechs Ortschaften stattgefunden, in denen Ungarns zahlenstarken Romagemeinschaften leben.

Einsatz an 62 Orten
Künftige Einsatzorte der Kursabsolventen sind u.a. die 62 Gemeinschaftshäuser des Ceferino-Instituts, in denen es u.a. Freizeitprogramm, Nachhilfeunterricht und Familienberatung gibt. Wie Bischof Szekely hervorhob, sollten Roma und Nicht-Roma einander als Geschwister sehen; dafür sei es auch notwendig, dass die Angehörigen der Volksgruppe aktiv bei der Gestaltung des Programms eingebunden würden.


Ceferino Gimenez Malla.

Spanische Roma
Der Instituts-Namensgeber Ceferino Giménez Malla (1861-1936), bekannt unter dem Beinamen „El Pele“, war der erste seliggesprochene Roma. Er wuchs als Nomade in Spanien auf, wurde als Erwachsener getauft, war ein erfolgreicher Maultier-Händler, Vermittler innerhalb seiner Volksgruppe und auch Politiker. Nach dem Tod seiner Frau war er als Katechet und Chorleiter tätig, förderte das Rosenkranzgebet und trat 1926 dem Dritten Orden der Dominikaner bei. Als er nach Beginn der Christenverfolgung im Spanischen Bürgerkrieg 1936 einem Priester Beistand und Zuflucht gewährte, wurde er deshalb selbst verhaftet und am 9. August 1936 in Barbastro mit dem Rosenkranz in der Hand hingerichtet.


Selige Emilia Fernandez Rodriguez.

Erste selige Romni
Die Lebensgeschichte des Ceferino erinnert an jene von Emilia Fernandez Rodriguez. Emilia war am Samstag im spanischen Almeria als erste Roma-Frau der Kirchengeschichte selig gesprochen worden, gemeinsam mit einer Gruppe von 95 Priestern und Ordensleuten sowie 20 Laien, die wie Ceferino im Spanischen Bürgerkrieg als Märtyrer gestorben waren. Auch bei ihr spielte der Rosenkranz eine Schlüsselrolle für das Martyrium.

Eine Korbflechterin
Geboren am 13. April 1914 in der spanischen Provinz Almeria, wuchs Emilia in einer Roma-Siedlung der Ortschaft Tijuola auf und arbeitete von klein auf in der Erzeugung von Weidenkörben, woher ihr Beiname „La Canastera“ (Korbflechterin) stammt. Die Analphabetin heiratete 1938 inmitten des spanischen Bürgerkrieges und war schwanger, als ihr Mann ins republikanische Heer einrücken sollte. Eine List, die ihn vorübergehend blind und somit untauglich machen sollte, ging nicht auf, worauf beide Eheleute in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert wurden.

Mit 25 Jahren Märtyrerin
Emilia kam in ein Frauengefängnis gemeinsam mit Christinnen, von denen sie Gebete und den Rosenkranz lernte.
Als dies der Direktorin zu Ohren kam, zwang man die Schwangere, den Namen ihrer Katechistin preiszugeben, versprach dafür ihre Freilassung sowie die ihres Mannes. Sie weigerte sich jedoch, worauf sie in Einzelhaft kam.
Nach sieben Monaten Gefängnis unter schwierigsten Bedingungen gebar sie Anfang Jänner 1939 ihre Tochter und starb kurz darauf, am 25. Jänner, völlig unterernährt an Lungenentzündung. Sie wurde in einem Massengrab verscharrt.
Ihr Mann kam nach Kriegsende frei und heiratete Emilias jüngere Schwester, während über das weitere Schicksal der im Gefängnis geborenen Tochter nichts bekannt ist.