Inhalt der gedruckten Ausgabe 14/2017

Leitartikel

Kirche in Frauenhand

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Ass.-Prof. Dr. Frank Walz
Liturgiewissenschaftler und Diakon
Salzburg

Information

Generalabt Backovsky: Sorge um  Menschen muss zentral sein
Voll hinter dem Papst, skeptisch gegenüber Diözesanreform

„Die Sorge um die Menschen muss stets im Mittelpunkt kirchlichen Handelns stehen.“ Das hat der Klosterneuburger Propst Bernhard Backovsky, seit 2002 Generalabt der Österreichischen Augustiner-Chorherrenkongregation, im Interview mit „Kathpress“ betont. Er begeht dieser Tage sein 50-jähriges Priesterjubiläum.

Papst Franziskus macht der 60-jährigen EU Mut

Papst Franziskus hat am 24. März im Vatikan den EU-Staats- und Regierungschefs Mut für einen neuen Anfang gemacht. Die Union habe „die Möglichkeit neuer Jugend“ vor sich. Ihr Erfolg aber werde vom „Willen abhängen, Lust auf die Zukunft zu haben“. Der Friede sei „kein selbstverständliches Gut“.

Österreich: 5.211 Ordensleute

Mit Stichtag 1. Jänner 2017 lebten und wirkten in Österreich 5.211 Ordensleute.

Schönborn bei Dialog im Kanzleramt: Religiöse Vielfalt tut Österreich gut

Vielfalt – auch religiöse – schadet Österreich nicht, sondern tut dem Land gut. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn im Anschluss an einen interreligiösen Dialog, zu dem Bundeskanzler Christian Kern und Staatssekretärin Muna Duzdar am 21. März Vertreter aller in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaften ins Bundeskanzleramt eingeladen hatten.

Tagung in Rom: „Franziskus beendet Kulturkampf seiner Vorgänger“

Die Menschenrechte in der katholischen Kirche stehen im Zentrum einer am 22. März eröffneten internationalen Tagung am Deutschen Historischen Institut in Rom.

Prager Kardinal Miloslav Vlk war eine prägende Gestalt der Kirche in Mittel- und Osteuropa

Der Prager Kardinal und Alterzbischof Miloslav Vlk ist im Alter von 84 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Er gehört zu den prägenden Gestalten der Kirche in Mittel- und Ost-europa nach dem Sturz des Kommunismus.

Prager Gericht: „Madonna von Eichhorn“ gehört der Kirche

Das frühgotische Tafelbild „Madonna von Eichhorn“ ist rechtmäßig Eigentum der katholischen Kirche.

Zulehner: „Vlk hatte kirchenpolitisch etwas von Schwejk an sich“

„Er war ein guter Freund“: Mit diesen Worten würdigte der Wiener Pastoraltheologe und Religionssoziologe Paul Zulehner den verstorbenen Prager Alterzbischof Miloslav Vlk.

Katholische Verbände contra Bischöfe: Ganzkörperschleier Symbol einer Gegenkultur

Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV) Österreichs hat ihre Forderung nach einem umfassenden Verbot der Ganzkörperverschleierung erneuert.

Erwin Pröll: Kirchen sollen ihr Profil in der Öffentlichkeit schärfen

Die christlichen Kirchen sind aufgerufen, ihr Profil in der öffentlichen Diskussion wieder zu schärfen. Zu diesem Schluss kommt der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) im Interview mit der „Furche“.

Opfer in Ruanda begrüßen Völkermord-Entschuldigung des Papstes

Opfervereine in Ruanda begrüßen die Bitte um Vergebung von Papst Franziskus für die Beteiligung der Kirche am Völkermord von 1994.

Kirchen in Bayern wollen Kanzel- und Eucharistiegemeinschaft

Die Spitzen der katholischen und evangelischen Kirche in Nordostbayern sehen die Ökumene auf einem guten Weg.

SS-Eid-Verweigerer Mayr-Nusser in Bozen seliggesprochen

Der wegen seines Widerstands gegen den Nationalsozialismus zum Tode verurteilte Südtiroler Josef Mayr-Nusser (1910-1945) ist in Bozen zum Seligen der katholischen Kirche erklärt worden.

Deutscher ist neuer Vorsitzender der Russischen Bischofskonferenz

Clemens Pickel (55), aus Sachsen stammender Bischof im südwestrussischen Saratow, ist neuer Vorsitzender der Russischen Bischofskonferenz.

Lerncafe Herzogenburg: „Durch Bildung der Armut entkommen“

Im Beisein von Landesrat Karl Wilfing, Propst Maximilian, Bürgermeister Franz Zwicker und Caritasdirektor Hannes Ziselsberger wurde in Herzogenburg ein Caritas Lerncafé eröffnet. Die Räumlichkeiten dazu stellt das Stift im ehemaligen Bezirksgericht zur Verfügung. Auch die NÖ Kindersommerspiele beteiligten sich mit einer Geldspende an der Errichtung des Lerncafés.

Leitartikel

Kirche in Frauenhand

Ohne Frauen geht in der Kirche Österreichs nichts mehr. Das belegen die Ergebnisse der jüngsten Pfarrgemeinderatswahl.
In Vorarlberg werden mit einem Anteil von 67 Prozent künftig zwei von drei gewählten Pfarrgemeinderäten Frauen sein. In der Erzdiözese Wien wurden 56 Prozent Frauen  gewählt.
Nach Ansicht von Bischof Wilhelm Krautwaschl sollten Frauen künftig in der katholischen Kirche mehr zu sagen haben als bisher: Der Spielraum bei kirchlichen Führungspositionen sei dafür groß und „noch lange nicht ausgeschöpft“, befand der Grazer Oberhirte wenige Tage nach der PGR-Wahl bei einem Treffen von 160 Kirchenmitarbeiterinnen zum Thema „Frauen – Führen – Kirche“. Vorrangig solle damit nicht den Frauen etwas Gutes getan werden, sondern es sei vor allem die Kirche, die vom Beitrag der Frauen bereichert und erweitert werde, „weil Kirche der Leib Christi ist, der sich in der Ganzheit des Menschen als Mann und Frau abbildet“.
Pfarrgemeinderätinnen leiten gemeinsam mit den Priestern ihre Pfarren genauso wie Männer. Frauen stehen jetzt schon häufig am Altar – als Wortgottesdienstleiterinnen und Kommunionspenderinnen. Wohl nicht ohne Zutun des Heiligen Geistes.
Der Wille von Frauen, zu Priesterinnen geweiht zu werden, ist kein Beweis unersättlicher Gier nach Machtpositionen, sondern des logischen Wunsches, als Ebenbild Gottes anerkannt zu werden.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Ez 37, 12b-14

Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig

So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel. Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen, und ich führe es aus – Spruch des Herrn.

 

Zweite Lesung:   Röm 8, 8-11

Der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, wohnt in euch

Schwestern und Brüder!
Wer vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm. Wenn Christus in euch ist, dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit. Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.

 

Evangelium:   Joh 11, 3-7.17.20-27.33b-45

Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben

In jener Zeit sandten die Schwestern des Lazarus Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus. Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.
Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
Jesus war im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus. Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast. Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!
Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

 

Gedanken zum Sonntag

Ass.-Prof. Dr. Frank Walz
Liturgiewissenschaftler und Diakon
Salzburg

Rechtschaffen

Mit dem 5. Fastensonntag stehen wir unmittelbar vor der Heiligen Woche. Nach dem Eröffnungsvers/Introitus der Messliturgie wird dieser Sonntag „Iudica“ genannt: „Iudica me, Deus…/ Verschaffe mir Recht, o Gott…“. Eine andere Bezeichnung ist „Schwarzer Sonntag“ oder „Passionssonntag“. Die (Triumph-)Kreuze und (Verherrlichungs-) Bilder werden ver-hüllt, um dann am Karfreitag bzw. zu Beginn der Osternachtsfeier wieder ent-hüllt zu werden. Als „schwarz“ wird dieser Sonntag bezeichnet, weil es (zumindest auf den ersten Blick) um die Dunkelheit des Todes geht.
Am Beispiel der Auferweckung des Lazarus enthüllt Jesus eine zentrale Eigenschaft Gottes und seiner selbst: Gott ist ein Gott des Lebens und Jesus ist der Weg zum Leben: „Ich bin die Auferstehung und das Leben…“ (Joh 11,25). Gott öffnet die Gräber und haucht uns seinen lebenspendenden Geist ein, heißt es in der 1. Lesung, durch den Geist Gottes wird unser sterblicher Leib lebendig gemacht konkretisiert die 2. Lesung.
Die Bitte Recht-zu-schaffen (Iudica me!) hat unsere je eigene Rechtschaffenheit zum Ziel. Als recht-schaffene und damit auch recht-schaffende Menschen sollen wir unser Christsein leben. Im Lichte Christi sollen wir das Dunkle dieser Welt überwinden, Strukturen des Todes gegen Strukturen des Lebens austauschen. Der Heilige Geist, der uns in der Taufe zugesprochen worden ist, begleitet uns dabei. Er richtet uns auf und er richtet uns aus – auf die Heilige Woche, der wir zugehen und von der wir uns zu Recht Recht-schaffenheit und damit Heilung erwarten.

 

Information

Generalabt Backovsky: Sorge um  Menschen muss zentral sein
Voll hinter dem Papst, skeptisch gegenüber Diözesanreform

„Die Sorge um die Menschen muss stets im Mittelpunkt kirchlichen Handelns stehen.“ Das hat der Klosterneuburger Propst Bernhard Backovsky, seit 2002 Generalabt der Österreichischen Augustiner-Chorherrenkongregation, im Interview mit „Kathpress“ betont. Er begeht dieser Tage sein 50-jähriges Priesterjubiläum.

Seine Priesterweihe 1967 sei in die Zeit des kirchlichen Aufbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gefallen (1962-65), erinnerte Backovsky. Die Kirche habe sich in einer neuen Weise den Menschen zugewandt und das sei auch stets die Maxime seines Handelns gewesen, sei es als Pfarrseelsorger, Novizenmeister oder Propst. Und dies erwarte er auch von seinen Mitbrüdern: „Wir sind kein beschaulicher Orden. Wir müssen und wollen zu den Menschen gehen und zugleich das Stift für die Menschen öffnen.“


Generalabt Bernhard Backovsky.

Für Franziskus aus ganzem Herzen
Den Kirchenkurs von Papst Franziskus könne er diesbezüglich nur aus vollem Herzen mittragen: „Dieser Papst kennt sich aus, er weiß aus eigener Erfahrung um die Not der Menschen.“ Das betreffe etwa auch den Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten.

Skepsis zu „Pfarren Neu“
Die derzeit laufende Wiener Diözesanreform beurteilte der Propst skeptisch. Die Zahl der Priester werde durch die Zusammenlegung von Pfarren bzw. die anvisierten „Pfarren Neu“ ja nicht mehr.  Die Gemeinschaft vor Ort und der persönliche Kontakt der Priester mit den Menschen gehörten wesentlich zum Kirche-Sein dazu.
Backovsky sprach sich in diesem Zusammenhang einmal mehr dafür aus, bewährte verheiratete Männer („viri probati“) zum Priesteramt zuzulassen. Reformen seien freilich grundsätzlich immer nötig und das Stift werde sich auch – nach Möglichkeit – in den laufenden Wiener Diözesanprozess einbringen, fügte er hinzu.

48 Chorherren
Dem Stift Klosterneuburg gehören derzeit 48 Chorherren an. Knapp die Hälfte davon lebt im Stift, die anderen wohnen meist in ihren Pfarren. Die Klosterneuburger Chorherren betreuen insgesamt 28 Pfarren, die meisten davon in Wien und Niederösterreich, je zwei in Norwegen und den USA. Damit verbunden ist nicht nur der Einsatz der Ordensmänner als Seelsorger, sondern auch ein großer Aufwand des Stifts für die Erhaltung der Kirchen, betonte Backovsky.

Leben in Gemeinschaft
Die Vorstellung, dass es in einer Ordensgemeinschaft immer harmonisch zugeht, musste der Propst enttäuschen. Konflikte – „und manchmal auch sehr heftige verbale Auseinandersetzungen“ – seien genauso Teil des Lebens in einem Stift. Geduld und gegenseitige Rücksichtnahme gehörten deshalb auch zu den notwendigen Eigenschaften, die man als Chorherr mitbringen sollte, und natürlich eine positive Grundeinstellung zu den Menschen“, so Backovsky und weiter: „Ich habe in meiner langen Zeit als Ordensmann auch gelernt, wie wichtig es ist, schwierige Situa-tionen durchzustehen und gewisse Dinge einmal über einen längeren Zeitraum zu ertragen.“

Von Herman zu Bernhard
Herman Backovsky wurde als Sohn einer Klosterneuburger Familie 1943 in Wien geboren, wuchs in Klosterneuburg auf und besuchte hier das Gymnasium, wo er 1961 maturierte. Im gleichen Jahr trat er gemeinsam mit seinem Bruder Ferdinand in das Stift Klosterneuburg ein und erhielt den Ordensnamen Bernhard. 1965 legte er die feierliche Profess ab. 1967 zum Priester geweiht, war er in der Seelsorge in Korneuburg und in Floridsdorf tätig, bis er als Novizenmeister und Klerikerdirektor zur Betreuung der Novizen 1983 in das Stift zurückberufen wurde. 1995 wurde er zum Propst gewählt.

Zahlreiche Initiativen
Gleich nach Backovskys Amtsantritt 1995 begann eine umfangreiche Reform der Stiftsbetriebe, die die wirtschaftliche Basis des Hauses darstellen, darunter das älteste Weingut Österreichs. Neben der Land- und Forstwirtschaft gehören u.a. auch zahlreiche Immobilien in Wien und Niederösterreich zum Wirtschaftsgut der Chorherren.
Charakteristisch für Backovskys Stiftsleitung war eine Öffnung des Hauses: Klosterneuburg entwickelte sich zum Ort der Begegnung der Diplomatie oder Kultur, was in Staatsbesuchen, EU-Treffen oder Akzenten wie dem St. Leopold-Friedenspreis, STIFTetKUNST, der Galerie der Moderne, jährlichen großen thematischen Ausstellungen und internationalen Konzertreihen sichtbar wurde. Das Stift verzeichnet jährlich rund 100.000 Besucher.

Humanitäres Engagement
In der Ära Backovsky wurde das Stift Klosterneuburg rechtzeitig vor dem 900-Jahr-Jubiläum im Jahr 2014 generalrenoviert. Es gab sich zudem erstmals ein Sozialstatut und engagierte sich weltweit auf humanitärem Gebiet, etwa für Straßenkinder in Rumänien, Moldawien, Indien und Honduras, für Kranke im Südsudan und sexuell missbrauchte Mädchen auf den Philippinen. Die Seelsorge-Tradition des Stiftes Klosterneuburg brachte Backovsky außer in die norwegischen Pfarren Bergen und Trondheim auch in die US-Pfarren St. Patrick und S. Rocco.

Bibel und Liturgie
Ganz besonderen Wert legte und legt Propst Bernhard auf die Weiterführung des Anliegens des Augustiner-Chorherren und Reformers Pius Parsch, den Glauben aus seinen Quellen Bibel und Liturgie heraus zu erneuern.
2002 wurde Backovsky zum Generalabt der Österreichischen Augustiner-Chorherrenkongregation gewählt und 2007 und 2012 nochmals bestellt. Von 2010 bis 2016 war er zudem Abtprimas der internationalen Konföderation der Augustiner-Chorherren.

Prager Kardinal Miloslav Vlk war eine prägende Gestalt der Kirche in Mittel- und Osteuropa

Der Prager Kardinal und Alterzbischof Miloslav Vlk ist im Alter von 84 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Er gehört zu den prägenden Gestalten der Kirche in Mittel- und Ost-europa nach dem Sturz des Kommunismus.


+ Kardinal Miloslav Vlk.

Seit der politischen „Wende“ von 1989 setzte er sich mit ganzer Kraft für den Wiederaufbau der katholischen Kirche seines Landes ein. Er hat sich u.a. große Verdienste um die Aussöhnung zwischen Tschechen und Deutschen erworben.
Mit Trauer und Hochachtung für sein Lebenswerk haben tschechische Politiker daraufhin reagiert. „Mich hat ein Vater verlassen“, sagte Kulturminister Daniel Herman, der in den frühen 1990er Jahren als Vlks Sekretär arbeitete.
Ministerpräsident Bohuslav Sobotka schrieb auf Twitter, der Kardinal habe „nie Angst gehabt, nach seinem Gewissen zu handeln“. Der Vorsitzende der Christdemokraten, Vize-Ministerpräsident Pavel Belobradek, sagte, Vlk bleibe unauslöschlich in den Herzen vieler Menschen. Der Kardinal sei bereit gewesen, „viel für die Freiheit der Meinungsäußerung und für die Religionsfreiheit zu opfern“. Dafür sei er vom kommunistischen Regime „bestraft und schikaniert worden“.

Präsident blieb Begräbnis fern
Staatspräsident Milos Zeman würdigte Vlk als „Mann von tiefem Glauben und Kompromisslosigkeit“, nahm jedoch am Begräbnis seines langjährigen Kontrahenten nicht teil, weil er kein Heuchler sein wollte. Es gab schließlich ein 16-jähriges Tauziehen um den Besitz des Prager Veitsdoms – den das höchste Gericht letztlich dem Staat und nicht der Kirche zusprach.
Viele Kontroversen gab es um ein Religionsgesetz, das kirchliche Sozialarbeit beschränkt, und um die Staat-Kirche-Beziehungen, die sich in kaum einem anderen europäischen Land so schwierig gestalten. „Ich habe im Kommunismus gekämpft, und ich habe in der Demokratie gekämpft. Leider in beiden Fällen ohne großen Erfolg“, sagte Vlk nicht ohne Bitterkeit.

Direktor des Staatsarchivs Budweis
Trotz seines frühen Entschlusses, Priester zu werden, konnte Vlk zunächst nicht Theologie studieren: Der Staat hatte alle Seminare aufgelöst. Er  verdingte sich als Fabrikarbeiter und absolvierte den Militärdienst. Danach studierte er Archivwissenschaften und wurde schließlich Direktor des Bezirks- und Staatsarchivs in Budweis.

Mit 57  Pfarrer, mit 59 Erzbischof
1964 nahm er nach Beratungen mit seinem internierten Bischof das Theologiestudium in Leitmeritz auf. Nach vier Jahren wurde er im Juni 1968 zum Priester geweiht.
Weil er als Seelsorger zu erfolgreich schien, entzogen ihm die Behörden die Zulassung. Es folgten Jahre als Fensterputzer in Prag – und als Seelsorger im Untergrund.
Erst 1989 erhielt der bereits 57-Jährige wieder die staatliche Erlaubnis, als Priester arbeiten zu dürfen. Schon 13 Monate später ernannte Papst Johannes Paul II. den Pfarrer zum Bischof von Budweis, wieder ein Jahr später zum Erzbischof von Prag (1991-2010).

Kirchen in Bayern wollen Kanzel- und Eucharistiegemeinschaft

Die Spitzen der katholischen und evangelischen Kirche in Nordostbayern sehen die Ökumene auf einem guten Weg.

Diese habe in den letzten Jahren „deutlich an Fahrt gewonnen“, bilanzierte die Bayreuther evangelisch-lutherische Regionalbischöfin Dorothea Greiner am 21. März vor Journalisten in Bamberg.
Der katholische  Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, sagte: „Wir wollen die Kanzel- und Eucharistiegemeinschaft unter Beibehaltung der jeweiligen Traditionen.“ Beide äußerten sich zum Abschluss eines Ökumenischen Delegationstreffens in Bamberg.


Regionalbischöfin Dorothea Greiner.
Foto: Evang.-lutherische Kirche Bayern.

Zur bisher ungelösten Frage nach einem gemeinsamen Abendmahl für Katholiken und Evangelische sagte Schick, dieses Thema sei bei der Deutschen Bischofskonferenz in „guten Händen“. Die katholischen Bischöfe hätten bei ihrer Frühjahrsvollversammlung eine Vorlage diskutiert, wonach eine verantwortliche Entscheidung über den Kommunionempfang des nichtkatholischen Partners in konfessionsverbindenden Ehen im seelsorglichen Gespräch fallen könne. Aus dieser Vorlage erarbeiteten die Bischöfe nun ein verbindliches Schreiben.

SS-Eid-Verweigerer Mayr-Nusser in Bozen seliggesprochen

Der wegen seines Widerstands gegen den Nationalsozialismus zum Tode verurteilte Südtiroler Josef Mayr-Nusser (1910-1945) ist in Bozen zum Seligen der katholischen Kirche erklärt worden.


Josef Mayr-Nusser.

Der Präfekt der römischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato, würdigte ihn bei einem Festgottesdienst am 18. März im Bozener Dom als „Märtyrer des Glaubens in der dunklen Zeit der Nazi-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs“.
Amato hob die Aktualität des Vorbilds Mayr-Nussers hervor, sich „den Götzen seiner Zeit entgegenzustellen“.

Vorbild Thomas Morus
Ein Martyrium sei kein Zufall, sagte Amato. Mayr-Nusser habe sich von zahlreichen theologischen Büchern prägen lassen, unter anderem auch den Briefen, die der englische Lordkanzler Thomas Morus (1478-1535), angeklagt und später hingerichtet wegen seines Widerstands gegen Heinrich VIII., aus dem Gefängnis geschrieben hatte. Die Verweigerung des Treueeids von Thomas Morus gegenüber Heinrich VIII. sei für Mayr-Nusser „zweifellos eine Inspiration für das schließliche ‚Nein‘ gegen Hitler“ gewesen, so Amato.

Ein stolzer Katholik
Mayr-Nusser war nach den Worten Amatos „stolz auf seine Identität als Katholik. Für ihn war der Katholizismus nicht eine formale, äußerliche Sache, sondern Quelle seines inneren Adels, Jünger Jesu und Sohn der Kirche zu sein.“ Nach Mayr-Nussers eigener Aussage sei für ihn das christliche Zeugnis „zugleich unsere Aufgabe und unsere Waffe“ gewesen.

Zeugnis eines SS-Wachmanns
In seiner Predigt erinnerte der Kardinal an das Zeugnis des damaligen SS-Wachmanns Fritz Habicher, der seinerzeit den Gefangenentransport nach Dachau begleitete. Mayr-Nusser, schon schwer gezeichnet von der Entkräftung, habe kein Wort der Klage hören lassen, sondern für jede Hilfe seiner Begleiter mit einem „Vergelt’s Gott“ gedankt.
Habicher schrieb später an die Witwe Mayr-Nussers, er habe das Gefühl, die zwei Wochen unter unmenschlichen Bedingungen mit einem Heiligen verbracht zu haben. „Jetzt ist er mein großer Fürsprecher bei Gott“, zitierte Amato aus dem Brief Habichers.

1944 der Waffen-SS zugeteilt
Josef Mayr-Nusser wurde 1910 in Bozen geboren. In einem religiösen Umfeld aufgewachsen, schloss er sich der Katholischen Jugend der Diözese Trient an. Er wurde Vorsitzender der Jugendorganisation für die Diözese Trient, zu der das Dekanat Bozen damals gehörte.
Nach dem Optionsabkommen zwischen Hitler und Mussolini war Mayr-Nusser trotz des massiven Drucks der aus Deutschland ferngesteuerten örtlichen Nationalsozialisten ein „Dableiber“ – wie übrigens auch 90 Prozent der Südtiroler deutschsprachigen Priester.

Tod auf Weg in KZ Dachau
Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten am 8. September 1943 und dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde Mayr-Nusser 1944 mit vielen anderen „Dableibern“ zum deutschen Militär eingezogen. Er wurde dabei der Waffen-SS zugeteilt. Nachdem er am 4. Oktober 1944 den SS-Eid verweigert hatte, wurde er zum Tode verurteilt.
Auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau starb Mayr-Nusser am 24. Februar 1945 in einem Viehwaggon bei Erlangen an den Folgen der Haft. Er hinterließ eine Frau und einen Sohn.

Papst würdigt neuen Seligen
Papst Franziskus hat Josef Mayr-Nusser als Widerstandskämpfer aus christlichem Geist gewürdigt. Mit seinem „hohen moralischen und geistlichen Format“ sei der Südtiroler ein Vorbild für katholische Laien und besonders für Familienväter, sagte der Papst beim Angelus-Gebet am 19. März auf dem Petersplatz.
Der Gedenktag für Mayr-Nusser soll künftig der 3. Oktober sein, der Jahrestag seiner Eidesverweigerung.

BUCH: Josef Innerhofer, „Treu seinem Gewissen.Das Zeugnis des Josef Mayr-Nusser (1910-1945).“ Tyrolia, 176 Seiten, 76 Bilder, 19.95 Euro.