Inhalt der gedruckten Ausgabe 13/2017

Leitartikel

Österreich zuerst

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Dipl.-Päd. Kerstin Fuchs
Sozialpädagogin
Markt Hartmannsdorf, Stmk.

Information

Internationale Initiative für „Solidarität mit Franziskus“
Appell an Bischöfe zu „mutigen Vorschlägen“ zur Kirchenreform

„Solidarität mit Franziskus“: Unter diesem Titel hat sich von Österreich ausgehend eine internationale Initiative engagierter Katholiken gebildet, die Papst Franziskus gegenüber oft „unqualifizierter Kritik“ verteidigt und sich zu seinem Reformkurs bekennt, wie es in einer entsprechenden Erklärung heißt.

Papst hält Bußfeier im Petersdom

Papst Franziskus hat am 17. März einen Bußgottesdienst im Petersdom gehalten. Im Mittelpunkt der von Stille und Ernst geprägten Feier zur österlichen Bußzeit stand die Besinnung auf die eigenen Verfehlungen.

USA: 89-jähriger Diakon laisiert

Wenige Tage, nachdem Papst Franziskus die Diskussion über die Priesterweihe bewährter verheirateter Männer neu eröffnet hat, berichtet „National Catholic Reporter” Unfassbares aus den USA. Der 89-jährige Diakon Dr. Gerard Weigel wurde nach 36-jährigem Dienst von seiner Diözese laisiert, weil er im vergangenen Sommer ein zweites Mal geheiratet hatte.

Papst trifft Kinder: „Hexen nicht gefährlich, Tratsch aber schon“

Hexen sind nicht gefährlich, und sie sind eigentlich nur ein Fantasieprodukt, Tratsch ist hingegen sehr wohl gefährlich.

Herkunftsgemeinde der Bergoglio-Eltern produziert Papstwein

Papst Franziskus wird in Italien bald auch mit einem eigenen Wein gewürdigt. Der „Papstwein“ kommt aus der kleinen norditalienischen Gemeinde Portacomaro, in der die italienischen Vorfahren des Pontifex lebten.

Zulehner: Junge wollen in Kirche Akteure, nicht Konsumenten sein

Die Kirche „wird junge Menschen meines Erachtens nicht als Konsumenten gewinnen, sondern nur als Akteure“: Partizipation ist nach Überzeugung des Wiener Pastoraltheologen und Religionssoziologen Paul Zulehner (Foto) absolut wichtig, um Jugendliche und junge Erwachsene für das Evangelium zu gewinnen.

Protestantische Wertschätzung für Ordensleben steigt

In den protestantischen Kirchen erfährt das Ordensleben in jüngster Vergangenheit wieder neue Wertschätzung: Das hat sich bei einem gemeinsamen „Versöhnungsgottesdienst“ im Gedenken an 500 Jahre Reformation gezeigt.

Regensburg: Kommunion für Wiederverheiratete erst nach Rücksprache mit Kirchengericht

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat als zweiter deutscher Bischof eine Handreichung für die Seelsorge mit wiederverheirateten Geschiedenen erlassen.

Missbrauchsopfer Collins wünscht Klärungen von Kardinal Müller

Das irische Missbrauchsopfer Marie Collins hat Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller zur Klärung einiger Fragen zum Kinderschutz im Vatikan aufgefordert.

Bischöfe: Burka unerwünscht, aber nicht generell verbieten

Ja zur Integration, aber Nein zu einem generellen Verhüllungsverbot: Diese Positionierung in ihrer Stellungnahme zum geplanten Integrationsgesetz haben die österreichischen Bischöfe im Anschluss an ihre Frühjahrs-Vollversammlung im Stift St. Gerold (Vorarlberg) bekräftigt.

USA: Front gegen EZA-Kürzungen im Budget von Trump

100 führende Repräsentanten christlicher Verbände und Kirchenvertreter haben den US-Kongress aufgefordert, die im ersten Haushaltsentwurf von Präsident Donald Trump geplanten Budgetkürzungen für internationale Hilfsprojekte (EZA) nicht umzusetzen.

Polens Bischöfe gegen Ladenöffnung an Sonntagen

Polens katholische Bischöfe wollen, dass Einkaufszentren und Supermärkte an Sonntagen geschlossen bleiben.

Berlin: Kritik an Glaubensprüfung für konvertierte Flüchtlinge

Vertreter der Grünen und der evangelischen Kirche kritisieren die Praxis des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), den Glauben von Flüchtlingen zu überprüfen, die zum Christentum konvertieren.

Down-Syndrom: „Schwangere brauchen Perspektiven“

Die Entscheidung von schwangeren Frauen für oder gegen ein Kind mit Behinderung hängt massiv davon ab, welche Perspektiven sie für ihre Zukunft erkennen können.

Liturgie: Kapellari gegen Reform der Reform

Der emeritierte Grazer Bischof Egon Kapellari hat sich gegen innerkirchliche Tendenzen gewendet, die liturgische Erneuerung in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) wieder rückgängig zu machen.

Wie ein Salzburger Priester seine Pfarrkirche ganz auf Bibel umstellte

Von den einen wird er als Phantast gesehen, von den anderen als ein „närrisch“ in die Bibel Verliebter, der Salzburger Pfarrer von St. Elisabeth, Bibelreferent der Erzdiözese Salzburg Heinrich Wagner. Am 1. April wird er 60, seit 45 Jahren ist die Bibel seine Leidenschaft.

Neues Kloster Neuzelle: Deutsche Ministerin besucht Heiligenkreuz

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch hat am 15. März das Stift Heiligenkreuz besucht um die Wiederbesiedlung des ostdeutschen Klosters Neuzelle durch Mönche der Wienerwald-Abtei zu besprechen.

Bereits eine halbe Million Bibeln in neuen Übersetzungen verkauft

Rund eine halbe Million Bibeln haben Katholiken und Protestanten bislang zusammen von ihren neuen Übersetzungen der Heiligen Schrift verkauft.

Neue Zeitschrift „der pilger“ greift Wallfahrtsboom auf

„Für alle, die eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe, Einkehr und Sinnfindung in einer schnelllebigen Zeit haben“, gibt es ab sofort ein neues Magazin namens „der pilger“ im Zeitschriftenhandel.

Leitartikel

Österreich zuerst

Als sich im Jahr 1995 die Krise der römisch-katholischen Kirche in Österreich anlässlich der Vorfälle rund um Kardinal Groer dramatisch zuspitzte, riefen drei Tiroler Katholiken – Dr. Thomas Plankensteiner, Dr. Martha Heizer und Mag. Bernadette Wagnleithner – zu einem „Kirchenvolks-Begehren“ auf, um die dringend notwendigen Reformen in der Kirche einzuleiten.
In Österreich unterschrieben 505.000 Personen, in Deutschland mehr als 1,8 Millionen. Resultat war die Gründung der Bewegung „Wir sind Kirche“. Sie ist heute in 40 Staaten auf allen fünf Erdteilen tätig.
Jetzt geht von Österreich eine neue Initiative aus:  „Solidarität mit Franziskus“, angestoßen in Wien von dem von Ing. Hans Peter Hurka gegründeten „Netzwerk: zeitgemäß glauben“. Erstunterzeichner sind prominente Kirchenvertreter aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und der Slowakei.
Binnen weniger Tage unterzeichneten mehr als 600 weitere Personen, die Papst Franziskus verteidigen gegen unsachliche Kritik selbst von Kardinälen.
Endlich, möchte man sagen.
Wieder geht eine Aktion von Österreich aus, der großer Erfolg zu wünschen ist. Ein wenig stolz dürfen wir sagen: „Österreich zuerst“. Oder fast. In Deutschland hat kurz zuvor ein Onlinemagazin  den Weckruf „Sine dubiis – Wir gehen mit Franziskus“ publiziert.
Unser „zuerst“ ist freilich von  ganz anderer Qualität als Donald Trumps „America first“

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b

Samuel salbte David zum König über Israel

In jenen Tagen sprach der Herr zu Samuel: Fülle dein Horn mit Öl, und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen. Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter. Der Herr aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz. So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der Herr nicht erwählt. Und er fragte Isai: Sind das alle deine Söhne? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin, und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist. Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: Auf, salbe ihn! Denn er ist es. Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an.

 

Zweite Lesung:   Eph 5, 8-14

Steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein

Schwestern und Brüder!
Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichtes! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf! Denn man muss sich schämen, von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden. Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.

 

Evangelium:   Joh 9, 1.6-9.13-17.34-38

Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.
Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen. Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

 

Gedanken zum Sonntag

Dipl.-Päd. Kerstin Fuchs
Sozialpädagogin
Markt Hartmannsdorf, Stmk.

Vordergrund und Mittelpunkt

„Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz,“ (1 Sam 16, 7b) heißt es in der alttestamentlichen Lesung des 4. Fastensonntags, in der Samuel ziemlich unerwartet den jüngsten Sohn Isais namens David zum neuen König Israels salbt. Doch Samuel hinterfragt diese Entscheidung keineswegs. Beim Zeichen, das Jesus bei der Heilung des Blinden (Joh 9,1 ff) setzt, stellt sich die Sache weitaus widersprüchlicher dar: Zuerst wird für das Gebrechen, wie für uns Menschen selbstverständlich, ein Schuldiger gesucht. Indem Jesus jedoch die Heilung vollzieht, zeigt er zugleich die Absurdität dieser Fragestellung auf. Der vormals Blinde wird kaum wiedererkannt, sodass kaum jemand mit ihm die Freude der Heilung teilt. Man hört beinahe eher heimliches „Sensationsgetuschel“.  Freilich, als die Pharisäer von der Heilung an einem Sabbat erfahren, ist die Zwietracht vorprogrammiert. Denn es kommt dadurch nicht zu einer ehrlichen Auseinandersetzung zwischen den konkreten, aktuellen Bedürfnissen von Menschen und der traditionell vorherrschenden religiösen Ideologie, die zu einem neuen Verständnis führen könnte. Stattdessen vergrößert sich dadurch die Spaltung der Gesellschaft.
Es ist keine große Fantasie nötig, um zu erkennen, wie leicht das Geschehen aus dem Evangelium auf heutige gesellschaftliche Vorkommnisse übertragbar ist. Wie gut gelingt es mir, vermeintlich fixe Haltungen zu korrigieren, wenn sich meine Lebenssituation und die meiner Mitmenschen sich massiv verändern? Was stelle ich in den Vordergrund meines Denkens und Handelns, wenn Unerwartetes, Wunderbares passiert? Ich wünsche mir, dass es möglichst oft gelingt meine/n Nächste(n) in den Mittelpunkt zu stellen und mein Tun danach auszurichten.

 

Information

Internationale Initiative für „Solidarität mit Franziskus“
Appell an Bischöfe zu „mutigen Vorschlägen“ zur Kirchenreform

„Solidarität mit Franziskus“: Unter diesem Titel hat sich von Österreich ausgehend eine internationale Initiative engagierter Katholiken gebildet, die Papst Franziskus gegenüber oft „unqualifizierter Kritik“ verteidigt und sich zu seinem Reformkurs bekennt, wie es in einer entsprechenden Erklärung heißt.

Angestoßen vom „Netzwerk: zeitgemäß glauben“ in Wien unterstützen alle Unterzeichnerinnen und Unterzeichner öffentlich Franziskus auf seinem Weg, „die Kirche zu einer dem Leben dienenden, mitfühlenden Kirche zu wandeln“. An die Bischöfe ergeht der Appell, dazu „mutige Vorschläge“ zu entwickeln und diese in Abstimmung mit dem Bischof von Rom in ihren Diözesen „freudig umzusetzen“.

Enormes Echo
„Solidarität mit Franziskus“ bekunden als Erstunterzeichner prominente Kirchenvertreter aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und der Slowakei: Darunter sind Theologen wie der Bibelwissenschaftler Walter Kirchschläger (Luzern), der Dogmatiker Roman Siebenrock (Innsbruck), der Religionspädagoge Anton A. Bucher (Salzburg) oder der Gründer des interdisziplinären Instituts für Theologie, Wissenschaft und Kultur (Tübingen), Hermann Häring; die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Veronika Pernsteiner, Abtpräses Christian Haidinger OSB und P. Franz Helm SVD von der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, die Gründerin und Präsidentin des Vereins vom Zölibat betroffener Frauen (ZöFra) in der Schweiz, Gabriella Loser-Friedli, der Wiener Religionsjournalist und Initiator der „Plattform Christen und Muslime“, Peter Pawlowsky, der Freckenhorster Kreis (Duisburg) und das „Theoforum“ in der Slowakei.  Binnen einer Woche haben über 600 weitere Personen unterschrieben.


Professor Walter Kirchschläger.


Kfb-Vorsitzende Veronika Pernsteiner.

Der vom deutschen Onlinemagazin „Cathwalk“ initiierte Weckruf „Sine dubiis – Wir gehen mit Franziskus“ wurde bislang von etwa 50 Personen unterzeichnet, darunter vier aus Österreich.

Konstruktiv und offen
Die Entscheidungen und der Amtsstil des Bischofs von Rom können wie bei seinen Vorgängern auch kritisiert werden, halten die Unterstützer fest.


Hans Peter Hurka.

Kritik sei jedoch „konstruktiv, offen, direkt, sachlich und unter Achtung der Würde aller“ vorzutragen. Zuletzt war dies laut dem Gründer des „Netzwerk: zeitgemäß glauben“, Hans Peter Hurka, nicht immer der Fall – sogar bei hochrangigen Kirchenvertretern: Er verwies auf die öffentliche Brief-Anfrage von vier Kardinälen an das nachsynodale Papstdokument „Amoris laetitia“ und die jüngste Plakatkampagne in Rom als Beispiele. „Herabsetzungen und Verunglimpfungen“ seien beim Äußern von Kritik auszuschließen. „Ein fairer Dialog, der unterschiedliche Meinungen an der Botschaft Jesu misst, ist der Weg.“

„Wir schätzen seine Bescheidenheit“
Lob und Dank wird Franziskus in der Unterstützungserklärung u.a. gezollt für sein „öffentlichkeitswirksames Eintreten“ für Frieden und Gerechtigkeit sowie einen gesunden Lebensraum, für eine „faire Wirtschaft“, die gleichberechtigte Achtung aller Frauen und Männer, für Menschen in Randzonen der Gesellschaft und für eine „gerechte, partizipative, verzeihende und barmherzige Kirche“.
Weiter heißt es über Franziskus: „Wir schätzen seine Bescheidenheit, seine eindrücklichen, menschlichen Zeichen und … unterstützen ausdrücklich seine Versuche, die Grundsätze Jesu pastoral und strukturell im Leben der Kirche zu integrieren.“

Appell an Bischöfe
An die Bischöfe richten die Unterzeichner die Bitte, den Weg des Papstes „noch deutlicher – nicht nur mit Worten, sondern vor allem durch Taten – zu unterstützen“. Es gelte die „Zeichen der Zeit“ wahrzunehmen und mutige Reformvorschläge zu entwickeln und diese in Abstimmung mit dem Papst auch zu realisieren. Auch die Gemeinden gelte es zu Selbständigkeit und Eigenverantwortung zu ermutigen, „ermöglichen Sie ihre Leitung durch geeignete Frauen und Männer sowie Eucharistie durch Alternativen zum Zölibat“.

Selbstverpflichtung
Auch eine „Selbstverpflichtung“ umfasst die Solidaritätsadresse: „Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner verpflichten sich allen Menschen gegenüber – soweit sie können – einen zeitgemäßen Glauben zu vertreten, sich den Fragen der Zeit zu stellen, die theologischen Entwicklungen zu verfolgen sowie für Gerechtigkeit und Frieden, für menschenwürdige Behandlung aller Menschen einzutreten und flüchtenden, arbeitsuchenden, alleinerziehenden, diskriminierten oder sich in anderer sozialer Not befindlichen Menschen beizustehen.“ Eingeladen zur Unterstützung dieser Anliegen sind alle Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen.
Text unter www.zeitgemaess-glauben.at

Schönborn: „nicht notwendig“
Loyalität gegenüber dem Papst, „wie immer er heißt“, ist für Kardinal Christoph Schönborn „ganz normales katholisches Verhalten“. Jüngst verbreitete Solidaritätserklärungen mit Franziskus seien gar „nicht notwendig“, erklärte er nach der Frühjahrs-Bischofskonferenz.

Bischöfe: Burka unerwünscht, aber nicht generell verbieten

Ja zur Integration, aber Nein zu einem generellen Verhüllungsverbot: Diese Positionierung in ihrer Stellungnahme zum geplanten Integrationsgesetz haben die österreichischen Bischöfe im Anschluss an ihre Frühjahrs-Vollversammlung im Stift St. Gerold (Vorarlberg) bekräftigt.

Sie kritisieren in ihrer Erklärung zum Thema „Gelungene Integration“ gegenwärtige „Engführungen der öffentlichen Debatte auf gesetzliche Bekleidungsvorschriften“ betreffend etwa islamisches Kopftuch oder Burka. Demgegenüber brauche es eine „umfassende, differenzierte und realistische Sicht“ auf alle Aspekte einer nachhaltigen Integration.
Zum geplanten gesetzlichen Verhüllungsverbot begründet die Bischofskonferenz ihre bereits in der Vorwoche geäußerte Kritik: „Im Grunde geht es in dieser Frage um das hohe Gut der persönlichen Freiheit. Ihr ist im Zweifelsfall gerade in unserer Gesellschaftsordnung der Vorzug zu geben.“ Das Anliegen, dass Integration die Bereitschaft zur Kommunikation voraussetzt, teilen die Bischöfe mit den Worten: „Wir leben in einer Kultur des offenen Gesichts, die nicht zuletzt in diesem Punkt auch christlich geprägt ist.“ Vollverschleierung im öffentlichen Raum sei daher ein „gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten“, betonen die Bischöfe. Statt eines allgemeinen Verbotes schlagen die Bischöfe aber vor, klar zu regeln und zu begründen, in welchen konkreten Fällen das Gesicht zu zeigen ist, beispielsweise in der Schule und im Gericht.

Kritik an EuGH-Entscheid
Angesprochen auf den jüngsten EuGH-Entscheid, wonach Arbeitgeber ihren Angestellten künftig Anstoß erregende religiöse und politische Symbole verbieten können, verwies Schönborn auf viele ungeklärte Fragen dabei: Ist etwa ein Palästinensertuch ein politisches Symbol, oder ein religiöses? Ist ein als Schmuckstück getragenes Kreuz ein religiöses Bekenntnis? Hier gebe es noch einen sehr „unpräzisierten Bereich“, dem aber besser mit nichtjuristischen Mitteln beizukommen sei, wie der Kardinal meinte und sagte: „Ich halte diesen Weg nicht für sehr glücklich“.

Gegen „Drüberfahren“
Der Kardinal  plädierte für einen „ungezwungenen Umgang“ mit dem Thema. „Der französische Laizismus ist nicht der österreichische Weg“, wo es eine Tradition des Zusammenlebens in einer kulturellen und religiösen Vielfalt gebe. So gehöre es „zum Reiz und zur Lebendigkeit“ einer pluralen Gesellschaft, dass sich ihre Mitglieder auch vielfältig zu ihren Glaubensüberzeugungen bekennen können. In Österreich lebten 80 Prozent Christen unterschiedlicher Konfessionen, ein „Drüberfahren mit dem Rasenmäher über alle Blumen, die im Garten blühen“, ist nach Schönborns Überzeugung verfehlt. Erfreulich differenziert seien in dieser Hinsicht auch die Reaktionen aus der heimischen Wirtschaft auf den EuGH ausgefallen.

Down-Syndrom: „Schwangere brauchen Perspektiven“

Die Entscheidung von schwangeren Frauen für oder gegen ein Kind mit Behinderung hängt massiv davon ab, welche Perspektiven sie für ihre Zukunft erkennen können.

Zu diesem Schluss kamen Experten bei einer Wiener Diskussionsveranstaltung des Instituts für Ehe und Familie (IEF), zu der am 17. März Mediziner, Rechtsexperten, Politiker und Journalisten gekommen waren.
Anlass war der Down-Syndrom-Tag, der am 21. März weltweit begangen wurde, sowie eine kürzlich, umstrittene Entscheidung aus Frankreich, einen TV-Spot, der Kinder mit Down-Syndrom in positivem Licht zeigt, zu verbieten.

„Dear Future Mom“ verboten
Der 2014 gedrehte Kurzfilm „Dear Future Mom“ hat als Hauptaussage, dass Menschen mit Down-Syndrom trotz Problemen ein normales Leben führen können – und richtet sich dabei an eine werdende Mutter. Die Ausstrahlung im Werbeblock privater oder öffentlicher Sender wurde vom französischen Verwaltungssenat für Rundfunk jedoch untersagt. Er sei geeignet, Frauen in einer möglichen Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch zu beeinflussen. Der Verwaltungsgerichtshof bestätigte im November 2016 die Entscheidung.

„Rasterfahndung“
Enormen Verbesserungsbedarf ortete  Anna Wieser, die Leiterin von Down-Syndrom Österreich (DSÖ). Trotz mehr Unterstützung denn je würden so viele Kinder mit Down-Syn-drom wie noch nie abgetrieben: Durch die Pränataldiagnostik werde ein „Planquadrat“ und „Rasterfahndung“ betrieben, wobei Schätzungen der Gynäkologen von einer Abtreibungsrate zwischen 80 und 95 Prozent ausgehen, so die Selbsthilfe-Expertin.

Mut zum Unvollkommenen
Sie wolle Menschen Mut machen zu „nicht vollkommenen Kindern“, sagte die Wiener Publizistin Julia Schnizlein.


Publizistin Julia Schnizlein.

Die Erwartungshaltung an die  Pränataldiagnostik sei groß, sie solle „Fehler finden und beseitigen“. Wer sich trotzdem für das Kind entscheide, müsse damit leben, gegen den Mainstream zu schwimmen, aufgrund von späteren Reaktionen wie: „Haben Sie das nicht gewusst?“ so die News-Journalistin, die selbst Mutter eines Kindes mit schwerem Herzfehler ist. Ihr selbst hätten bei der Entscheidung für das Kind der Kontakt mit anderen Betroffenen sowie das Einholen von Informationen geholfen. Moralische Prägungen würden in derartigen Momenten ohnehin nicht helfen.

Wie ein Salzburger Priester seine Pfarrkirche ganz auf Bibel umstellte

Von den einen wird er als Phantast gesehen, von den anderen als ein „närrisch“ in die Bibel Verliebter, der Salzburger Pfarrer von St. Elisabeth, Bibelreferent der Erzdiözese Salzburg Heinrich Wagner. Am 1. April wird er 60, seit 45 Jahren ist die Bibel seine Leidenschaft.

Angesichts des sinkenden Interesses an der Bibel setzte er sich das Ziel, die Bibel wieder zu einem Trend-Buch zu machen. Aus seinem ursprünglichen Plan einer 6000 qm großen Arche Noah wurden schließlich nach 10 jähriger hartnäckiger Planungsphase 600 qm Bibelwelt, die er in die hinteren Zweidritteln seiner zu groß gewordenen St. Elisabethkirche einbaute.


Pfarrer Heinrich Wagner.

Die Bibel erleben
Seit April 2015 besuchten über 14.000 das in Europa einzigartige Bibelhaus, das er mit einer großen Schar von Ehrenamtlichen als eine Erlebniswelt für alle Sinne errichtet hat.
Was treibt einen Priester an gegen viele Widerstände das finanzielle Risiko eines solchen Großunternehmens auf sich zu nehmen? „Mit 15 Jahren hat sie mich erwischt, die Bibel. Sie ließ mich nicht mehr los.  Daraus wurde ein Beruf und schließlich vor 13 Jahren die Idee, ein Haus zu bauen, in dem die Bibel mit allen Sinnen erlebt werden kann.  Es ist ein Erlebnishaus, also kein Haus mit Schaukästen sondern wo ich selber in die Rollen der biblischen Figuren schlüpfe. So wenn der Paulus blind wird, dann höre ich das nicht nur, sondern werde selber blind, indem ich in einem Raum bin, der völlig dunkel ist. Ich erlebe also diese Geschichten.“
In diesem Erlebnishaus darf alles angegriffen werden. Man kann Kleider anziehen, an Gewürzen riechen, mit Audioguides für Kinder und Erwachsene biblische Geschichten hören und so ganz in die Welt des Orients zur Zeit Jesu und des Apostels Paulus eintauchen.
„Je älter ich werde, desto überzeugter bin ich, dass dieses Buch ein großer Schatz für ein gutes Leben ist. Wir müssen es dem Image eines alten verstaubten Buches entreißen. Menschen sollen mit all ihren Sinnen erfahren, welch pralles Leben in ihm steckt.“