Inhalt der gedruckten Ausgabe 13/2016

Leitartikel

Österreich ist anders

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

P. Franz Ackerl OSB
Religionslehrer und
Gastmeister im Stift Kremsmünster,

Information

Sieben Jahre vor dem Oscar-gekrönten „Spotlight“: Groer-Affäre als historischer Tabubruch

Vor zwei Jahrzehnten hat das Nachrichtenmagazin „profil“ die Missbrauchsvorwürfe gegen den damaligen Wiener Erzbischof Kardinal Hans Hermann Groer (1919-2003) aufgedeckt.

Al-Azhar-Scheich wendet sich gegen Vorstellung eines europäischen Islam

Der Großimam der Al-Azhar-Universität von Kairo, Scheich Ahmed al-Tayyeb, hat im Berliner Bundestag zum gemeinsamen Einsatz für den Frieden aufgerufen.

Papst unterzeichnet lang erwartetes Synodendokument

Es hat lang gedauert. Nun ist es soweit: Nach einer weltweiten Umfrage unter Katholiken, zwei Bischofssynoden und einer zweieinhalbjährigen heftigen Debatte äußert sich Papst Franziskus selbst zum Thema Ehe und Familie.

Admonter Benediktiner wurde Abt in deutschem Kloster

Der Benediktinerpater Winfried Schwab, bislang Subprior und Pressesprecher von Stift Admont, ist zum neuen Abt des deutschen Klosters Neuburg geweiht worden.

PKK-Konflikt: Letzter Christ verließ altkirchliches Zentrum Nusaybin

Aus der südosttürkischen Stadt Nusaybin, dem antiken Nisibis, ist der letzte Christ geflohen.

Viele Christen votierten für AfD

Trotz eindringlicher bischöflicher Warnungen erhielt die AfD bei drei Landtagswahlen in Deutschland am 13. März in Rheinland-Pfalz die Stimmen von 10 Prozent der Katholiken.

Spotlight: „The Boston Globe“ recherchierte sieben Jahre nach „profil“

„Spotlight“ ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 2015. Die Regie führte Tom McCarthy, der zusammen mit Josh Singer auch das Drehbuch verfasste.

Karfreitag in Nigeria: 13.000 Kirchen geschlossen
Viele Christen kämpfen ums Überleben

Zeitgleich mit der Veröffentlichung eines 48-seitigen Analyseberichts von Open Doors publizierten zahlreiche Kirchen Nigerias vereint unter dem Dach der „Christian Association of Nigeria“ (CAN) eine Erklärung.

Polizeisperren in Dublin verhindern Ostergottesdienste

In der Innenstadt von Dublin fallen dieses Jahr die Ostergottesdienste aus – wegen des Gedenkens an den Osteraufstand 1916.

Papst weiht „KAICIID-Theologen“ Miguel Ayuso zum Bischof

Papst Franziskus hat am Samstag im Petersdom zwei Vatikanmitarbeiter zu Bischöfen geweiht. Einer ist der Sekretär des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, der Spanier Miguel Angel Ayuso Guixot (63).

Schönborn, Kurz, Landau: Integration kann gelingen

Integration kann gelingen, wenn sowohl Österreich wie auch die Flüchtlinge ihren Teil dazu beitragen. Das haben Kardinal Christoph Schönborn, Außenminister (und Integrationsminister) Sebastian Kurz und Caritas-Präsident Michael Landau betont.

Slowakei: Wirbel über holocaustleugnenden Ordenspriester

Auch nach der gemeinsamen Erklärung, in der die katholische Kirche und der jüdische Zentralrat jeglichen politischen Extremismus in der Slowakei zurückgewiesen haben, bleibt das Verhältnis der Kirche zur erstarkten Rechten und zu ihrer eigenen Rolle in der Vergangenheit Tagesgespräch.

Erster Botschafter Malaysias im Vatikan

Giluk Dompok wird Malaysias erster Botschafter im Vatikan. Malaysias König habe Dompok am Donnerstag die Ernennungsurkunde überreicht, teilte das malaysische Außenministerium mit.

Jerusalem: Abt kehrt zurück

Der Abt der deutschen Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem, Gregory Collins, ist nach einer Auszeit in sein Kloster zurückgekehrt.

Älteste Kirche auf dem Forum Romanum öffnet wieder für Besucher

Kolosseum, Trevi-Brunnen, Petersdom und natürlich die Sixtinische Kapelle von Michelangelo – diese Sehenswürdigkeiten gehören für Rom-Touristen zum Pflichtprogramm. Seit dieser Woche gibt es für Kirchen- und Kunstliebhaber in der Ewigen Stadt ein weiteres Kleinod zu entdecken: Die auch als „Sixtinische Kapelle des Mittelalters“ bezeichnete Kirche Santa Maria Antiqua auf dem Forum Romanum ist nach mehr als 30 Jahren wieder dauerhaft für Besucher zugänglich.

Jahr der Barmherzigkeit: Fünf neue Heilige für die Kirche

Die katholische Kirche bekommt im Verlauf des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“ fünf neue Heilige.

Leitartikel

Österreich ist anders

Zwei Kardinäle stehen derzeit unter gewaltigem Druck, Fälle sexuellen Missbrauchs vertuscht zu haben: Der französische Primas Kardinal Philippe Barbarin und der australische Kurienkardinal George Pell. 2015 verzichtete Keith O’Brien auf seine Privilegien und Rechte als Kardinal, nachdem mehrere Priester den schottischen Würdenträger beschuldigt hatten, als Priesterseminaristen von ihm missbraucht worden zu sein.
Heute weiß man: Die von „profil“ 1995 publizierte „causa Groer“ hat weltweit Schleusen ungeahnten Ausmaßes geöffnet.
Wie Kardinal Groer wurde auch der Gründer der Legionäre Christi, Marcial Maciel, von Johannes Paul II. permanent gedeckt. Erst Benedikt XVI., der schon als Chef der Glaubenskongregation Untersuchungen gefordert hatte, brachte in der „causa Maciel“ eine Wende. In  der Folge distanzierten sich die „Legionäre“ von ihrem Gründer.
Anders in Österreich. Hier hat sich die jahrzehntelang von Groer geleitete „Legion Mariens“, der ein Großteil der Groer-Opfer als Jugendliche angehörten, nie distanziert. Aufgearbeitet wurde auch nichts – weder von ihr noch von Groers Kloster,  dem Stift Göttweig, auch nicht von der Erzdiözese oder von Rom.
„Boston Globe“ erhielt für die Aufdeckung des Skandals in der Erzdiözese Boston 2003 den „Pulitzer-Preis für Dienste an der Öffentlichkeit“, dem „profil“ hat niemand gedankt.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Apg 10, 34a.37-43

Wir haben mit ihm nach seiner Auferstehung gegessen und getrunken

In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte: Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen: Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.

 

Zweite Lesung:   1 Kor 5, 6b-8

Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid

Schwestern und Brüder!
Ihr wisst, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid. Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit.

 

Evangelium:   Joh 20, 1-18

Maria verkündete den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.
Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

 

Gedanken zum Sonntag

P. Franz Ackerl OSB
Religionslehrer und
Gastmeister im Stift Kremsmünster,

Keiner, der davonläuft

„Ich bin keiner, der davon läuft,“ diese Schlagzeile hat eine Schülerin einmal im Religionsunterricht aus irgendeiner Zeitung geschnitten, als wir uns mit dem Kreuzweg beschäftigt haben. Und mich hat das damals berührt und geht mir immer neu unter die Haut. Gott-Jesus läuft nicht davon, obwohl er es könnte. Er stirbt am Kreuz. Auch wenn keine Sanitäter dabei waren, weiß er sich getragen und wird zu Grabe getragen.
Damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Doch wir wissen und feiern es heute, dass Gott Seinen Sohn durchträgt, hin zur Auferstehung. Was Maria von Magdala und die anderen zunächst nicht verstehen, ist Wirklichkeit. Maria ist die erste Zeugin der Auferstehung, bedeutend ist aber, dass sie die Erste ist, die dem Auferstandenen begegnet. Der Glaube an diese unglaubliche Erlösungstat Gottes kommt aus der Begegnung mit dem Auferstandenen. Maria macht sich auf den Weg und es wird berichtet, wie sie ins Grab hineinschaut. Auch wir müssen ganz realistisch die Gräber in unserem Leben ansehen; alles, wo unsere Hoffnungen und Träume gestorben sind. Jesus selbst spricht sie und uns mit Namen an. Und wie Maria in diesem Moment der Trauer und Verzweiflung im vermeintlichen Gärtner ihren Herrn und Meister erkennt, so dürfen auch wir, wenn es ausweglos scheint, darauf vertrauen, dass ER keiner ist, der davon läuft. Nicht nur zu Ostern wünsche ich Ihnen die Erfahrung, dass Sie getragen sind im Leid und dass wir jetzt schon hineinschauen dürfen ins Licht der Auferstehung.

 

Information

Sieben Jahre vor dem Oscar-gekrönten „Spotlight“: Groer-Affäre als historischer Tabubruch

Vor zwei Jahrzehnten hat das Nachrichtenmagazin „profil“ die Missbrauchsvorwürfe gegen den damaligen Wiener Erzbischof Kardinal Hans Hermann Groer (1919-2003) aufgedeckt.

Anlässlich der Oscar-Verleihung an das US-Dokudrama „Spotlight“ – der Film erzählt die wahre Geschichte der Enthüllung kirchlicher Missbrauchsfälle durch ein Journalistenteam des „Boston Globe“ im Jahr 2002 – hat der damalige „profil“-Chefredakteur Josef Votzi jetzt die Ereignisse von 1995 Revue passieren lassen. In einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin (profil, 12. März 2016) beschrieb er auch den journalistischen Schachzug, mit dem er das Schweigen seiner Informanten im Fall Groer gebrochen hat.

profil
profil-Cover, 27. 3. 1995.

Biografische Zufälle
„Not fit to print“ sei die Causa lange Zeit gewesen, schilderte der heutige „Kurier“-Journalist (Leiter des Politik-Ressorts und des „Sonntag-Kurier“) in seinem Rückblick unter dem Titel „Das erste Spotlight: Die Groer-Affäre als historischer Tabubruch“ seine ersten Recherchen für „profil“ im Zuge des Amtsantritts von Groer als Wiener Erzbischof Mitte der 1980er-Jahre.
„Biografische Zufälle“ hätten ihn auf die Spur des Skandals geführt, erinnerte sich Votzi, der von 1965 bis 1973 als Student des Erzbischöflichen Seminars Hollabrunn jenes Gymnasium besucht hatte, in dem der spätere Kardinal als Religionslehrer tätig war. Er habe die Gerüchte gekannt, so der Journalist: „Groer galt als zügelloser Grapscher und Greifer.“ Alle Recherchen hätten aber damit geendet, dass niemand die Aussagen auch öffentlich bezeugen wollte. Einige Jahre später habe zudem „ein ehemaliger Groer-Schüler und damaliger leitender Diözesanangestellter“ Groer in Gesprächen mit Votzi und dem damaligen „profil“-Herausgeber Hubertus Czernin massiv belastet, wollte zu seinen Missbrauchsvorwürfen aber ebenfalls nicht öffentlich stehen.

votzi josef
Josef Votzi.

Groers Hirtenbrief
Im Frühjahr 1995 schrieb Groer einen Hirtenbrief zur Fastenzeit. Der Kardinal verwies darin auch auf eine Stelle im Paulusbrief an die Korinther, wonach „weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, … das Reich Gottes erben“ (1 Kor 6,9-10). Bald nach Erscheinen wurde der „profil“-Redaktion der Hirtenbrief in einem anonymen Kuvert zugesendet -“dick mit Filzstift unterstrichen darin der von Groer aus der Bibel zitierte Satz“, wie sich Votzi noch heute erinnert.

Der schlaue Schachzug
Gemeinsam mit „profil“-Herausgeber Czernin habe er daraufhin eine „Kriegslist“ beschlossen: „Wir platzieren eine Story mit dem ‚Lustknaben‘-Zitat aus Groers Hirtenbrief prominent im Blatt -als eine Art ‚Annonce‘ für Groer-Opfer.“ Der Schachzug ging auf. Mit Josef Hartmann meldete sich ein ehemaliger Schüler Groers aus Hollabrunn bei dem Nachrichtenmagazin. Votzi: „Hartmann fühlt sich von Groers Hirtenbrief so massiv provoziert, dass er mehr als 20 Jahre nach den Übergriffen bereit ist, öffentlich zu machen, worüber bisher nur getuschelt wurde: ‚Groer hat mich sexuell missbraucht‘“. Erst Hartmanns per eidesstattlicher Erklärung gestützte Aussagen machten die folgende Berichterstattung überhaupt möglich.

Beschlagnahme geplant
Die „profil“-Titelgeschichte vom 27. März 1995 mit der Schlagzeile „Der Fall Groer“ hätten eine „Lawine an Repressionsversuchen, Ablehnung und Zuspruch“ ausgelöst, erinnerte sich Votzi in seinem aktuellen Rückblick. „Einen Kardinal als Kinderschänder zu outen, war 1995 nicht nur innerhalb der Kirche ein totaler Tabubruch.“
Ausdrücklich schilderte Votzi auch noch einmal den Versuch des damaligen ÖVP-Klubobmanns Andreas Khol, die Auslieferung des Nachrichtenmagazins noch vor Erscheinen stoppen zu lassen. Kardinal Groer aber unterschrieb den Antrag auf Beschlagnahme nicht. Nach Wochen des öffentlichen Schweigens trat er als Wiener Erzbischof zurück.

Schlüsselfrage offen
Der Fall Groer war das erste „Spotlight“, welches das Dunkel von kirchlichen Missbrauchsfällen prominent journalistisch auszuleuchten suchte, resümierte Votzi. Auch mehr als 20 Jahre später sei die Causa aber weder im Vatikan noch in Österreich untersucht und historisch aufgearbeitet worden, so sein aktueller Vorwurf: „Offen ist nach wie vor die Schlüsselfrage, die auch der ‚Boston Globe‘-Chef im Film ‚Spotlight‘ seinen Reportern stellt: Wie gelang es, den ‚Mord‘ an Kinderseelen so lange zu vertuschen?“
Votzis Schlüsselerlebnis zum Verständnis der Mechanismen hinter dem langen Schweigen rund um die Gerüchte zu Kardinal Groer ist dabei ein Interview mit der Mutter von Josef Hartmann, aus dem er in seinem Rückblick zitiert. Ihr Sohn habe ihr eines Tages „alles erzählt“, berichtete diese auch erst nach der Veröffentlichung der Missbrauchsvorwürfe von ihrem Mitwissen. Aber: „Wer hätte uns denn geglaubt. Und was hätten wir machen können? Der Herr Groer war damals schon ein mächtiger Mann…“

Spotlight: „The Boston Globe“ recherchierte sieben Jahre nach „profil“

„Spotlight“ ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 2015. Die Regie führte Tom McCarthy, der zusammen mit Josh Singer auch das Drehbuch verfasste.

Der Film basiert auf wahren Ereignissen und handelt von einem Team von Journalisten der Tageszeitung „The Boston Globe“, das den sexuellen Missbrauch in der US-Erzdiözese Boston aufdeckte.  Der Film  gewann mehrere internationale Filmpreise, darunter 2016 den Oscar in der Kategorie „Bester Film“.

Reaktion der Kirche
Der Erzbischof von Boston, Kardinal Sean Patrick O´Malley, befand, dass „Spotlight“ zeige, wie die Zeitungen die Kirche dazu brächten, sich mit beschämenden Dingen zu konfrontieren. Radio Vatikan  empfand den Film als „ehrlich“ und „dringend“ und erklärte, dass er  der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten helfe, ihre Sünden zuzugeben und die Konsequenzen dafür zu tragen.

Die Handlung
Die Tageszeitung „The Boston Globe“  bekommt im Jahr 2001 mit dem Journalisten Marty Baron einen neuen Herausgeber. Dieser liest in einem kleinen Abschnitt der Zeitung über den pädophilen Priester John Geogham und Kardinal Bernhard Law, den Erzbischof von Boston, welcher von Geoghams sexuellem Missbrauch von Kindern wusste, jedoch nichts dagegen tat. Aufgrund der Vermutung, dass dieser einzelne Fall einen Hinweis auf ein ganzes System von Missbrauch geben könnte, drängt er sein hauseigenes Investigativ-Team „Spotlight“ dazu, die Sache weiter zu erforschen.

spotlight

Das nur vierköpfige Spotlight-Team beginnt, den Skandal  nach und nach aufzudecken. Es bringt in Erfahrung, dass das Erzbistum von den Taten gewusst und sie regelmäßig durch Versetzung des Täters vertuscht hatte, durch Geld das lebenslange Schweigen der Opfer erkauft und damit auch einen Gerichtsprozess vermieden hatte, und schließlich die gerichtlichen Akten hierzu aus dem Gerichtsarchiv hatte auslagern lassen. Geogham hatte 130 Kinder missbraucht.
Über den früheren Priester und Benediktinermönch Richard Sipe erfährt das Team, dass ca. 6 % der Priester sich an Kindern vergehen, was in Boston an die 90 Priester ergibt. Nach einigen Tagen ausgiebiger Recherche ist eine Liste von 87 Priestern zusammengestellt, die mehrere Male nacheinander nach jeweils nur ein paar Jahren in eine andere Gemeinde versetzt worden waren.
Das Team versucht nun, den Verdacht zu überprüfen, indem es mit den Opfern Kontakt aufnimmt. Opferanwalt Mitchell Garabedian erwirkt gegen den Einspruch der Kirche, dass dem Journalisten Michael Rezendes aus dem Spotligh-Team Dokumente aus einem der früheren Verfahren zur Verfügung gestellt werden müssen. Diese bestätigen, dass Kardinal Law persönlich über den Missbrauch informiert war und ihn wissentlich ignorierte.
Der Artikel des Spotlight-Teams wird Anfang 2002 gedruckt und beinhaltet neben der Aufklärung der sexuellen Missbräuche und deren Vertuschung durch die römisch-katholische Kirche eine Telefonnummer, an welche die Leser sich wenden können. Am nächsten Morgen wird das Spotlight-Team von Anrufen weiterer Missbrauchsopfer geradezu überflutet.

Slowakei: Wirbel über holocaustleugnenden Ordenspriester

Auch nach der gemeinsamen Erklärung, in der die katholische Kirche und der jüdische Zentralrat jeglichen politischen Extremismus in der Slowakei zurückgewiesen haben, bleibt das Verhältnis der Kirche zur erstarkten Rechten und zu ihrer eigenen Rolle in der Vergangenheit Tagesgespräch.

Am Erscheinungstag der gemeinsamen Erklärung, dem 14. März, an dem der Ausrufung der Slowakischen Republik unter den Auspizien Hitlerdeutschlands vor 77 Jahren gedacht wurde, begleitete ein katholischer Priester eine Kranzniederlegung von Rechtsextremen für den am 18. April 1947 in Bratislava wegen Kriegsverbrechen hingerichteten Präsidenten – und Hitler-Vasallen – Jozef Tiso.
Initiatoren waren drei am 5. März ins Parlament gewählte Abgeordnete der rechtsextremen „Volkspartei Unsere Slowakei“ (LSNS).
Polizei und die Generalprokuratur befassen sich mittlerweile mit dem Auftreten Pater Vojtech Zemans. Der Vorwurf lautet Leugnung der Judenmorde.
Zeman hatte in Abrede gestellt, dass unter Tiso 70.000 Juden in Konzentrationslager, überwiegend in das Vernichtungslager Auschwitz, deportiert worden seien.

p. zeman vojtech
P. Vojtech Zeman.

Dies sei eine von Zeitungen verbreitete „historische Unwahrheit“, hielt er einer Journalistin entgegen; diese habe wohl „an der Akademie der Wissenschaften studiert und historische Bücher gelesen, die unter dem Kommunismus geschrieben wurden, weil ihnen das angeordnet wurde“.
Schon die Anzweiflung international anerkannter Opferzahlen ist in der Slowakischen Republik strafbar.

Älteste Kirche auf dem Forum Romanum öffnet wieder für Besucher

Kolosseum, Trevi-Brunnen, Petersdom und natürlich die Sixtinische Kapelle von Michelangelo – diese Sehenswürdigkeiten gehören für Rom-Touristen zum Pflichtprogramm. Seit dieser Woche gibt es für Kirchen- und Kunstliebhaber in der Ewigen Stadt ein weiteres Kleinod zu entdecken: Die auch als „Sixtinische Kapelle des Mittelalters“ bezeichnete Kirche Santa Maria Antiqua auf dem Forum Romanum ist nach mehr als 30 Jahren wieder dauerhaft für Besucher zugänglich.

Kunsthistorikerin Giulia Bordi schwärmte bei der Wiedereröffnung der Kirche: „In Santa Maria Antiqua gibt es einen unglaublichen Reichtum an Malereien.“
Doch was ist so besonders an der Basilika? Zum einen gilt die Kirche aus dem fünften bis sechsten Jahrhundert als älteste auf dem Forum Romanum. Für Ekstase bei Kunsthistorikern sorgen aber vor allem die außergewöhnlich gut erhaltenen frühmittelalterlichen Fresken der Kirche. Denn die Wände von Santa Maria Antiqua sind an vielen Stellen noch heute einzigartiges Zeugnis der christlichen Malerei zwischen dem sechsten und neunten Jahrhundert.

300 Quadratmeter Fresken restauriert
Im Gegensatz zu vielen anderen Wandmalereien blieben die Fresken in Santa Maria Antiqua nämlich durch einen glücklichen Zufall von Zerstörungen der Bilderstürmer und Übermalungen barockisierungsfreudiger Päpste verschont: Ein Erdbeben im Jahr 847 verschüttete die in der Nähe des Castor-und-Pollux-Tempels am Fuß des Palatin gelegene Kirche. Unter Schutt und Geröll verborgen blieben die Malereien rund 1.000 Jahre lang unberührt. Der genaue Standort der Kirche wurde lange gesucht.

santa maria antiqua
Fresko  in der Kirche Santa Maria Antiqua: Kreuzigung Christi mit einem bekleideten Christus, Maria und Johannes sowie zwei römischen Soldaten. 741–752 n. Chr.

Erst im 19. Jahrhundert begann Giacomo Boni, der große Ausgräber des Forums, mit systematischen Bergungsarbeiten.
Dafür ließ er sogar die in der Zwischenzeit über Santa Maria Antiqua erbaute Kirche Santa Maria Liberatrice abtragen.
Bis die Kirche der Öffentlichkeit wieder zugänglich wurde, verging allerdings noch einige Zeit: Seit den 1980er-Jahren war die Basilika wegen umfangreicher Restaurierungsarbeiten immer wieder geschlossen. Unter anderem wurden Fresken und Fragmente von Wandmalereien auf einer Gesamtfläche von gut 300 Quadratmetern wieder zum Leuchten gebracht.
Errichtet wurde der Bau vermutlich im 1. Jahrhundert n. Chr. durch Kaiser Domitian. Im 5. Jahrhundert n. Chr. wurde das Gebäude in eine christliche Kirche umgewandelt, die seit 640 den Namen „Santa Maria Antiqua“ trägt. Sie gehörte zu den Diakoniekirchen, die bis ins 9. Jahrhundert hinein der Verteilung von Getreide an die städtische Bevölkerung dienten.