Inhalt der gedruckten Ausgabe 12/2017

Leitartikel

Selbstkritik und Humor

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Dipl.-Päd. Kerstin Fuchs
Sozialpädagogin
Markt Hartmannsdorf, Stmk.

Information

Erstes Papst-Interview mit deutschem Journalisten
„Frauen erhalten mit Wortgottesdiensten Sonntag aufrecht“

Papst Franziskus hat der linksliberalen Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ (9. März), Flaggschiff des deutschen Journalismus, ein aufsehenerregendes Interview gegeben. Es war das erste in seiner vierjährigen Amtszeit mit einem deutschen Journalisten.

Mißbrauch in USA: 14. Bistum insolvent

Die US-Diözese New Ulm im Bundesstaat Minnesota hat wegen insgesamt 101 Missbrauchsklagen und daraus entstehenden Entschädigungsansprüchen Insolvenz angemeldet.

Papst ernennt nach Skandal neuen Erzbischof für Nordostbrasilien

Die nach einem Missbrauchsskandal verwaiste brasilianische Erzdiözese Paraiba erhält wieder einen Leiter. Papst Franziskus ernannte den Kapuziner Manoel Delson Pedreira da Cruz (62), bislang Bischof der Nachbardiözese Campina Grande, zum Erzbischof von Paraiba/Joao Pessoa.

Ökumene-Achse Rom-Moskau-Istanbul

Der Vorsitzende des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Kardinal Angelo Bagnasco, hat nach seiner Rückkehr aus der Türkei an seinen Bischofssitz Genua in einem Interview mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR die für Europa wichtige ökumenische Achse Rom-Konstantinopel-Moskau betont.

Sterbehilfe: Italo-Musiker DJ Fabo wird kirchlich verabschiedet

Der italienische Musiker Fabiano Antoniani alias DJ Fabo, der mit Hilfe einer Sterbehilfe-Organisation in der Schweiz seinem Leben ein Ende setzte, erhielt einen Gottesdienst in seiner Heimatstadt Mailand, jedoch kein kirchliches Begräbnis.

Europa und arabische Welt sind „eine Art Schicksalsgemeinschaft“

„Die arabische Welt mit all ihren Tumulten und Turbulenzen, die sie produziert, ist auch ein europäisches Problem. Wir sind so eine Art Schicksalsgemeinschaft“: Das hat der Journalist und Nahost-Experte Karim El-Gawhary bei einer Veranstaltung des Katholischen Bildungswerks in St. Pölten betont.

Vatikanischer Frauenrat präsentiert

Bei einem Vatikan-Kongress zum Weltfrauentag ist die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als europäische Führerin gewürdigt worden.

Papst: Von indigenen Völkern am Amazonas lernen

Papst Franziskus unterstützt die indigenen Völker im brasilianischen Amazonas-Gebiet in ihrem Kampf gegen eine rücksichtlose Ausbeutung der natürlichen Rohstoffe durch Großkonzerne.

„Frauen werden im Vatikan nie gehört“

Die Chefredakteurin des vatikanischen Frauenmagazins „Donne Chiesa Mondo“ (Frauen Kirche Welt), Lucetta Scaraffia, fordert mehr Gehör für Frauen in der katholischen Kirche.

Contra „Schwarze Legende“: Pius XII. rettete zwei Drittel aller römischen Juden

Papst Pius XII. hat laut dem römischen Komitee für Pius XII., dem „Comitato Papa Pacelli“, 1943/44 mehreren tausend Juden systematisch Schutz geboten.

Theologin: Fehlende Abtreibungsstatistik „Realitätsverweigerung“

Entschieden für die Einführung einer anonymen Statistik und Motivenerhebung zu Schwangerschaftsabbrüchen hat sich die Salzburger Theologin Angelika Walser ausgesprochen.

Down-Syndrom-Kinder „große Bereicherung“

Auf Kritik des Katholischen Familienverbandes der Erzdiözese Wien (KFVW) ist die jüngste „diskussionslose Ablehnung eines Antrags auf Unterstützung von Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21)“ im Wiener Gemeinderat gestoßen.

Irland: Entsetzen über Kinderleichen in früherem Mutter-Kind-Heim

Nach dem Fund von Überresten Hunderter Kinderleichen auf dem Gelände eines ehemaligen Mutter-Kind-Heims der katholischen Kirche im irischen Tuam haben Vertreter aus Politik und Kirche Entsetzen geäußert.

Zentralafrikanische Republik: Klare Verbesserung

Die Kirche in der Zentralafrikanischen Republik freut sich über Fortschritte im Friedensprozess: Eines der größten Flüchtlingslager in der Hauptstadt Bangui kann jetzt schließen. Das sagte der italienische Karmeliten-Missionspriester Federico Trinchero dem vatikanischen Fides-Infodienst.

Weiße US-Evangelikale unterstützen Muslim-Einreiseverbot

Mehr als drei Viertel der weißen Evangelikalen in den USA finden die Entscheidungen von Präsident Donald Trump zum Einreiseverbot für Bürger aus muslimisch geprägten Ländern gut und richtig.

Ernesto Cardenal: Papst Franziskus hat Revolution ausgelöst

Der nicaraguanische Befreiungstheologe und Dichterpriester Ernesto Cardenal sieht in Papst Franziskus eine „echte Überraschung für die Welt“.

Trappisten-Stift Engelszell bekommt Verstärkung aus Frankreich

Das oberösterreichische Stift Engelszell – das einzige Trappistenkloster in Österreich – bekommt Verstärkung aus Frankreich und eine neue Leitung: der 79-jährige  P. Hubert Bony vom elsässischen Kloster Oelenberg löst P. Marianus Hauseder an der Spitze der kleinen Mönchsgemeinschaft ab.

Neue Prager Vaclav-Glocke erinnert an Ex-Präsident Havel

Prag hat nun eine Glocke mit dem Namen Vaclav, deutsch Wenzel. Sie soll an den verstorbenen Friedensnobelpreisträger und Staatspräsidenten Vaclav Havel (1936-2011) erinnern und wurde im Veitsdom gesegnet, wie Radio Prag berichtet.

„Popstar Papst“

Die italienische Ausgabe der legendären Musikzeitschrift „Rolling Stone“ widmet ihre neueste Nummer Papst Franziskus.

Orden stärken den Fokus auf die Kulturgüter in den Klöstern

Die katholischen Orden wollen ihre Anstrengungen verstärkt dem Erhalt und der Vermittlung christlicher Kultur – und im Speziellen auch den Kulturgütern in den eigenen Klöstern – widmen.

Leitartikel

Selbstkritik und Humor

Offen, ehrlich, selbstkritisch und humorvoll hat Papst Franziskus im ersten Interview mit einer deutschen Zeitung gesprochen. Das Interview wurde auf Italienisch geführt, dann verglich er die deutsche Übersetzung mit der Originalversion. Seine Korrekturen waren „sparsamer und verhaltener als all das, was wir in der Regel von Politikern zurückbekommen.“ Nicht nur das verblüffte.
Auch: Dass er als Siebzehnjähriger verlobt war, sich als ganz normalen Menschen einschätzt, nicht als Heiliger Vater, sondern Sünder: „Es gibt nicht den Vater, sondern nur den Menschen. Ich bin Sünder und bin fehlbar.“
Auch für ihn gibt es Glaubenskrisen, Momente innerer Dunkelheit und Bedrängnisse, „die ich mir selbst eingebrockt habe, durch meine Schuld, denn ich bin ein Sünder.“ Der Glaube sei ein Geschenk, „um das man jeden Tag aufs Neue bitten muss“.
Franziskus rühmt Schumann und Adenauer, denen die Verbrüderung Europas vorschwebte und zitiert Thomas Morus, sein Gebet um Humor. Über die gegen ihn in der Ewigen Stadt affichierten Plakate lacht er. Der römische Dialekt der Plakate sei großartig gewesen: „Den hat nicht irgendeiner von der Straße geschrieben, sondern ein kluger Kopf! – „Jemand aus dem Vatikan?“ – „Nein, ich sagte doch: ein kluger Kopf.“
Hand auf´s Herz: Wo und wann hat ein Bischof so geredet wie der aktuelle von Rom?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Ex 17, 3-7

Gib uns Wasser zu trinken

In jenen Tagen dürstete das Volk nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen? Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich. Der Herr antwortete Mose: Geh am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh! Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels. Den Ort nannte er Massa und Meriba (Probe und Streit), weil die Israeliten Streit begonnen und den Herrn auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

 

Zweite Lesung:   Röm 5, 1-2.5-8

Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist

Schwestern und Brüder!
Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

 

Evangelium:   Joh 4, 5-15.19b-26.39a.40-42

Das Wasser, das ich gebe, wird zur sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt

In jener Zeit kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. Ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte – Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus. Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

 

Gedanken zum Sonntag

Dipl.-Päd. Kerstin Fuchs
Sozialpädagogin
Markt Hartmannsdorf, Stmk.

Die bedingungslose Liebe Gottes

„Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Röm 5,8) Gut , also ich bin ja überzeugt, dass ich ein Mensch mit Stärken und Schwächen bin, der auch Fehler macht, weil das eben zum Menschsein dazu gehört. Aber musste Gott wirklich seinen Sohn opfern, um unsere Sünden auf ewig zu tilgen? Und muss mir jemand wirklich seine Liebe beweisen, indem er seinen Sohn sterben lässt? Einen liebenden Vater stelle ich mir irgendwie anders vor…  Da ist das Bild, dass die erste Schriftlesung dieses Sonntags (Ex 17,3-7) zeichnet, mir wesentlich sympathischer: Auch wenn das Volk Israel auf dem Weg ins Gelobte Land vor Durst murrt und zweifelt, Gott sorgt für sein Volk und weist Mose den Weg zum Wasser am Felsen. Dies zerstreut die Zweifel des Volkes wieder ein wenig.
Auch die im Evangelium beschriebene Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen, lässt erahnen, dass es eben nicht um das schuldhafte Verhalten der Frau geht, sondern vor allem darum den Menschen einmal so anzunehmen, wie er ist und mit Worten und symbolhaften Daten neue Denk- bzw. Verhaltensprozesse in Gang zu bringen. Jesus gelingt nicht nur dies, sondern er bewirkt sogar, dass nicht nur sie selbst, sondern viele aus ihrem Volk sich zum Glauben an ihn als den verheißenen Messias bekennen. Das ist für mich die wahre Liebe, die Gott uns erweist, wenn er uns „ProphetInnen“ begegnen lässt, die uns helfen unser Leben positiver zu gestalten.
Ich glaube fest an die bedingungslose Liebe Gottes, bei der Veränderung nicht aufgrund eines erhobenen Zeigefingers passieren, sondern weil Menschen als wertvoll wahrgenommen werden und dadurch ihr Potential erweitern können.

 

Information

Erstes Papst-Interview mit deutschem Journalisten
„Frauen erhalten mit Wortgottesdiensten Sonntag aufrecht“

Papst Franziskus hat der linksliberalen Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ (9. März), Flaggschiff des deutschen Journalismus, ein aufsehenerregendes Interview gegeben. Es war das erste in seiner vierjährigen Amtszeit mit einem deutschen Journalisten.


Die Zeit Nr. 11, 9. März 2017.

Angesprochen auf den Priestermangel in Deutschland meinte der Papst, auch in der Schweiz sehe es nicht gut aus: „Viele Gemeinden haben brave Frauen: Sie erhalten den Sonntag aufrecht und feiern Wortgottesdienste, also ohne die Eucharistie.“

Arbeit für die Jugend
Das Problem „Mangel an Berufungen“ müsse die Kirche lösen. Es fehle das Gebet, aber auch die Arbeit mit jungen Leuten, die Orientierung suchen. Arbeit mit den Jungen sei schwierig, jedoch notwendig. Sie seien „die großen Verlierer der modernen Gesellschaft.“ In Italien seien 40 Prozent der unter 25-Jährigen arbeitslos.

Nachdenken über Viri probati
Franziskus spricht sich für eine Öffnung bei der Vorschrift der Ehelosigkeit für Priester aus. Der „freiwillige Zölibat“ sei keine Lösung, jedoch über die Weihe verheirateter Männer („viri probati“) „müssen wir nachdenken“. Der Papst:„Der Kirche geht es stets darum, den richtigen Augenblick zu erkennen, wann der Heilige Geist nach etwas verlangt.“

Wahrheit macht frei
Der Papst bricht eine Lanze für die historisch-kritische Bibelauslegung: „Was hat dies in jener Zeit bedeutet? Was heißt es heute? Das sagt uns die historische Wahrheit, die wissenschaftliche Wahrheit: Habt keine Angst! Das macht uns frei.“

Glaubenskrisen
Er selbst kenne auch Glaubenskrisen. Nicht nur Momente innerer Dunkelheit, sondern „Bedrängnisse, die ich mir selbst eingebrockt habe“. Der Glaube sei ein Geschenk, um das man jeden Tag aufs Neue beten muss.
Ohne Krisen könne man nicht wachsen: „Als Jesus hört, wie sicher sich Petrus ist – das erinnert mich an zahlreiche katholische Fundamentalisten – sagt er: Dreimal wirst du mich verleugnen. Aber ich werde für dich beten. Petrus hat Jesus verleugnet, er ist in eine schwere Krise geraten. Und dann haben sie ihn zum Papst gemacht.“

Sünder und fehlbar
Sich selbst sieht der Papst nicht als etwas Besonderes: „Ich bin – ich will nicht sagen ´ein armer Teufel´, aber ich bin ein ganz normaler Mensch, der tut, was er kann.“ Franziskus: „Ich bin ein Sünder und bin fehlbar.“
Zum Thema „Heiliger Vater“: „Es gibt nicht den Vater, nur den Menschen. Alle Eltern sind Sünder in der Gnade Gottes, denn nur das gibt uns den Mut weiterzumachen und dieser verwaisten, vaterlosen Zeit Leben zu schenken.“

Existenz des Teufels
Für den Papst existiert der Teufel. Bei manchen Versuchungen habe der gefallene Engel seine Finger im Spiel. Eifersucht, Neid, Krieg und Ausbeutung seien Werke des Teufels: „Die Auflehnung gegen das Werk Gottes, gegen den Menschen als Abbild Gottes  – das ist das Werk des Teufels.“

Zunahme des Populismus
„Ein wenig Sorge“ bereitet Franziskus die Zunahme des Populismus in den westlichen Demokratien: „Populismus ist böse und endet schlecht, wie das vergangene Jahrhundert gezeigt hat“. Er stütze sich immer auf einen Messias und auf die Rechtfertigung, die „Identität des Volkes“ bewahren zu müssen.
Der Papst bringt die politischen Methoden Hitlers 1933 als Beispiel, betont jedoch, dass wir uns heute „ganz und gar nicht“ in der gleichen Situation wie 1933 befinden.
Franziskus lobt Schumann und Adenauer, die Väter der Europäischen Union.

Malteserorden
Zur Krise des Malteserordens sagt der Papst, „dass Kardinal Burke mit der Sache nicht umgehen konnte“, als Widersacher empfinde er ihn jedoch nicht.

Europa und arabische Welt sind „eine Art Schicksalsgemeinschaft“

„Die arabische Welt mit all ihren Tumulten und Turbulenzen, die sie produziert, ist auch ein europäisches Problem. Wir sind so eine Art Schicksalsgemeinschaft“: Das hat der Journalist und Nahost-Experte Karim El-Gawhary bei einer Veranstaltung des Katholischen Bildungswerks in St. Pölten betont.

„Wenn Sie hier Ihr Auto volltanken, dann hat das mit der arabischen Welt zu tun, woher das Erdöl dazu kommt“, wandte sich der Leiter des Nahost-Büros des ORF in Kairo an seine rund 200 Zuhörer im kirchlichen Bildungshaus St. Hippolyt: „Das Sicherheitsproblem in der arabischen Welt ist auch zu einem europäischen Sicherheitsproblem geworden, und die Flüchtlinge, die nach Europa kommen, werden in dieser Region produziert.“


Journalist und Nahost-Experte
Karim El-Gawhary.

Gleichzeitig, so der Korrespondent und Buchautor, sei Europa und der Westen auch immer ein Teil des arabischen Problems. El-Gawhary verwies dazu auf Waffenverkäufe an die Golfstaaten in Milliardenhöhe. Europa habe zudem jahrelang jene arabischen Autokratien und Diktaturen unterstützt, die „uns überhaupt erst in diese Situation gebracht haben“, so der Journalist. Diktatoren und Autokraten hätten den Westen signalisiert: „Wenn ihr nicht die Islamisten haben wollt, dann müsst ihr mit uns vorlieb nehmen.“ Damit seien über Jahrzehnte schwelende Konflikte in der Gesellschaft, die eigentlich schon lange hätten ausbrechen müssen, unterbunden worden.
Den Schlüssel zur Beendigung des Kriegs in Syrien ortet der ORF-Korrespondent bei den Regionalmächten Türkei, Saudi Arabien und Iran. Würden diese an einem Strang ziehen, wäre der syrische Bürgerkrieg bald beendet.

Krise der Solidarität
Zur Debatte um Migration und Flüchtlinge meinte der ORF-Mann: „Wir haben in Europa keine Flüchtlingskrise, sondern eine Krise der Flüchtlingspolitik, eine Krise der Solidarität.“ El-Gawhary erinnerte, dass es laut Angaben der Vereinten Nationen weltweit rund 60 Millionen Flüchtlinge gibt. Von ihnen seien nur rund ein bis zwei Millionen nach Europa gekommen. Unter jenen zehn Ländern, die weltweit die meisten Geflüchteten aufgenommen haben, seien keine europäischen Staaten. Allein das 4,5-Millionen-Einwohner-Land Libanon habe rund zwei Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen.
El-Gawhary: „Anstatt zu diskutieren: ‚Wie schaffen wir diese riesige Herausforderung?‘, sollten wir uns fragen: ‚Wie schaffen wir diese Herausforderung in vernünftige Bahnen zu lenken?‘“ Und weiter: „Ich glaube, wenn wir in zehn Jahren wieder in Europa auf diese Zeit zurückblicken, dann wird sich am Ende nur eine einzige Frage stellen, nämlich: ‚Ist Europa an dieser Frage gescheitert oder daran gewachsen?‘“ Die Realität, ist der Journalist überzeugt, „wird über uns drüberrollen, ob wir das wollen oder nicht“.

Contra „Schwarze Legende“: Pius XII. rettete zwei Drittel aller römischen Juden

Papst Pius XII. hat laut dem römischen Komitee für Pius XII., dem „Comitato Papa Pacelli“, 1943/44 mehreren tausend Juden systematisch Schutz geboten.


Papst Pius XII.

Bei einer Veranstaltung am ersten März-Wochenende im Kloster Santa Maria sopra Minerva legten Historiker und Vatikanmitarbeiter auf Grundlage vor kurzem wiederentdeckter Dokumente in vatikanischen und römischen Archiven den Einsatz des Pacelli-Papstes während des Zweiten Weltkriegs für die Juden der Stadt Rom dar.
Wie Radio Vatikan  berichtete, wurden laut „Comitato Papa Pacelli“ etwa zwei Drittel aller Juden Roms dank der Hilfe von Pius XII. vor den Nazi-Schergen gerettet. Über 4.000 Juden seien damals in über 235 Klöstern und kirchlichen Einrichtungen in Rom untergebracht – sprich versteckt – worden. In weiteren 160 vatikanischen Einrichtungen hätten ebenfalls viele Juden Zuflucht gefunden. Weitere 1.600 Juden seien damals von einer mit dem Vatikan verbundenen Organisation in Sicherheit gebracht worden. Es handelte sich um die „Organisation für die Hilfe an jüdische Auswanderer – Delasem“, die vom Vatikan im Geheimen finanziert wurde.

Hochhuth
Der Präfekt der Apostolischen Signatur, Kardinal Dominique Mamberti, betonte, dass Pius XII. die Kirche „in einer sehr komplizierten Zeit“ geleitet und „sehr viel für den Frieden“ unternommen habe. Vor allem habe er die Kirche in die Moderne geführt. „Das wahre Gesicht des Pacelli-Papstes ist also vollkommen anders als jenes, das die ‚Schwarze Legende‘ über ihn verbreiten wollte.“ Mit „Schwarze Legende“ meinen Kardinal Mamberti und auch die Organisatoren der Konferenz das Bild von Pius XII., das der deutsche Schriftsteller Rolf Hochhuth in den 1960er-Jahren in seinem Werk „Der Stellvertreter“ vermittelte.
Domenico Oversteyns sagte gegenüber Radio Vatikan, das „falsche Bild“ über Pius XII. sei ursprünglich von der sowjetischen Propaganda verbreitet worden. Diese habe bereits vor dessen Tod 1958 damit angefangen, die „Stille des Papstes“ während der Nazi-Zeit „anzuprangern“.

Neue Prager Vaclav-Glocke erinnert an Ex-Präsident Havel

Prag hat nun eine Glocke mit dem Namen Vaclav, deutsch Wenzel. Sie soll an den verstorbenen Friedensnobelpreisträger und Staatspräsidenten Vaclav Havel (1936-2011) erinnern und wurde im Veitsdom gesegnet, wie Radio Prag berichtet.

Den Gottesdienst für die Opfer totalitärer Regime leitete demnach Kardinal Dominik Duka gemeinsam mit Vertretern anderer Kirchen. Die Glocke sei durch Spenden finanziert und in Innsbruck gegossen worden. Unter den Aufschriften und Darstellungen sind auch ein Bild des heiligen Wenzel (907-935) und das bekannteste Zitat Präsident Havels: „Wahrheit und Liebe werden über Lüge und Hass siegen“.


Die Glocke wurde von der Innsbrucker Gießerei Grassmayr hergestellt.

Aus dem Veitsdom wurde die Glocke laut dem Bericht mit einem Pferdegespann über die Kleinseite in die Altstadt gebracht. Aus dem Transport habe sich durch Passanten nach und nach ein festlicher Umzug gebildet. Die Glocke wurde im Turm der Kirche St. Gallus (tschechisch Sveti Havel) aufgehängt.


Vaclav Havel,
Ex-Staatspräsident und Bürgerrechtler.

Gallus (um 550-620/40), deutsch „Hahn“, heißt im Tschechischen Havel. Nach dem irischen Heiligen sind auch eine Hauptachse („Havelska“) und das Gallusviertel in der Altstadt benannt.