Inhalt der gedruckten Ausgabe 11/2016

Leitartikel

Nur Papst, kein Berufstheologe

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

P. Franz Ackerl OSB
Religionslehrer und
Gastmeister im Stift Kremsmünster, OÖ

Information

Extremer Priestermangel auf der „Insel der Heiligen“

Irland wurde im 5. Jahrhundert durch den Hl. Patrick christianisiert. In der Folge zogen Scharen von Missionaren von der „Insel der Klöster und Heiligen“ auf den Kontinent bis nach Mitteleuropa. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Zukunft von Irlands Kirche düster. Das zeigt ein offizieller Report des Priesterrats der Erzdiözese Dublin.

Vier Mutter-Teresa-Schwestern wurden im Jemen ermordet

Im Jemen sind vier katholische Ordensfrauen getötet worden.

Papst zu „arabischer Invasion“

„Wir können heute von einer arabischen Invasion sprechen. Das ist eine soziale Tatsache“, zitierte die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ am 4. März eine Äußerung des Papstes, die drei Tage zuvor bei einem Treffen mit Mitgliedern der französischen Sozialbewegung „Poissons Roses“ in seiner Residenz Santa Marta fiel.

Libanon: Neuer TV-Kanal will „dem Krieg den Krieg ansagen“

Ein neuer libanesischer Satelliten-TV-Kanal möchte dem Frieden dienen.

Wiederverheiratete: Papst ändert Protokoll bei Staatsbesuchen

Künftig sind bei Papstaudienzen laut einem Medienbericht auch die Ehepartner wiederverheirateter katholischer Staatsgäste zugelassen.

Ordensmann, Tierschützer und Autor Anton Rotzetter gestorben

Anton Rotzetter, Kapuzinerpater, Buchautor und Experte für Ökologie und Tierschutz, ist am Dienstag im Alter von 77 Jahren gestorben. Rotzetter war als Schriftsteller und Dozent auch einem breiteren Publikum bekannt und galt weltweit als Experte für franziskanische Spiritualität. Seine Bücher wurden in mehr als 70 Sprachen übersetzt.

Kardinal Pell weist Vorwürfe in Missbrauchsskandal zurück

Kurienkardinal George Pell hat am dritten Tag seiner Befragung durch die australische Missbrauchskommission erneut Vorgesetzte und Mitarbeiter der Vertuschung bezichtigt.

Olympia 2016: Sportler und NGOs kritisieren Vertreibungen in Rio

Heftige Kritik an Menschenrechtsverletzungen im Vorfeld der in fünf Monaten beginnenden olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro haben österreichische NGOs gemeinsam mit Sportlern geäußert.

Jede fünfte Frau weltweit ist mangelernährt

Jede fünfte Frau weltweit ist mangelernährt: Auf die prekäre Situation dieser Frauen machten anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März Caritas Österreich und das evangelische Hilfswerk Diakonie aufmerksam.

17.000 Ärzte und Apotheker haben Syrien verlassen

Seit dem Anfang der Syrienkrise 2011 haben 17.000 Ärzte und Apotheker Syrien den Rücken gekehrt. Das geht aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Information Christlicher Orient“ (ICO) hervor.

Christliche Flüchtlinge müssen in Deutschland ihren Glauben verleugnen

Der Berliner katholische Erzbischof Heiner Koch hat einen besseren Schutz christlicher Asylbewerber in Flüchtlingsheimen gefordert.

Caritas betreut über 40.000 Personen

Die kirchliche Hilfe für Flüchtlinge hat in den vergangenen Wochen nochmals deutlich zugelegt. Das geht aus den „Kathpress“ vorliegenden aktuellen Zahlen von Bischofskonferenz und Caritas hervor.

Flüchtlinge: Schlierbacher Abt ortet eine „politische Naivität“

Mehr Verstand und Barmherzigkeit in der Politik fordert der neue Abt von Stift Schlierbach, Nikolaus Thiel, in der Flüchtlingsdiskussion ein. Im „Standard“-Interview ortete Thiel unter anderem „politische Naivität“.

Bagdad: Patriarch Ignatius traf Ministerpräsident al-Abadi

Im Zuge seines ersten offiziellen Pastoralbesuchs in Bagdad ist der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. am 1. März mit dem irakischen Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi zusammengetroffen.

Schönborn: Begabungen der Migranten sind eine Chance für Österreich

Als „riesige Chance für die Gesellschaft“ hat Kardinal Christoph Schönborn die Begabungen von Migranten, die nach Österreich und Europa kommen, bezeichnet.

Kinderschutzzentrumsleiter P. Zollner: „Film ‚Spotlight‘ erschüttert“

Der vatikanische Missbrauchsexperte Hans Zollner hat den Oscar-Gewinner-Film „Spotlight“ über sexuellen Missbrauch in der US-amerikanischen Kirche als „erschütternd“ bezeichnet.

Neutestamentler Franz Mußner 100-jährig gestorben
Seine Forschungen waren bahnbrechend für den Dialog mit Juden

Franz Mußner, einer der bedeutendsten deutschen Bibelwissenschaftler des 20. Jahrhunderts, ist tot. Der katholische Theologe starb am 3. März wenige Wochen nach seinem 100. Geburtstag.

Jüdisches Interesse an Christentum wächst

In Israel ist das jüdische Interesse am Christentum und am Dialog mit der katholischen Kirche denkbar gering, aber es wachse.

KJ:  Selfie-Aktion „Wir können was!“

Die Katholische Jugend (KJ) Österreich stellt seit 1. März die Leistung von Jugendlichen und Lehrlingen für die Arbeitswelt und ihre Talente in den Mittelpunkt.

Kardinal Obando jetzt „Held des Friedens“ in Nicaragua

In Nicaragua ist der 90-jährige Kardinal Miguel Obando y Bravo nach einem Beschluss der Nationalversammlung des mittelamerikanischen Landes offiziell zum „Helden des Friedens“ ernannt worden. Der Vorschlag kam vom sandinistischen Staatspräsidenten Daniel Ortega.

Leitartikel

Nur Papst, kein Berufstheologe

Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat sich in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ gegen ein „Lehramt der Theologen auf der gleichen Ebene des Lehramts der Bischöfe“ ausgesprochen.
Gleichzeitig wiederholte er zum x-ten Mal, dass wiederverheiratete Geschiedene von der Kommunion ausgeschlossen seien und empfahl denselben „andere theologisch wertvolle Formen der Teilhabe am kirchlichen Leben“.
Jovial herablassend klingt Müllers Sager, er habe „Verständnis“ für die Sorge des Papstes, dass „Menschen in unklaren Eheverhältnissen“ von der Kirche „wegdriften“ könnten.
Doch: Anders als er selbst, so Müller weiter, sei der Papst „kein Berufstheologe“, sondern in erster Linie Seelsorger. Aha!
Ist das Lehramt des Theologen Müller – im Gegensatz zu jenem all der anderen dieser Zunft – doch höher als jenes des Bischofs von Rom?
Die Seelsorge in die Ausübung des Papsttums einzubringen ist laut Müllers gnädigem Zugeständnis „völlig legitim“.
Jetzt kann Franziskus aufatmen. Doch wir sind irritiert, wohl auch der Gute Hirte selbst. Ihm ging es immer um die Menschen. Lebensfremde Bibel-Auslegungen seiner Theologen, die sich für Schriftgelehrte hielten, wies er brüsk zurück. Die Folgen sind allerdings auch bekannt.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 43, 16-21

Seht her, ich schaffe Neues; ich tränke mein Volk

So spricht der Herr, der einen Weg durchs Meer bahnt, einen Pfad durch das gewaltige Wasser, der Wagen und Rosse ausziehen lässt, zusammen mit einem mächtigen Heer; doch sie liegen am Boden und stehen nicht mehr auf, sie sind erloschen und verglüht wie ein Docht. Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten.
Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht? Ja, ich lege einen Weg an durch die Steppe und Straßen durch die Wüste. Die wilden Tiere werden mich preisen, die Schakale und Strauße, denn ich lasse in der Steppe Wasser fließen und Ströme in der Wüste, um mein Volk, mein erwähltes, zu tränken. Das Volk, das ich mir erschaffen habe, wird meinen Ruhm verkünden.

 

Zweite Lesung:   Phil 3, 8-14

Um Christi willen habe ich alles aufgegeben – sein Tod soll mich prägen

Schwestern und Brüder!
Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott aufgrund des Glaubens schenkt. Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.

 

Evangelium:   Joh 8, 1-11

Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie

In jener Zeit ging Jesus zum Ölberg. Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

 

Gedanken zum Sonntag

P. Franz Ackerl OSB
Religionslehrer und
Gastmeister im Stift Kremsmünster, OÖ

Geliebt, getragen - auch im Scheitern

„getragen“ ist der Titel eines Gedichtes von Andreas Knapp, „im höhenflug einer liebe, durch den auftrieb des gebets.“

Damals wie heute werden Menschen vorgeführt und abgestempelt. Da wird die Frau auf einmal nur mehr als Sünderin gesehen und auf ihre Tat reduziert. Im Blick ist nicht, welche Vorgeschichte es gibt oder andere Begleitumstände.
Versuchen wir, die Frau einmal nicht als Ehebrecherin zu sehen, sondern als eine, die einfach geliebt hat. Einen Menschen zu lieben ist keine Sünde. Vielleicht hat sie ja in dieser Beziehung endlich die Liebe erfahren, die sie in ihrem Ehealltag vermissen musste. Wir wissen es nicht, aber auch diejenigen, die sie da zu Jesus zerren, wissen es vermutlich nicht. Und ER, der es wüsste, gibt der Frau Zeit, Auftrieb, vielleicht einen Moment des Gebetes, sodass sich die Situation entspannen kann. Aber die Fragesteller sind hartnäckig. „Wer von euch ohne Sünde ist…“ spricht Jesus. Wir würden trotz allen Verständnisses für die Frau das Problem wohl im Gespräch klären wollen und es würde sich eine Diskussion entwickeln. Jesus hält es mit dem Propheten Jesaja: „Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten.“ Und so gibt er der „Ehebrecherin“ wieder ihre Würde, er kehrt die Sünden nicht einfach unter den Teppich, wo sie weiter stinken können. Er gibt die klare Richtung vor, den Blick nach vorne: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ Die Frau erlebt, dass sie bewahrt wird und getragen ist vom Höhenflug der Liebe Jesu.
Mögen auch wir das in unserem persönlichen Scheitern erleben.

 

Information

Extremer Priestermangel auf der „Insel der Heiligen“

Irland wurde im 5. Jahrhundert durch den Hl. Patrick christianisiert. In der Folge zogen Scharen von Missionaren von der „Insel der Klöster und Heiligen“ auf den Kontinent bis nach Mitteleuropa. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Zukunft von Irlands Kirche düster. Das zeigt ein offizieller Report des Priesterrats der Erzdiözese Dublin.

Die heute etwa 3.200 Quadratkilometer große Erzdiözese umfasst etwa 1,5 Millionen Menschen, von denen 77 Prozent katholisch sind. Der Report bietet einen Ausblick auf 2030.
Der Sonntagsmessbesuch ist von 2008 bis 2014 um 20 Prozent gesunken, bis 2030 wird er um ein weiteres Drittel sinken.
Die Zahl der Taufen (16.000) wird bis 2030 gleich bleiben, so die Schulen weiterhin fest in kirchlicher Hand sind. Die kirchlichen Trauungen jedoch werden sich von etwa 2.000 (2014) bis 2030 auf die Hälfte minimieren.

2030 nur noch 144 Priester
Den Pfarren standen 2014 noch 386 Priester unter 75 Jahren zur Verfügung – 110 Ordens- und 276 Diözesanpriester. 2030 werden es nur noch 144 Priester sein – 34 Ordens- und 110 Diözesanpriester. Gerechnet wird mit nur einer Priesterweihe pro Jahr.
2014 wurden 836 Sonntagsmessen gefeiert. Jeder Priester hatte durchschnittlich 430 Messbesucher.
Für 2030 rechnet man mit 331 Sonntagsmessen und jeweils 319 Messbesuchern pro Priester. Dann werden Pfarren zusammengelegt und Kirchen verkauft oder vermietet sein.
Von 2008 bis 2030 halbiert sich die Zahl der Sonntagsmessbesucher von 200.000 auf 100.000.

Zum Vergleich: Wien
Die Erzdiözese Wien umfasst mit 1,2 Millionen Katholiken ein wenig mehr als Dublin. Die kirchliche Statistik 2014 nennt 122.000 Sonntagsmessbesucher, 9.633 Taufen und 1.752 Trauungen.
Mit Stichtag gab es in der Erzdiözese 475 Ordenspriester, 462 Diözesanpriester und 169 Weltpriester aus anderen Diözesen.

Olympia 2016: Sportler und NGOs kritisieren Vertreibungen in Rio

Heftige Kritik an Menschenrechtsverletzungen im Vorfeld der in fünf Monaten beginnenden olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro haben österreichische NGOs gemeinsam mit Sportlern geäußert.

Damit es nicht weiter zu Zwangsumsiedlungen, Polizeigewalt und zur Verschwendung von Steuergeld komme, müsse das Internationale Olympische Komitee (IOC) endlich bindende Menschenrechtsstandards festschreiben, forderte die Initiative „Nosso Jogo“ in einer Pressekonferenz in Wien. Dabei wurde auch eine entsprechende Petition an den IOC-Präsidenten Thomas Bach sowie die Solidaritätsaktion „Menschenrechte sind olympisch!“ gestartet.

Zehntausende Arme verlieren ihr Zuhause
Die sozialen Kosten der Olympiade sowie der 2014 stattgefundenen Fußball-WM sind immens hoch für Rios Bevölkerung: Die 6,4-Millionen-Stadt werde für das Sportevent „aufgeteilt in Räume für Reiche und Räume für Arme“, berichtete die brasilianische Menschenrechtsaktivistin Julia Bustamente Silva bei der Pressekonferenz.
Gewaltvoll würden dabei Armensiedlungen in der Nähe der Sportstätten – wie beispielsweise die „Vila Autodromo“ – geräumt. Mehr als 60.000 Menschen hätten somit wegen der Fußball-WM und Olympia ihr Zuhause verloren. Zu Unrecht, so die Aktivistin, die forderte: „Die olympischen Spiele dürfen der lokalen Bevölkerung nicht schaden.“

rio
Ein Jahr vor den Spielen: Die Welt schaut weg bei der Räumung der Favelas.

Neben „Nosso Jogo“ – hinter der Initiative stehen u.a. die Dreikönigsaktion, Südwind und das Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zuammenarbeit (VIDC) – treten auch österreichische Athleten gegen die Vertreibungen auf, darunter Ana Roxana Lehaci, als Kanutin im Olympiakader für Rio 2016, sowie der Segler Andreas Hanakamp, Olympiateilnehmer in Atlanta 1996 und Athen 2004. Die Erfüllung des Traums von den Olympischen Spielen dürfe nicht die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung zerstören, so die beiden Spitzensportler vor den Journalisten.

10.000 Kilometer für Menschenrechte
Bis zum Start des großen Sportevents im August plant „Nosso Jogo“ ein umfangreiches Programm wie Aktionstage mit Sportvereinen, hochkarätigen Dialogveranstaltungen, Workshops an Schulen und Jugendzentren sowie auch eine Studie zu österreichischen Unternehmen in Rio 2016.

DSC_4768
Johannes Dachler, Jennifer Wenth, Ana Roxana Lehaci, Julia Bustamente, Lucas Sinn und Andreas Hanakamp.  

Foto: David Visnjic.

Speziell an Sportbegeisterte richtet sich die von der Dreikönigsaktion gestartete Solidaritätsaktion „10.000 Kilometer für die Menschenrechte“, bei denen die genannte Strecke – sie entspricht der Entfernung Österreichs von Rio – mit vereinten Kräften zurückgelegt werden soll. Symbolisch wird dadurch gegen die Verletzung von Menschenrechten im Zuge von Sportgroßveranstaltungen protestiert. Den Start machten am Donnerstag die Spitzensportler Ana Roxana Lehaci (Kanu), Jennifer Wenth (Leichtathletin des Jahres 2015), Johannes Dachler (Rugby) und Andreas Hanakamp (Segeln) – gemeinsam mit 60 Kindern.

17.000 Ärzte und Apotheker haben Syrien verlassen

Seit dem Anfang der Syrienkrise 2011 haben 17.000 Ärzte und Apotheker Syrien den Rücken gekehrt. Das geht aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Information Christlicher Orient“ (ICO) hervor.

Der Verlust an gut ausgebildeten Fachkräften aller Art sei nicht nur im aktuellen Konflikt ein großes Problem, sondern gefährde auch jeden Wiederaufbau, hieß es. Krebskranke Menschen blieben beispielsweise schon jetzt ohne Behandlung, weil qualifiziertes Personal fehlt. Da auch viele Lehrer Syrien verlassen haben, „sind die verbliebenen Lehrkräfte überfordert“, zitiert die Zeitschrift die in Damaskus wirkende Ordensfrau Sr. Joseph Marie Chanaa.

sr. chanaa marie joseph
Sr. Joseph Marie Chanaa.

Foto: Missio

Ein großer Teil der christlichen Flüchtlinge – vor einiger Zeit waren es noch ca. 450.000 – leben nach wie vor in Syrien selbst. Deren Situation werde aber international in den Medien weitgehend ignoriert, kritisiert die Ordensfrau, die in der melkitischen Pfarre St. Joseph in Damaskus wirkt.
Das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen gestalte sich in den vom Assad-Regime kontrollierten Gebieten „nach wie vor friedlich“, so Sr. Chanaa. „Wir haben sogar gemerkt, dass diese Krise mehr Solidarität zwischen Christen und Muslimen geschaffen hat.“

Hilfe für 2.000 Familien
Die ICO unterstützt in Syrien u.a. 2.000 Familien in Homs, Aleppo, Damaskus und Hauran. Im Mittelpunkt steht dabei die finanzielle Hilfe für Schulkinder. Weiters finanziert die ICO auch Versorgung von Kindern mit Nahrungsmitteln wie Obst und Gemüse, nach dem die Preise zuletzt um das Dreifache gestiegen sind.
Infos: www.christlicher-orient.at; Spenden: IBAN AT42 5400 0000 0045 4546, BIC OBLAAT2L, Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe.

Internationaler Caritas-Präsident besuchte Flüchtlinge
Der Erzbischof von Manila und Präsident der internationalen Caritas, Kardinal Luis Antonio Tagle, hat den Libanon besucht, um sich persönlich von der Situation der syrischen Flüchtlinge zu überzeugen.
Im Gespräch mit „Radio Vatikan“ sagte der philippinische Kardinal, es habe ihn sehr beeindruckt, wie ein Mann am Straßenrand ausrief: „Es lebe die Caritas“. Die Szene ereignete sich in der Bekaa-Ebene, als Kardinal Tagle syrische Flüchtlinge besuchte. „Ich traf eine muslimische Familie, die aus Syrien stammt; der Familienvater rief: Es lebe die Caritas, es lebe die Kirche! Mich hat das sehr, sehr gefreut – nicht aus Stolz, sondern weil es zeigt, dass das Zeugnis der Nächstenliebe gültig ist.“

Kardinal Obando jetzt „Held des Friedens“ in Nicaragua

In Nicaragua ist der 90-jährige Kardinal Miguel Obando y Bravo nach einem Beschluss der Nationalversammlung des mittelamerikanischen Landes offiziell zum „Helden des Friedens“ ernannt worden. Der Vorschlag kam vom sandinistischen Staatspräsidenten Daniel Ortega.

kardinal miguel obando y bravo
Kardinal Miguel Obando y Bravo.

Der Salesianer Obando stand bis 2005 rund 35 Jahre an der Spitze der Hauptstadt-Erzdiözese Managua. Sein kirchlicher Aufstieg fiel in die Schlussphase der Somoza-Dynastie, die Nicaragua seit Mitte der 1930er-Jahre ausgebeutet hatte, sowie die Herrschaft der marxistisch orientierten Sandinisten ab 1979.
Als Obando, der dem Orden der Salesianer Don Boscos angehört, mit 44 Jahren Erzbischof in Managua wurde, nahm er rasch politischen Einfluss in dem stark katholisch geprägten Land und bezog Position gegen das Unrecht des Somoza-Clans. Ende der 70er-Jahre versuchte er, zwischen dem Regime und der damals noch kleinen Rebellengruppe der „Sandinistenfront“ (FSLN) zu vermitteln.
Nach deren Revolution stand der Erzbischof den Sandinisten zunächst aufgeschlossen gegenüber. In der neuen Regierung übernahmen auch vier katholische Priester Ministerämter, darunter die Brüder Ernesto und Fernando Cardenal. Durch die Propagierung des Sozialismus unter Ortega gerieten die Sandinisten jedoch in Frontstellung zu Obando.
Zum Ende seiner Amtszeit mehrten sich dann Versöhnungssignale zwischen dem Kardinal und den Sandinisten. So war er 2007 Präsident der staatlichen Versöhnungskommission. 2012 unterstützte Obando den erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf des Sandinisten Daniel Ortega. 2013 erhielt er aus der Hand Ortegas für seinen Einsatz für den Frieden den höchsten Orden Nicaraguas im Bereich Kultur und Wissenschaft.