Inhalt der gedruckten Ausgabe 10/2017

Leitartikel

Neue Reform-Adresse: Ärztekammer

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Dipl.-Päd. Kerstin Fuchs
Sozialpädagogin
Markt Hartmannsdorf, Stmk.

Information

Nach Seelsorger-Studie: Prof. Zulehner fordert Umfrage über die Zufriedenheit der Gemeinden

Mit teilweiser Skepsis und konkreten Vorschlägen hat sich der Wiener Pastoraltheologe em. Prof. Paul Zulehner zur aktuellen Seelsorger-Umfrage der Erzdiözese Wien geäußert.

Katholische Publizisten starten Solidaritätsaktion für den Papst

Mehr als 40 katholische Publizisten aus dem deutschsprachigen Raum haben einen „Weckruf“ veröffentlicht, um ihre Unterstützung für Papst Franziskus zu bekunden.

Gericht hebt Urteil gegen Befreiungstheologen Cardenal auf

Ein Gericht in der nicaraguanischen Hauptstadt hat nach lokalen Medienberichten vom 19. Februar ein Urteil gegen den Dichter und Theologen Ernesto Cardenal (92) aufgehoben, das ein Bußgeld in Höhe von umgerechnet 750.000 Euro gegen den Befreiungstheologen vorsah.

Frankreich: Jüdische und muslimische Feiertage statt christliche?

Der französische Think Tank Terra Nova fordert zusätzliche muslimische und jüdische Feiertage in Frankreich.

Führungswechsel im „Klösterreich“

Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl, Generaloberin der Marienschwestern von Linz, ist neue Präsident von „Klösterreich“.

Archivar: Vatikan bot 9.600 Juden Schutz

Der Vatikan hat eigenen Angaben zufolge 1943/44 mehreren tausend Juden systematisch Schutz geboten. Der am Vatikan tätige Archivar Johan Ickx legte am 17. Februar in Rom dazu konkrete Zahlen vor, wie „Radio Vatikan“ berichtete.

Australischer Bischof: Ich wurde selbst von Priester missbraucht

Bei einer abschließenden Anhörung der australischen Missbrauchskommission hat der Bischof von Parramatta, Vincent Long Van Ngyen (55), angegeben, als junger Mann selbst Opfer von sexuellem Missbrauch durch einen Priester geworden zu sein.

Fasten bei den Profis

Wer in der vorösterlichen Zeit professionelle Hilfe beim Fasten sucht, ist in Österreichs Klöstern bestens aufgehoben.

IKG-Generalsekretär zu „politischem Islam“: Christliche Haltung allzu „konsensfreudig und weich“

Österreich hat ein akutes Problem mit dem „politischen Islam“ – und dies nicht erst seit der Flüchtlingswelle. Das hat der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Wien, Raimund Fastenbauer, in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Academia“ konstatiert.

Papst besucht Problempfarre und antwortet auf Kinderfragen

Franziskus hat am 19. Februar die römische Peripherie-Pfarre Santa Maria Josefa del Cuore di Gesu im Osten seiner Diözese besucht. Mit der Wahl des Ortes wollte der Papst die Aufmerksamkeit auf gesellschaftliche Probleme wie Jugendarbeitslosigkeit, Kriminalität und urbane Fehlplanung lenken, wie Radio Vatikan berichtete.

Migration spaltet die katholische Kirche

Papst Franziskus hat am 21. Februar bei einem Kongress zum Thema „Migration und Friedensarbeit“ das Schüren von Fremdenhass durch „populistische Demagogen“ verurteilt. Er rief dazu auf, Migranten mit offenen Armen zu empfangen.

Mexiko: Statue des Papstes „bewacht“ jetzt Grenze zu USA

Eine fünf Meter hohe Statue von Papst Franziskus bewacht seit 17. Februar die Grenze zwischen Mexiko und den USA, berichtet die mexikanische Zeitung „Excelsior“.

Boeselager: Entmachtung bei Maltesern war rechtswidrig
Delegat: Orden muss Gewissenserforschung vornehmen

Der vom Papst wieder eingesetzte Großkanzler des Souveränen Malteser-Ritterordens, Albrecht von Boeselager, hat nach Ende des Machtkampfes an der Spitze seiner Organisation Zuversicht gezeigt.

Arbeiten an Grabkapelle in Jerusalem kurz vor dem Abschluss

Die Instandsetzungsarbeiten an der Grabkapelle der Jerusalemer Grabeskirche stehen kurz vor dem Abschluss.

Bischof von Linz besucht die Christen im Irak

„Wir haben so viele Zeichen des Todes und der Zerstörung gesehen, aber auch viele Zeichen der Hoffnung und der Auferstehung.“ Das hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer nach seiner jüngsten Reise in den Nordirak betont.

Ökumenische Jugendreise ins Heilige Land

Begleitet vom Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl und dem steirischen Superintendenten Hermann Miklas waren Ende Februar 55 junge Christen im Heiligen Land unterwegs.

Ab Aschermittwoch mit „Papst-SMS“ durch die Fastenzeit

Ab Aschermittwoch bietet die katholische Kirche in Österreich während der Fastenzeit wieder eine SMS-Aktion mit Papstgedanken an. Bis zum Karsamstag erhalten Interessierte an den 40 Tagen der Fastenzeit kostenlos eine SMS mit Zitaten von Papst Franziskus. Anmeldung: SMS mit dem Kennwort PAPST an die Telefonnummer 0664/6606651.

Leitartikel

Neue Reform-Adresse: Ärztekammer

Die Erzdiözese Wien hat jüngst die Lebens- und Arbeitssituation der Seelsorger erhoben. Fazit: 60 Prozent der befragten Priester stehen den Strukturreformen – Bildung von Großpfarren – skeptisch gegenüber. 25 Prozent der Priester und Diakone  sind im Durchschnitt leicht übergewichtig und machten zu wenig Sport. Was den Alkoholkonsum betrifft, sollte jeder vierte Seelsorger mit dem Arzt reden… Ein Hammer! Sollten andere Arbeitgeber über ihre Arbeitnehmer ähnlich despektierliche  Ergebnisse verbreiten, kirchenamtliche Gutmenschen würden aufheulen.
Nun, da ich nicht der Erzdiözese angehöre, wurde ich nicht befragt. Ich oute mich dennoch: Ich fühle mich den Skeptikern verbunden, weise zu viele Kilos auf und bin kein Weinverächter. Mein einziger Sport sind Fußwallfahrten.
Soll ich mit meinem Arzt reden? Ich würde lieber mit hohen Kirchenvertretern sprechen, doch die haben nicht wirklich Sehnsucht danach.
Ein Aha-Erlebnis:Ärzte könnten die Lage der Kirche verbessern. Bischöfe offenkundig nicht. An sie wird nicht appelliert.
Ist es Aufgabe der Weltgesundheitsorganisation, tiefgreifende Probleme der Kirche zu lösen? Bleibt die Frage: Müssen  Kirchenreform-Wünsche nach Genf geschickt werden? Oder doch lieber an die näher gelegene Ärztekammer in Wien?

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Gen 2, 7-9; 3,1-7

Erschaffung und Sünde der Stammeltern

Gott, der Herr, formte den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von gut und böse.
Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen, und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.

 

Zweite Lesung:   Röm 5, 12.17-19

Wo die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden

Schwestern und Brüder!
Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten. Ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen, so werden erst recht alle, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteil wurde, leben und herrschen durch den einen, Jesus Christus. Wie es also durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt. Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.

 

Evangelium:   Mt 4, 1-11

Jesus fastete vierzig Tage und wurde in Versuchung geführt

In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden.
Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Darauf ließ der Teufel von ihm ab, und es kamen Engel und dienten ihm.

 

Gedanken zum Sonntag

Dipl.-Päd. Kerstin Fuchs
Sozialpädagogin
Markt Hartmannsdorf, Stmk.

Unerschütterlicher Glaube (oder nicht?)

„Harter Tabak“ dem ich mich beim Eintauchen in das Evangelium des 1. Fastensonntags stelle. „Jesus wird vom Teufel in Versuchung geführt“.  Da ich an irgendeine externe Teufelsgestalt nicht glaube, gehe ich einmal davon aus, dass Jesus nach einer langen Zeit des Fastens hier mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hatte. Denn die Versuchungen, mit denen er dann konfrontiert ist, sind laut der durch das Neue Testament vermittelten „Rollenzuschreibung“ für Jesus als Messias, Gottes Sohn, Heiland, Prophet usw. prinzipiell sehr leicht nachvollziehbar: Zuerst das Naheliegendste nach dem Fasten => aus Steinen Brot machen => dann Jesu Antwort, die Ausdruck für die Intensität seines Glaubens sein soll: Nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund. (Da fragt mein kleiner Dämon: Was aber, wenn man aus Gottes Mund nichts hört? Mit welchem Mund spricht Gott? Oder rebelliert der Magen da nicht doch?)
Bei der zweiten Versuchung lehnt Jesus es ab, dem Teufel zu beweisen, dass er Gottes Sohn sei. Auch hier wiederum die klare Botschaft: Die Gottessohnschaft Jesu ist eine Frage des Glaubens, keine Frage des Beweises bzw. der „Probe“. (Bei all den Unsicherheiten der heutigen Welt, wären Beweise und Gewissheiten aber schon ganz angenehm, oder?, meint mein kleiner Dämon dazu…)
Die größte Versuchung mit der Jesus schließlich konfrontiert wird, ist die, sich der Macht des Bösen unterzuordnen, um Allmacht zu erlangen. Auch diesmal antwortet er mit einem Vers aus dem Alten Testament und der Teufel gibt auf. (Als ob das in der heutigen Zeit so leicht wäre, Versuchungen überhaupt als solche zu erkennen und ihnen zu widerstehen! Wie sollen Gott und sein Sohn mir da helfen können? Oder können sie das doch?)

 

Information

Nach Seelsorger-Studie: Prof. Zulehner fordert Umfrage über die Zufriedenheit der Gemeinden

Mit teilweiser Skepsis und konkreten Vorschlägen hat sich der Wiener Pastoraltheologe em. Prof. Paul Zulehner zur aktuellen Seelsorger-Umfrage der Erzdiözese Wien geäußert.

In einem Beitrag in seinem eigenen Blog nimmt der Theologe zum einen einige Studienergebnisse bzw. deren Interpretation unter die Lupe, zum anderen regt er neben einer Umfrage über die Zufriedenheit der Seelsorger eine weitere über die Zufriedenheit unter den Gemeinden an.


Professor Paul Zulehner.
Foto: Rupprecht@kathbild.at.

Flucht aus dem Amt
Dass die Zufriedenheit der Seelsorger nicht von der Größe der Pfarrei abhängt, sei ein erfreuliches Ergebnis, „obgleich zugleich bekannt wurde, dass überdurchschnittlich viele Priester trinken, zu viele übergewichtig sind, gar nicht wenige bei der ersten Gelegenheit in die Pension gehen und nicht wenige ins traute Privatleben wechseln“, schreibt Zulehner: „Da kommt viel Flucht aus dem Amt und damit Priesterleid ans Licht.“

Vom Seelsorger zum Unternehmer
Fraglich sei aber auch, „ob man nach so kurzer Zeit wirklich herausbekommen kann, wie sich die Verantwortung für die Priestern zugemuteten pastoralen Großräume auswirken?“ Zudem sei noch nicht abzusehen, „was die derzeitige Entwicklung mit dem Priesterbild macht“.
Viele seien als Seelsorger angetreten „und mutieren nunmehr zu Unternehmern pastoraler Mittelbetriebe“. Und das in einer Zeit, in der die Menschen, wenn sie überhaupt etwas von einem Priester wollen, lebensnahe Seelsorge mit „geistlicher Kommunikation“ suchten.

Opium-hafte Spiritualität?
Ambivalent sei, dass der angewachsene Berufsstress von vielen Priestern spirituell abgefangen wird. „Ist das wirklich der Sinn von Spiritualität, das Unerträgliche erträglich zu machen? Solche Spiritualität erhält opiate Züge“, so Zulehner. Dass sie wirkt, entbinde die Kirchenleitung nicht davon, die Ursachen des Stresses abzubauen, „statt sich im eigenen Tun durch interpretationswürdige Umfragedaten bestätigt zu fühlen“.

Wie geht es den Gemeinden?
Es gebe freilich noch eine schwerwiegendere Frage: „Viele Theoretiker sagen, dass die Strukturreform der sinkenden Priesterzahl geschuldet ist – unter anderem zumindest, denn es sinken ja auch die Zahlen der Mitglieder und die Finanzen. Dass jetzt die Lage der Priester im Auftrag derer erforscht wird, welche die Strukturreform machen, bestärkt diesen Fokus auf die Priester und ihre sinkende Zahl.


Adventmesse in einer niederösterreichischen Dorfkapelle.

Erbost und gedemütigt
Doch wie geht es durchaus lebensfähigen Pfarrgemeinden dabei, wenn sie wegen fehlender Priester aufgelöst und zu Filialgemeinden umdefiniert (manche sagen abgewertet) werden?“
Deren Zufriedenheit steige nicht, wie auch laut Zulehner eine unveröffentlichte Studie in Wien belegt. „Was nützen zufriedene Priester in einer unzufriedenen, ja erbosten und gedemütigten Gemeinde? Bewirkt das Leid der Pfarrgemeinden bei den Verantwortlichen wirklich nicht mehr als professionell empathisches Verständnis?“, fragt der Pastoraltheologe.

Volk muss ins Blickfeld
Wer sich nur für die Priester interessiert, sei theologisch besehen in Gefahr, faktisch „vorvatikanisch“ zu handeln. Erst wer das gläubige Volk und die Gemeinden vorrangig im Blick hat, denke und handle im Sinn des Konzils ekklesial und nicht mehr klerikal.
Es wäre zu hoffen, schreibt Zulehner, „dass auf die Studie über die Zufriedenheit der Priester rasch eine Studie über die Zufriedenheit in den Pfarren, alt oder neu ist egal, erfolgt“.

Diözesen an Wand gefahren
Dass eine solche dringend erforderlich ist, zeige, dass unter den befragten Priestern 60 Prozent der Strukturreform gegenüber skeptisch sind. Der Optimismus von Kardinal Christoph Schönborn, dass ja immerhin schon 40 Prozent nicht skeptisch sind, „ist rührend“.
Hinter vorgehaltener Hand höre er – Zulehner – dagegen aus Diözesen im deutschsprachigen Raum, die mit ihrer Strukturreform schon weithin „fertig“ sind, „dass bei ihnen die Diözese an die Wand gefahren wurde“.

Historisches Fenster Franziskus nutzen
Noch wäre es Zeit, „Papst Franziskus um Erlaubnis zu bitten, auch andere Wege statt die Bildung von Großräumen samt Auflösung von Pfarren zu gehen“.
Man könnte gemeindeerfahrene Personen finden, ausbilden und zu „Team of Elders“ ordinieren, so Zulehner unter Verweis auf entsprechende Vorstellungen von Bischof Fritz Lobinger.
Auch der österreichisch-brasilianische Bischof Erwin Kräutler belege in seinem Buch „Habt Mut!“, dass mit dem Wissen des Papstes ein mexikanischer Bischof 300 Katechisten geweiht hat, so Professor Zulehner: „Auf diese Weise würde nicht mit vielen zwiespältigen Folgen mehr ‚im Rahmen‘ reformiert, sondern ‚der Rahmen‘ würde reformiert werden.
Nachsatz: „Dass dies alles kein Plädoyer für ein pfarrliches Kirchturmdenken, sondern ein schöpferisches Zueinander von lokalen und regionalen Räumen ist, sei ausdrücklich vermerkt.“

Niemand löst Ortsfeuerwehr auf
Zweiter Nachsatz: „Carpe diem! ist den Verantwortlichen der Kirche auch in Österreich zuzurufen.
Spirituell Einfühlsame halten es durchaus für möglich, dass die Leitung am Kirchenvolk schuldig werden kann.
Ein engagierter Christ sagte mir dieser Tage: Keine politische Gemeinde würde die Ortsfeuerwehr zu Gunsten einer Großraumfeuerwehr auflösen.“

Gericht hebt Urteil gegen Befreiungstheologen Cardenal auf

Ein Gericht in der nicaraguanischen Hauptstadt hat nach lokalen Medienberichten vom 19. Februar ein Urteil gegen den Dichter und Theologen Ernesto Cardenal (92) aufgehoben, das ein Bußgeld in Höhe von umgerechnet 750.000 Euro gegen den Befreiungstheologen vorsah.


Ernesto Cardenal.

Hintergrund war ein jahrelanger Streit um Grundstücke auf dem Archipel Solentiname, wo Cardenal einst eine urchristliche Kommune errichtet hatte.
Zugleich widersprach Cardenal Aussagen aus seinem Umfeld, nach denen er sich aufgrund des Rechtsstreits politisch verfolgt fühle und daher erwäge, Asyl in Deutschland, Spanien oder Chile zu beantragen. „Ich habe kein Asyl beantragt“, sagte er der Tageszeitung „La Prensa“. Stattdessen bekräftigte er seine Absicht, in Nicaragua zu bleiben: „Sie können mein Haus umstellen, aber ich gehe nicht aus dem Land.“

Migration spaltet die katholische Kirche

Papst Franziskus hat am 21. Februar bei einem Kongress zum Thema „Migration und Friedensarbeit“ das Schüren von Fremdenhass durch „populistische Demagogen“ verurteilt. Er rief dazu auf, Migranten mit offenen Armen zu empfangen.

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx und der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm haben sich kritisch über Abschiebungen nach Afghanistan geäußert. Marx nannte diese „außerordentlich fragwürdig“.


Papst Franziskus vor den Teilnehmern des Kongresses „Migration und Friedensarbeit“.
Foto: L‘Osservatore Romano.

Der Prager Kardinal Dominik Duka hat örtlichen Medienberichten zufolge eine „unvorbereitete und perspektivlose Migration“ kritisiert. Diese könne den „Zerfall der ganzen Gesellschaft“ zur Folge haben. „Die Erfahrung und die aktuelle Situation der Einwanderung in die Länder Westeuropas sind eine Warnung“, sagte Duka.
Negativ im Blick auf Migration aus islamischen Ländern äußerte sich auch der Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislav Zvolensky: Bei der Suche nach einer geeigneten Form des Zusammenlebens mit Muslimen dürfe nicht vergessen werden, „dass sich das Christentum mit dem Islam trotz aller Bemühungen um Dialog im permanenten Konflikt befindet“. Sowohl die Slowakei als auch Tschechien haben bislang keine muslimischen Kriegsflüchtlinge aus Syrien und dem Irak aufgenommen.

Bischof von Linz besucht die Christen im Irak

„Wir haben so viele Zeichen des Todes und der Zerstörung gesehen, aber auch viele Zeichen der Hoffnung und der Auferstehung.“ Das hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer nach seiner jüngsten Reise in den Nordirak betont.

Scheuer hatte u.a. gemeinsam mit dem chaldäischen Patriarchen Louis Sako und einer kleinen Delegation aus Österreich vom IS befreite Dörfer in der Ninive-Ebene besucht. Einige sind so zerstört, dass bis auf weiteres an keine Rückkehr der christlichen Flüchtlinge zu denken ist. Bei anderen hingegen bestehe durchaus Hoffnung, so Scheuer. Dazu brauche es freilich Hilfe aus dem Ausland.
Schwer bewacht von kurdischen Peshmerga-Truppen und christlichen Milizionären statteten Sako und Scheuer unter anderem der geschändeten St. Kyriakos-Kirche in der Kleinstadt Batnaya, rund 15 Kilometer nordöstlich der nach wie vor heftig umkämpften Metropole Mossul, einen Besuch ab. Das Innere und Äußere der Kirche ist verwüstet, die Wände mit Hassparolen (auch in Deutsch) beschmiert, einer großen Marienstatue wurde der Kopf abgeschlagen.


Nordirak Ninive-Ebene: Bischof Manfred Scheuer und Patriarch Louis Sako  besuchen unter dem Schutz von Peshmerga-Soldaten  die zerstörte Christenstadt Batnaya.

Ausgeraubt und vertrieben
Einst lebten in der Kleinstadt Batnaya in der Ninive-Ebene 3.000 christliche Familien. Als im Sommer 2014 die Terrormiliz IS vorrückte, mussten alle fliehen. Mehr als zwei Jahre wütete die IS-Truppe vor Ort. Vor rund drei Monaten konnten kurdische Verbände die Stadt zurückerobern. Das Dorf ist fast vollständig zerstört, die Häuser zerbombt und niedergebrannt.
Der Blick auf die Ruinen von Batnaya stehe symbolisch auch für die zerstörten zwischenmenschlichen Beziehungen im Irak, so Bischof Scheuer. In Mossul wie in der gesamten Ninive-Ebene seien die Christen noch vor dem Eintreffen des IS von muslimischen Nachbarn ausgeraubt und vertrieben worden. Das Vertrauen der Christen sei nachhaltig zerstört. „Wer früher Nachbar, Partner oder gar Freund war, wurde zum Feind oder sogar Mörder“, so Scheuer. Was sich hier in der Seele der Menschen abspielt, sei wohl unvorstellbar. Umso mehr brauche es im Sinne des christlichen Glaubens Versöhnung.

Kardinal-König-Preis für Patriarch Sako
Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Sako ist am 19. Februar  in der nordirakischen Stadt Erbil mit dem Kardinal-König-Preis ausgezeichnet worden. Der Linzer Bischof Manfred Scheuer überreichte die Auszeichnung in seiner Funktion als Präsident der Kardinal-König-Stiftung im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes in der chaldäischen Kirche „Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe“ in Erbil. Dem Gottesdienst standen Sako, Scheuer und der Erzbischof von Erbil, Bashar Warda, vor. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
„Die Kirche in Österreich zeigt ihre Solidarität nicht nur in Worten, sondern auch mit Taten“, so Patriarch Sako in seinen Dankesworten. Zugleich bat er um weitere Hilfe für die bedrängten Christen im Irak. An der Preisverleihung nahmen auch Vertreter der Politik und der kurdischen Behörden teil.


Nordirak, Erbil, Kardinal-König-Preisverleihung, Erzbischof Bashar Warda, Bischof Manfred Scheuer, Patriarch Louis Sako.
Fotos: kathpress.

Politische Gespräche
Bischof Scheuer traf im Rahmen seines Irak-Besuchs auch mit dem Außenminister der kurdischen Regionalregierung, Falah Mustafa Bakir, und dem Innenminister Karim Sinjari zusammen. Dabei betonte der Bischof, dass die Bemühungen um den Aufbau eines modernen, demokratischen und pluralistischen Staatswesens in der autonomen kurdischen Region, in dem alle Bewohner ohne Unterscheidung nach Religionsbekenntnis, Sprache oder Nation gleiche Rechte haben, mit großer Sympathie begleitet werde.
Minister Bakir legte seinerseits dar, dass seine Regierung auf das friedliche Zusammenleben und auf den Wert der Verschiedenheit setze. Man müsse sich bewusst sein, dass die Christen im Irak bereits vor dem Einmarsch der IS-Terroristen schwer gelitten hätten. Heute gehe es darum, den Christen im Zweistromland eine „Existenz in Würde“ zu garantieren, damit sie „unbehelligt von andersgläubigen Nachbarn“ friedlich leben können.