Inhalt der gedruckten Ausgabe 09/2017

Leitartikel

Merk-würdiges

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Ilse Oberhofer
Journalistin
Wien

Information

Nach Brandanschlag auf deutsches Benediktinerkloster
Brotvermehrungskirche am See Genesareth feierlich wiedereröffnet

Knapp 20 Monate nach dem Brandanschlag jüdischer Extremisten auf das deutsche Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki am 12. Februar das Atrium der Brotvermehrungskirche feierlich wiedereröffnet. In einer Zeit wachsenden Nationalismus’, so Woelki in seiner Predigt, brauche es Versöhnung und ein Leben aus dem Evangelium.

Deutsches Katholikenkomitee: „Katastrophale pastorale Situation“

Angesichts des Priestermangels hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, von einer „katastrophalen pastoralen Situation“ gesprochen. Im vergangenen Jahr seien für ganz Deutschland nur 58 neue Priester geweiht worden.

St. Pölten: Neuer Pastoralamtschef

Bischof Klaus Küng hat den Theologen und Pastoralassistent Johann Wimmer (56) zum neuen Direktor der Pastoralen Dienste der Diözese St. Pölten bestellt.

Weltgebetstag der Frauen mit Fokus auf Philippinen

Der diesjährige „Weltgebetstag der Frauen“ wird am 3. März unter dem Motto „Habe ich dir Unrecht getan?“ begangen.

Libyen: Langjähriger Bischof in Tripolis geht in Pension

Der langjährige katholische Bischof in Tripolis, Giovanni Innocenzo Martinelli, ist nach Vollendung seines 75. Lebensjahres in den Ruhestand gegangen.

Franziskus schreibt Vorwort für Buch eines Missbrauchsopfers
Beben in Schweizer Missbrauchsaufarbeitungs-Kommission

Papst Franziskus hat Opfer von Kindesmissbrauch durch katholische Priester um Vergebung gebeten. Zugleich kündigte er an, weiter mit Härte gegen Missbrauch vorzugehen. Betroffenen und ihren Angehörigen versicherte Franziskus seine „Gefühle der Liebe und des Schmerzes“. „Ich bitte demütig um Vergebung“, heißt es in einem Vorwort des Papstes zum Buch eines Missbrauchsopfers, das in der Vorwoche erschienen ist.

Presse: Kardinal Burke soll auf Guam Missbrauchsfall aufklären

Der Vatikan entsendet laut einem Pressebericht den früheren Kurienkardinal Raymond Leo Burke zur Aufklärung eines mutmaßlichen Missbrauchsfalls nach Guam.

Erzdiözese Wien erhob Lebens- und Arbeitssituation der Seelsorger
Weiterhin Skepsis gegenüber diözesanen Strukturveränderungen

Nicht die Größe einer Pfarre bestimmt über die Zufriedenheit, Gesundheit und Belastbarkeit der dort tätigen Seelsorger, sondern vielmehr das „Klima vor Ort“, zu dem besonders Wertschätzung und Zusammenarbeit zählen.

„Vatikanische Revolution nicht rückgängig zu machen“

Papst Franziskus hat nach den Worten des deutschen Kurienbischofs Josef Clemens (69) im Vatikan „eine wahre Revolution“ ausgelöst, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Schweizer Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti verstorben

Der Schweizer Schriftsteller und reformierte Pfarrer Kurt Marti ist am 11. Februar im Alter von 96 Jahren in Bern verstorben.

Symposion Dürnstein: „Zukunft wird von Versöhnung abhängen“

Eine besondere Herausforderung und Aufgabe der christlichen Kirchen ist es angesichts heutiger Krisen, zu Versöhnung beizutragen.

Papst  Franziskus kritisiert kapitalistische Heuchelei

Papst Franziskus hat die CO2-Kompensation für Flugreisen als scheinheilig angeprangert.

Havannas Erzbischof sagt Bürgerrechtlerinnen Unterstützung zu

Berta Soler, Sprecherin der Bürgerrechtsbewegung „Frauen in Weiß“, ist am 15. Februar  laut Medienberichten mit dem Erzbischof von Havanna, Juan de la Caridad Garcia Rodriguez, zusammengetroffen.

Mariazeller Madonna in Verkündigungsbasilika von Nazareth

Die Verkündigungskirche in Nazareth hat nun auch ein Glasfenster aus Österreich. Im Rahmen eines Gottesdienstes wurde das Relieffenster mit einer Darstellung der Mariazeller Madonna am zweiten Februar-Wochenende vom Salzburger Erzbischof Franz Lackner und rund 60 heimischen Jugendlichen feierlich übergeben und gesegnet. Ebenfalls anwesend war der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl, der gerade mit einer steirischen Pilgergruppe im Heiligen Land unterwegs ist.

Stefan Haider: Tagsüber Religionslehrer, abends Kabarettist

„Ich habe ja zwei Berufe“, sagt Stefan Haider, wenn er auf der Bühne steht. „Abends bin ich Kabarettist, und tagsüber … Religionslehrer.“ Daraufhin Gelächter im Publikum, bei jedem Auftritt.

Leitartikel

Merk-würdiges

Im wahrsten Sinn des Wortes merk-würdige Aussagen bekamen wir in der letzten Woche zu hören.
Der neue deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kündigte an, er wolle Kontakt auch zu „schwierigen Gesprächspartnern“ suchen. Dazu zählt er den US-Präsidenten und den russischen Staatschef. Aha! Der bislang mächtigste Bündnispartner ebenso schwierig wie der traditionelle Gegner…
Im Vatikan hat der für die Kurienreform zuständige Kardinalsrat angesichts „aktueller Ereignisse“ Papst Franziskus und seinem Lehramt „volle Unterstützung“ ausgesprochen. Aha! Bisher brauchten Bischöfe die Unterstützung des Papstes, jetzt scheint es umgekehrt…
Just während des Besuches von Israels Premier Benjamin Netanjahu bei US-Präsident Donald Trump appellierte Washington an Russland, die 2014 besetzte Krim herauszugeben, deren Bewohner bekanntlich mehrheitlich gegen Kiew und für Moskau sind.
Gleichzeitig machte Washington keine Anstalten, Tel Aviv aufzufordern, das 1967 besetzte Westjordanland freizugeben, dessen Palästinenser ganz und gar nicht von Israel regiert werden wollen.
Merke: Besetzung ist nicht gleich Besetzung. Es gibt eine gute, wenn sie von Freunden vollzogen, und eine böse, wenn sie von Gegnern begangen wird. Die Wünsche der Betroffenen sind unmaßgeblich.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 49, 14-15

Ich vergesse dich nicht

Zion sagt: Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen. Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht – Spruch des Herrn.

 

Zweite Lesung:   1 Kor 4, 1-5

Gott hat uns den Sieg geschenkt durch Jesus Christus

Schwestern und Brüder!
Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen. Mir macht es allerdings nichts aus, wenn ihr oder ein menschliches Gericht mich zur Verantwortung zieht, ich urteile auch nicht über mich selbst. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der mich zur Rechenschaft zieht. Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten.

 

Evangelium:   Mt 6, 24-34

Sorgt euch nicht um morgen

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.
Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.

 

Gedanken zum Sonntag

Ilse Oberhofer
Journalistin
Wien

Vertrauen, Vertrauen

Für die Oma ist der Arthur das reinste „Lebens-Bilderbuch“. 16 Monate ist er alt. An ihm erfahre ich viel über mich selbst.
„VERTRAUEN“ –  na klar, was bleibt ihm sonst anderes übrig, dem kleinen Kerl. Ist doch bei mir und „Gott“ genau so!?
„Greif nicht ans heiße Backrohr“, sagt die Oma, „vertrau mir, das tut sonst weh!!!“ Dramatisch wachelt auch Arthur mit dem Zeigefinger der rechten Hand: „Nein, Nein. Verboten, das tut man nicht“. Voll (gespieltem) Entsetzen rollt er seine großen Augen: „niemals, niemals….“ Stolz sagt die Oma: „Ein g’scheiter Bub bist du…“ Der Satz ist noch nicht ausgesprochen, da klescht der Arthur schon seine ganze Innenhandfläche ans Backrohr …
„Nein“, sage ich zu Gott, „dies und jenes, ich werde es nicht tun, es tut mir nicht gut, ich vertraue dem Gefühl, das du in mein Inneres gelegt hast“ – (und wenn’s nur darum geht, ein Grammelschmalzbrot NICHT zu essen) … ja und dann…
„Hab keine Angst, hab keine Angst“ sagt die Oma zum Arthur, „die Mama ist da, der Papa ist da, wir alle sind da… alles, alles wird gut!“ Aber der Arthur brüllt wie am Spieß, als er im Spital eine Infusion bekommen muss (starker Brechdurchfall). Von allen, allen verlassen fühlt sich der Arthur! Wie kann man ihm das antun! Die Menschen, auf die er sich verlassen hat… man tut ihm weh…
Wie Gott-verlassen fühle ich mich immer wieder, verkauft und verraten, im Stich gelassen…
„Sorgt euch nicht“…. Wie mache ich das bloß…

 

Information

Nach Brandanschlag auf deutsches Benediktinerkloster
Brotvermehrungskirche am See Genesareth feierlich wiedereröffnet

Knapp 20 Monate nach dem Brandanschlag jüdischer Extremisten auf das deutsche Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki am 12. Februar das Atrium der Brotvermehrungskirche feierlich wiedereröffnet. In einer Zeit wachsenden Nationalismus’, so Woelki in seiner Predigt, brauche es Versöhnung und ein Leben aus dem Evangelium.

Mit Dankbarkeit sehe man, dass die Schäden des Brandes nicht mehr sichtbar seien, auch wenn „sicher Verletzungen bleiben“ bei jenen, die die Schäden erfahren haben, so Woelki weiter. Machthaber in der ganzen Welt schürten „heute wieder stärker denn je nationalistische Ideen und geben ihnen einen religiösen Rahmen“. Dadurch schürten sie Abgrenzung und verführten insbesondere junge Menschen zu Hass und Gewalt, so der Kardinal. „Wir als Christen sind gefordert, Gottes Reich und Gerechtigkeit durch unser Tun eine konkrete Gestalt zu geben“.


Brotvermehrungskirche in Tabgha  vier Tage vor der Wiedereröffnung am 12. Februar 2017.

Der israelische Präsident Reuven Rivlin dankte in seiner Ansprache allen am Wiederaufbau Beteiligten. „Ich bin gekommen, um laut und deutlich zu sagen: Hass kann nicht gewinnen“, so Rivlin wörtlich. Alle Menschen seien gleich vor Gott und dem Gesetz.
Anwesend waren auch der deutsche Botschafter, Clemens von Goetze, Vertreter des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, Nuntius Erzbischof Guiseppe Lazzarotto, der melkitische Erzbischof George Wadih Bakouni sowie Vertreter der Drusen.
Im Juni 2015 verübten mutmaßlich Täter aus der israelischen Siedlerbewegung einen Brandanschlag auf das zur Dormitio-Abtei in Jerusalem gehörende Kloster Tabgha am See Genezareth. Es entstand ein Schaden in Millionenhöhe; zwei Personen wurden leicht verletzt.


Ein Geistlicher steigt 2015 durch die Trümmer des niedergebrannten Atriums vor der Kirche der Brotvermehrung.

Franziskus schreibt Vorwort für Buch eines Missbrauchsopfers
Beben in Schweizer Missbrauchsaufarbeitungs-Kommission

Papst Franziskus hat Opfer von Kindesmissbrauch durch katholische Priester um Vergebung gebeten. Zugleich kündigte er an, weiter mit Härte gegen Missbrauch vorzugehen. Betroffenen und ihren Angehörigen versicherte Franziskus seine „Gefühle der Liebe und des Schmerzes“. „Ich bitte demütig um Vergebung“, heißt es in einem Vorwort des Papstes zum Buch eines Missbrauchsopfers, das in der Vorwoche erschienen ist.

Franziskus verurteilt darin Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche erneut scharf. Die Kirche müsse „extreme Strenge“ walten lassen, „gegenüber Priestern, die ihre Mission verraten, und gegenüber ihren Vorgesetzten, ob Bischöfen oder Kardinälen, die sie eventuell decken“.
Der Papst erinnert in diesem Zusammenhang an seinen Erlass vom Juni 2016, der unter anderem die Absetzung von Bischöfen vorsieht, die sich einer schweren Sorgfaltspflichtverletzung beim Umgang mit Missbrauch Minderjähriger oder schutzbedürftiger Erwachsener schuldig machten.


Papst Franziskus mit dem Missbrauchsopfer und Buchautor Daniel Pittet.

Buchautor Daniel Pittet
Die Begegnung mit dem Missbrauchsopfer und jetzigem Buchautor Daniel Pittet – der 57-Jährige stammt aus Fribourg in der Schweiz – habe ihm erneut vor Augen geführt, welche „beängstigenden Schäden sexueller Missbrauch auslöst“ und wie lange und schmerzhaft der Weg der Aufarbeitung für die Opfer sei. Einige von ihnen seien sogar in den Selbstmord getrieben worden, schreibt der Papst. „Diese Toten beschweren mein Herz, mein Gewissen und das der ganzen Kirche.“

Dank für Brechen des Schweigens
Zugleich dankt Franziskus dem Autor, dass dieser sein Schweigen brach: „Zeugenaussagen wie deine reißen die Mauern des Schweigens ein, die Skandale und Leid unterdrücken, und bringen Licht in eine schreckliche Schattenzone im Leben der Kirche“. So könne der Weg zu gerechter Wiedergutmachung und der „Gnade der Versöhnung“ geebnet werden.

Als Kind missbraucht
Franziskus hatte Pittet 2015 im Vatikan getroffen. Dabei hatte der frühere Priester, der mittlerweile verheiratet ist und sechs Kinder hat, dem Papst von seinem Missbrauch berichtet. Er war als Kind ab dem Alter von acht Jahren vier Jahre lang vom Kapuziner Joel Allaz sexuell missbraucht worden.
Das Buch, in dem er von seinem Missbrauch und seiner Vergebung dem Täter gegenüber berichtet, erschien in der vergangenen Woche im französischen Original unter dem Titel „Mon Père, je vous pardonne“ (Ich vergebe Ihnen, Pater; Edition Philippe Rey) sowie in der italienischen Übersetzung unter dem Titel „La perdono, Padre“ (Libreria Editrice Vaticana/LEV). Daniel Pittet erzählt in seinem Buch über die sexuellen Übergriffe, denen er vier Jahre lang als Kind ausgesetzt war. Sein Peiniger, ein Kapuziner, lebt in einem Kloster in der Schweiz. Für das Buch hat ihn Pittet sogar besucht, er nennt ihn darin mit vollem Namen.

Reaktion: Rücktritt
Nach dem Erscheinen des Buches kam es zu Erschütterungen in der involvierten Ordensgemeinschaft und in der Schweizer Bischofskonferenz. Unter Beschuss kam vor allem die bischöfliche Missbrauchsaufarbeitungs-Kommission. Wie die Schweizer katholische Nachrichtenagentur kath. ch.  berichtete, zog der massiv in die Kritik gekommene Mitarbeiter, der Kapuziner P. Ephrem Bucher, mittlerweile die Konsequenzen und trat von seiner Mitgliedschaft in der Kommission zurück.

Als Provinzial versagt
Bucher war erst im Vorjahr in die neue Schweizer Missbrauchsaufarbeitungskommission berufen worden. Bucher kam in die Kritik, weil er als Provinzial der Schweizer Kapuziner (2001 bis 2004 sowie 2007 bis 2013) seinen pädophilen Mitbruder Joel Allaz, dessen Untaten im Mittelpunkt der vom Papst mit einem Vorwort versehenen Autobiographie stehen, nicht angezeigt hatte und dennoch von der SBK als „Experte“ in ihr Gremium geholt worden war.

Versetzt und rückfällig
Die Kapuziner versetzten nach Bekanntwerden der Ereignisse Allaz 1989 nach Frankreich, jedoch ohne Anzeige zu erstatten. Allaz betätigte sich auch in Frankreich als aktiver Pädophiler, und der Orden erhielt entsprechende Informationen. Bucher entschied damals, dass Allaz eine Psychotherapie absolvieren müsse.
Bucher holte Allaz 2012 in die Schweiz zurück, nachdem dieser in Frankreich seinen Neffen missbraucht und dafür eine zweijährige Bewährungsstrafe erhalten hatte. Aber Bucher habe sich auch vor dem Hintergrund derart schwer wiegender Fakten nicht dazu durchringen können, Anzeige zu erstatten, berichtete kath. ch.

Havannas Erzbischof sagt Bürgerrechtlerinnen Unterstützung zu

Berta Soler, Sprecherin der Bürgerrechtsbewegung „Frauen in Weiß“, ist am 15. Februar  laut Medienberichten mit dem Erzbischof von Havanna, Juan de la Caridad Garcia Rodriguez, zusammengetroffen.


Berta Soler,
Sprecherin der „Frauen in Weiß“.

Gegenstand des Gesprächs waren nach Angaben des kubakritischen Senders Radio Marti die jüngsten Repressionen gegen Dissidenten und Oppositionspolitiker auf der kommunistisch regierten Karibikinsel.
„Wir haben unsere große Besorgnis zum Ausdruck gebracht“, sagte Soler dem in den USA angesiedelten Nachrichtenportal „Diario de Cuba“. Den Frauen werde inzwischen jeglicher Gottesdienstbesuch verweigert. Zudem seien die Überwachungsmaßnahmen des Staates verstärkt worden.
Soler rief die katholische Kirche auf, Stellung gegen diese Menschenrechtsverletzungen, vor allem aber gegen die Einschränkung der Religionsfreiheit, zu beziehen. Der Erzbischof habe seine Unterstützung zugesagt, so die Menschenrechtlerin.

„Frauen in Weiß“
Die „Frauen in Weiß“ (Damas de Blanco) sind ein Zusammenschluss von Frauen auf Kuba, deren Männer und Söhne wegen ihres Eintretens für Meinungs- und Pressefreiheit verhaftet wurden. Gegründet wurde die Bewegung 2003 als Reaktion auf den kubanischen „Schwarzen Frühling“, bei dem zahlreiche Regimekritiker festgenommen und zu langen Haftstrafen verurteilt wurden.
Seither protestieren die „Frauen in Weiß“ regelmäßig öffentlich, um die Freilassung politischer Häftlinge zu fordern. Ihre Bezeichnung geht auf die weiße Kleidung zurück, die sie als Zeichen ihres friedlichen Widerstands tragen. 2005 würdigte das Europaparlament die Arbeit der Bürgerrechtsbewegung mit dem Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit.

Stefan Haider: Tagsüber Religionslehrer, abends Kabarettist

„Ich habe ja zwei Berufe“, sagt Stefan Haider, wenn er auf der Bühne steht. „Abends bin ich Kabarettist, und tagsüber … Religionslehrer.“ Daraufhin Gelächter im Publikum, bei jedem Auftritt.

Als Lehrer eines Gegenstandes, von dem man sich abmelden kann, habe er einen „harten Gegner: Freizeit“. Da sei der Gedanke naheliegend, seinem „Produkt“ einen attraktiven Namen zu verleihen, sagt der Kleinkünstler. „Sexy Jesus“ nenne er seinen Unterricht, auch wenn „im Zeugnis natürlich noch Religion“ stehe. Und „Sexy Jesus“ hieß auch sein vorletztes Programm, mit dem der in Wien lebende, aus der Steiermark stammende und dazwischen – in Wiener Neustadt – unterrichtende Haider etwa auf der diesjährigen Pastoraltagung für Lach-Stürme sorgte.


Religionslehrer und Kabarettist
Stefan Haider.

Erster Auftritt als Theologiestudent
Vor exakt 20 Jahren, noch als Theologiestudent, hatte der jetzt 44-Jährige seinen ersten Auftritt in Mürzzuschlag, der Heimatstadt Elfriede Jelineks. Daran lag es aber wohl nicht, dass das Premierenprogramm mit „Liedern über Gott und die Welt“ sehr ernst ausfiel, so Haider gegenüber „Kathpress“ im Rückblick über die „irgendwo zwischen Konstantin Wecker und Werner Schneyder“ angesiedelte Darbietung mit dem Untertitel „katholische Kleinkunst mit Stefan Haider“. Eigentlich wollte er ja Musiker werden, sammelte Erfahrung mit Geige und später Gitarre in Musikschule, Orchester und mit der christlichen Band „Aufwind“. Bei den Auftritten bemerkte er: Seine humorigen Zwischenmoderationen kommen an – warum also nicht auf Kabarett setzen?

Unterhaltung mit Haltung
Es folgten Wettbewerbe, die Ehrung mit dem Wiener Kleinkunstnagel-Preis 2005 und eine vierjährige Karenzierung vom Schuldienst, die ihn als Kabarettist auf die Profi-Ebene hievte, wie Haider erzählt.
Jetzt schätzt er sich selbst als „zwei Drittel Religionslehrer und ein Drittel Kabarettist“ ein, Auftritte absolviert Haider mittlerweile auch auf Topbühnen wie dem Stadtsaal in Wien, im Orpheum oder im Kabarett Niedermair.
Aber auch wenn er bei einem Gastauftritt von Josef Hader anmoderiert wird oder mit dem Hardcore-Atheisten Gunkl bei einem Bier diskutiert, bleibe er immer Religionslehrer, der „Unterhaltung mit Haltung“ machen will. Und die ist nun mal christlich, wie sein Fulltime-Hauptjob in einer Wiener Neustädter Schule für Mode und Elementarpädagogik anzeigt.
Als „Fan gewaltfreier Kommunikation“ ist es Haider, wie er sagt, lieber, dass er „selbst der Blöde“ ist, als jemanden lächerlich zu machen. Das sei vielleicht mutig bei einem Diktator, aber auf Kirchenvertreter hinzuhauen, die imagemäßig ohnehin mäßig dastünden, ist seine Sache nicht.

Christentum und Humor
Christentum und Humor passen gut zusammen, ist sich Haider sicher. Nicht umsonst haben etliche österreichische Kabarettisten einen kirchlichen Background: Josef Hader war im Stiftsgymnasium Melk, Martin Puntigam im Grazer Bischöflichen Gymnasium, Leo Lukas ist Ex-Theologiestudent, Günther Lainer war Pastoralassistent und Religionslehrer, Jörg Martin Willnauer stammt aus einer Pastorenfamilie. Haider nennt es ein „gutes Gefühl, in einer Religion beheimatet zu sein, wo man auch lachen darf, sich selber auf die Schaufel nehmen kann“.
Mit etwa 100 Auftritten pro Jahr ist der Wahlwiener mittlerweile gut in der Kabarettszene etabliert. Und für jene, denen sein Name noch nicht geläufig ist, hat er am Schluss seines Programms eine Eselsbrücke parat: „Ich heiße so, wie Stefan Petzner hieße, wenn er geheiratet hätte…“