Inhalt der gedruckten Ausgabe 08/2017

Leitartikel

Die anderen Muslime

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Ilse Oberhofer
Journalistin
Wien

Information

Die größten zwei katholischen Pfarren liegen in Arabien
An jedem Wochenende 63 Gottesdienste in 17 Sprachen

Die weltweit größten katholischen Pfarren sind der Mutter Maria und dem Hl. Franz von Assisi geweiht und liegen auf der arabischen Halbinsel, genau genommen in Dubai.

„Danke“-Komponist gestorben

Martin Gotthard Schneider, Theologe und Komponist des weltbekannten Liedes „Danke für diesen guten Morgen“, ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

Dornbirner Katholiken wollen Strukturreform, aber weniger Tempo

Die Kirche in der größten Stadt Vorarlbergs ist im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrer Katholiken-Befragung. Fast 1.000 Dornbirner haben darauf geantwortet. Kürzlich veröffentlichte die Diözese Feldkirch die Ergebnisse. Demnach gehen für viele die Veränderungen zu schnell.

Papst verurteilt Antisemitismus

Papst Franziskus hat zum Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen.

Schweizer Bischof gegen Kommunion für Wiederverheiratete

Anders als die katholischen Bischöfe in Deutschland hält der Churer Bischof Vitus Huonder nichts von einer Öffnung beim Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene.

Rom: Beispiellose Attacken auf Papst Franziskus

In Rom haben Unbekannte am ersten Februar-Wochenende Hunderte von Plakaten aufgehängt, die Papst Franziskus kritisieren.

Deutscher Weihbischof: Vereinsamung ist Tod des Priestertums

Unter dem Titel „Alternde Ehelose“ haben vor wenigen Tagen elf Kölner Seelsorger zu ihrem Goldenen Priesterjubiläum mit ihrer Kirche abgerechnet. JA berichete am 29. Jänner.

26-jährige polnische Entwicklungshelferin wenige Tage nach Einsatzbeginn ermordet

Die Kirche in Polen und in Bolivien trauert um die Ende Jänner in Cochabamba ermordete junge Volontärin und Entwicklungshelferin Helena Agnieszka Kmiec aus Gliwice (Gleiwitz) in Schlesien. Kmiec, die erst am 9. Jänner vom Salvatorianerinnenorden nach Bolivien entsandt worden war, wurde am 24. Jänner im Alter von 26 Jahren Opfer eines Raubmordes.

Caritas sucht Paten für junge Flüchtlinge

Die Caritas der Erzdiözese Wien sucht im Rahmen ihrer Initiative „Commit“ Paten für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die in betreuten Wohngemeinschaften untergebracht sind.

Österreichs Orden begrüßen „Mahnung und Ermutigung“ des Papstes

Papst Franziskus’ Forderung an die Orden nach Reformen und einem Blick nach vorne stößt bei Österreichs Ordensgemeinschaften auf offene Ohren.

Bethlehems Bürgermeisterin: „Vergesst die Christen hier nicht!“

Vera Baboun, Bürgermeisterin von Bethlehem, hat an die Christen weltweit appelliert, die Geburtsstadt Jesu und ihre christlichen Einwohner nicht zu vergessen.

Niederlande: Ärzteprotest gegen Euthanasie bei Demenz-Patienten

148 Ärzte in den Niederlanden haben eine Petition gegen aktive Sterbehilfe bei Demenzpatienten unterzeichnet.

Jerusalem: Patriarchat kritisiert israelisches Siedlungsgesetz

Die Kirche im Heiligen Land hat sich angesichts des neuen Gesetzes zur nachträglichen Legalisierung israelischer Siedlungen im Westjordanland besorgt um den Frieden und die Gerechtigkeit im Heiligen Land geäußert.

Katholischer Publizist Hubert Feichtlbauer 85

Hubert Feichtlbauer, seit 1960 in verschiedenen österreichischen Printmedien als Chefredakteur tätiges „Urgestein“ der Publizistik in Österreich und früherer langjähriger Vorsitzender des „Verbandes katholischer Publizistinnen und Publizisten“, vollendete am 7. Februar, sein 85. Lebensjahr.

Präsident Putin besucht vatikanische Kunstausstellung in Moskau

Russlands Präsident Wladimir Putin hat in Moskau eine Ausstellung von 42 wertvollen Gemälden aus dem Vatikan besucht.

Sabina (17): Mit Mühe den Menschenhändlern entkommen

Albanien ist das Schwerpunktland der heurigen Osteuropakampagne der Caritas, mit der vor allem Kindern und Jugendlichen in Not geholfen werden soll.

18 junge Österreicher starten zu Freiwilligeneinsatz ins Ausland

18 junge Frauen und Männer aus Österreich beginnen in den kommenden Tagen und Wochen einen Sozialeinsatz im Rahmen der Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ und der Salesianer Don Boscos.

Frau Ava Literaturpreis 2017 geht an junge deutsche Autorin

Die Schriftstellerin Katharina Bendixen ist die Preisträgerin des „Frau Ava Literaturpreises 2017“. Die Jury hat ihre beiden Erzählungen „Mein weißer Fuchs“ und „Unsterblich“ aus einem in Arbeit befindlichen Erzählband aus 50 Einsendungen ausgewählt.

Leitartikel

Die anderen Muslime

Wenn Religion für Politik missbraucht wird, ist das immer fatal.
Das beginnende dritte Jahrtausend bietet zahlreiche traurige Lehrbeispiele: die Hindu-Nationalisten in Indien, Erdogan in der Türkei oder gar der terroristische „Islamische Staat“.
Der „erweckte Christ“ George W. Bush sah es als „göttlichen Auftrag“, 2003 völkerrechtswidrig den Irak-Krieg zu führen, um eine „neue Weltordnung“ zu schaffen. Die desaströsen Folgen für den Nahen Osten sind bekannt. Und führten zu massiver Ablehnung des „christlichen Westens“ durch Muslime.
Genauso, wie jetzt IS-Terroristen bewirken, dass viele Christen dem Islam allgemein misstrauisch gegenüberstehen.
George W. Bush oder der IS-Kalif Abu Bakr al-Baghdadi sind aber nicht die wahren Repräsentanten ihrer Religionen. Obwohl sie medial von ihren Gegnern oft so dargestellt werden.
Amis Amri, der Name des Berliner IS-Attentäters, ist vielen bekannt, Dubais Herrscher-Familie Al Maktoum nur wenigen. Leider. Letztere ermöglicht es seit Jahrzehnten, dass Christen auf der arabischen Halbinsel, der Heimat von Mohammed, ihren Glauben leben können.
Radikale religiöse Sekten in allen Religionen predigen Ausgrenzung und Ablehnung. Die Wahrhaftigkeit verlangt, darüber nicht die vielen anderen zu vergessen, die aus Liebe zum eigenen Gott Respekt vor Andersgläubigen haben.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Lev 19, 1-2.17-18

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst

Der Herr sprach zu Mose: Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten, und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig. Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden. An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten Lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.

 

Zweite Lesung:   1 Kor 3, 16-23

Alles gehört euch; ihr aber gehört Christus, und Christus gehört Gott

Schwestern und Brüder!
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr. Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei weise in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List. Und an einer anderen Stelle: Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig. Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus, und Christus gehört Gott.

 

Evangelium:   Mt 5, 38-48

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde!

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

 

Gedanken zum Sonntag

Ilse Oberhofer
Journalistin
Wien

…der lasst sich alles gefallen

Die Mama vom kleinen Arthur, meinem Enkel, 16 Monate, seufzt: „Der lasst sich alles gefallen – dem müssen wir beibringen, wie man sich wehrt.“
Na gut, es ist nichts Schlimmes passiert – in der Kinderspielgruppe gibt’s halt immer welche, die schnell einmal „Tachteln“ austeilen. Nix, was wirklich weh tut. Aber wenn der Arthur so eine auf den Kopf bekommt von einem anderen Knirps, dann kränkt das seine Mama. Der Arthur reagiert unterschiedlich: mal schaut er verdutzt, mal lässt er es gelassen geschehen: „wird schon nicht böse gemeint sein“ – ja, manchmal weint er auch. Dann hat‘s entweder doch weh getan oder es kränkt auch ihn.
Also: „Wehr dich, tu, was die anderen tun, dann wird man dich in Ruhe lassen!“
So wie die Oma den Arthur einschätzt, hält der eher die zweite Backe hin (und weiß doch gar nichts von Mt 5,38)
Arthur ist ein lustiger, wilder Bub, aber sanftmütig und unfähig zur Aggression.
Auch meine Kinder waren so. Wie oft haben ihnen andere am Spielplatz Küberl und Schaufel einfach weggenommen …
Anders die Arthur-Oma:  am Land aufgewachsen hat „Raufen“ dazu gehört, noch dazu, wenn man ein Mädl war. Später dauert es, bis man sich den Reflex abgewöhnt, „zurückzuschlagen“ – („erwachsen“ tut man‘s dann halt auf andere Weise.)
Also, nix wie dankbar sein für einen kleinen Jungen, der nicht hinhauen mag.

 

Information

Die größten zwei katholischen Pfarren liegen in Arabien
An jedem Wochenende 63 Gottesdienste in 17 Sprachen

Die weltweit größten katholischen Pfarren sind der Mutter Maria und dem Hl. Franz von Assisi geweiht und liegen auf der arabischen Halbinsel, genau genommen in Dubai.

Das Emirat Dubai liegt am Persischen Golf und ist mit 3.885 km² und 2,2 Mio. Einwohnern mittlerweile vor Abu Dhabi das bevölkerungsreichste Emirat der sieben Vereinigten Arabischen Emirate.
In St. Mary feiern der Pfarrer und seine 9 Kapläne an jedem Wochenende 32 Gottesdienste – 14 am Freitag, 8 am Samstag und 10 am Sonntag – in 15 Sprachen: Englisch, Arabisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Ukrainisch Polnisch, Russisch, Tagalog (Filipini), Urdu (Pakistani), Malayalam, Konkani, Kannada und Tamil. Die letzten vier Sprachen werden in Indien gesprochen.
Das Gotteshaus ist von 5.00 bis 21.30 Uhr geöffnet.
In St. Francis feiern der deutsche Pfarrer  und 4 Kapläne an jedem Wochenende 31 Gottesdienste – 18 am Freitag, 7 am Samstag und 6 am Sonntag – in 11 Sprachen, darunter auch auf Deutsch und Singalesisch. Das besagen die Homepages beider Pfarren.


Pfarrer Reinhold Sahner.

Pfarrer aus Deutschland
Der 56-jährige Pfarrer Reinhold Sahner rockt. Auf der Tanzfläche vor St. Francis, gemeinsam mit Kindern aus Europa, Indien, den Philippinen und mit einer ebenfalls tanzenden, mannshohen Tigerente. Die Stimmung ist ausgelassen beim „Kinder- und Spieletag“ der katholischen Gemeinde von Dubai, deren Kirche St. Francis rund 30 Kilometer außerhalb der auf Wüstensand gebauten Mega-City liegt.
Die Stände mit Popcorn, Hot-Dogs und dem Reisgericht Biriyani auf dem Fest belegen die große Vielfalt an Nationen, die hier am Persischen Golf zu Hause sind: „Jedes Land bringt seine Kultur bei unseren Feiern so ein bisschen rüber“, sagt Ralf Hellrung, einer der 12.000 Deutschen in der Region. Er arbeitet als Bauingenieur in Dubai, ist mit einer Brasilianerin verheiratet und engagiert sich ehrenamtlich in St. Francis. „Als ich vor eineinhalb Jahren in Dubai ankam, war ich wirklich erstaunt, wie stark der katholische Glaube hier ausgeübt werden darf“, fügt er an.

Halbe Million Katholiken
Öffentlich ein Kreuz zu tragen und zu seinem christlichen Glauben zu stehen ist in dem reichen, islamischen Emirat kein Problem. Zudem findet sich wohl nirgendwo auf der Welt eine größere Gemeinde: Rund eine halbe Million Katholiken gehören zu den beiden Kirchen St. Francis und St. Mary. Letztere wurde bereits 1967 gegründet – der damalige Herrscher Scheich Rashid Bin Saeed Al Maktoum gewährte den Bau auf Anfrage des damaligen Priesters sofort und legte sogar höchstselbst den Grundstein dafür. St. Francis entstand 2001.


Scheich Rashid Bin Saeed
Al Maktoum.

„Wir wachsen fast zu schnell“
Laut Pfarrer Reinhold Sahner nimmt die Zahl der Gläubigen rasant zu: „Wir wachsen fast zu schnell, als dass wir diese große Zahl auffangen können“, räumt er ein – und weiß, dass dies ein Zustand ist, von dem manch anderer träumt. Der Geistliche, aus dem Badischen stammend und seit 2015 Pfarrer von St. Francis, war 20 Jahre lang Auslandsseelsorger in Kopenhagen.
Der große Zuspruch für das Christentum in den Emiraten erstaunt ihn selber. Volle Kirchenbänke, fünf Kindertaufen in der Woche, fünfzig Eheschließungen im Jahr und – damit verbunden – viele Übertritte zur katholischen Kirche. Denn wenn der eine Ehepartner Katholik ist, will meist der andere nicht Hindu oder Buddhist bleiben.

Glaube bietet Heimat
„Dubai ist auf Business ausgerichtet und außer Arbeit gibt es nicht sehr viel, was man machen kann. Oder es ist ausgesprochen teuer.
Da ist die Kirche ein Ort, wo man sich aufhalten kann, wenn man frei hat“, sagt der Priester, dem vor allem die Seelsorge am Herzen liegt.
Dazu gehört auch die Unterstützung von Menschen, die am Rande der auf Geld, Gold und Glamour fixierten Stadt leben. Der Anteil philippinischer, pakistanischer und afrikanischer Gastarbeiter ist sehr hoch, viele von ihnen leben zu Zehntausenden in sogenannten Labourcamps und finden im Glaubensleben ein Stück Heimat. Zu Weihnachten erhalten sie von den Jugendlichen aus der Gemeinde gespendete Ess-Päckchen mit Reis, Öl und Konserven.


Weihnachten in der Pfarre St. Mary, Dubai.

Wenig interreligiöser Dialog
In der auf Äußerlichkeiten fixierten Stadt findet so mancher zum Glauben. „Ich gehörte früher zu dieser Dubai-Society dazu“, erzählt Johanna aus Südafrika. Aber dann habe sie eines Tages vor der Mutter Gottes in St. Francis gestanden. „Aus der Statue wurde für mich ein lebendiges, menschliches Wesen. Ich fand auf diese Weise tief in den Glauben. Dubai hat mich verändert.“ Christentum und Islam – in Dubai gehen beide Religionen eine erstaunliche Symbiose ein. Dennoch gebe es in einem Punkt noch Luft nach oben, sagt Pfarrer Sahner – beim interreligiösen Dialog. Doch für das, was überhaupt hier möglich ist – als größte katholische Gemeinschaft der Welt in einem islamischen Land akzeptiert zu sein – zeigen sich alle dankbar. Dubais Herrscherfamilie Al Maktoum wird deshalb ganz selbstverständlich in die täglichen Fürbitten einbezogen.

Deutscher Weihbischof: Vereinsamung ist Tod des Priestertums

Unter dem Titel „Alternde Ehelose“ haben vor wenigen Tagen elf Kölner Seelsorger zu ihrem Goldenen Priesterjubiläum mit ihrer Kirche abgerechnet. JA berichete am 29. Jänner.

Mit Sorge blickt jetzt auch Hamburgs emeritierter Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, der Ende Jänner sein Goldenes Priesterjubiläum feierte, auf die Lebenssituation heutiger Priester.


Weihbischof Hans-Jochen Jaschke.

Ein großes Problem sei ihre Vereinsamung, sagte er im Interview der „Neuen Kirchenzeitung“  in Hamburg. Früher hätten in den Pfarrhäusern noch Kapläne und Haushälterinnen zusammen mit dem Pfarrer unter einem Dach gelebt. Heute führten Geistliche ein Single-Dasein. „Das Leben aus Mikrowelle und Tiefkühltruhe, abends eine Flasche Bier vor dem Fernseher, das ist kulturlos.“ Die Vereinzelung sei „der Tod des Priestertums“. Es brauche neue Modelle des Zusammenlebens, forderte Jaschke.
Auch andere Folgen des Priestermangels sieht Jaschke problematisch. Die nun entstehenden größeren Seelsorgeeinheiten seien nicht nur für die Gläubigen oft unübersichtlich. „Ich habe die Sorge, dass ein Priester an der Spitze eines Pastoralen Raums überfordert wird – menschlich und spirituell“, sagte der Weihbischof mit Blick auf die auch in der Erzdiözese Hamburg anstehende Strukturreform. Danach sollen die derzeit 80 Pfarren in der nördlichsten deutschen Diözese voraussichtlich in 28 Pastorale Räume eingegliedert werden.
Ein Priester gehöre in die Gemeinde und solle Seelsorger sein, sagte Jaschke. „Wenn er nur noch ‚Chef‘ ist, dann verändert sich auch für den Priester die Situation. Und auch für die, die Pfarrer waren und jetzt nur noch Pastoren sind, ist die Umstellung nicht leicht – auch wenn es keiner sagt.“

Bethlehems Bürgermeisterin: „Vergesst die Christen hier nicht!“

Vera Baboun, Bürgermeisterin von Bethlehem, hat an die Christen weltweit appelliert, die Geburtsstadt Jesu und ihre christlichen Einwohner nicht zu vergessen.


Bürgermeisterin Vera Baboun.

Es brauche wieder mehr Pilger vor Ort, um den Bewohnern der Geburtsstadt von Jesus eine Zukunftsperspektive zu bieten. Baboun äußerte sich österreichischen Pilgerreisen-Veranstaltern gegenüber, die Anfang Februar aus Israel/Palästina zurückgekehrt waren.
Internationale Pilger sollten nicht nur Souvenirs in den Shops rund um die Geburtskirche kaufen, sondern vor allem auch Übernachtungen in Hotels in Bethlehem buchen und die palästinensische Küche mit ihren lokalen Produkten genießen. Dies würde der christlichen Bevölkerung von Bethlehem eine Perspektive geben, neue Arbeitsplätze schaffen und Einkommen sichern, so die Stadtchefin.
Die Zahl der Christen in Bethlehem habe sich im Laufe der letzten Jahre auf nunmehr ca. 15.000 reduziert, bei insgesamt ca. 40.000 Einwohnern, erläuterte Baboun. „Wer wird zukünftig die Glocken läuten, wer wird die Gottesdienste in Bethlehem, Beit Jala oder Beit Sahour besuchen, falls die Zahl der Christen in den kommenden Jahren weiter sinkt?“ so Baboun.
Baboun ist seit 2012 im Amt und die erste weibliche Bürgermeisterin von Bethlehem. Sie war zuvor Rektorin der Roman Catholic High School Beit Sahour und Professorin für Englische Literatur an der Universität Bethlehem. Sie ist katholische Christin und Mutter von fünf Kindern.

Sabina (17): Mit Mühe den Menschenhändlern entkommen

Albanien ist das Schwerpunktland der heurigen Osteuropakampagne der Caritas, mit der vor allem Kindern und Jugendlichen in Not geholfen werden soll.

Armut hat dabei viele Gesichter und eines der grausamsten ist jenes des Menschenhandels. Aus Albanien werden laut der Organisation „Terre des Hommes“ die meisten Menschen nach Westeuropa geschleust, wo sie als Sex- und Arbeitssklaven ausgebeutet werden.
Aber auch im Land selbst ist der Menschenhandel nach wie vor ein großes Problem. Die Caritas versucht auch dagegen, zumindest punktuell, vorzugehen.
Das Schicksal der 17-jährigen Sabina steht stellvertretend für viele junge Mädchen und Frauen, die Opfer des Menschenhandels wurden und werden.
Sabina lebt mit ihrer Mutter Rexhina in der nordalbanischen Stadt Puke im bettelarmen albanischen Bergland. Weitab von den Zentren des Landes. Die 17-Jährige bewohnt mit ihrer Mutter einen winzigen schäbigen Raum in einem Abbruchhaus. Vielleicht drei mal drei Meter misst ihr gesamtes Zuhause. Darin gibt es ein Sofa und einen Holzofen. Das ist alles. Keine Möbel, kein Wasser, und auch sonst nichts.


Die 43-jährige Rexhina und ihre 17-jährige Tochter Sabina.
Foto: Kathpress.

Sabina will selbst nicht sprechen, das übernimmt für sie ihre Mutter Rexhina. Als Alleinerzieherin sei sie überfordert gewesen, erzählt Rexhina.
Der Vater von Sabina lebt inzwischen in der albanischen Hafenstadt Durres mit einer anderen Frau. Sabina habe sich immer mehr auf der Straße herumgetrieben. Und eines Tages sei sie zu einer ihrer Halbschwestern nach Durres gegangen.
Unter Tränen stammelt Rexhina, dass Sabina in einer Bar in Durres landete, in Wahrheit freilich ein Sexclub. Sabinas Halbschwester arbeitete dort als Prostituierte, und Sabina fing als Tänzerin an. Rexhina fuhr nach Durres und wollte ihre Tochter herausholen, doch der Barbesitzer ließ sie nicht zu ihr.
In ihrer Verzweiflung wandte sich die Mutter an die örtliche Caritasstelle in Puke und die Caritas-Mitarbeiter halfen ihr schließlich, Sabina wieder herauszubekommen.
Sabina und Rexhina besuchen inzwischen regelmäßig das Caritas-Tageszentrum in Puke. Hier fühlen sie sich wohl und hier wird ihnen auch ganz konkret geholfen.
Das Zentrum bietet einen Ort für Kinder und Jugendliche, Mütter und ältere Menschen. In all diesen Aktivitäten wird die örtliche Caritas finanziell von der Caritas aus Österreich unterstützt.