Inhalt der gedruckten Ausgabe 07/2017

Leitartikel

Wenig Eile, schnell eins zu werden

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Ilse Oberhofer
Journalistin
Wien

Information

Chaldäischer Patriarch besucht befreite Ninive-Ebene
Neuer „Marshall-Plan“ soll zerstörten Dörfern helfen

„Die Hoffnung kehrt in die Ninive-Ebene zurück“, berichtet der Nahost-Experte des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“. P. Andrzej Halemba hat alle irakischen christlichen Dörfer besucht, die im November aus den Händen des IS befreit worden sind. Mehr als fünfzig Prozent der Binnenflüchtlinge seien bereit zurückzukehren: „Und diese Zahl nimmt zu.“

Theologin neue OSZE-Beauftragte

Die Wiener Theologin Ingeborg Gabriel nimmt künftig eine hohe Aufgabe bei der OSZE wahr: Die Lehrstuhl-Inhaberin für Sozialethik an der Universität Wien ist die neue Sonderbeauftragte im Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, mit Fokus auf Christen und Angehörige anderer Religionen.

Malteser: Boeselager wieder Kanzler

Der Interims-Leiter des Malteserordens, Ludwig Hoffmann-Rumerstein, hat den vom – inzwischen zurückgetretenen – Großmeister Matthew Festing abgesetzten Großkanzler Albrecht von Boeselager wieder in sein Amt eingesetzt.

Ad-limina-Besuche: Papst will lieber reden als Reden halten

Papst Franziskus setzt seit diesem Jahr bei den turnusmäßigen Besuchen von Bischofskonferenzen aus der Weltkirche auf freie Gespräche hinter verschlossenen Türen.

Personalprälatur für Piusbrüder?

Italienischen Medien zufolge rückt eine Einigung der traditionalistischen Piusbrüder mit dem Vatikan in Sichtweite.

Urteil zu Kircheneinbrüchen von Salafisten

Das Landgericht Köln sprach am 30. Jänner ein Urteil gegen acht mutmaßliche Salafisten, denen die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen wird.

Marx verteidigt Merkels „unaufdringlichen Glauben“

Kanzlerin Angela Merkel hat am 1. Februar in Stuttgart den Eugen-Bolz-Preis erhalten.

Athener Synode betont in Hirtenbrief Katholizismus als Häresie

Angesichts der Agitation von Laientheologen und Mönchen, aber auch einzelnen Bischöfen gegen das Panorthodoxe Konzil von Kreta im Juni 2016 und seine Beschlüsse hat der Heilige Synod der Orthodoxen Kirche von Griechenland Ende Jänner einen Hirtenbrief an alle Gläubigen gerichtet. In ihm werden die Gültigkeit dieser „Heiligen und Großen Synode der Orthodoxie“ sowie die Richtigkeit ihrer Dekrete verteidigt.

Viel Streit um „die Freude der Liebe“

Um neue Ansätze in der Familienseelsorge geht es im Papstschreiben „Amoris laetitia“. Doch die Diskussion hat sich festgebissen an der Frage des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene. Skeptiker sprechen von einem „faktischen Schisma“, das sich entlang der Frage der Unauflöslichkeit der Ehe durch die Weltkirche ziehe.

Franziskus: Benedikt XVI. hat das „Gedächtnis eines Elefanten“

In einem Interview kam Papst Franziskus auch auf Benedikt XVI. (89) zu sprechen. Sein Amtsvorgänger habe das „Gedächtnis eines Elefanten“, sagte Franziskus. Wenn er ihm etwas erzähle, korrigiere ihn der emeritierte Papst oft und sage: „Das war nicht in diesem Jahr, sondern in jenem Jahr“.

Zahl der Straßenkinder steigt weltweit

Anlässlich des „Tags der Straßenkinder“ am 31. Jänner hat die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt verstärkte Anstrengungen gefordert, um zu verhindern, dass Minderjährige – darunter Flüchtlingskinder – auf der Straße landen.

P. Federico Lombardi: „Angst vor Imageschäden falscher Weg“

„Es ist besser, in einem juristischem Verfahren die Wahrheit zu suchen, als ein Verfahren aus Angst vor möglichen Imageschäden abzubiegen“: Das hat der frühere Vatikansprecher P. Federico Lombardi am 2. Februar bei einer Buchpräsentation zu den Dokumenten des Vatileaks-II-Prozesses im Vatikanischen Pressesaal hervorgehoben.

Sorge um Christen im Sudan

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wirft dem Sudan vor, Christen aufgrund ihres Glaubens zu diskriminieren und in ihrer Religionsfreiheit zu verletzen.

Papst: Christliche Hoffnung ist nicht wie der Wetterbericht

Für Christen ist Hoffnung laut Papst Franziskus nicht so etwas Unsicheres wie der Wetterbericht. Man hoffe zwar immer auf schönes Wetter, aber man wisse zugleich, dass es oft schlechtes Wetter gebe, sagte er am 1. Februar bei seiner Generalaudienz in der vatikanischen Audienzhalle.

Angriffe auf Kirchen in Venezuela

Die Venezolanische Bischofskonferenz sieht hinter den jüngsten Attacken gegen Kirchen eine gesteuerte Aktion.

Die „Kathpress“ ist die wichtigste Medieneinrichtung der katholischen Kirche  in Österreich

Die „Kathpress“ ist die Basis der Berichterstattung katholischer Medien und wird auch von den säkularen Medien hochgeschätzt.

Heinz Fischer bei Kirchenevent: Bedeutungsverlust von SPÖ und ÖVP

„Die Rolle der traditionell großen Parteien SPÖ und ÖVP als Meinungsbildnerinnen nähert sich dem Null-Punkt“.

Neues Buch von Wiener Ordensfrau auf „Spiegel“-Bestsellerliste

Einen literarischen Überraschungs-Coup landete die Theologin, Seelsorgerin und Ordensfrau Melanie Wolfers: Mit ihrem neuen Buch „Freunde fürs Leben. Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein“ landete sie als Neueinsteigerin auf Platz 30 der begehrten „Spiegel“-Bestsellerliste in der Rubrik Sachbuch.

Ungarn: 10 Jahre kirchliches Romazentrum „Ceferino-Haus“ in Vac

Das Leben als Roma „soll Segen und kein Fluch sein“: Das hat der Verantwortliche für die Roma-Pastoral in der Ungarischen Bischofskonferenz, Weihbischof Janos Szekely, aus Anlass der Feier zum 10. Jahrestag der Gründung des Ceferino-Hauses in Vac betont.

Ein Mann der ersten Stunde

Am 4. Oktober 1970 weihte Bischof Franz Zak vier Männer nach einer zweijährigen Ausbildung in St. Pölten zu „ständigen Diakonen“. Karl Stupka, der einzige noch Lebende, vollendet im Februar das 85. Lebensjahr.

Leitartikel

Wenig Eile, schnell eins zu werden

Gerade erst ist die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen zu Ende gegangen. Da vernimmt man aus Athen Verstörendes. Die griechisch-orthodoxe Synode erinnert amtlich daran, dass alles das gelte, was schon vor 400 Jahren festgestellt wurde: Katholiken und Protestanten sind Ketzer!
Allerdings: Ärger gab es vor nicht allzu langer Zeit auch bei Orthodoxen und Protestanten. Unter Johannes Paul II. wurde 2000 die Erklärung „Dominus Jesus“ veröffentlicht. Darin wird unterschieden zwischen der „einen einzigen Kirche Christi, die in der katholischen Kirche subsistiert“ und all den anderen. Die Orthodoxen könne man, obwohl sie den Primat des Papstes nicht anerkennen, als „Teilkirchen“ betrachten, die Protestanten hingegen nicht einmal als solche, sondern nur als „kirchliche Gemeinschaften“. 2007 bestätigte Benedikt XVI. diese Version.
Dessen ungeachtet zeigte sich Kardinal Walter Kasper, der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, in der Vorwoche bei einem Vortrag in Deutschland überaus optimistisch. Die Spaltung des Christentums könne bald überwunden werden. Theologische Differenzen bei der Ämterfrage und der Kommunionzulassung seien lösbar.
Kaspers Wunsch in Gottes und seiner Hierarchen Ohr! Zu viele heilige Herrscher haben es nicht allzu eilig, Jesu Wunsch „Alle sollen eins sein!“ Wirklichkeit werden zu lassen.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Sir 15, 15-20 (16-21)

Keinem gebietet er zu sündigen

Gott gab den Menschen seine Gebote und Vorschriften. Wenn du willst, kannst du das Gebot halten; Gottes Willen zu tun ist Treue. Feuer und Wasser sind vor dich hingestellt; streck deine Hände aus nach dem, was dir gefällt. Der Mensch hat Leben und Tod vor sich; was er begehrt, wird ihm zuteil. Überreich ist die Weisheit des Herrn; stark und mächtig ist er und sieht alles. Die Augen Gottes schauen auf das Tun des Menschen, er kennt alle seine Taten. Keinem gebietet er zu sündigen, und die Betrüger unterstützt er nicht.

 

Zweite Lesung:   1 Kor 2, 6-10

Wir verkündigen die Weisheit, die Gott vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung

Schwestern und Brüder!
Wir verkündigen Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden. Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung. Keiner der Machthaber dieser Welt hat sie erkannt, denn hätten sie die Weisheit Gottes erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes.

 

Evangelium:   Mt 5, 17-37

Zu den Alten ist gesagt worden – ich aber sage euch

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich. Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gebe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, so lange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt. Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch. Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs. Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

 

Gedanken zum Sonntag

Ilse Oberhofer
Journalistin
Wien

Geht’s nicht leichter?

„Arthur, entscheide dich!“, sagt die Oma. „Man kann nicht alles haben“. Arthur ist mein Enkel, 16 Monate alt – ja, und ER, der Arthur WILL ABER alles haben
Mit der rechten Hand schleppt er zwei Bücher zur Oma – in der Linken lässt er den angebissenen Apfel nicht los – und jetzt muss er auch noch mit einem Fuß den Ball kicken, den er eben entdeckt.
„Arthur entscheide dich“, sagt die Oma – aber da streut es den Arthur schon auf den Popsch und vor lauter Gier-Festhalten von all den Dingen tuts jetzt ein bissi weh. Auch als der Arthur wieder aufsteht – er ist schon sehr sicher unterwegs für sein Alter – will er seine „Beute“: Bücher und Apfel, weiter in der Hand halten. Mühsam!
„Vor dich hingelegt sind Feuer und Wasser, streck deine Hände aus, wonach du begehrst“ (Sir 15,15) – gut, das liest die Oma dem Arthur nicht vor, klingt auch ein bißchen brutal – und noch ist es für Belehrungen zu früh über Streit, Meineid, Ehebruch, und all die anderen Grauslichkeiten, die man anderen antun kann (Mt 5,17).
ABER die Quintessenz heißt: Entscheide dich – !
Lass los, was zu viel ist.
Lass den Ärger los, die Wut, den Streit, die Gier, das ewige „haben wollen, haben müssen“
Denk nach … prüf deine Entscheidungen (besser vorher – als nachher)
Der Arthur lacht! Ist ihm doch wirklich gelungen, aufzustehen und wieder beide Hände voll zu haben. Schon sucht er wieder den Ball zum Kicken.
Na ja, sagt die Oma, …demnächst wird’s dich wieder auf den Popsch hauen …

 

Information

Chaldäischer Patriarch besucht befreite Ninive-Ebene
Neuer „Marshall-Plan“ soll zerstörten Dörfern helfen

„Die Hoffnung kehrt in die Ninive-Ebene zurück“, berichtet der Nahost-Experte des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“. P. Andrzej Halemba hat alle irakischen christlichen Dörfer besucht, die im November aus den Händen des IS befreit worden sind. Mehr als fünfzig Prozent der Binnenflüchtlinge seien bereit zurückzukehren: „Und diese Zahl nimmt zu.“

Zwecks Wiederaufbau der zerstörten Dörfer ruft P. Halemba die internationale Gemeinschaft zu „einem neuen Marshall-Plan“ auf. Dieser war 1948 von den USA zum Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg initiiert worden.
Seit 2014 hat „Kirche in Not“ die Christen im Irak mit 26 Millionen Euro für Nothilfeprojekte, Schulausbildung, Nahrungsmittel und Lebensunterhalt für die Vertriebenen unterstützt.

Patriarch Sako besucht befreite Orte
Eine Delegation der chaldäisch-katholischen Kirche unter Leitung von Patriarch Mar Louis Raphael Sako hat die erst vor kurzem von der Regierungsarmee befreite Ninive-Ebene besucht.
Wie das chaldäische Patriarchat mitteilt, wurden auch erste Spenden der chaldäisch-katholischen Kirche im Umfang von insgesamt fast 500 Millionen Dinar (380.000 Euro) für den Wiederaufbau von Wohnungen und Kirchen bereitgestellt, die während der Herrschaft der IS-Terroristen beschädigt worden sind. Damit soll auch die Rückkehr der Flüchtlinge erleichtert werden, die im August 2014 nach dem Vormarsch der Terroristen fliehen mussten. Die Verwüstung sei vor allem in der Stadt Batnaya besonders groß. In Tel Kaif sei das Ausmaß der Schäden geringer.


Die zerstörte Kirche von Batnaya. 
Foto: Kirche in Not.

Muslime versteckten Christin
In Tel Kaif hatten die Regierungstruppen nach der Befreiung die 60-jährige Christin Georgette Hanna gefunden, die von einer muslimischen Nachbarsfamilie versteckt gehalten wurde.
Georgette war es im Juni 2014 nicht gelungen, mit anderen Christen aus Tel Kaif zu fliehen; seither war sie bei ihren muslimischen Nachbarn untergekommen, die sie in ihrer Wohnung versteckt hielten. Mit der Befreiung der Stadt aus der Hand der IS-Terroristen endete nach mehr als zweieinhalb Jahren auch die Isolation dieser irakischen Christin.

Bedrohlicher Winter
Jüngst besuchte Patriarch Sako al-Nour, 15 Kilometer von Mossul entfernt. Er wollte u.a. die Heilig-Geist-Kirche ansehen. Der für die Kirche zuständige Priester war ermordet worden. Besorgt äußerte er sich über die widrigen Umstände, denen die Flüchtlinge aus Mossul ausgesetzt sind: „Es ist wirklich sehr kalt. Die Leute bräuchten eigentlich irgendwelche Wärmequellen, aber die gibt es nicht. Viele dieser Menschen wohnen in Zelten. Es fehlt an Nahrungsmitteln, Medikamenten, Wasser. Eine sehr, sehr schwierige Situation.“

Zahl der Straßenkinder steigt weltweit

Anlässlich des „Tags der Straßenkinder“ am 31. Jänner hat die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt verstärkte Anstrengungen gefordert, um zu verhindern, dass Minderjährige – darunter Flüchtlingskinder – auf der Straße landen.

Durch die zunehmende Urbanisierung, die Millionen armer Familien in die Elendsviertel der Großstädte zieht, steigt in vielen Ländern die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die auf der Straße leben bzw. arbeiten. Zudem sind immer mehr Flüchtlingskinder dazu gezwungen, sich mithilfe von Betteln, dem Verkauf von kleinen Utensilien, Prostitution oder anderen Formen missbräuchlicher Kinderarbeit durchzuschlagen.


Zwei Straßenkinder in Chinnari. Die Zahl  der Straßenkinder in Indien wird auf 11 Millionen geschätzt.

Besserer Schutz auf UN-Ebene geplant
Staatliche Hilfsangebote und Schutzmaßnahmen für Straßenkinder sind selten. Stattdessen werden die Minderjährigen häufig kriminalisiert und wegen kleiner Vergehen hinter Gitter gesteckt. Das soll sich nun ändern, zumindest wenn es nach dem UN-Kinderrechtsausschuss geht, dessen Vizepräsidentin die Österreicherin Dr. Renate Winter ist: Im Frühjahr 2017 soll eine neue UN-Richtlinie („General Comment“) zu Straßenkindern beschlossen werden. „Es geht nicht darum, die Kinder unter allen Umständen von der Straße wegzubekommen, sondern darum, sie auf der Straße zu schützen, ihnen ihre Würde als Menschen zurückzugeben und ihnen zu helfen, ihr Leben zu ändern, wenn sie das wollen“, so Winter.

Heinz Fischer bei Kirchenevent: Bedeutungsverlust von SPÖ und ÖVP

„Die Rolle der traditionell großen Parteien SPÖ und ÖVP als Meinungsbildnerinnen nähert sich dem Null-Punkt“.


Dr. Heinz Fischer.

Diese Einschätzung hat Alt-Bundespräsident Heinz Fischer als Gast beim „Offenen Sozialstammtisch“ kirchlicher und gewerkschaftlicher Organisationen in Oberösterreich am 31. Jänner in Linz geäußert. Die junge Generation, aufgewachsen mit sozialen Medien, müsse sich ihren eigenen Weg suchen. „So ist das nun einmal mit der Geschichte“, gab sich Fischer laut einer Aussendung der Diözese Linz am Mittwoch illusionslos. Es war sein erster öffentlicher Auftritt nach der Angelobung seines Nachfolgers Alexander Van der Bellen.

Politik hat nicht alle Antworten
Entwicklungen wie Spaltungstendenzen in der Gesellschaft oder den mangelnden Tatendrang der Politik müsse man in einem größeren Zusammenhang sehen. Zu Anfang der Zweiten Republik habe es ein „Aufatmen“ in Österreich gegeben, ein allgemeines Gefühl von Aufschwung und Hoffnung. Das lasse sich nicht ewig aufrechterhalten, meinte Fischer: „Die Politik hat nicht alle Antworten – und das ist gut so. Nur totalitäre Regime behaupten, alle Probleme lösen zu können.“ Laut seiner Erfahrung – so der Ex-Präsident – bringen Lösungen immer wieder neue Probleme mit sich, „auch wenn wir langsam vorwärtskommen, um eine bessere Welt zu schaffen“.
Im Blick auf die USA sagte Fischer, wie für viele andere Europäer sei für ihn Donald Trumps Agieren „alarmierend“. Zugleich verwies er aber auf die Allgemeingültigkeit von demokratischen Wahlen.

Aichern: Zuerst ist man Mensch“
Begrüßt worden im Linzer Cardijn-Haus war Fischer von einem anderen Emeritus – vom Linzer Altbischof Maximilian Aichern, mit den Worten: „Zuerst ist man Mensch, und dann erst kommt alles andere. Du warst immer ein Mann, mit dem man reden konnte, der ein offenes Ohr gehabt hat für die Anliegen der einfachen Leute.“ Trotz extremen Glatteises waren knapp 100 Menschen gekommen, um den angesehenen Politiker zu hören.

Neues Buch von Wiener Ordensfrau auf „Spiegel“-Bestsellerliste

Einen literarischen Überraschungs-Coup landete die Theologin, Seelsorgerin und Ordensfrau Melanie Wolfers: Mit ihrem neuen Buch „Freunde fürs Leben. Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein“ landete sie als Neueinsteigerin auf Platz 30 der begehrten „Spiegel“-Bestsellerliste in der Rubrik Sachbuch.

Damit rangiert ihr Buch, das sich mit einem Plädoyer für eine neue Kultur der Wertschätzung gegen eine gesellschaftliche Tendenz der Selbstoptimierung und permanenten Leistungssteigerung wendet, u.a. vor Titeln wie „Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen“ (Samuel Schirmbeck), „Martin Luther“ (Heinz Schilling) und „Der Kämpfer im Vatikan“ (Andreas Englisch). Vor Wolfers rangiert u.a. das Buch „Himmel, Herrgott, Sakrament“ von Rainer Maria Schießler.


Schwester Melanie Wolfers.

„Freundschaft mit mir selbst“
In ihrem Buch, das seit vier Monaten auf dem Markt ist, attestiert Wolfers den westlichen Gesellschaften eine permanente und heillose Überforderung, die in Folge zu Depressionen und Burnout führt: „In unserer westlichen Kultur erfährt sich der Mensch als chronisch ungenügend und unzureichend“, so die Ordensfrau im „Kathpress“-Interview. Ein möglicher Ausweg liegt laut Wolfers darin, „Freundschaft mit mir selbst“ zu schließen und sich so vom „Damoklesschwert, den Anforderungen nicht zu genügen“, zu befreien. Das überzogene „Ego-Tuning“ wurzle jedoch in einer tiefer gehenden „spirituellen Krise“ und einer „geistigen Not“.

Religion bietet Antwort
Eine Antwort biete u.a. die Religion, da sie dem Menschen das Gefühl des Angenommen-Seins vermittle und ihn zugleich motiviere, gesellschaftliche Strukturen so zu verändern, dass ein Leben in Achtsamkeit gelingen könne: „Mit einem Plädoyer für die Freundschaft mit sich selbst will ich Menschen nicht fit machen, um reibungsloser in den Strukturen zu funktionieren und die Probleme besser kompensieren zu können. Vielmehr können Menschen mit einer guten Selbst-Beziehung kraftvoll und entschieden handeln und sich gut mit anderen vernetzen, um Strukturen zu verändern.“

Vom Meer an die Donau
Melanie Wolfers stammt aus Norddeutschland, 18 Jahre lebte sie am Meer. Sie studierte Theologie und Philosophie in Freiburg und München und arbeitete anschließend als Hochschulseelsorgerin in München. 2004 trat sie in den Orden der Salvatorianerinnen in Österreich ein. Seitdem lebt und arbeitet die 45-Jährige u.a. als Seelsorgerin, Beraterin und Autorin in Wien.
Das Buch „Freunde fürs Leben. Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein“ von Sr. Melanie Wolfers ist im adeo-Verlag erschienen und kostet 16,99 Euro.