Inhalt der gedruckten Ausgabe 06/2017

Leitartikel

Die Welt – ein großes Dorf

Zum Sonntag

Schrifttexte

Gedanken zum Sonntag

Ass.-Prof. Dr. Frank Walz
Liturgiewissenschaftler und Diakon
Salzburg

Information

Neuer Höhepunkt im Kampf zwischen Freunden und Gegnern des Papstes:
Nach Absetzung seines Kanzlers muss Malteser-Großmeister zurücktreten

Der Großmeister des Malteserordens, Matthew Festing (67), ist von Papst Franziskus zum Rücktritt aufgefordert worden und hat daraufhin sein Amt niedergelegt. Im Streit um die Absetzung von Malteser-Ordenskanzler Boeselager hatte er zuletzt die Zusammenarbeit mit den päpstlichen Ermittlern verweigert.

Gründerin des Frauenhilfswerks „Solwodi“  wird 80

Die Gründerin des Frauenhilfswerks „Solwodi“, Schwester Lea Ackermann, wird am 2. Februar 80 Jahre alt. Zu dem runden Geburtstag richtet das Hilfswerk einen Festakt in Boppard-Hirzenach aus, an dem der Trierer Bischof Stephan Ackermann und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) teilnehmen.

Differenzen um Innsbrucker Bischofsernennung

Bereits seit mehr als einem Jahr wartet die Diözese Innsbruck auf einen neuen Bischof.

Oxford-College will Jesus ohne Geschlecht: „Kind Gottes“

Eine inklusive Sprache auch in der Rede über Gott wünscht sich ein anglikanisches Theologie-College in Oxford.

Christuskreuz stört

Für einen stärkeren Absatz von Fanartikeln im arabischen Raum nimmt der spanische Fußballverein Real Madrid eine Änderung des Vereinslogos in Kauf.

Serbischer Bischof dankt Österreich für Unterstützung

Seinen Dank für das Vertrauen und die großzügige Hilfe der kommunalen und staatlichen Behörden wie auch der anderen christlichen Kirchen gegenüber der serbisch-orthodoxen Kirche hat Bischof Andrej (Cilerdzic) beim Neujahrsempfang seiner Kirche zum Ausdruck gebracht.

Papst Franziskus will in der Kirche offene Diskussionen,  nicht Steine aus dem Hinterhalt

Vor dem Hintergrund anhaltender Debatten über den Kurs der katholischen Kirche hat sich Papst Franziskus für offene Diskussionen bei unterschiedlichen Meinungen ausgesprochen.

Alt-Bundespräsident als Gastprediger in evangelischer Kirche:
Zur Überzeugung stehen wie Luther, Galilei und Kreisky

Der beste Schutz für die Gewissensfreiheit ist eine Demokratie auf Grundlage der Menschenrechte. Diesen Gedanken stellte Alt-Bundespräsident Heinz Fischer in das Zentrum seiner Gastpredigt am 22. Jänner in der evangelischen Markuskirche in Wien-Ottakring.

Merkel hält Religionsunterricht heute für besonders wichtig

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält den Religionsunterricht in den Schulen für unverzichtbar. Sie sei der Meinung, dass dieser „in unseren heutigen Zeiten eher wichtiger als weniger wichtig ist“, sagte sie am 22. Jänner beim Diözesanempfang im bayerischen Würzburg.

„US-March for Life“ erstmals mit einem US-Vizepräsidenten

Zehntausende meist junge Katholiken nahmen am 27. Jänner in Washington am diesjährigen „Marsch für das Leben“ teil. Mit Mike Pence hat erstmals ein Vizepräsident an der größten jährlich wiederkehrenden Protestaktion der Vereinigten Staaten teilgenommen. Sie wendete sich gegen die Legalisierung der Abtreibung vor 40 Jahren.

US-Bischöfe gegen Mauerbau

Die US-Bischöfe haben den geplanten Mauerbau an der 3.100 Kilometer-Grenze zu Mexiko kritisiert.

Papst Franziskus: Donald Trump an seinen Taten messen

Der neu vereidigte US-Präsident Donald Trump soll nach Meinung von Papst Franziskus an seinen Taten gemessen werden statt an seinen Worten.

Pastor Trumps hält katholische Kirche für Gründung Satans

Der „Pastor Trumps“ denkt, dass die katholische Kirche „satanischen“ Ursprungs ist.

Patriarch Kyrill sprach im Moskauer Parlament

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. hat in einer Rede vor dem Parlament die Unabhängigkeit seiner Kirche vom Staat betont.

Hohe Ehrung für verstorbenen Leiter des österreichischen Neokatechumenats

Hohe Ehrung für den verstorbenen Verantwortlichen des Neokatechumenalen Weges in Österreich, Giovanni Guggi.

Superintendent Lehner: Auch II. Vaticanum war „Reformation“

Zu einem neuen Verständnis von Reformation hat der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner aufgerufen. Reformation sei kein singuläres Ereignis, sondern ein Entwicklungsprozess sowie auch Anstoß für die Gegenwart und Zukunft, sagte er am 24. Jänner bei einem Festvortrag im Linzer Priesterseminar.

Dialog in Venezuela bisher gescheitert: Papst schaltet sich ein

Der Papst ist lateinamerikanischen Medien zufolge tief besorgt über das bisherige Scheitern des Dialogs in Venezuela und hat deshalb Nuntius Erzbischof Aldo Giordano beauftragt, die Gespräche in einem neuen Format wieder zu starten.

Wien: Caritas betreibt ersten Supermarkt für Langzeitarbeitslose

20 Transitarbeitsplätze für Langzeitarbeitslose bietet die Caritas Wien jetzt in einem Supermarkt in der Quellenstraße 185 in Wien-Favoriten. Er wird in Kooperation mit dem AMS Wien und der Firma „Spar“ als sozialökonomischer Betrieb geführt.

Malteser: Vom Ritter- zum Sozialorden

Der Malteserorden war ursprünglich eine von Kaufleuten aus dem süditalienischen Amalfi begründete Hospitalbruderschaft, die in Jerusalem wirkte.

Abbe Pierre bleibt unvergessen

Zu dessen zehntem Todestag am 22. Jänner hat Frankreich den „Vater der Obdachlosen“, Abbe Pierre (1912-2007), geehrt. Landesweit gab es zahlreiche Veranstaltungen.

Leitartikel

Die Welt – ein großes Dorf

Der neue US-Präsident sorgt gleich in seinen ersten Amtstagen für Spaltung auch in der katholischen Kirche seines Landes.
Die einen jubeln, dass er Organisationen kein Geld mehr geben will, die im Ausland Abtreibungen anbieten. Und dass er das US-Repräsentantenhaus ein Gesetz beschließen ließ, angesichts von 57 Millionen Abtreibungen seit 1973 kein US-Steuergeld für Abtreibungen mehr zur Verfügung zu stellen.
Andere sind entsetzt über sein Lob von Foltermethoden, das Abschaffen von Obamacare und den Plan eines Mauerbaus gegen Migranten aus Mexiko. Was, wenn einst die Ur-Amerikaner Trumps Vorfahren nicht ins Land gelassen hätten?
In Europa ist man bestürzt, weil Trump zum Austritt aus der EU auffordert. Was, wenn Europäer amerikanische Bundesstaaten zum Verlassen der USA ermutigen würden?
Auch das „America first“ stößt vielen sauer auf. Klar, dass jeder Politiker sich zuerst jenen verpflichtet fühlt, von denen er gewählt worden ist. Doch, ob nur ein radikales „Auf sich selbst schauen“ den Eigenen am meisten nützt?
In unserer Welt kann niemand als Einsiedler leben, auch kein Staat. Man braucht einander.
Natürlich sorgt sich jeder Familienvater zuerst um sein eigenes Haus. Doch jeder weiß, den Kindern ist nicht gedient, wenn man mit allen anderen im Dorf zerstritten ist.

P. Udo

 

 

Schrifttexte

Erste Lesung:   Jes 58, 7-10

Wenn du den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf

So spricht der Herr: Teile an die Hungrigen dein Brot aus, nimm die obdachlosen Armen ins Haus auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und entziehe dich nicht deinen Verwandten. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.

 

Zweite Lesung:   1 Kor 2, 1-5

Ich habe euch das Zeugnis Gottes verkündigt: Jesus Christus, den Gekreuzigten

Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch. Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.

 

Evangelium:   Mt 5, 13-16

Euer Licht soll vor den Menschen leuchten

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

 

Gedanken zum Sonntag

Ass.-Prof. Dr. Frank Walz
Liturgiewissenschaftler und Diakon
Salzburg

Licht und Salz

Als Kind wurde ich oft gefragt, WEM ich denn gehöre – gemeint war wohl ZU WEM ich wohl gehöre – und ich nannte die Namen meiner Eltern, manchmal auch noch jene meiner Großeltern. Damit war ich dann in gewisser Weise „eingeordnet“…
Das heutige Tagesgebet erinnert uns daran: „Gott unser Vater, wir sind DEIN Eigentum und setzen unsere Hoffnung allein auf DEINE Gnade…“ – wir sind hier nicht mehr als Kinder, sondern als Erwachsene angesprochen, als mündige ChristInnen, die zu Gott gehören, sich in diesen Kontext eingeordnet haben und aus deren Verhalten dies auch sichtbar werden soll!
Daran knüpfen die Lesungen des 5. Sonntags im Jahreskreis an. Der Prophet Jesaja greift das zentrale Heils-Motiv des Volkes Israel auf, den  Exodus, den Auszug aus der Sklaverei und er aktualisiert dieses Geschehen in einer bemerkenswert konkreten Art und Weise: „Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest…, dann geht im Dunkel dein Licht auf…!“ (Jes 58, 10) Das Ende der Unterdrückung geschieht also in der Zuwendung zum Mitmenschen und Paulus ergänzt in der zweiten Lesung: …in Schwäche und in Furcht…aus der Kraft Gottes!
Das ist unsere Berufung als Christen, das ist unser Kontext, in der Nachfolge Jesu Christi Unterdrückungen aufzudecken, lebensfeindliche Strukturen aufzubrechen, wie das Matthäus-Evangelium schreibt: Licht zu sein und Salz in der Welt. Und niemand soll sagen, es käme nicht auf ihn an, auf das kleine Rädchen im Getriebe, im Gegenteil: Das kleine Körnchen Salz und das kleine Flämmchen Licht sind es, die unserem Leben Geschmack und Geborgenheit geben und die erkennen lassen, dass wir ZU IHM gehören!

 

Information

Neuer Höhepunkt im Kampf zwischen Freunden und Gegnern des Papstes:
Nach Absetzung seines Kanzlers muss Malteser-Großmeister zurücktreten

Der Großmeister des Malteserordens, Matthew Festing (67), ist von Papst Franziskus zum Rücktritt aufgefordert worden und hat daraufhin sein Amt niedergelegt. Im Streit um die Absetzung von Malteser-Ordenskanzler Boeselager hatte er zuletzt die Zusammenarbeit mit den päpstlichen Ermittlern verweigert.

Interimistischer Nachfolger Festings ist der Österreicher Fra Ludwig Hoffmann-Rumerstein (80). Der Innsbrucker studierte nach der Matura 1957 Rechtswissenschaften in Österreich und nach dem Lizenziat Philosophie an der Gregoriana in Rom. 1970 trat er in den Malteserorden ein und legte 1984 die ewigen Gelübde ab. 1968 war er Mitbegründer des Malteser-Hilfsdienstes Tirol, ab 1984 Mitglied des Souveränen Rates.


Fra Ludwig Hoffmann-Rumerstein.

Festing hatte die Entlassung Boeselagers im Dezember mit „schwerwiegenden Problemen“ begründet, die während Boeselagers Zeit als Verantwortlicher für die Koordination der humanitären Hilfe des Ordens aufgetreten seien. Angeblich soll die Verteilung von Kondomen durch Malteser International konkreter Anlass für die Amtsenthebung gewesen sein.
Die päpstlichen Ermittler kamen laut Medienberichten zu dem Ergebnis, dass die Anschuldigungen gegen Boeselager unzutreffend seien.

Deutsche danken dem Papst
Die deutsche Assoziation des Malteserordens lobte unterdessen die Rolle des Vatikans in dem Streit. „Wir sind überaus dankbar, dass der Heilige Stuhl dem Orden in dieser Verfassungskrise so schnell und sicher geholfen hat“, sagte der Kanzler des deutschen Zweiges, Stephan Spies von Büllesheim. Auf die Frage, ob Boeselager weiter Großkanzler sei, sagte er: „Der Papst hat Herrn von Boeselager in Schreiben weiterhin als Großkanzler bezeichnet – und nicht als ehemaligen Großkanzler.“

„Ultrakonservative Hardliner“
Aus Sicht der deutschen Malteserritter handelt es sich um einen Konflikt zwischen Konservativen und Progressiven. Der Präsident der deutschen Assozia-tion des Malteserordens, Erich von Lobkowicz, sprach von einem „Kampf zwischen all dem, was Papst Franziskus repräsentiert, und einer kleinen Clique von ultrakonservativen Hardlinern“.
Kardinal Raymond Leo Burke, der prominenteste Kritiker des Papstes unter den Kardinälen, ist seit November 2014 Kardinalpatron des Ordens und damit für dessen geistliches Profil verantwortlich.

Papst Franziskus will in der Kirche offene Diskussionen,  nicht Steine aus dem Hinterhalt

Vor dem Hintergrund anhaltender Debatten über den Kurs der katholischen Kirche hat sich Papst Franziskus für offene Diskussionen bei unterschiedlichen Meinungen ausgesprochen.

In einem Interview mit der spanischen Tageszeitung „El Pais“ sagte der Papst, jeder habe ein Recht, nicht mit ihm einer Meinung zu sein. „Wenn ich ein Problem mit abweichenden Meinungen hätte, läge darin der Keim zu einer Diktatur“, erklärte er.
Über Vertreter abweichender Meinungen innerhalb der Kirche sagte Franziskus: „Sie haben ein Recht zu denken, dass der Weg gefährlich ist und zu schlechten Ergebnissen führen könnte. Aber sie sollten das im Dialog äußern und nicht Steine aus dem Hinterhalt werfen.“
Der Papst betonte, er wünsche sich mehr offene Debatten, weil diese die Kirche verbesserten und brüderlicher machten. Notwendig sei aber eine Diskussion mit lauteren Absichten und nicht mit übler Nachrede. Über sein eigenes Wirken als Papst sagte Franziskus: „Ich bin kein Heiliger. Ich mache keine Revolution. Ich versuche, dafür zu sorgen, dass das Evangelium vorankommt. Aber das mache ich nicht perfekt, denn manchmal komme ich ins Schleudern.“

Kardinäle verteidigen Papst
Der Washingtoner Kardinal Donald Wuerl hat sich genötigt gesehen, in einem Brief an die Priester seiner Erzdiözese die Aussagen des päpstlichen Schreibens „Amoris laetitia“ zu wiederverheirateten Geschiedenen zu verteidigen. Der Papst weiche nicht von der Lehre der Kirche ab.
Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes betont in seinem, in der vergangenen Woche erschienenen Buch „Große Ziele von Papst Franziskus“, dass das umfassendste Ziel des Papstes die Reform der Kirche sei.

Alt-Bundespräsident als Gastprediger in evangelischer Kirche:
Zur Überzeugung stehen wie Luther, Galilei und Kreisky

Der beste Schutz für die Gewissensfreiheit ist eine Demokratie auf Grundlage der Menschenrechte. Diesen Gedanken stellte Alt-Bundespräsident Heinz Fischer in das Zentrum seiner Gastpredigt am 22. Jänner in der evangelischen Markuskirche in Wien-Ottakring.

Anlass für das außergewöhnliche Ereignis ist eine Predigtreihe der lutherischen Gemeinde im Blick auf 500 Jahre Reformation. Ausgangspunkt für Fischers Predigt von der Kanzel aus war das Luther zugeschriebene Zitat: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Der Reformator soll sich 1521 mit diesen Worten gegenüber dem Reichstag zu Worms auf sein Gewissen berufen und die Widerrufung seiner Lehren verweigert haben.
Fischer erinnerte daran, dass auch andere ihrer Überzeugung nicht abgeschworen haben, etwa Galileo Galilei oder Bruno Kreisky. Der spätere Bundeskanzler Bruno Kreisky wurde 1934 wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet und des Hochverrats angeklagt. Kreisky habe damals im Prozess zu seinen Überzeugungen gestanden und ist deswegen zu einem Jahr Kerker verurteilt worden.


Alt-Bundespräsident Fischer bei seiner Predigt
in der Markuskirche in Wien-Ottakring.

Religion gibt Antworten
Fischer, der in der Groer-Ära aus der katholischen Kirche ausgetreten ist und keiner Religionsgemeinschaft angehört, betonte, dass er den Wert der Religion bereits in der Schulzeit schätzen gelernt habe: „Religion ist etwas, was es in allen Kulturen, in allen Phasen der Menschheitsgeschichte gibt.“ Es sei ganz natürlich, sich selbst existenzielle Fragen zu stellen und es sei selbstverständlich und logisch, dass Religion Antworten darauf geben könne. Er selbst habe bereits viele großartige Menschen kennen gelernt, die religiös seien.

Wien: Caritas betreibt ersten Supermarkt für Langzeitarbeitslose

20 Transitarbeitsplätze für Langzeitarbeitslose bietet die Caritas Wien jetzt in einem Supermarkt in der Quellenstraße 185 in Wien-Favoriten. Er wird in Kooperation mit dem AMS Wien und der Firma „Spar“ als sozialökonomischer Betrieb geführt.

Die derzeit sehr hohe Arbeitslosigkeit in Österreich erfordere kreative Neuansätze; Projekte wie der erste Supermarkt dieser Art in Wien würden hier „Perspektiven schaffen“, betonte Caritas-Wien-Generalsekretär Klaus Schwertner bei der Präsentation des Projekts. „Menschen, die sonst schwer am ersten Arbeitsmarkt unterkommen, bekommen hier eine Chance und können zeigen, was in ihnen steckt.“


20 langzeitarbeitslose Frauen und Männer arbeiten im neuen Spar-Markt im 10. Bezirk in Wien.
Foto: Caritas.

1,8 Millionen Euro
Laut AMS-Landesgeschäftsführerin Petra Draxl ist ein Sozialökonomischer Betrieb für viele Menschen, die lange aus dem Erwerbsleben ausgestiegen waren, „der richtige Weg, um wieder Fuß zu fassen“.
Betriebliche Kooperationen wie jene mit „Spar“ halte das AMS für zukunftsweisend, weil sie den Betroffenen den Einstieg in einen Top-Betrieb erleichtern, der ihren weiteren Weg unterstützt.“
Budgetiert für das Projekt seien 1,8 Millionen Euro pro Jahr, erklärte Draxl der APA. Dass sich der Shop nicht selbst trägt, liege u.a. daran, dass hier wesentlich mehr Personal eingestellt sei als in herkömmlichen „Spar“-Märkten.

Kooperationen auch in anderen Bundesländern
„Der ‚Spar‘ in der Quellenstraße ist der einzige Markt, in dem ich mir eine hohe Mitarbeiter-Fluktuation wünsche – wer hier aufhört, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen zukunftssicheren Job gefunden“, sagte Geschäftsführer Alois Huber. Er betonte, dass in anderen Bundesländern bereits länger solche Kooperationen laufen. So werden nach dem selben Modell drei Filialen in Oberösterreich und je eine in Kärnten und der Steiermark geführt. Schwertner hofft, dass es auch in Wien noch mehr werden.
Das Projekt funktioniert gewissermaßen nach dem Franchise-Modell: Nicht „Spar“ selbst, sondern die Caritas fungiert als Betreiberin der Filiale. Neben dem Warenangebot aus Markenartikeln und „Spar“-Eigenmarken führt das Geschäft auch Produkte aus anderen Caritas-Projekten.
470.000 Menschen (oder 10,3 Prozent) waren im Dezember 2016 in Österreich erwerbslos gemeldet. Dem stehen 42.000 offene Stellen gegenüber.